Samstag, 14. Dezember 2019

Musikalisches Immergrün – Die besten Disney-Songs der Dekade (Teil II)

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Los geht es, mit meinem musikalischen Rückblick auf das Disney-Jahrzehnt. Was die 2010er in der Welt der Disney-Musik von anderen Jahrzehnten abhebt? Nun, eine Sache sticht klar hervor: Irgendwie standen die Welten in den Jahren 2010 bis 2019 Kopf. Einst war das Kino Disneys große Musical-Plattform, während etwa in den 1990er-Jahren die Trickserien eher abenteuerlicher Natur waren. Dank Dan Povenmire und Jeff 'Swampy' Marsh sah das im nun ausklingenden Jahrzehnt schon ganz anders aus: Phineas & Ferb und Schlimmer geht's immer mit Milo Murphy wurden die Disney-Fernsehserien musikalischer denn je. Auf der großen Leinwand dagegen mischten sich Musicals und Nicht-Musicals bunt durcheinander.


Platz 70:  Good To Be Bad aus Descendants 3
Musik und Text von Antonina Armato, Tim James, Thomas Sturges und Adam Schmalholz

Was die High School Musical-Trilogie in den 2000er-Jahren war, ist Descendants für die nun endende Dekade. Wie schon der Schulspaß mit Zac Efron, Vanessa Hudgens, Ashley Tisdale und Lucas Grabeel, ist auch die Descandants-Saga von Choreograf Kenny Ortega inszeniert, der hier noch bunter und noch schriller vorgeht. Teil drei lief seltsamerweise noch immer nicht in Deutschland (man hätte die neusten Geschichten der Schurken-Nachfahren doch an Halloween zeigen können?!), aber Good To Be Bad konnte ich trotzdem nicht entgehen. Der Song ist das, was passiert wenn man die "Happy Village"-Musical-Trope auf den heutigen Disney Channel anwendet, und eröffnet die Story des campigen Musicalabenteuers. Und das mit vereinzelten visuellen Rückgriffen auf die vorhergegangenen Teile.


Platz 69: Der Hai im Danville Hafen ("The Shark of Danville Harbor") aus Phineas & Ferb
Musik und Text von Jim Bernstein, Michael Diederich, Robert Hughes, Martin Olson und Dan Povenmire (dt. Fassung von Christine Roche, Ursula von Langen & Thomas Amper)

Stellt euch schonmal darauf ein, dieser Serie noch häufiger zu begegnen: Phineas & Ferb machte es sich zur (nahezu) granitharten Regel, mindestens einen Song pro Folge zu bieten. Und als für Disney-Verhältnisse erstaunlich langlebige Serie hat diese irre, mit Running Gags und Selbstironie bestückte Produktion halt allerhand Lieder zu bieten. Dieses Shanty über einen Monsterhai lehnt sich an Sink the Bismark von 1960 an. Der Song wiederum kommt in einer Blues Brothers-Deleted-Scene vor, und Blues Brothers gehört zu den Dutzenden von Filmen, auf denen in der Serie angespielt wird. In der Folge, aus der dieses Lied stammt, wird dagegen unter anderem auf Donald Duck und Fluch der Karibik angespielt. Ja, kein Wunder, dass sie zu meinen Lieblingsfolgen gehört ...


Platz 68: FroyoYOLO aus Live & Maddie
Musik und Text von Ron Hart und Eric Peter Goldman

Disney-Channel-Sitcoms sind leider so ziemlich Hit 'n' Miss, aber für Liv & Maddie habe ich wirklich eine Schwäche: Nicht nur, dass Dove Cameron sehr gut spielt, generell ist die Familie, um die sich die Serie dreht, zwar am Familiensitcom-Reißbrett entwickelt, doch mit mehr Pepp und Nuance umgesetzt als üblich. Und die Serie traut sich auch immer wieder an überraschend bissige Plots heran - wie etwa an voreiligen Onlinejournalismus und an toxische Online-Fandoms, die gegen Genderswap-Blockbuster sind (die Ghostbusters lassen grüßen). Die Serie hat auch eine (nicht immer konsequent durchgezogene, dennoch positiv auffallende) feministische Ader. Eine Folge, die sich damit auseinander gesetzt hat sowie mit der Frage "Pop mit Haltung oder knalliger Pop mit kreativ-aufwändigen Musikvideos?" hat sogleich zwei gute Songs zu bieten. Leider ist der inhaltlich mehr tragende Song dieser Episode, What a Girl is, nicht ganz so schmissig wie der (innerhalb der Serienwelt peinliche, auf metafiktionaler Ebene jedoch herrlich-parodistische) Zuckerpop FroyoYOLO, über den ich mich noch Jahre später beömmeln kann.


Platz 67: Alienherz ("Alien Heart") aus Phineas & Ferb
Musik und Text von Dan Povenmire und Martin Olson (dt. Fassung von  Christine Roche, Ursula von Langen & Thomas Amper)

Alienherz gehört zu den ausgewählten Songs aus Phineas & Ferb, zu denen Disney offiziell auch eine Demo-Version veröffentlicht hat, was allen Serienfans die Gelegenheit gibt, hinter den Entstehungsprozess zu blicken. Das Lied wird von Ferbs Vater und Phineas & Ferb in der Rolle der Retro-Band Max Moden and the Mainframes gesungen, womit der ruhige, unauffällige Lawrence versucht, seine Frau Linda (die in den 80ern ein Popstar war) davon zu überzeugen, dass auch er aufregend sein kann. Klingt nach Sitcom-Plot, wird aber mit dem üblichen, spritzigen Phineas & Ferb-Humor aufgepeppt. Die Szene umfasst unter anderem Rückgriffe auf die Folge rund um die Pinke (das Ende der Schnürsenkel), während der Song an Planet Claire der B-52s angelehnt ist. Der ist übrigens aus dem Jahr 1979 und ist somit älter als die meisten der Referenzen rund um Lindas Popkarriere. Ob Lawrence seiner Frau damit was beweisen wollte?


Platz 66: Ich will 'ne Frau mit 'ner Ritterrüstung (" I Want a Girl with a Suit of Armour") aus Schlimmer geht's immer mit Milo Murphy
Musik und Text von Danny Jacob (dt. Fassung von Michael Ernst)

Ich kann ein ganz simpler Mensch sein. Gib mir Disney, pack Hard Rock dazu, und ich denke: "Ach, geil, ein Disney-Song, der rockt." Und schon bin ich glücklich. So etwa geschehen bei Ich will 'ne Frau mit 'ner Ritterrüstung, einem fetzigen Loblied auf die in Mittelalteraufmachung daherkommende Pizzalieferantin und Ex-Babysitterin Veronica. Der Verfasser des Songs, Danny Jacob, hat übrigens hier und da in der Animationswelt seine Spuren hinterlassen: Der regelmäßige Hans-Zimmer-Kollaborateur arbeitete zusammen mit Elton John an DreamWorks' Trickkomödie Der Weg nach El Dorado, außerdem klampfte er in Shrek und verfasste Lieder für Lilo & Stitch: Die Serie, den Direct-to-DVD-Film Leroy & Stitch, für Kuzcos Königsklasse und für die herausragende Serie Kim Possible.

Fortsetzung folgt ...

Sonntag, 1. Dezember 2019

Musikalisches Immergrün – Die besten Disney-Songs der Dekade (Teil I)


In den vergangenen zehn Jahren hat sich der Disney-Konzern enorm gewandelt. Was 2003 beinahe Opfer einer feindlichen Übernahme durch Comcast geworden wäre und 2009 hoffte, dass Die Jagd zum magischen Berg ein Blockbuster werden könnte, ist mittlerweile der Platzhirsch im Kinogeschäft. Der 2009 noch mit gutem Glauben erhoffte, dritte Frühling für die Kunst des abendfüllenden Zeichentrickfilms blieb dennoch aus. Aber eine Sache hat sich auch in zehn Jahren nicht geändert: Musik ist ein essentieller Teil des Disneyzaubers.

Angefangen mit Steamboat Willie, der mit seinem bildsynchronen Ton die Kinozuschauer erstaunte und Micky zu Turkey in the Straw allerhand Schabernack treiben ließ, über die Silly Symphonys, die sich durch ihren mitunter nahezu lyrischen Musikgebrauch definierten, bis hin zu Schneewittchen und die sieben Zwerge, der Geburtsstunde dessen, was jahrzehntelang als Kern der Marke "Disney" aufgefasst wurde: Lange Zeichentrickmärchen für die ganze Familie, die einen mit ihren markanten, harmonischen Liederkompositionen für den Rest des Lebens begleiten. Auch abseits des Zeichentrickfilms setzte Walt Disney häufig auf die magische Macht der Musik, und so verwundert es wohl kaum jemanden, dass das mit Zeichentrickelementen versehene Musical Mary Poppins die erfolgreichste Realfilmproduktion zu Walts Lebzeiten wurde - und für zwei Jahrzehnte Disneys größter Realfilmhit blieb. Inflationsbereinigt ist Mary Poppins sogar weiterhin ungeschlagen - solange wir von Filmen der Marke Disney sprechen, denn Disneys (eingekaufte) Tochterfirmen haben so manchen Hit zu bieten, der noch größer ist.

Derweil hat in den vergangenen zehn Jahren eine Generation an Disney-Realfilmmusicals eine beeindruckende Entwicklung durch gemacht: Die poppigen Disney-Channel-Produktionen, die einst viele ältere Disney-Fans zur Verzweiflung gebracht haben, sind mittlerweile für einen ganzen Schlag an erwachsenen Disney-Fans genauso nostalgisches Wohlfühl-Klangfutter wie es einst die Songs aus der Disney-Renaissance für Leute in ihren Zwanzigern und Dreißigern waren. Und dieser Disney-Klangkosmos wächst und wächst: Wo einst Hannah Montana und High School Musical für Jubelschreie sorgten, sind schon längst Violetta und die Descendants durch die Gehörgänge marschiert.

Und selbst in den Disney-Freizeitparks ist es eine wahre Herausforderung einen Winkel zu finden, an dem man vor musikalischer Stimmungsmanipulation sicher ist - überall lauern Eigenkompositionen, stärker oder weniger stark umarrangierte Instrumentalversionen von populären Disney-Songklassikern und kurze Anleihen an obskurere Lieder, die selbst unter den stolzesten Disneyliebhabern weniger bekannt sind. Es ist, wie es ist: Disney wäre ohne seine Musik, und insbesondere ohne sein herausragendes Liedgut, nicht solch eine mächtige Institution. Das muss gar nicht erst groß ausdiskutiert werden, selbst die größten Verehrer der Non-Musicals Disneys werden da - vielleicht mürrisch - zustimmen.

Um den Wechsel von dieser zur nächsten Dekade zu zelebrieren, möchte ich euch in dieser Artikelreihe mitnehmen. Mit auf eine Reise quer durch Disneys beeindruckende Liedersammlung der Jahre 2010 bis 2019. Und ihr kennt es vielleicht noch von dieser Artikelreihe: Ich werde nicht chronologisch vorgehen, sondern den Reiseverlauf von meiner ganz persönlichen Hitliste abhängig machen.

Ich präsentiere also voller Stolz und ohne Scheu:

Musikalisches Immergrün - Die besten Disney-Songs der Dekade

Damit genug des Vorgeplänkels. Der Übersicht zu Liebe soll hiermit auch dieser Artikel sein Ende finden - und mit dem nächsten Beitrag in dieser Artikelreihe geht es dann endlich los und wir arbeiten uns langsam hoch bis hin zur Spitzenposition.

Ich hoffe ihr genießt diesen Countdown so sehr, wie ich die Arbeit an ihm.

Auf dann!