Sonntag, 31. Oktober 2010

Was zum Deibel?! Ron Clements' & John Muskers "Gevatter Tod"?!

Nein, ehrlich, was zur Hölle? Echt jetzt, Leute. Heute ist doch Halloween und nicht der 1. April, oder? Menschenskinder, kann mal jemand die Fetzen von meinem Hirn aufsammeln, die nun an der Decke kleben? Denn diese Meldung ist, wie der Amerikaner so schön sagt, "mind blowing".

Also, wo fangen wir an... Diesen Winter startet Rapunzel in den Kinos. Nächstes Jahr legen die Walt Disney Animation Studios mit Winnie Puuh nach. Für die Zukunft ist Ralph Reboot geplant, der mal Joe Jump hieß und angeblich von einer 80er-Videospielfigur handelt, die in die moderne Computerspielwelt tranferiert wird. Eine Verfilmung der Schneekönigin wurde geplant und wieder verworfen. King of the Elves wurde eingestellt, lebt aber einigen Meldungen zu Folge wieder.
Und Ron Clements und John Musker sollen laut Insidern an einem Konzept für den ungewöhnlichsten Film ihrer Karriere tüfteln. Ich ging von der Hitchock-Verneigung Fraidy Cat aus.

Weit gefehlt. Weit, weit gefehlt.

Laut Blue Sky Disney werkeln Ron Clements und John Musker, die Regisseure von Arielle, die Meerjungfrau, Aladdin, Hercules, Der Schatzplanet und Küss den Frosch an einer Verfilmung von Terry Pratchetts Scheinebwelt-Roman Gevatter Tod.

So, liebe Leute, sammelt eure Kinnlade mal wieder von der Tastatur herunter. Oh, ist da wer, der nur ahnungslos auf den Bildschirm starrt? Nun, Pratchett ist ein britischer Fantasyautor mit wundervollem, zuteil schwarzen Humor. Denkt an eine Art Douglas Adams für Fantasy. Ein toller Autor, wenn ihr ihn nicht kennt, schämt euch, geht in eine Ecke, wartet bis Dienstag, geht in eine Buchhandlung und schließt eure Wissenslücke. Oder öffnet jetzt in einem Fenster euren Online-Buchbezugspunkt des Vertrauens.

In Gevatter Tod, dem vierten Roman seines Scheibenwelt-Zyklus, gewinnt der Tod neues Interesse an der Menschheit, weswegen er ein kleines Mädchen adoptiert. Außerdem findet er im ungeschickten Bauerssohn Mort einen Lehrling, der ihm dabei helfen soll, die Toten in die jenseitige Welt zu führen.

Schreit doch geradezu nach einer Disney-Zeichentrickadaption, nicht wahr?

Sollte dieses Gerücht stimmen, dann werde ich schreien. Vor Glück und Freude. Denn so sehr ich Disneys Märchenmusicals auch liebe, bin ich ein steter Verfechter der "dunkleren" Seite Disneys sowie ein Befürworter von Abwechslung und Experimenten im Meisterwerke-Kanon. Clements und Musker schätze ich durchaus als die richtigen Regisseure für solch ein Vorhaben ein. Ich traue ihnen die ideale Balance zwischen Zynik und gesunder Albernheit für den Humor zu, den dieser Film benötigte. Trousdale/Wise hätte ich vom Gesamt-Tonfall, der mir vorschwebt, und aus handlungstechnischer Sicht vielleicht für noch treffender gehalten, aber diese Chance ist ja leider eh Geschichte, scheint mir. Blue Sky Disney weist natürlich darauf hin, dass man keine zu strikte Verfilmung erwarten sollte, aber das ist halt weiterhin ein Disney-Meisterwerk. Und damit sage ich nicht, dass Pratchett und Disney nicht zusammenpassen, sondern dass ich von Adaptionen aus den Disney-Trickstudios eigentlich sogar künstlerische Freiheiten erwarte.

Disneys Gevatter Tod. Ich höre jetzt schon die Marketingabteilung vor Schmerzen heulen und kreischen. :-)

Lordi: Babez for Breakfast

Zwei Jahre ist es mittlerweile schon her, dass die monströse Finnentruppe Lordi mit Deadache ihr erstes Studioalbum nach dem sensationellen Sieg beim Eurovision Song Contest auf den Markt brachte. Die Reaktionen auf das Album waren, soweit ich das richtig überblicken kann, äußerst wohlwollend, doch dem vierten Lordi-Album gelang es nicht, einen so bleibenden Eindruck zu hinterlassen, wie es der erfolgreichere (und glattere) Vorgänger The Arockalypse leistete.

Babez for Breakfast brennt sich allein schon beim ersten Augenkontakt mit der CD-Hülle stärker ins Gedächtnis ein als Deadache (vorausgesetzt natürlich, man kauft weiterhin CDs und ist nicht völlig im Zeitalter der digitalen Downloads angelangt). Statt eines vollkommen unauffälligen, grau-grauen Monstercovers wartet eine pralle Brust, an der sich ein nackter Mr. Lordi jr. labt. Es ist kein hübsches Cover, auch nicht ein wirklich stylisches, aber es prägt sich ein und strahlt auch den markanten Humor Lordis aus, der einem bislang auf den Titelblättern verheimlicht wurde und sich erst beim akustischen Kontakt mit der Band offenbarte.
Insofern ist das Cover eine treffende Repräsentation von Babez for Breakfast, denn das neue Lordi-Album schlägt wieder eine amüsierendere und rockigere Richtung ein. Es schraubt die Lordis öffentliches Image bestimmende und in Deadache (von Ausnahmen wie dem Kalauer-Kracher Girls Go Chopping abgesehen) vergleichsweise gerade heraus ausgelebte Horror-Thematik (die aber nie das bestimmende Stilelement ihrer Musik war) zurück und nutzt die Monsterkulisse für augenzwinkende oder zumindest schaurig-erheiterte  Liederszenarien.

Am effektivsten lassen sich Stil und Qualität des Albums umfassen, wenn man sich die Lieder einzeln vorknöpft. Schließlich legt es Babez for Breakfast mehr darauf an, bei Metalheads und Rockern im Shuffle zu landen, als in Konzeptalbum-Herangehensweise bei einem Kelch Wein gedankenbrütend goutiert zu werden. Monströser Spaß ist das Ziel. Wollen wir mal feststellen, ob's gelang...

1) SCG5: It's a Boy!

Babez for Breakfast eröffnet mit einem für jedes Lordi-Album obligatorischen, kurzen Intro, das im Stil eines Hörspiels eine "Horrorstory" erzählt. Dieses Mal begleiten wir eine Geburt im Krankenhaus, die nach der Geburt des monströsen Jungen in Panik ausartet. SCG5 ist nicht sonderlich atmosphärisch oder schrecklich-komisch, als Vorgeschichte des Albumcovers aber recht annehmbar.

2) Babez for Breakfast
I feel my confidence rise, I give them everything, they came to see, yeah, I've got nothing to hide!

Mit dem Titelsong Babez for Breakfast legt Lordi dann direkt den höchsten Gang rein und metzelt sich mit ordentlichem Tempo durch den Gehörgang. Babez for Breakfast hat treibende Drums und einen wahnsinnigen Basseinsatz, die dem spaßigen Song aufgrund ihres Tempos einen klaren Heavy-Metal-Anklang geben, die Melodie (vor allem des Refrains) weckt dagegen Erinnerungen an den Hard Rock der 80er-Jahre. Somit wird mit viel Ohrwurmcharakter der Ton für das restliche Album vorgeführt.

3) This is Heavy Metal
You think they are all dead, But it's all in your head, The zombies never left, They're just a bit faded.

Es folgt mein derzeitiges Lieblingsstück des Albums, This is Heavy Metal, welches mir wie eine rockige und klare Reaktion auf den Hypebacklash vorkommt, der Lordis Eurovision-Kracher Hard Rock Hallelujah im Kern der Metalgemeinde ereilte. Manche Stimmen würden unken, dass einige Metalheads, nachdem Lordi europaweit einen geheuren Bekanntheitsschub erlebte, der elendigen Popularitätsallergie anheim fielen. Jedenfalls wurde einige Zeit nach Lordis Sieg die Kritik, einige der Arockalypse-Songs seien ja gar kein echter Heavy Metal und somit auch nicht gut, immer lauter und harscher. Mir kam sogar die Kritik zu Ohren, Hard Rock Hallelujah sei bloß Pop im Gewand des Metal. Yikes. Also, Leute. Pop? Man kann sich auch anstellen, wenn etwas eine eingängig-schmissige Melodie und etwas weniger Geschrammel hat. Das ist Pop, das Hard Rock Hallelujah. Nun wollen wir uns mal nicht lächerlich machen. Ich selbst empfand den Song ja eh mehr als eine Kreuzung aus Heavy Metal und Hard Rock mit überdeutlichen Einflüssen von Hair Metal (a la Bon Jovi) und ins düstere verkehrten Elementen des Glam Rock. Also ja, es ist kein purer Heavy Metal, aber direkt Genreverrat brüllen? Mich wundert es nur, dass zwischen Hard Rock Hallelujah und der dynamischen und ansteckend-gröhlbaren Bandreaktion ein ganzes Album liegt. Vielleicht passte sie einfach nicht in die Richtung, die man mit Deadache einschlagen wollte, während sie sich mit ihrem bezeichnenden (Sub-)Genremix nahtlos ins aktuelle Album einfügt.

4) Rock Police
We are the Rock Police! (A sure sign of control) We are the Rock Police! (And we are rock 'n' roll's finest) We are the Rock Police! (But first give me control)

Die süffisante Kritik an selbsternannten Hütern des Genrereinheitsgebots in This is Heavy Metal fließt sofort in den ohne Bruch anschließenden Titel Rock Police über, der sich noch stärker von Lordis Metal-Seite entfernt und sich ganz klar ihrem Hard-Rock-Charakter widmet. Rock Police steht unüberhörbar in der Tradition von KISS und könnte gerade im harmonischen Refrain auch problemlos als Song der famosen Altrocker durchgehen. Rock Police beginnt noch etwas gezügelter, zum Schluss hin ist es aber purer, elektrifizierender "Thunderock".

5) Discoevil
It's discoevil toxic toast, it's discoevil bringing roast, it hollered steaming, sweat, blood and screaming!

Mit Discoevil endet die Seitenhiebtrilogie auf Musikpuristen mit Scheuklappensicht: Der Song erzählt auf sarkastische Weise die Geschichte eines jungen Menschen, der sich (schokierenderweise) Samstagabend aus dem Elternhaus schleicht, um gegen seines besseren Gewissens (und nun haltet euren Atem an!) in die Disco zu gehen (aaaaaaaaaaaaaaah!!!!). Das dortige, dämonische Treiben wird mit dem typischen Horrorvokabular beschrieben, das Lordis Öffentlichkeitsbild ja so dominiert, und obwohl sich der Discogänger den Schrecken der (sicherlich ultra-kommerzialisierten und somit verteufelswürdigen) Discomusik bewusst ist, kann er, ja, will er gar nicht gehen. Einer erschreckenderen Horrorgeschichte haben sich Lordi im Laufe ihrer gesamten Karriere nicht angenommen. Wirklich nichts für schwache Gemüter!
Musikalisch ist Discoevil konsequent etwas "leichter" als der typische Lordi-Sound gehalten (wer also schon Hard Rock Hallelujah als Pop empfand wird hier wohl endgültig einen Kulturschock erleiden) und weist im Refrain auch eine recht "verspielte" Instrumentierung auf. Leider geht Discoevil weder als Parodie, noch als Hommage auf "Disco-Metal" oder ähnliches durch. Der Song hat zwar Ohrwurmqualitäten, aber keine eigene "Identität" und ist mir, oh die Ironie, zu blutarm. Dennoch würde ich ihn aufgrund der Idee und seiner spielerischen Keyboardeinsätze noch im Mittelfeld meiner Rock- und Metal-Playliste einordnen.

6) Call Off the Wedding
Oh Lord, my demons are here, Oh yes, my demons are here!

Mit Call Off the Wedding versucht sich Lordi wieder einmal an einer Schauerballade. Das vom ehemaligen KISS-Gitarristen Bruce Kulick mitverfasste Stück ist für mich eine dieser Kompositionen, bei denen ich mich nie wirklich festlegen kann, was ich von ihnen halten soll. Einerseits schafft es in den Strophen mit seinem sentimentalen Gitarrenriff eine dichte Atmosphäre aufzubauen, die in einen melancholisch-schunkelbaren Refrain übergeht. Die Komposition als solche könnte durchaus für eine solide Hard-Rock-Ballade ausreichen, doch es fehlt ihr eine gewisse Frische, hinzu kommt, dass Mr. Lordis kratzige Monsterstimme nicht zur Gefühlslage des Stücks passen möchte und das eingestreute Instrumentensolo altbacken wirkt. Und dennoch hinterlässt Call Off the Wedding einen bleibenden Eindruck und bleibt mir hartknäckig in den Gedanken verhaftet. Wenn ich es bewusst zu hören versuche, schalte ich irgendwann ab, da es meiner Meinung nach zu lang ist (obwohl die Laufzeit humane 3:31 Minuten beträgt) und es weder wirklich (morbid-)romantisch ist, noch cool. Was für eine Rockballade ja das mindeste darstellen sollte. Aber in der Erinnerung funktioniert das Lied halbwegs... Tja, ich weiß nicht so recht.

7) I Am Bigger Than You
Buhu Buhu I do what I want to! Buhu Buhu and I want to do you!

I Am Bigger Than You gehört wiederum der Spaßschiene an. Kalauertexte, ein "Popmetal"-Refrain mit kindlicher "Uhuhu-Melodie" und als Kontrastprogramm kommt die Gitarre wieder etwas dreckiger aus dem Verstärker. Ein Song, der die Fans wohl spalten wird. Ich finde ihn außerordentlich gefällig, vor allem, da der Refrain einen selbstironischen Flair sowie einen süffigen Drive hat.

8) ZombieRawkMachine
Fists pounding, Dead feet tap Rock hard until the worms make the spines snap

Der achte Track von Babez for Breakfast, ZombieRawkMachine, stellt zumindest meinem Geschmack nach ein gutes Bindeglied zwischen den zwei musikalischen Gesichtern der Finnenmonster dar. Melodisch erinnert die ZombieRawkMachine an Titel, mit denen Alice Cooper zu glorreicheren Zeiten der wundervollen Welt des Rocks die Charts gestürmt hätte, während Lordis typische, gedrückte Monsterstimme und ein etwas schwereres Arrangement an den Metal-Geist erinnert. Meines Erachtens nach eine tolle Fusion, die zwar beim ersten Anhören noch etwas kraftlos scheint, bei wiederholtem Anhören jedoch ihr volles Potential entfaltet.

9) Midnite Lover
Oh, I know you're waiting for your midnite lover but I met your lover and he didn't survive

Mit Midnite Lover rückt das Album während seines neunten Stücks wieder stärker in die 80er-Rockschiene. Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man Midnite Lover problemlos für einen vergessenen Klassiker der späten 70er oder frühen 80er halten. Eine eingängige, gedrückt-harmonische Melodie mit einem Refrain, der eine hellere Klangfarbe als die strikteren Strophen hat, ein zügiges Tempo, keine zu schwere oder schrammelige Instrumentierung und ein blutiger Text, der vor einigen Jahrzehnten noch die Moralwächter auf den Plan gerufen hätte (insbesondere, wenn Lordi bereits damals in solchen Kostümen aufgetreten wäre). Was in den 80ern aber als Shock-Rock bezeichnet wurde, ist heutzutage bereits Teil der "guten, alten Schule". Und so ist Midnite Lover für Rocknostalgiker ein idealer Partykracher mit einem rockig-schwungvollen und leicht mitsingbaren Refrain sowie zwielichtig-amüsierten Strophen.

10) Give Your Life for Rock and Roll
Give your life for Rock and Roll, Your soul shall live on / Give your life for Rock and Roll, You'll never be gone

Give Your Life for Rock and Roll ist, wie der Titel unmissverständlich klar macht, eine weitere Lobeshymne an den Rock and Roll. Es ist für langlebige Rockbands, die auf die große Tradition in der sie stehen wenigstens irgendetwas geben, ja mittlerweile fast schon zu einer stillschweigenden Pflicht geworden, mindestens ein solches Musikstück zu schreiben - und Lordi thematisiert in seiner Musik besonders gerne seine geschätzten Musikgenres. Give your life for Rock and Roll unterscheidet sich von Titeln wie Bringing Back the Balls to Rock, Hard Rock Hallelujah oder This is Heavy Metal dadurch, dass es sich mit seiner ehrfürchtig-feiernden Grundstimmung und den zelebrierten Soli nicht bloß als "Lied über Musik" verstehen lässt, sondern tatsächlich als große Hymne qualifiziert. Natürlich, ganz im Einklang mit den vorherigen Songs, im besten 80er-Stil. Ein monstermäßiges Stück Retrorock mit klanglicher Schwere.

11) Nonstop Nite
I'm a serpent in heat, and I'm hungry for meat, I constrict and bite, Non-Stop Nite!

Nonstop Nite schlägt inhaltlich wieder einen deutlicheren Bogen zurück zu Lordis Monsterthema. Der fast vierminütige Song handelt von einem blutrünstigen Monster, das sich auf der Jagd nach seinen menschlichen Monstern befindet. Die Strophen sind allerdings schwach und der routinierte Refrain mit perfekt getimter Mitgröhl-Zeile verliert durch seine Wiederholungen ebenfalls an Reiz. Live könnte Nonstop Nite durch den Mitmachfaktor und dadurch, dass er sehr viel Raum für improvisierte Soli bietet vielleicht den Anschluss an stärkere Lordi-Songs finden, aber auf dem Album ist er mir viel zu lasch.

12) Amen's Lament to Ra

Extrem kurzes und nichtssagendes Instrumental.

13) Loud and Loaded
25 December, and your brother's baby cried, you threw it out the window, just to see the kid fly!

Schwarzer Humor, willkommen. Loud and Loaded ist an ein unbenanntes lyrisches Du gerichtet, welches ein äußerst explosives Temperament hat und in genervten Momenten die bestehende Problemsituation durch kaltblütige Gewalt löst. Die zynischen, ein freches Grinsen ausstrahlenden Strophen finde ich einfach zu komisch und der 80er-Party-Hard-Rock-Refrain mit hohem Tempo, schwungvoller Melodie und pointiertem Keyboardeinsatz sorgt ordentlich für Laune. Bloß länger dürfte der Song sein - oder eine der vielen Refrainwiederholungen durch eine weitere Strophe ersetzen.

14) Granny's Gone Crazy
It's all porn on TV, The whole world's gotten too obscene, Little girls dressing up like whores, Mothers too fat to fit out the door, Grown men dressing up like girls, This is not my world

Es müssen ja nicht immer Kreaturen der Nacht sein, die in Lordis blutigen Songs Amok laufen. Granny's Gone Crazy handelt von einer ganz normalen Großmutter, die für sich beschließt, dass die Welt durchgedreht und verkommen ist. Um dies zu beheben, geht sie auf einen Mordzug. Ich sag's ja immer wieder, nicht die Zocker und Rocker sind gefährlich, sondern selbsternannte Moralapostel, insbesondere, wenn sie ein gewisses Alter überschritten haben. Granny's Gone Crazy ist als Song alles in allem vollkommen grundsolide. Das Lied hat keine herraustechende Merkmale, es ist bei weitem nicht Lordis eingängigstes Stück, aber auch nicht ihr "kantigstes". Für die Schlussphase eines Albums oder eines Rockabends ganz nett, aber wahrlich kein Muss.

15) Devil's Lullaby
The night is your friend, the morning is the enemy The darkness transcends the day, like brings misery
Ein Schlaflied für den Teufel. Tolles Konzept, solide und stilsichere Umsetzung. Fans wird Lordi mit dem Stück nicht gewinnen können, aber es ist ein pfiffiger Rausschmeißer aus Babez for Breakfast.

Gesamtüberblick: Babez for Breakfast ist tonal sowohl musikalisch, wie auch thematisch "leichter" als der ernstere, härtere Vorgänger Deadache, verfolgt seine Schiene zugleich aber strikter (um die Umschreibung "weniger poppig" zu vermeiden) als die größten Kracher aus The Arockalypse. Das Album ist größtenteils ein herrlicher Rückstürz in die Rockszene der 70er/80er und beweist süffisante Selbstironie. Für Lordi-Fans ein Muss, ebenso für all jene, die nur zu gern neues Material von KISS oder Alice Cooper hätten. Genauso sollte jeder, der davon überzeugt ist, dass es mit dem Rock seit Ende der 80er nur noch bergab ging unbedingt reinhören. Wem Härte über Retromelodie geht, sollte dagegen sicherheitshalber erst probehören, bevor er die Rock Police ruft und Lordi dem unerlaubten Genremischmasch beschuldigt.

Empfehlenswerte Artikel:

Rapunzel: Hört Disneys Oscarhoffnung "I See the Light"

Wir erinnern uns zurück: Alan Menken sagte in einem Interview während Disneys großem Rapunzel-Presseevent, dass er seiner Ballade I See the Light große Oscar-Chancen einrechnet.

Wir erinnern uns ebenfalls zurück: Disney gab bekannt, dieses Jahr eine besonders große Oscar-Kampagne für seine Kinofilme zu starten.

Wir zählen 1 und 1 zusammen, und was ergibt das?
Disney stellt Alan Menkens und Glen Slaters Song exklusiv vorab auf seiner Awards-Webpage online.
Also kuschelt euch in eine warme Decke, lasst eure Augen träumerisch verklärt schweifen und klickt hier, um zu genießen.

 Weiteres zu Rapunzel:

Samstag, 30. Oktober 2010

Rapunzel: Triff die Schurkin

Und somit dürften die Charakterspots durch sein. Hier ist sie, die Frau, die laut Jim Hill den den Charme von Ursula mit dem Mutterinstinkt Frollos vereint, Mother Gothel:



(Danke, Moviepilot)

 Weiteres zu Rapunzel:

Die Musik von "Epic Mickey"

Meine Erwartungen an Epic Mickey schwanken ja stets zwischen "es wird eh eine Enttäuschung" und "könnte tatsächlich so gut wie versprochen werden... vielleicht", aber das soll mich nicht davon abhalten, hier ab und an auch etwas Material über das Wii-Spiel zu veröffentlichen.

Folgende Featurette konzentriert sich auf den Score des Plattformers, der aus Disneys Maskottchen Micky wieder einen richtigen Helden machen soll:



Epic Mickey erscheint unter einem durcheinandergeschwurbelten Titel am 25. November in den deutschen Läden.

Siehe auch:

Freitag, 29. Oktober 2010

Rapunzel: Triff Maximus

Wir kennen bereits Rapunzel, Flynn, Pascal und die ungesittete Ganovenbande. Aber was ist mit dem Pferd? Ein Märchen ist doch nichts ohne das Pferd!



Na bitte, geht doch. Jetzt hat auch die wilde Kreuzung aus Tommy Lee Jones, Pferd und Hund, die in Rapunzel angeblich ein großer Publikumsliebling werden soll, ihren eigenen Charaktertrailer. Bald sind alle Figuren durch, dann können wir gerne die große Musikfeaturette präsentiert bekommen.

 Weiteres zu Rapunzel:

Übersicht auf die Videos von "Sir Donnerbolds Kurzfilmtag"

Am 28. Oktober war nicht nur die große Tron Night, sondern auch der erste (und letzte?) Kurzfilm bei Sir Donnerbolds Bagatellen. Mit den Aufrufzahlen der vorgestellten Kurzfilme bin ich äußerst zufrieden, aber irgendwie hatte ich erwartet, dass ich meiner allgemeinhin eh recht schweigerischen Leserschaft durch das Kurzfilmprogramm wenigstens einige Kommentare entlocken kann. Tja, ihr genießt und schweigt, meinetwegen. Ist auch in Ordnung. Bloß habe ich so ja kaum Vergleichsgrößen, welche Kurzfilme erwünscht sind und was eher lästig wird.
 Ob es nächstes Jahr wieder einen Kurzfilmtag geben wird, werde ich also selbst entscheiden - gibt ja keine Reaktionen, auf die ich Rücksicht nehmen könnte. ;-p

Wer während des Kurzfilmtags nicht online war und keine Lust hat, sich mühsam durch das Blogarchiv zu kämpfen, der muss übrigens nicht verzagen. Der Einfachheit halber gibt's hier nämlich eine Übersicht über die präsentierten Kurzfilme. Wer sie nicht gesehen hat, sollte es dringend nachholen, sie sind es nämlich wert!
Allen, die sie sich diese Kurzfilme jetzt erstmals ansehen wünsche ich viel Vergnügen, ebenso denen, die sie sich erneut anschauen. Ich hoffe, ihr hattet an dieser Kurzfilmaktion genauso viel Spaß wie ich. Und wer weiß, vielleicht raffe ich mich nächstes Jahr doch ein zweites Mal auf, euch eine bunte Kollektion an Kurzfilmen zu präsentieren. Irgendwie muss man solche Kleinode ja publik machen.

Weitere Stimmen zur "Tron Night"

Um das Tron Legacy-Eventfenster hier im Blog wieder zu schließen und zum Alltag zurückzukehren, sei noch ein letztes Mal auf die Tron Night zurückgeblickt. Ich habe meine Meinung ja bereits kundgetan und es gab ja bereits ein Video mit US-Fanreaktionen, aber das kann ja noch nicht alles gewesen sein. Natürlich gab es noch viele weitere Reaktionen, wie die beeindruckte Videokritik von Moviegod.de, oder folgendes Video von The Red Carpet:



Natürlich haben sich in den letzten Stunden auch jede Menge Filmblogger und -journalisten über die 23 Minuten aus Tron Legacy geäußert. Ich habe euch eine kleine Auswahl zusammengestellt:

Tron Legacy is a game changer. [...] Legacy has raised the bar for visual effects again and will mark a whole new era for film. The future of cinema has arrived. It's a brave new world. [...] Unlike last year's Avatar, this may very well be the first science fiction film that truly lends itself into creating a fully immersive world with visually mind-blowing CGI effects unlike anything anyone has ever seen before. Frankly, Legacy makes Avatar look like Ferngully: The Last Rainforest. 
- Blue Sky Disney

The 3D does not make things pop out of the screen at you, but it does offer depth and texture to the amazing environment. Its use is similar to that in James Cameron’s “Avatar,” the only difference being that “Avatar” had more color. Speaking of which, another thing “Tron” has in common with it is the fact that both make it painfully obvious that the minds behind it were true geniuses. This is what unbridled imagination can create if left to its own device. The script by Edward Kitsis and Adam Horowitz, and Joseph Kosinki’s direction make possible a world that takes a lot of openness and imagination just to take it all in. Its very existence defies all logic, as also does everything in it – yet it exists and it’s there for us to look at it in wonder. 
- Softpedia


What everybody seems to want to know is how the visuals look and the quality of the 3D. I can assure you that audiences are in for an extraordinary treat come December 17. Though the first of the five scenes wasn’t in 3D (a note from Steven Lisberger before the screening began assured us that this is not something to be concerned about), everything in the computer world certainly was. The director, Joseph Kosinski, has rendered a world of absolute beauty and depth. The disc battle, in particular, made terrific use of the technology , the projectiles launching out of the screen at the audience. As you probably assumed from the beginning, visuals will not be Tron: Legacy’s problem. On the other hand, what has had myself and other fans concerned is the depth of the story. When 15-minutes of James Cameron’s film was shown at the event known as Avatar Day, it mostly consisted of action sequences that best showed off the director’s incredible new inventions. When Avatar arrived in theaters, however, the story turned out to be more shallow than your little brother’s kiddie pool in the backyard. With this event, Tron: Legacy has shown audiences that there’s not only depth, but emotion in the film. [...] The film has been waiting on my “Most Anticipated” list for years now and tonight’s preview only bolsters my confidence.
- Cinema Blend 

Dark and elegaic, TRON: Legacy possesses an aesthetic that is positively extraordinary and beautiful to view on the big screen. Director Joseph Kosinksi has culled together a veritable feast of visuals that will go a long way in seducing audiences. It embraces the monochromatic sheen of the original film, yet is light years removed from anything camp. Coupled with the electronica brio of Daft Punk, TRON: Legacy looks to deliver what audiences expect, a sizzling exercise in modern filmmaking effects, technnology and design.
- Examiner


Zum Abschluss noch zu etwas vollkommen anderem: Hero Complex sprach mit dem aus Deustchland stammenden Designer Daniel Simon, der an Tron Legacy mitgearbeitet hat. Den einsichtsvollen Artikel findet ihr hier.

Tron Legacy: Steven Lisbergers "Tron Night"-Interviews

Wie ich es bereits in meinem Bericht über die Tron Night vermutete: Nach einem der US-Screenings tauchte einer der Filmmacher auf und war bereit, Interviews zu geben. Der Tron-Schöpfer Steven Lisberger, der an Tron Legacy als Produzent beteiligt ist, sprach mit Cinema Blend, Collider und FirstShowing unter anderem über die tiefergehende Bedeutung Tron Legacys, das rapide Voranschreiten der Technologien und darüber, wie Kevin Flynns Situation in Tron Legacy fast schon autobiografische Züge hat.



Die Leute von FirstShowing schnitten ihr Interview nach einigen (begeisterten) Besucherreaktionen von der Tron Night:




Collider stellte das längste und einsichtsreichste Interview online, in dem Lisberger auch über die Tron-Blu-ray spricht:



Da Disney einigen Insiderstimmen zu Folge Angst hat, dass der technisch stark gealterte Tron die Kinoeinnahmen von Tron Legacy schaden könnte, wird man sich noch ein paar Monate gedulden müssen, bis Tron auf Blu-ray erscheint, aber eine Doppelpack-Veröffentlichung mit Tron Legacy ist eigentlich sowieso cleverer. Bis dahin kann ich mich ja mit der tollen Deluxe-DVD trösten.

Erlebnisbericht: Die "Tron Night" in Köln

Sollte gerade irgendjemand in München heulend und um sein Weihnachtsgeld bangend vor dem Computer sitzen, so möchte ich diese Person nochmal dringlichst auf folgendes hinweisen: Ich bin unschuldig! Ich wies in meinem Blog schriftlich auf das große Ereignis hin, ich veröffentlichte den deutschen Eventtrailer und ich sprach in der 101. Ausgabe des Quotenmeter-Podcasts darüber. Ich gab mir beste Mühe, die Botschaft über die Tron Night zu verbreiten. An mir kann es also nicht liegen, dass in Köln schlappe 66 Personen aufkreuzten, um sich die 23-minütige 3D-Gratisvorschau auf Disneys großen hoffnungsträger anzuschauen.
Man mag eine Gruppe von über sechzig Leuten vielleicht viel nennen, für die Vorführung eines extralangen Trailers zur Fortsetzung eines 80er-Jahre Sci-Fi-Films, der niemals bahnbrechenden kommerziellen Erfolg feierte. Abhängig von den eigenen Erwartungen und vom persönlichen Standpunkt, könnte es sogar sehr viel sein. Andere Leute kommen schließlich sogar absichtlich zu spät ins Kino, um keine Trailer zu sehen, da sind 66 Leute, die nur für einen Trailer kommen schon viel.

Aber man kann auch andere Relationen herstellen. Es gab mehrere Gewinnspiele in den deutschen Medien, bei denen man Karten für dieses Event erhalten konnte. Karten für eine Gratisvorführung. Mit anderen Worten: Man rechnete damit, dass der Andrang derartig enorm ist, dass es Sinn ergibt, Gewinnspiele um gesicherte Plätze zu veranstalten. Mit Blick auf die USA auch vollkommen berechtigt: Dort konnte man sich seine Plätze reservieren. Es hat keinen Tag gedauert, bis es an eine Unmöglichkeit grenzte, sich noch Plätze für eine der Tron Night-Veranstaltungen zu sichern. Okay, Deutschland ist nicht die USA, hiesige Kinogänger sind (scheinbar) nicht ganz so euphorisch und empfänglich, was geekige Veranstaltungen anbelangt. Dennoch hätte ich mit mehr Besuchern gerechnet.

Zuschauer auf dem Spieleraster

Wie Disney Deutschland die Besucherzahlen der Tron Night interpretiert, bleibt dessen ungeachtet noch abzuwarten. Von einem Misserfolg wird man öffentlich wohl kaum sprechen, aber vielleicht lässt sich in Zukunft zwischen den Zeilen schon das eine oder andere rauslesen. Wer weiß, womöglich habe ich in meinem nerdigen Wahn auch im Namen Disneys die Hoffnungen für die hiesigen Veranstaltungen zu hoch angesetzt und Disney ist tatsächlich zufrieden? Und spätestens im Januar wird sich ja zeigen, wie der Deutsche an sich auf Tron Legacy reagiert. Bis dahin sollten wir die Verleih-Sicht vielleicht verlassen, denn es ist wohl wesentlich interessanter, wie die Tron Night aus den Augen eines Zuschauers ablief.

Zunächst war ich bereits freudig überrascht, als sich, nachdem alle Besucher ihren Platz einnahmen, ein Kinomitarbeiter mitsamt Mikrofon in der Hand in den Saal gesellte. Denn seien wir mal ehrlich: Ich bin zwar nach Köln gefahren, um mir 23 Minuten aus Tron Legacy anzusehen, dennoch ist es recht unproduktiv ins Kino zu gehen, sich einen extralangen Trailer anzusehen, und dann wieder zu gehen. Etwas Rahmenprogramm macht das Event doch direkt viel weittragender. Und da man in Deutschland kaum mit einem Überraschungsbesuch des Regisseurs, Daft Punk oder eines Hauptdarstellers rechnen darf (ich bin aber felsenfest davon überzeugt, dass irgendwo in den USA ein am Film beteiligter in den Saal spaziert kam - jeden Moment wird ein Erlebnisbericht online gehen, der meine Vermutung bestätigt, garantiert!), ist eine Rahmenmoderation durch einen Kinomitarbeiter schon mehr als in Ordnung.

Dass es sich bei unserem Moderator um einen Kinomitarbeiter handelte, und nicht etwa um jemanden vom Verleih beorderten, hatte gewisse Vor- sowie Nachteile. Nachteilig war anzumerken, dass ein Disney-Gesandter wohl so lange von seinen Vorgesetzten mit Wissensprüfungen geplagt worden wäre, bis wirklich alles sitzt. So wären uns ein paar kleinere Zahlendreher (Michael Eisner, Jeffrey Katzenberg und Frank Wells kamen erst 1984 zu Disney, nicht 1983) oder Unsicherheiten mit deutschen Filmtiteln (anscheinend war unser Moderator notorischer O-Ton-Gucker, weshalb er Arielle, die Meerjungfrau und Die Schöne und das Biest penetrant mit dem Originaltitel aufzählte, während er Der König der Löwen strikt aus dem Englischen übersetzt als Löwenkönig bezeichnete... bis er von einer genervten Besucherin korrigiert wurde) erspart geblieben. Das klingt in kondensierter Form allerdings schlimmer, als es war. Die Fehler waren meiner Meinung nach verzeihlich (gerade bei einem frei gehaltenen, mündlichen Vortrag kann man kleine Zahlenverschwubsler durchaus auf Nervosität oder Zerstreutheit verbuchen), insgesamt war der Vortrag inhaltlich solide und sehr charismatisch geführt. Man hätte es sicherlich besser machen können, aber ich habe lieber eine Anmoderation, die ich als Disney-Nerd hie und da in Gedanken korrigieren muss, als gar keine. Oder eine, bei der ich nicht mehr guten Gewissens zuhören möchte.


Der Vorteil, keinen Disney-Mitarbeiter in den Abend einführen zu lassen, liegt wiederum darin, dass die Anmoderation nicht so stark von der Verleihsicht geprägt wurde. Stattdessen sprach unser Conférencier aus persönlicher Überzeugung und gab auch kritische Aussagen von sich. So ging er auf die Drehbuchschwächen von Tron ein und sparte auch nicht mit Kritik an der Disney-Geschäftsführung der 70er- bis frühen 80er-Jahre. Besonders die Seitenhiebe auf Cap & Capper entlockten mir ein hämisches Grinsen.



Trons Position in der Filmgeschichte

Der nette Kinomitarbeiter, der es leider versäumte seinen Namen zu nennen, so dass ich mich jetzt bloß von Berufsbezeichnung zu Berufsbezeichnung hangeln kann, begrüßte uns zunächst ganz herzlich und fragte in die Runde, wer denn überhaupt Tron 1982 im Kino sah. Fünf Hände gingen in die Höhe, und so begann er zunächst mit nostalgischen Schwelgereien, wie es war als kleiner Steppkes seine Eltern anzubetteln, ihn in diesen attraktiv aussehenden Sci-Fi-Streifen mitzunehmen.

Daraufhin ordnete unser Moderator Tron in die Filmhistorie ein. Er sprach darüber, wie Disney nach Walt Disneys Tod zu einem spröden und visionslosen Studio mutierte, und dann durch Erfolge wie Krieg der Sterne angespornt wieder versuchte, seinen Marktwert mit mutigeren Filmen zu steigern. Es folgten noch kurze Erläuterungen zum Stand des Sci-Fi- und des Fanatsy-Genres zu Beginn der 80er, und wie wenig die Computeranimation zu jener Zeit entwickelt war. Außerdem gab es Retrotalk über rückständige Heimcomputer und dann präsentierte er uns, unter Betonung wir sollten uns alle unbedingt die Tron-DVD holen, den ausführlichen Filmtrailer, den Disney für die National Association of Theatre Owners zusammenschnitt.

Im Anschluss an den Trailer folgte ein kurzes Geplänkel zwischen dem mit dem Drehbuch unzufriedenen Moderator und einem etwa Gleichaltrigen Besucher, der es überaus solide fand und meinte, kein dermaßen anspruchvolles Drehbuch erwartet zu haben. Während der Filmvorführer schon das DVD-Extra Computers Are People Too aufrief, erzählte uns der Moderator, welchen Meilenstein Tron, kommerziellen Misserfolg zum Trotz, für's Kino darstellt. Er ging darauf ein, welche prominenten Gesichter des Animationsmediums an Tron mitarbeiteten und wie er die Effektwelt vorantrieb. Tron wurde sogar mit Avatar verglichen, weil beide Wasserschleusen für die Filmtechnologie seien. Nach weiteren knappen Erläuterungen, welche Probleme die Tron-Crew während der Produktion zu bewältigen hatte, erwähnte der Conférencier, dass Tron, obwohl das Drehbuch Schwächen aufwies, einem Konzept zu Grunde läge, welches bis heute relevant ist. Mit diesen Worten übergab er dann dem DVD-Feature das Wort, das damit beginnt, wie Lisberger über den digitalen Bürger spricht.

Als der zweite Videobeitrag sein Ende fand, kam es dann zum Hauptprogrammpunkt. Nach beinahe 30 Jahren sei endlich die Zeit, und die Technik, reif genug für die Fortsetzung von Tron und unser Moderator gestand, dass er schon richtig aufgeregt sei, weswegen er uns nicht länger auf die Folter spannen möchte und nun die ihm ebenfalls noch unbekannte Vorschau auf Tron Legacy abgespielt wird. Inklusive Vorwort des Regisseurs Joseph Kosinski.


Verführerischer Sinnesrausch


Das geschriebene Vorwort von Joesph Kosinski kam in klassischer Tron-Manier. Wie eine Botschaft des MCP verfasst, erschien eine Nachricht auf der Leinwand, die uns auf die Exklusivität des Materials hinwies. Außerdem wurde erklärt, dass die in unserer Welt spielenden Szenen in 2D gezeigt werden, wir aber dennoch unsere 3D-Brillen anbehalten sollen, da diese Szenen mit dem Gedanken gedreht wurden, dass sie durch eine 3D-Brille begutachtet werden. Ich habe es so aufgefasst, dass man die entsättigende Wirkung der 3D-Brillen berücksichtigte und die 2D-Szenen gewissermaßen ohne Brille zu hell und zu grell gezeigt werden, was durch die Brillen wieder aufgewogen wird. Allerdings fand ich im Internet bereits Theorien, laut denen diese Szenen lediglich nicht rechtzeitig für einen guten 3D-Effekt bearbeitet wurden. Bis zum Filmstart werden wir sicherlich noch klüger.

Mit einem "END OF LINE" und der Aufforderung, nun die 3D-Brillen aufzusetzen, wurden wir schließlich und endlich dem Filmmaterial ausgesetzt. Entgegen der Aussagen aus Disneys Kinotrailer speziell für die Tron Night (das Event wurde im Grußwort Kosinskis explizit so genannt, also pfeife ich auf die Alternativnamen von Disney Deutschland) erstellten Trailer folgten auf das Grußwort jedoch nicht die ersten 23 Minuten von Tron Legacy, sondern insgesamt 23 Minuten Material aus der ersten Filmhälfte. Vor jeder Szene wurde kurz die Szenennummer samt Titel eingeblendet um dem Publikum eine grobe Orientierungshilfe an die Hand zu geben. Gewissermaßen entpuppte sich die Tron Night als XXL-Variante der beiden Kinotrailer. Obwohl 23 Minuten aus dem Film gezeigt wurden, habe ich nicht das Gefühl, bereits zuviel gesehen zu haben. Stattdessen war es ein Erlebnis, als sähe man sich einen richtig guten (nicht spoilernden) Trailer an, nur dass man einen wesentlich grundsolidere Eindrücke der gezeigten Szenen gewinnen konnte.

Die Tron Legacy-Vorschau begann mit Szene 20, in der wir Sam Flynns übercooles Apartment kennenlernen und Zeuge werden, wie sein Ersatzvater Alan (Bruce Boxleitner) ihm mitteilt, dass er über seinen Pager eine Nachricht aus dem Büro von Sams Vater erhielt. Sam, über den wir durch den Dialog erfahren, dass er sehr rebellisch ist und sich eigentlich bereits im Knast sieht, lässt sich von Alan dazu überreden, in der verlassenen Arcade seines Vaters nachzuschauen. Der Darsteller Sams, Garrett Hedlund, ist übrigens der optische Leckerbissen für die Damen im Publikum: Bei seiner Oben-Ohne-Szene ging ein erfreutes, feminines Jauchzen durch die Reihen.

Direkt an die Szene in Sams Apartment schloss sein Besuch in der aus Tron bekannten Arcade an, der mit einem nostalgisch-glücklichen Kichern mancher Zuschauer begleitet wurde, vor allem während der Kamerafahrt vorbei an einigen geliebten Arcadeklassikern.

Als nächstes gab es die Szene zu sehen, in der Sam feststellt, dass er in der Welt innerhalb des Computers gefangen ist. Er wird, gemeinsam mit einigen Programmen ohne Identitäts-Disc, gefangen genommen. Die Gefangenen werden verschiedenen Ebenen zugeteilt, wobei das Spieleraster die gefürchteste ist, eines der Programme stürzt sich nach der Zuteilung auf eben jenes Raster direkt in den Freitod.

Darauf folgte eine Szene, in der Sam, welcher dem Spieleraster zugeteilt wurde, von vier sich in perfektem Gleischschritt bewegenden Sirenen für das Spieleraster zurecht gemacht wird. Die einzige Anweisung die er erhält: Er soll überleben.
Direkt im Anschluss wird Sam mitten ins Diskusspiel transportiert. Aller spätestens hier sollte jedem klar geworden sein, dass dies nicht mehr das alte Tron ist. Aus dem eher beschaulichen Wettstreit auf einer bescheidenen Rundplattform wurde ein gigantischer Gladiatorenwettkampf in einem megastylischen Stadion des Todes. Nach Sams erstem "Disc War" bekamen wir eine Verfolgungsjagd zwischen Light Cycles und einem Light Car zu sehen, während der sich Sam und die charmante Kampfamzone Quorra (Olivia Wilde) kennenlernen.

Als vorletztes Segment während der Tron Night war uns eine Sequenz mit Kevin Flynn (Jeff Bridges) vergönnt. Nach einem mysteriösen Ausklang dieser Szene überraschte uns Michael Sheen, der in der aus dem Derezzed-Musikvideo bekannten Dialog Daft Punk dazu auffordert, für einen Stimmungswechsel zu sorgen und "ihnen" gehörig einzuheizen. Mein erster Gedanke, als ich Sheen und Daft Punk im Tron Legacy-Outfit sah, war: "Oh, wow, die zeigen uns auch noch die Szene? Daft Punks Cameo?" Ich hatte den Gedanken nichtmal zu Ende gedacht, da verwarf ich ihn bereits und lenkte ein: "Nein, nein, jetzt kommt ein Trailer-Megazusammenschnitt"

Ich lag richtig. Die letzten (geschätzt) eineinhalb Minuten lang berieselten uns martialische, überwältigende Bilder, die schnell hintereinander geschnitten das Zeug dazu hatten, einem der Sinne zu berauben. Perfekt untermalt wurde dieses abschließende Filmmaterial von einem epochalen Daft Punk-Musikstück, das im Grunde die bombastischen Phasen der beiden Trailersuiten vereinte. Es war aber kein simpler Remix, sondern eine weitere ausgearbeitete Form der aus den bisher veröffentlichten Trailer bekannten Musik. Kräftiger, Bass lastiger und mit noch mehr Sogkraft. Da es so sehr ausgefeilt wurde, kann man wohl davon ausgehen, dass dieses Stück auch im Film vorkommt. Hoffentlich, denn ich finde es wahnsinnig geil.

Ein eindrucksvolles Spektakel

Schwarzblende. Applaus. Der Moderator fasst den im Raumm stehenden, kollektiven Gedanken zusammen ("Tja... puuuh... und jetzt müssen wir uns bis Januar gedulden... Hui... Bis dahin bleiben uns allen ja immerhin die Trailer!") und verabschiedet uns in die reale Welt da draußen.

Wie ich die Megavorschau auf Tron Legacy fand? Faszinierend. Beeindruckend. Überwältigend. Tron Legacy wird definitiv ein audiovisuelles Spektakel, das seinesgleichen noch lange suchen wird. Inwiefern Tron Legacy die Drehbuchmacken des Originals vermeiden kann, lässt sich aus den 23 gezeigten Minuten nicht mit großer Sicherheit sagen. Da die gezeigten Szenen nicht ganz im Kontext standen, sondern halt wie gesagt mehr einem überlangen Trailer glichen, kann ich bloß mutmaßen. Aber ich bin mir, sogar wenn man außer Acht lässt, wer alles eine beratende Funktion bei Tron Legacy innehält, äußerst sicher, dass Tron Legacy eine bessere Story bietet, als sein Vorgänger. Aus dem Dialog zwischen Sam und Alan konnte man sehr gut herauslesen, dass im endgültigen Film einiges an emotionaler Grundlage geliefert wird, was Tron ja eher abging. Außerdem setze ich bereits jetzt große Stücke auf Olivia Wilde und ihre Figur Quorra. Sie spielt die kämpferische Amazone mit einer gewissen Sensibilität und einer unwiderstehlichen Ausstrahlung, ich war bereits wenige Sekunden nach ihrer Einführung schon völlig hin und weg. Ich bin davon überzeugt, dass diese Figur im Laufe des Films noch sehr stark dazu beitragen wird, dass Tron Legacy das Original Staub schlucken lässt.
Meine Lieblingssequenz war allerdings die, in der Sam in den Händen der vier Sirenen vom Menschen zum Programm umprogrammiert wird. Ich kann es mir selbst nicht erklären, aber Sams ohnmächtige Position, das sture und monotone Voranschreiten der Sirenen und die Szenenchoreographie dieses Moments hatten so eine... beklemmend-faszinierende, unwohl-magisches an sich.

Und dann ist da ja noch der Ultrascore von Daft Punk. James Newton Howard, Michael Giacchino - seid auf der Hut! Denn Daft Punk ist euch auf der Fährte und wittert bereits den Silberpokal in meiner persönlichen Filmkomponistenrangliste! Die Musik war durchgehend großartig und gab das Gezeigte makellos in Klängen wieder. Neben der erwähnten Trailersuite gefiel mir die Begleitmusik zum Diskuskampf am besten. Stellt euch vor, Inception spiele nicht innerhalb der Architektur des Verstands, sondern auf dem Spieleraster... Yeah, es fetzt, und wie!

Schade fand ich an der Tron Night einzig, dass die Szenen so ausgewählt wurden, dass "Normalos" es echt schwer hatten mitzukommen. Als Kenner und Liebhaber des Originals sowie Verfolger der viralen Aktionen rund um Tron Legacy konnte ich mir einiges erklären, was dieses Szenensammelsurium offen ließ. Etwa, was Sam Flynn so gemacht haben könnte, um den ENCOM-Vorstand zu verärgern. Als Werbeaktion für Tron Legacy wäre etwas mehr Exposition oder Kontext vielleicht angebracht gewesen.

Davon abgesehen zähle ich die Tron Night als vollen Erfolg. Aus Zuschauersicht zumindest.

Weiterführende Artikel:

"Tron Night" für zuhause

Ihr konntet nicht an der großen Tron Night teilnehmen? Oder wart ihr tatsächlich im Kino und möchtet dieses Erlebnis bis zum Kinostart von Tron Legacy frei nach belieben wiederholen? Keine Sorge, es kann Abhilfe geschaffen werden, denn dank Walt Disney Studios Schweden gibt es die Tron Night nun für zuhause und unterwegs.

Gut, gut, es ist nicht die komplette Tron Night, aber immerhin 1/23 des Preview-Materials. Um genauer zu sein, stellte Disneys schwedische Dependance einen Teil der ersten begegnung zwischen Sam Flynn und Olivia Wildes Figur Quorra online:



Alleinstehend ist dieser kurze Clip nicht besonders aussagekräftig, aber mit dem während der Tron Night gezeigten Material im Hinterkopf kann ich euch sagen, dass Olivia Wilde einer der ganz großen Pluspunkte dieses Films werden dürfte. Und das hat bei einem visuellen 3D-Erlebnis wie Tron Legacy, welches zudem Musik von Daft Punk auf der Habenseite verbucht hat, durchaus etwas bedeuten.

Weiterführende Artikel:

Donnerstag, 28. Oktober 2010

Tron Sweded

Die Tron Night hat in manchen Städten bereits ihr Ende gefunden, in anderen dauert es nur noch wenige Minuten, bis die Zuschauer in die Säle gelassen werden. Zeit für mich, die große "Sonderprogrammierung" hier im Blog zu beenden. Zum Abschluss habe ich mir ein ganz besonderes Fanvideo aufgehoben, das Jeff Bridges so toll findet, dass er es auf seine offizielle Webseite stellte. Ich habe es vor einiger Zeit schonmal gepostet, aber ich finde, dass es heute seinen zweiten Einsatz verdient hat: Eine "geschwedete" Version vom Original-Tron. Ich finde, dass es eines der besten Videos ist, die damals im Fahrwasser von Abgedreht ins Netz kamen.

Ich wünsche euch viel Spaß an diesem herrlichen Low-Budget-Filmchen und verabschiede mich nun. Ich werde mich als geänderter Mensch, der 23 Minuten aus Tron Legacy sah, wiedermelden.


Tron
Hochgeladen von freres-hueon. - Entdecke mehr kreative Videos.

Tales Of Mere Existence: Boyfriends I have Been

In München hat die Tron Night endlich begonnen, In Hamburg, Berlin, Köln, Nürnberg, Dresden und Bochum müssen die versammelten Filmfreaks und Filmfreakinnen (oder wie nennt man diese Gattung?) weiterhin warten. So viel sei verraten, ich gehöre dazu. Für uns geht also das große Kurzfilm-Programm bei Sir Donnerbolds Bagatellen weiter, und ich möchte an den Kurzfilm She loves me, she loves me not anknüpfen, indem ich das Thema "Beziehungen" weiterspinne.

Lev Yilmaz, Internetkurzfilmer und salopp gesagt auch Freizeitphilosoph, stellte nämlich fest, dass man sich, ob man möchte oder nicht, in einer Beziehung charakterlich vollkommen verändern kann:


So, und nun bin ich ganz besonders gespannt... Reizen wir doch einmal das Geek-Vorurteil aus, dass sie selten in Sachen Liebe zum Zug kommen: Ich möchte wissen, welche Tron Night-Besucher können mit Levs Beziehungsvita quantitativ mithalten? Prahlhanse und Prahlgretchen hinterlassen einen Kommentar unter diesem Posting. Außer ihr befindet euch gerade in der selben Warteschlange wie ich, dann brüllt ihr einfach "Hier!" und wartet ab, ob euch der Neid euer Mitwartenden sicher ist. Beschwert euch aber nicht, wenn ihr daraufhin Dutzenden von Leuten Beziehungs- und Flirttipps geben müst.

Future Shorts: She loves me, She loves me not

Wacker geht es weiter, hier bei eurer Servicestelle für Wartezeitenverkürzung am großen Tron Legacy-Day. Hier im Blog könnte man dieses Ereignis auch fast in den Future Shorts-Day umtaufen, aber was soll ich schon machen? Die Kurzfilme sind einfach perfekt für eine solche Angelegenheit.

Der folgende Kurzfilm heißt She loves me, She loves me not und stammt aus dem Jahr 2003. Der britische Regisseur Jamie Rafn inszeniert komplett dialogfrei die alltägliche und doch erzählenswerte Geschichte eines jungen Manns, der bis auf die Haut durchnässt im Pub sitzt und über die Höhen und Tiefen seiner Beziehung nachdenkt.



Es ist ungeheuerlich schade, dass die Bildqualität dieses Kurzfilms auf dem offiziellen Kanal von Future Shorts so schlecht ist. Auf der großen Leinwand fand ich She loves me, She loves me not visuell richtig beeindruckend, vor allem das Spiel mit der Farbsättigung. Davon bekommt man im Web nicht mehr so viel mit. Dennoch wollte ich den Film unbedingt mit euch teilen, vor allem, mit den Verrückten, die ihn sich gerade wirklich in einer Warteschlange ansehen. Solltet ihr eine Freundin haben und sie heute wegen Tron Legacy sitzen lassen, dann dürfte euch etwas ähnliches blühen, wie dem jungen Kerl, der biergetränkt im Pub eine Blume zerrupft. Er ist ja sogar einer von uns, ein echter Nerd. Oder wie soll man die Rollenspiel-Vignette deuten?

West Bank Story

Ich  bitte nun um mentalen Trommelwirbel, denn jetzt folgt mein klarer Favorit des heutigen Kurzfilm-Sonderprogramms hier im Blog: West Bank Story!

West Bank Story ist eine Musicalkomödie aus dem Jahr 2005 über zwei konkurrierende Fast-Food-Läden mitten im Westjordanland. Eines der Restaurants, Kosher King, ist in israelischer Hand, das andere, Hummus Hut, in palästinensicher. Als eines Tages die Verkäuferin Fatima eine Bestellung an den jüdischen Soldaten David liefert, funkt es sofort zwischen den beiden und sie träumen von einer Beziehung, die sämtliche Fehden zwischen Israel und Palästina, Hummus Hut und Kosher King überwindet.

Wie ihr möglicherweise erahnen könnt, ist West Bank Story eine Parodie auf West Side Story und gleichzeitig eine Auseinandersetzung mit dem ewigen Nahostkonflikt. Das Ergebnis ist, wie ich finde, überaus amüsant:



West Bank Story von Ari Sandel wurde unter anderem bei den 79. Academy Awards mit dem Oscar für den besten Kurzfilm ausgezeichnet. Denn es müssen ja nicht immer angstgeschürte, depressive oder verkopfte Kunstfilme gewinnen. Wer sich auf der offiziellen Seite umsieht, wird entdecken, dass Sandel mit seinem Film auch etwas ähnliches vorhatte: Er wollte eine optimistische, simple Inspiration für Frieden schaffen, die die Masse an pessimistischen und voreingenommenen Dokumentationen etwas aufwiegen soll.

Was mir an West Bank Story so sehr gefällt ist auch tatsächlich die wunderbare Quirligkeit der Darsteller und die Leichtigkeit, die er ausstrahlt, wodurch auch der Humor so treffsicher ist. West Bank Story hat für mich etwas von dem, was wohl passieren würde, wenn die Scrubs-Macher vollkommen betrunken ein Double-Feature mit Clerks II und West Side Story gucken, daraufhin während der Nachrichten bei einem Nahostbericht einschlafen und dann am nächsten Tag beschließen eine "ganz besondere, ausgefallene Episode" zu drehen.

Ja, für meinen Teil trifft das den Flair von West Bank Story voll und ganz.

Future Shorts: Pixels

Selbstverständlich kann ich meinen Warteschleifen- beziehungsweise Alternativprogramm für die Tron Night nicht ohne weiteres vollziehen, ohne irgendwie auf die Videospielkultur der 80er sprechen zu kommen. Aber ich habe keine Lust auf eine zu offensichtliche Beschäftigung mit den Arcade-Spielen jener Zeit, und so müsst ihr gerade ausnahmsweise auf Mario-Parodien verzichten.

Stattdessen übergebe ich an den Franzosen Patrick Jean, der pixelige 8-Bit-Ikonen eine Invasion auf New York starten lässt:

Tales Of Mere Existence: How We Didn't Date Each Other

Das Warten am Tron Day nähert sich ganz langsam dem Ende. Oder fängt gerade erst so an. Keine Ahnung, wann ihr euch so anstellt bzw. angestellt habt. Unabhängig davon ziehe ich unbeirrt das Sonderprogramm hier bei Sir Donnerblds Bagatellen durch und stelle einen weiteren Kurzfilm vor.

In diesem erzählt der Internet-AnimatorLev davon, wie er über seinen zynischen Blog eine Frau kennenlernt, mit ihr schläft, äh, eine Beziehung hat, oder doch nur schläft oder befreundet ist... Äh... Ja. Was auch immer. Und die weibliche Sicht der Dinge wird ebenfalls beleuchtet.



Ich bekam schon häufig zu hören, dass Leute sich in dieser komischen Erzählung wiederfinden. Ich find das Video zwar amüsant, sehe aber keine Parallelen zu meinem Leben. Naja, vielleicht kann es irgendjemand der Blogger in den sieben Tron-Warteschlangen hier in Deutschland. Ich bin mir sicher, dass sich in ihnen überraschend viele Blogger befinden. Gebt es doch zu, ihr seid Teil der Kernzielgruppe dieses Events!

Future Shorts: Plastic Bag

Ramin Bahrani, von Roger Ebert zum besten Filmemacher der vergangenen Dekade gekürt, erzählt die existentielle und epische Reise eines weggeschmissenen Plastikbeutels (mit der Stimme Werner Herzogs), der auf der Suche nach seiner Schöpferin, der Frau die ihm erstmals Leben einhauchte ist, und dabei verschiedensten seltsamen Kreaturen sowie philosophischen Fragen begegnet.

Future Shorts: Tales Of Mere Existence: Horny

Man nenne mir einen der Unterschiede zwischen Tron und Tron Legacy. Okay, Daft Punk an Stelle von Wendy Carlos. Was noch? Ja, der Film von Joesph Kosinski ist in 3D. Aber daruf möchte ich nicht hinaus. Ich spreche von den Sirenen, virtuellen Verführerinnen. Da die neuen Tron-Anzüge schmeichelndere Formen haben als die aus dem Original von 1982, haben Frauen in der Tron-Welt erstmals die Gelegenheit ungeheuerlich sexy auszusehen.

Oben abgebildet seht ihr das 27-jährige Model Beau Garrett (Turistas), welches eine der Sirenen spielen wird. Es soll attraktiver aussehen, als das, was man aus Tron kennt. Ob es auch sinnlicher ist und einen wirklich spitz macht, das hängt aber weiterhin von den persönlichen Vorlieben ab.



Horny war einer der ganz großen Lacher bei meinem ersten Future Shorts-Besuch. Mit dem Film hatte niemand gerechnet, wir alle hatten einen rein kunstvollen, "klassischen" Kurzfilmabend erwartet.

Future Shorts: Love & Theft

Am großen Tron Legacy-Day, den ich sogleich als Kurzfilmtag in diesem Blog ausnutze, darf natürlich etwas visuell besonders faszinierendes nicht fehlen. Der perfekt auf seine Begleitmusik abgestimmte Kurzfilm Love & Theft stammt noch aus diesem Jahr und obendrein auch aus Deutschland.

Der Kurzfilm, der auch Teil des Future Shorts-Projekts ist, beginnt noch minimalistisch und monoton, aber er steigert sich kontinuierlich, bis einen Regisseur Andreas Hykade mit seinen ineinander morphenden Bildern völlig hypnotisiert hat. Also, Augen strikt auf den Bildschirm gerichtet, die Außenwelt ausgeblendet und immer schön von der Musik tragen lassen...

C4

C4 ist ein französischer Kurzfilm aus dem Jahre 1996 (keine Sorge, das Video ist untertitelt). In ihm skizziert Regisseur Claus Drexel folgende Ausgangssituation: Ein Strand, ein schüchterner Kerl, eine hübsche Dame und ein Buch.

Was wird passieren?



Die Moral von der Geschicht: Klappe halten, das rat' ich nicht! Wer also, keine Ahnung, sagen wir mal in einer Warteschlange im Kino eine ansprechende Person trifft, der sollte das mit dem "ansprechen" auch wörtlich nehmen. Nur so als Tipp von eurem Dr. Love... Und hey, der bezieht sich hierbei auf einen Franzosen. Ihr wisst schon, "uh la la", "Baguette", "Moulin Rogue", "j'ai une tour d'eiffel dans mon pantalon" und so weiter...

Future Shorts: Words

Noch sehr frisch im Futue Shorts-Portfolio: Words, ein amerikanierscher Kurzfilm darüber, welch unterschiedliche Bedeutungen simple Begriffe doch haben können...

Ein übersehenes Stück deutscher Kinokultur: Schwarzfahrer

Obwohl Deutschland in den vergangenen Jahren wiederkehrendes Nominierungsglück in der Oscar-Kategorie "Bester fremdsprachiger Film" hatte, kann man nicht gleich behaupten, dass die deutsche Filmproduktion eine international mit namensträchtigen Preisen überhäufte ist. Deswegen müsste man eigentlich davon ausgehen, dass Oscar-Gewinner aus Deutschland hierzulande mit großer Anerkennung behandelt werden, insbesondere wenn sie außerhalb der Kategorie für fremdsprachige Filme glänzten und sogar US-Konkurrenz hinter sich ließen.

Denkste. Pepe Danquarts mit dem Oscar für den besten Kurzfilm ausgezeichnetes Werk Schwarzfahrer dürfte wohl den wenigsten bekannt sein. Ich beispielsweise habe erst vor kurzem während eines Brettspielabends mit Freunden von ihm erfahren, als ich wegen ihm unter der Schadenfreude der Anwesenden eine Filmfrage nicht beantworten konnte. Meine Neugier war natürlich geweckt...

Schwarzfahrer ist eine verfilmte "Urban Legend" und... ach, seht am besten selbst:





Ich könnte mir nun eine an den Haaren herbeigezogene Verbindung zum Tron Day ausdenken (ich befinde mich gerade auf dem Weg zur von mir ausgewählten Spielstätte und verwende dabei öffentliche Verkehrsmittel... aber keine Sorge, ich bin noch nicht auf dem Weg zum Kino, ich mach' mir vorher noch einen feinen Tag in der Innenstadt), aber das wäre ja wirklich lächerlich.

Stattdessen könnt ihr das Vorstellen dieses simplen, jedoch äußerst aussagekräftigen und effektiven Kurzfilms (Mensch, habe ich während des "Plottwists" gejubelt), gerne als meinen Beitrag zur von Sarrazin ausgelösten Integrationsdebatte sehen.

Future Shorts: The Black Hole

Sollte es irgendjemand dort draußen in der normalen Welt nicht mitbekommen haben: Heute ist der große "Tron Legacy-Day". Weltweit zeigen ausgewählte Kinos eine exklusive 3D-Vorschau auf Tron Legacy, darunter auch sieben deutsche Spielstätten. Während sich die meisten internationalen Disney Dependancen zusammenrissen und ein Kartenreservierungssystem auf die Beine stellten, gilt in Deutschland: Wer zuerst kommt, der hat reelle Chancen auf einen Platz in den begehrten Gratis-Previews.

Anlässlich dessen biete ich heute für all meine Mit-Geeks und -Nerd, die brav und ungeduldig überpünktlich aufbrachen und nun vor einem der teilnehmenden Kinos campieren, damit sie auch ja eingelassen werden, einen kleinen Service: Ich helfe ihnen, die Zeit totzuschlagen. Wer so weitsichtig war (und technisch weit genug fortgeschritten ist, aber was sage ich das über Tron-Geeks überhaupt?) ein webfähiges Gerät mitzubringen, wird den gesamten Tag über hier im Blog Futter für die Augen finden. Auf dass die Warterei so erträglicher wird.

Der folgende Film ist sogar mit Tron verwandt. Um ein paar Ecken...

Der ehemalige Architekt Joesph Kosinski ist ein wahres Glückskind: Tron Legacy ist nichtmal gestartet, schon überhäuft Disney ihn mit weiteren Filmangeboten. Seine Graphic Novel Oblivion soll verfilmt werden, man denkt bereits über zwei Fortsetzungen zu Tron Legacy nach und Disney vertraut Kosinski einen weiteren Kultfilm aus den Dark Ages des Studios an: Das schwarze Loch.

Neben Kosinski wird auch Produzent Sean Bailey, mittlerweile Disneys Produktionschef, von Tron Legacy direkt zu Das schwarze Loch wechseln. Kosinski versprach, die wissenschaftlichen Erkenntnise über schwarze Löcher ebenso zu berücksichtigen, wie die zeitlosesten Elemente des grimmen Stiefkindes in Disneys Relafilmfundus. Die Geeks haben Kosinski bereits gefressen: Das schwarze Loch soll zu den meist ersehnten Kinofilmen der Comic-Con-Besuchern zählen.

Schwarze Löcher sind wirklich eine faszinierende Sache, die Sci-Fi-Autoren jeglicher Medien zu inspirieren vermögen. Aber nicht jeder Film über ein schwarzes Loch muss im Weltall spielen...



Dieser Kurzfilm namens The Black Hole wurde vom Regieduo "Phil and Olly" 2008 in Großbritannien gedreht und ist Teil des lobenswerten Future Shorts-Programms, das sich für die Rettung der Kurzfilmkultur einsetzt.

Die Tron-Trailerkiste

Ich habe ja eine richtige Schwäche für alte Kinotrailer. Ich bin sogar glücklicher Besitzer einer staubigen Disney-Trailerkassette auf der sich nichts weiteres befindet als Werbetrailer für damals aktuelle Disney-Filme, die frisch in der Videothek zum Ausleihen bereitstanden. Aufgrund ihres Veröffentlichungsdatum Mitte der 80er ist diese Kassette auch zugleich eine herrlich kuriose Ansammlung an vergessenen Disneyfilmen, allesamt Katalogtitel aus den 60er/70ern und Produktionen aus Disneys "dunklem Zeitalter".

Schon damals, als ich in Besitz des Videos gelang, war der Tron-Trailer (der sich am Ende dieses Artikels befindet) mit am meisten fasziniert, Jahre bevor ich den Film sah. Jetzt steht die Fortsetzung vor der Tür. Lediglich fast drei Jahrzehnte sind zwischen Trailer und Fortsetzung vergangen. Wie die Zeit vergeht, hm?

Bevor heute weltweit Previews auf Tron Legacy stattfinden, bietet es sich an zurückzublicken, als Arcaden noch eine unverbrauchte, vitale Sache waren und der Computer die letzte, magisch-faszinierende Grenze der Menschheit darstellten. Und die Disney-Studios in einer Identitätskrise steckten.











Marvel wird tronifiziert

Manche von euch sind vielleicht bereits über diese Bilder gestolpert, aber ich weiß auch, dass nicht alle meine Leserinnen und Leser von alleine darauf stoßen werden. Deshalb möchte ich anlässlich des heutigen Tron Days kurz auf diese ansehnliche Aktion zu sprechen kommen.

Als die Walt Disney Company den Comicgiganten Marvel kaufte, dann ging es Disney hauptsächlich um die riesige Sammlung an Figurenlizenzen, die mit diesem Kauf einherging. Mit Marvels gewaltigem Superheldenfundus kann man im Comicbereich, im TV und im Kino viel Geld verdienen. So verwundert es auch nicht, dass Disney vor kurzem einen millionenschweren Deal mit Paramount Pictures abschloss, um unter anderem an die Vertriebsrechte zu Iron Man 3 zu gelangen.

Dennoch lässt sich, gerade für den Disney-Konzern, ein weiteres Plus am Marvelkauf nicht verwehren: Über Marvel lässt sich eine ganz spezielle Demographie ansprechen, an die Disney nicht immer durchzudringen vermag. Was einen gehörigen Vorteil für das neuerdings immer öfter in Kritik geratene Marketing Disneys darstellt. Und Tron Legacy schickt sich als erste Disneyproduktion an, die Disney-Marvel-Ehe mit voller Macht auszunutzen. Ganz obendrein sieht es auch noch ungeheuer cool aus.

Die November-Ausgaben der Marvel-Superheldencomics erscheinen in den USA mit zwei verschiedenen Titelblättern. Neben dem normalen Cover haben Comickäufer die Möglichkeit, sich ein spezielles Variantcover im Tron-Look zu besorgen. Nicht sämtliche Tronifizierungen klassischer Marvelfiguren sind gelungen, aber einige sind wirklich super. Meine drei Favoriten findet ihr in diesem Artikel, den Rest hier.