Mittwoch, 31. August 2011

Die drei Musketiere (2011)


Was hat man davon zu halten, wenn Resident Evil-Regisseur Paul W. S. Anderson ankündigt, Die drei Musketiere neu zu verfilmen? Tja, als der Mann noch behauptete, weniger Wert auf die Austattung und die Kostüme, und mehr Wert auf Romantik und Action zu legen, war ich angepisst, aber dann sah ich Orlando Bloom in seinem Kostüm als Herzog von Buckingham, und ich war erstmals herzlich neugierig auf den Film. Ja, ich habe irgendwie eine seltsame Freude daran, Bloom in fabulösen Kostümen rumhampeln zu sehen, was wollt ihr schon dagegen unternehmen? Der erste Trailer war für mich widerlich sowie faszinierend und mit der Zeit habe ich mich immer mehr in das Projekt vernarrt. Egal ob gewollt oder ungewollt, Paul W. S. Andersons Die drei Musketiere sah nach einem Film aus, bei dem man jede Menge zum Lachen hat.

Und der Film hält, was die Werbung verspricht:
Orlando Bloom läuft herum wie ein aufgetakelter, französischer Pudel-Welpe, gekreuzt mit einem eitlen Gockel, der sich für einen Pfau hält. Er frisst die Szenerie, übertreibt mit seinem Schauspiel und dem lasziv-süffisanten diabolischen Grinsen, steckt das Publikum mit all seiner Spielfreude an.
Milla Jovovich läuft in Kleidern herum, die anfangs in all ihrem Glanz und ihrer Gloria eher wie Parodien von pompösen Kostümfilmen anmuten, aber Stück für Stück werden sie immer zeitgemäßer (angeblich soll sich Kostümschneider Pierre-Yves Gayraud von Christian Diors 50er-Jahre-Mode inspirieren lassen), bis sie wie eine französische Edelnutte im Renaissance-Gewand aussieht. Dabei spielt sie natürlich wieder einmal die verwegene und jeden austricksende Kampfamazone.
Mads Mikkelsen (in der deutschen Synchro wieder einmal mit einem triefend bös aufgelegten Axel Malzacher besetzt) trägt als Rochefort ebenfalls wieder mächtig dick auf und bemüht sich mit voller Kraft, Orlando Bloom im Böse-Grins-Wettbewerb auszustechen, währenddessen aber ernstzunehmend auszusehen. Es gelingt... so... ansatzweise. Sagen wir, es ist eine spaßige Boshaftigkeit, und kein schierer Camp wie bei Bloom.
Die Action ist energetisch, dynamisch und folgt natürlich der für Paul W. S. Anderson so typischen Videospiel-Ästhetik, mit ihrer Zeitlupe, den Nahaufnahmen und den stylischen Posen.
Tja, und dann kommt es zu den Luftschiff-Schlachten. Ja, Luftschiff-Schlachten. Diese Musketiere agieren nicht in unserer Realität oder der Welt eines altmodischen Hollywood-Swahsbucklers aus den 30ern oder 40ern, sondern in einer comichaften, im Videoclip-Stil gedrehten Welt von... naja, Steampunk ist zu früh... eher einer Welt des DaVinci-Punk. Denn mit genau diesem Erfinder reden sich die Autoren raus: DaVinci hat das Luftschiff erfunden. Und wer sind wir, DaVincis Genie anzuzweifeln?

Wenn all das für euch nach einer filmischen Wundertüte voller absurdem Popcornspaß klingt: Genau das ist es! Geht rein, am besten mit vielen Freunden und in einer gut gefüllten Kinovorstellung! Ihr werdet aus dem Grinsen kaum rauskommen. Wem sich bei der obigen Beschreibung dagegen der Magen umdrehte: Vermeidet diesen Streifen auf Teufel komm raus! Ihr werdet ihn hassen!

Natürlich kann man rummeckern, dass der Film mit der Vorlage ihre Schindluder treibt. Aber der Film ist wenigstens von Beginn an ehrlich (eigentlich schon seit den Trailern), er weiß, was er ist, und verheimlicht es auch nicht. Und überhaupt: Nach all den vorlagengetreuen und nicht-ganz-so-getrauen, aber zumindest mit klassischem Mantel-und-Degen-Spaß aufwartenden Verfilmungen hätte es eine weitere dieser Kajüte echt nicht gebraucht. Ich jedenfalls kann mit einer solch absurden Musketier-Adaption leben. Erstens, weil der Stoff schon so abgenutzt ist, dass er bereits sein eigenes Genre ist (wie der Western oder Piratenfilm), und nicht mehr als ein fest definiertes Werk betrachtet wird, und zweitens weil ich Disney-Fan bin. Hätte ich Probleme mit losen Adaptionen, dann könnte ich einen elementaren Teil meiner Filmsammlung wegwerfen.

Und ich mag ja auch Folk-Metal. Man nehme authentisch wirkende Elemente und zimmere drumherum alles, wonach einem gelüstet: Tempo, Härte, Moderne. Und genau das macht auch Andersons Die drei Musketiere. Ich finde, er hätte es sogar noch weiter treiben können. Etwa mit Christoph Waltz, der leider zu zurückhaltend ist. Er ist cool, seine Darbietung grundsolide, aber zum Ton des Films hätte es gepasst, wenn er wenigstens versucht hätte, an Tim Curry in der Disney-Verfilmung oder an seine eigene Leistung in Green Hornet heranzukommen. Oder auch mit der Musik: Sie ist eine fröhliche Mischung aus abgekupferten Passagen der ruhigeren Stücke aus Fluch der Karibik 1 & 2 sowie Hans Zimmers Sherlock Holmes-Musik, nur weitaus weniger exzentrisch. Wieso man darauf verzichtet hat, den WUMMS! dieser beiden Scores mitzuklauen, ist mir unerklärlich. Oder auch mit Til Schweigers Minirolle. Ja, allein schon seine Präsenz erhöht den Camp-Faktor und er kommt zum rechten Zeitpunkt, um den deutschen Kinogänger in die richtige Kopfschüttel-Stimmung zu versetzen, sein alberner Schurkenbart bereitet einen auf die Herrlichkeit vor, die nach ihm mit Orlando Bloom folgt... Aber man hätte da so richtig über Bord gehen können, statt Schweiger nur dabei zu haben, um ihn dabei zu haben. Und Lady de Winter hat einige der besten Sprüche des Films - meinetwegen hätten es aber auch doppelt so viele sein können. Wenn schon Camp-Blockbuster, dann auch ohne Rückhalt!

Auch von den Helden bin ich etwas enttäuscht. Zwischen den Darstellern herrscht Chemie, allerdings gibt es viel zu wenig Raum, sie auch auszuspielen. Wenn man keine andere Musketier-Erzählung kennt, dürfte man Probleme haben, die Figuren irgendwie auseinanderzuhalten. Und deshalb gibt es leider auch viel zu wenig coole Oneliner von ihnen. Dabei ist das doch nicht so schwer: Die 90er-Verfilmung mit Kiefer Sutherland und Charlie Sheen hat das richtig gut hingekriegt. Ich erinnere mich noch heute an die Figuren und kann sie zitieren. Bei den Anderson Musketieren kriege ich jetzt nichts mehr über die Helden zusammen. Die Musketiere hier sind unterhaltsam, aber schnell vergessen.

Wie auch immer: The Musketeer ist das hier zum Glück nicht. Die Trägheit und Orientierungslosigkeit dieses Matrix-Musketierfilms wich purem Popcornspaß. Und, meine Fresse, ich will eine Fortsetzung. Mehr noch: Ich will, dass Orlando Bloom in exakt dieser Staffage als wandelnder Cliffhanger/Plottwist in Pirates of the Caribbean 5 aufkreuzt und danach den Big-Bad in Teil 6 gibt!

Dienstag, 30. August 2011

52 Songs #9: Luftgitarre

Kurz vor der Zweistelligkeit erreicht das Projekt 52 von der Gedankendeponie den Höhepunkt einer jeden rocklastigen Kellerparty: Luftgitarre!

Bei diesem Thema möchte ich nicht unnötig lange herumschwafeln. Stattdessen gibt's einfach Guns N' Roses mit ihrem womöglich geilsten Song überhaupt. Einem Titel, der nicht nur zur Luftgitarre einlädt (dazu aber ganz besonders), sondern auch zum Luft-Bass und zum Luft-Schlagzeug. Paradise City.



Ja, den Song hatte ich bestimmt schonmal bei einem anderen Blog-Musikspielchen genannt... Na und? Manche Dinge sind so gut, die können auch zehnmal genannt werden.

Er hat Raketenantrieb! Er bekämpft die Mafia! Er bezwingt Nazis! Er verführt angehende Filmstars! Er... kann sich die Fortsetzung in die Haare schmieren.

Comicverfilmungen sind kaum noch aus Hollywod wegzudenken. Sie sind nicht nur recht verlässliche Publikumsmagneten, sondern ernten mittlerweile auch sehr viel Respekt seitens Cineasten und Kino-Kritkern.  Doch vor Captain America, Iron Man, The Dark Knight, Sam Raimis Spider-Man, Bryan Singers X-Men und meinethalben auch den ersten beiden Blade-Filmen sah dies noch völlig anders aus. Es gab viel weniger Comicadaptionen als heutzutage, und von wenigen Ausnahmen abgesehen, waren sie auch deutlich schlechter. Wohl auch deshalb scheint das kollektive Gedächtnis in Sachen Comicfilmen erst um die Jahrtausendwende einzusetzen.

Aus der Zeit zuvor werden nur für die ganz großen unter den Superhelden Ausnahmen gemacht. Superman, der 1978 erstmals eine "glaubwürdige" Superheldengeschichte auf die Leinwand brachte und von Fortsetzung zu Fortsetzung immer mehr zum Ziel des Spotts wurde, sowie Batman, dessen Kassenschlager von 1989 meiner Ansicht nach arg überschätzt wird, eine (wie ich finde) viel bessere Fortsetzung hatte und daraufhin eine lächerliche Wende nahm.

Abgesehen von diesen Comicgiganten gab es viele Filme, die entweder vergessen wurden, oder die Comic-Liebhaber versuchen, endlich zu verdrängen. Howard - Ein tierischer Held, Steel, Barb Wire, Judge Dredd, Tank Girl,... Einzig der Disney-Konzern schien während der 90er-Jahre abseits der ganz großen Comic-Helden aus dem Hause DC kleine Achtungserfolge zu feiern. The Crow wurde ein waschechter Kultfilm und Dick Tracy ist heutzutage zwar weitestgehend vergessen, aber er fand überdurchschnittlichen Erfolg an den Kinokassen (selbst wenn sich Disney mehr erhoffte) sowie überraschenden Zuspruch bei den Academy Awards. Warren Beattys ambitioniertes Projekt erhielt sieben Nominierungen für den Oscar, wovon er drei Stück gewann.

Verschaffen wir uns also einen Überblick: Vor dem aktuellen Comic-Boom im Kino hatten wir die zwei berühmtesten Superhelden aller Zeiten, einen Nischen-Kultfilm, einen vergessenen mäßigen Erfolg, der von bei den Oscars Anklang fand und einen Haufen Müll. Moment, haben wir nicht etwas vergessen? Eine Comicadaption, die nicht nur die Stimmung ihrer Vorlage einfing, sondern auch abenteuerliche, spaßige Filmstunden bot. Ein dynamisches, flockiges Heldenabenteuer, das Raum für eine äußerst vergnügliche Kinoreihe ließ, aber leider nie den verdienten Publikumserfolg fand. Nicht einmal rückblickend. Naja, von ein paar sehr lauten, stolzen Fans abgesehen. Darum wurden auch die eingangs geplanten zwei Fortsetzungen niemals gedreht.

Aber man sollte nie aufgeben. Jetzt, da der Regisseur dieses Films einen anerkannten Superhelden-Blockbuster ablieferte, ist genau der richtige Zeitpunkt, um zurückzublicken!

Meine Damen und Herren, ich erbitte mir mehr Respekt für...

Rocketeer

Der wichtigste Grund, weshalb mir Rocketeer so gut gefällt, ist seine das beste zweier (oder sogar dreier!) Abenteuer-Filmwelten vereinenden Grundstimmung. Regisseur Joe Johnston und die im Laufe der turbulenten Produktion mehrfach gefeuerten und wieder angeheuerten Drehbuchautoren Danny Bilson & Paul De Meo kreierten eine genüssliche Mischung aus dem naiv-ambitionierten Stil der Disney-Abenteuerfilme der 50er Jahre (nur mit einem wunderbaren Art-Deko-Setting an Stelle einer Jules-Vernes- oder Robert-Louis-Stevenson-Welt) und dem althergebrachten Pulp-Feeling einer Superhelden-Serial aus früheren Kinotagen.

Diesen Ansatz hat Joe Johnston sicherlich von George Lucas gelernt, dessen zwei großen Franchises (für die Johnston Effektarbeit leistete) bekanntlich ebenfalls moderne Rückgriffe auf alte Schundabenteuer sind. Und Johnston hat diesen spaßigen Filmstil ebenfalls drauf: Rocketeer fühlt sich wie ein guter Disney-Realfilm an, wie ein zeitgemäßer Blockbuster der frühen 90er und wie eine liebevolle Hommage an vergangenes Hollywood-Abenteuerkino.

Die Geschichte ist geradlinig, vergnüglich und grundsolide erzählt: Wir befinden uns im Jahr 1938, als Howard Hughs strenggeheimer Prototyp eines Jetpacks gestohlen wird. Zufällig gerät er in die Hände des unwissenden Stuntpiloten Cliff Secord (Billy Campbell), dessen Flugzeug kurz vor der großen Flugshow enormen Schaden nahm. Entgegen des Rats seines Mentors und Mechanikers Peevy (Alan Arkin), will er dieses Gerät unbedingt austesten. Auch wenn Peevy es nicht zugeben würde, ist er von dem Jetpack fasziniert und bemüht sich, es zu verbessern. Was die beiden nicht wissen: Sowohl das FBI, als auch die Mafia sind hinter dem Prototypen her, letztere im Auftrag des Hollywoodstars Neville Sinclair (Timothy Dalton), einem an Errol Flynn angelehnten Swashbuckler-Darsteller. Dieser wird von Herscharen von Frauen verehrt, darunter auch Cliffs Freundin Jenny (Jennifer Connelly), die als Statistin am Set von Nevilles neuen Film dabei sein darf.
Als Cliff während eines Notfalls bei einem Flugzirkus das Jetpack (sowie einen von Peevy entworfenen Helm) einsetzt, um einen Kollegen zu retten, machen Schlagzeilen über einen Superhelden namens "Rocketeer" die Runde - und natürlich dauert es nicht lange, bis die Mafia und das FBI sich an seine Fersen setzen...

Rocketeer hat ein paar kleinere Macken. Keine von ihnen ist gravierend, in der Summe sind sie dennoch auffällig. So hat der Film zwar eine sehr gesunde Dosis Humor, die hilft den Camp-Faktor seiner Handlung zu unterstreichen, aber dieser Humor findet keinen einheitlichen Tonfall. Manches ist der schiere Disney-Familienfilm-Slapstick, anderes ist schon etwas kerniger, etwa wenn ein älterer Mann in Jennifer Conellys Ausschnitt starrt und anmerkt, sie kennenzulernen sei ein doppeltes Vergnügen. Wohl auch wegen solcher Scherzchen (und der Ankunft der Nazis in Los Angeles via Zeppelin) hat sich Disney dazu entschlossen, Rocketeer in manchen Märkten als Touchstone-Film zu veröffentlichen, statt als Disney-Produktion. Dies war aber die ursprüngliche und in den USA bis heute geltende Einteilung - und die finde ich auch ganz und gar angebracht.

Wie dem auch sei, wenn man von manchen Problemen, den richtigen Humor zu finden oder auch von einer Eröffnungs-Verfolgungssequenz, die gerne etwas spektakulärer hätte sein dürfen, absieht, ist Rocketeer gebündeltes, tolles Unterhaltungskino. Campbell ist ein guter Durchschnittstyp, der in die Heldenrolle stolpert, Alan Arkin und Timothy Dalton sind richtig göttlich in ihren comichaften, und dennoch mit dem richtigen (herzlichen bzw. boshaften) Charme ausgestatten Rollen und Terry O'Quinn (Locke hochstpersönlich!) gibt ein nettes Stelldichein als Howard Hughes. Jennifer Connelly agiert mir etwas zu steif, doch wenigstens bricht ihre Figur etwas aus dem "Zu rettendens Püppchen"-Schema aus. Ja, gemäß der Pulp-Abenteuer-Orientierung muss auch sie mal befreit werden, aber verbal und auch körperlich teilt sie hie und da aus, was das ganze erfrischend hält. Dass ihre Figur in den Comics noch anders hieß und Aktmodell war, ist eine der grundlegendsten Änderungen gegenüber der Vorlage. Aber der Film profitiert davon, weil wir dadurch mehr Hollywood-Flair schnuppern dürfen.

Die Effekte waren für ihre Zeit sensationell, allerdings kam Rocketeer im Sommer von Terminator 2 in die Kinos, und verloren somit jeglichen Anspruch, die bahnbrechendsten Tricks des Kinojahres zu sein. Dafür kann die Ausstattung bei Liebhabern des 30er-Stils für Euphorie sorgen: Die Kostüme sehen toll aus und die Sets reflektieren den damaligen Hollywood-Zeitgeist. Natürlich auch inklusive seltsamer Architektur für Cafés und Restaurants. Für das verwendete Budget ist Rocketeer ein wahrer Augenschmaus. Und ein Genuss für die Ohren ist der Film obendrein: James Horner gab eine seiner besten Arbeiten ab, mit einem träumerisch-heroischen Soundtrack, der einen in Gedanken fliegen lässt. Ein paar altmodisch-jazzige Stücke haben sich auch mit eingeschlichen. Klassik, Jazz, schöner, nicht zu dick aufgetragener Filmpathos: Wie diese Filmmusik bei den Oscars komplett ignoriert werden konnte, ist mir ein Rätsel.

Rocketeer ist nicht perfekt. Aber Joe Johnstons zweite Regiearbeit beinhaltet schon sämtliche Qualitäten, die zwei Jahrzehnte später Captain America auszeichnen sollten, und ist schon für sich betrachtet ein so solides, charmantes Stück Hollywood-Kino, dass ihr die Apathie des Publikums einfach nicht gerecht wird. Dieses Disney- und Superhelden-Kleinod ist mir mit seiner handgemachten Action, dem wundervollen Score von James Horner und dem vergnügten Ensemble sogar lieber als der Vorzeigefilm Iron Man. Ja, die Downey-junior-Show ist reinstes Vergnügen, die Effekte sind keinesfalls mies, aber die Randfiguren sind nur halb so interessant, gegen Ende des zweiten Akts ist Iron Man was zäh und sich kloppende CGI-Roboter(anzüge) finde ich nur halb so cool, wie 30er-Mafiagangster in Nadelstreifenanzügen, die mit ihren MGs auf einen Nazi-Zeppelin feuern. Und Jeff Bridges' Leistung in Iron Man ist längst vergessen - Timothy Dalton in Rocketeer hingegen glüht vor Selbstgenuss.

Rocketeer ist im Vergleich zu modernen Comicverfilmungen eine Kleinproduktion. Doch in Sachen Sehvergnügen spielt er in der Liga der Pre-Avenger-Filme der Marvel Studios mit. Wo er sich mit den meisten der Filme auf verschmitzte Weise anlegen kann.

Und deshalb hat Rocketeer mehr Respekt verdient.

Weitere Artikel dieser Reihe:

Aller guten Dinge sind drei: "Tron: Legacy"-Fortsetzung unterwegs?


Sin City 2, Epic Mickey 2 und nun Tron: HierUntertitelEinsetzen! Wenn morgen erstaunliche Meldungen bezüglich Pirates of the Caribbean 5 auftauchen, dann habe ich eine neue Lieblingswoche des Jahres.

Natürlich muss man solche Meldungen immer mit etwas Vorsicht betrachten, dennoch versetzt es mich in einen kleinen Jubelsturm, dass AICN ein Video veröffentlicht hat, in dem Bruce Boxleitner höchstpersönlich auf der D23-Expo mit einem Fan darüber spricht, dass er von Disney bereits für einen dritten Teil der Tron-Saga angeheuert wurde und dieser 2013 in die Kinos käme.

Natürlich könnte es sein, dass Boxleitner bloß davon spricht, dass bereits ein Drehbuchautor engagiert wurde,  bloß würde ich das als Schauspieler nicht als abgemachte Sache bezeichnen. Zumindest Gespräche mit dem Studio, vielleicht auch abgeschlossene Verträge, sollten schon dazugehören. Außerdem ist es ja keine Selbstverständlichkeit, dass er überhaupt noch mit dem Film zu tun hat. Nun, Tron 3 würde ich noch nicht als garantiert ansehen, aber meine Furcht, dass der Film nicht realisiert wird, hat bereits ein gutes Stück nachgelassen.

Siehe auch:

Montag, 29. August 2011

Und noch eine Fortsetzung scheint vital: Epic Mickey 2?!

Epic Mickey sah in den ersten Konzeptphasen entweder total dämlich, aufgesetzt schaurig und schauerhaft aus... oder großartig, einfallsreich, mutig und schlichtweg super. Je nachdem, wen man fragte. Ich geselle mich eher in die zweite Runde. Das eigentliche Spiel habe ich noch immer nicht gespielt, aber der generelle Konsens ist ja "gut... nicht so, wie ganz zu Beginn erwartet".

Nun, wie mir der gute Jan (ihr kennt ihn von einem gewissen Podcast) verriet, deuten gewisse Zeichen auf einen zweiten Anlauf:

Ein Leser von Destructoid.com meldete dem Portal, dass er zu einer Online-Marktforschungsumfrage eingeladen wurde. Und der Kernpunkt dieser Umfrage war: Soll es Epic Mickey 2 geben, wie sollte das Cover aussehen und was ist der ansprechendere Titel? Die Cover seht ihr oben, zu den Titel zählten derweil, so der Hinweis des Destructoid-Lesers, Epic Mickey 2: Return of the Mad Doctor, Epic Mickey 2: The Power of Two, Epic Mickey 2: Mystery on Mean Street und das simple Epic Mickey 2.

So, jetzt seid ihr auch eingeweiht.

Sin City 2: Es lebt tatsächlich - und hat einen Oscar-gekrönten Skriptdoktor


Robert Rodriguez sagte ja, dass Sin City 2 weiterhin in Arbeit sei. Und wenn er dieses Jahr nicht Nägeln mit Köpfen mache, dann niemals. Fans des Originals von 2005 (so lang ist's her!) dürfen also vor Freude in die Luft springen, denn es wird tatsächlich weiter am Drehbuch gebastelt. Und dieses Mal holt sich Robert Rodriguez Hilfe von auswärts!

Wie THR berichtet, wird das Drehbuch von Frank Miller und Robert Rodriguez derzeit von niemand geringerem als William Monahan überarbeitet. Dieser gewann für The Departed den Oscar für das beste adaptierte Drehbuch, hat also ganz klar Ahnung im Kriminalthriller-Genre. Ob er nun all die Schundfantasien auslebt, die er bei Scorsese zurückhalten musste, oder ob er Sin City 2 vorbereitet, der überraschendste Drehbuch-Oscar-Kandidat aller Zeiten zu werden, wird sich natürlich erst noch zeigen müssen. Monahan ist auch in Joseph Kosinskis Horizons (ehemals Oblivion) involviert, welches kürzlich fünf gefragte Darstellerinnen in die engere Auswahl für die weibliche Hauptrolle nahm. In Zukunft könnten wir Olivia Wilde, Brit Marling, Jessica Chastain, Noomi Rapace oder Olga Kurylenko neben Tom Curise sehen... vielleicht auf Basis eines Skripts des bis dorthin eventuell mehrfach Oscar-Prämierten Monahan.

Doch realistisch gedacht können wir aus dieser Meldung nur folgendes ziehen: Sin City 2... Es leeeeeeebt...!

Midnight in Paris


Einer der besten Autorenfilmer der Kinogeschichte widmet der schönsten Stadt der Welt ein filmisches Liebesgedicht, welches zugleich auf originelle Weise den kreativen Schaffensprozess beleuchtet, indem es sich vor einigen der inspirierendsten Persönlichkeiten der Vergangenheit verneigt. Wie könnte ich besser meinen 50. Kinobesuch des Jahres begehen, was könnte bei einem solchen Film überhaupt enttäuschen?

Midnight in Paris wurde bereits von zahlreichen Kritikern als Woody Allens bester Film beschrieben. Mindestens seit den 80er Jahren, möglicherweise sogar seines gesamten Schaffens. Ein sehr weitreichendes Urteil, und es fällt mir schwer, dagegenzusteuern. So kurz nach meiner ersten Sichtung möchte ich mich nicht völlig festlegen, aber Midnight in Paris ist definitiv eine von Allens Glanzleistungen. Dass es sein kommerziell größter Erfolg geworden ist, freut mich daher sehr, jedoch bin ich schon ein klein wenig überrascht. Die ungewöhnliche Liebeserklärung an Paris ist zwar bei weitem nicht sein Nischenfilm schlechthin, da allein schon ihre unstreitbare Qualität und der schwer entkommbare Esprit einem eventuellen Randdasein entgegensteuern. Doch es ist auch nicht gerade der archetypische Durchbruchs- oder Comebackfilm, mit dem künstlerische Autorenfilmer (wieder) an Mainstreamaufmerksamkeit gelangen. Ich denke schon, dass man eine Künstlerader aufzeigen muss, eine nostalgische Veranlagung braucht oder parisverliebt sein sollte, um den meisten Genuss aus Midnight in Paris zu ziehen. Ein paar Vorkenntnisse über Literatur und Malerei können auch nicht schaden, aber das preisverdächtige Drehbuch geht auch ohne sie auf.

Welche Geschichte lockte Woody Allen denn dieses Mal aus seinem geliebten New York? Nun, Midnight in Paris handelt vom erfolgreichen Hollywood-Autor Gil (Owen Wilson), der seine oberflächlichen Komödien-Drehbücher gern zu einer Sache der Vergangenheit machen würde. Seit einiger Zeit arbeitet er an einem substantiellem Roman, mit dem er allerdings nicht zufrieden ist. Als seine stockkonservativen Schwiegereltern in spe (Mimi Kennedy & Kurt Fuller) eine Geschäftsreise nach Paris unternehmen, nutzen er und seine Verlobte Inez (Rachel McAdams) die Gelegenheit, um sich kostenfrei dranzuhängen. Inez freut sich auf ein gehobenes Touristen-Programm: Gemeinsam mit ihrem belesenen (soll heißen: besserwisserischen) Studienfreund Paul (Michael Sheen) und dessen Frau (Nina Arianda) unternimmt sie Museumsbesuche, kauft in Antiquitätenläden ein und besucht nachts Discos. Der in Paris vernarrte Gil möchte die Stadt aber auf andere Weise erkunden, ziellos herumschlendern und die Atmosphäre der Straßen atmen. Nach einer Weinprobe mit Geschäftsfreunden seines kündftigen Schwiegervaters seilt er sich von der Gruppe ab, um Paris nach Mitternacht zu erkundigen. Die Stadt der Liebe ist zwar zu jeder Tageszeit ein wundervoller Ort, aber wie sich zeigt, ist Paris zu dieser späten Stunde magischer und erfüllender, denn sonst...

Es entfaltet sich eine wunderschöne Geschichte über altmodische Romantik, Kreativität und die Kunst mit offenen Augen zu träumen. Es gibt viele Filme, die sich darum bemühen, die ewige Suche nach Inspiration auf Zelluloid zu bannen, allerdings wurde sie selten so bezaubernd eingefangen, wie in Midnight in Paris. Weshalb Woody Allen seine Künstlergeschichte nicht in irgendeiner Stadt angesiedelt hat, sondern im beseelten Paris, wird schnell ersichtlich, denn die Handlung profitiert ungemein vom zeitlosen Charme der französichen Hauptstadt. Mittels Allens entwaffnender Inszenierung und den atmosphärischen, wunderschön beleuchteten Postkartenmotiven seines Kamerateams Darius Khondji (Evita) & Johanne Debas (Kuss-Kuss in Paris) wird dies sicherlich auch für jene ersichtlich, die noch nicht das Glück hatten, Paris mit eigenen, offenen Augen zu erkunden.

Was in Anbetracht seiner letzten Filme vielleicht überrascht, ist dass Allen für seine sentimentale, nostalgische Künstlerkomödie den beißenden Zynismus wieder bei Seite lässt und zu einer erfrischenden, herzlichen Naivität zurückkehrt. Einen besseren Grundtenor könnte Midnight in Paris nicht finden.

Das Ensemble ist durch die Bank weg fantastisch. Der stets unterschätzte Owen Wilson erinnert hier wieder an seine Leistungen in den nachdenklichen Tragikomödien mit Wes Anderson und die vor Charme sprühende Rachel McAdams spielt mit Genuss Gils mit mehr Bodenhaftung ausgestattete (gestrafte? gesegnete?) Verlobte. Sie schafft es mit viel Witz und Unaufdringlichkeit, den Zuschauer auf Gils Seite zu manövrieren, ohne in die für Filme über Kreativität und Kunst so typische Falle zu tappen, und einen gegen die Realistin aufzubringen. Inez ist keine uncharmante, abscheuliche Figur, sie teilt einfach nicht Gils Künstlerader. Die Rolle der Witzfiguren übernehmen dafür Michael Sheen, dessen arroganter Pseudo-Intellektueller köstlich amüsant ist, und Kurt Fuller, als ultra-republikanischer Dickschädel. Auch alle anderen Rollen sind großartig besetzt, jede(r) Darsteller(in) bringt sichtbares Engagement und einen sprühenden Funken mit sich, ganz gleich, wie groß oder klein sein (oder ihr) Part auch ist. Ganz besonders gefiel mir Adrien Brody mit einem schier unvergesslichen, brüllend komischen Gastauftritt, über den man besser keine weiteren Worte verliert.

Midnight in Paris ist Woody Allen, wie ich ihn liebe. Greifbare zentrale Figuren, ein mit sprühenden Dialogen versehenes Drehbuch, feiner Witz und eine schöne, durchaus verschrobene Grundsituation.

Freitag, 26. August 2011

Reingehört 46: Witzig und weniger witzig

RTL-Explosiv klärt auf: Das sind alles stinkende Freaks, die bestenfalls ihre linke Hand flachlegen können. Die rechte braucht's ja zum Zocken.

Diese Woche geht's im Quotenmeter-TV-Podcast um jemanden, der den Humor beherrschte. Und um jemanden, der behauptet, einen Witz gemacht zu haben. Aber in Wahrheit durch seine weltfremde und hetzerische Boulevard-Berichterstattung für einen großen Eklat sorgte.

Jan Schlüter, Gregor Elsbeck und ich diskutieren zunächst in Gedenken an den am Montag verstobenen Loriot über die besten Sketche des Humor-Lehrmeisters. Vielleicht können wir manche Zuhörer sogar auf Loriot-Kleinode hinweisen, die sie bislang noch nicht kannten.

Im zweiten Thema des Tages geht es um den viel diskutierten Beitrag von RTL-Explosiv über die vergangenen Gamescom in Köln. Demnach sind alle Menschen, die sich für Videospiele faszinieren (und bei gegebenem Anlass gerne verkleiden) stinkende, einsame Kellerkinder, die selbst im Traum keine Chance hätten, jemals eine Liebesbeziehung zu führen. Und was halten wir eigentlich von der Entschuldigung des verantwortlichen Redakteurs?

Außerdem gibt es die Kurzmeldungen der Medienwoche (Star Wars wurde neu überarbeitet!), Tops und Flops sowie Einschalttipps, die ihr nicht versäumen solltet.

Viel Spaß beim Anhören!

The Rum Diary: Der Film existiert noch, und er hat einen Trailer!

Der Film ist längst abgedreht, und bald wird's auch für den Kinogänger abgedreht: Johnny Depp kehrt in die Welt von Hunter S. Thompson zurück. Und dieses Mal begleitet ihn Amber Heard.



Dadurch, dass der Kinostart mehrfach verschoben wurde, ist The Rum Diary nun um einige zufällige "Referenzen" auf Pirates of the Caribbean - Fremde Gezeiten und Rango reicher. Warten lohnt sich also.

Donnerstag, 25. August 2011

OK Go und die Muppets

The Green Album, so heißt die neue Scheibe, auf der zahlreiche moderne Künstler klassische Muppet-Songs covern. Eines der Cover stammt von der US-Indieband OK Go. Sie nahmen den Titelsong der Muppet Show und verwandelten ihn in einen elektrisch-verworrenen Indie-Titel, wie er jederzeit in einem Film von Wes Anderson auftauchen könnte.

Das Video geistert schon länger durch das Netz, aber zunächst waren deutsche Muppet-Freunde die Dummen, weil die GEMA sämtliche Zugänge sperrte. Dies scheint sich geändert zu haben... Hoffentlich:

Mittwoch, 24. August 2011

52 Songs #8: Selbstbeschreibung

Endlich ist der Sommer auch mal sommerlich, und was ist? Statt uns armen Blogger grillend und Blubberlutsch-Biermischgetränke in der Sonne liegen zu lassen, fordert uns Konna auf, für die Reihe 52 Songs ganz selbstreflexiv zu sein. Denn das achte Thema dieser ein Jahr andauernden Aktion lautet: Selbstbeschreibung.

Ein Lied soll es sein, das uns selbst beschreibt. Ein Stück Musik, das man anderen Menschen vorspielen könnte, um zu sagen: "Hollerö, genau so bin ich. Wenn du mir jetzt auch noch einen Song vorspielst, kennen wir uns gut genug, um uns gegenseitig etwas ins Poesiealbum schreiben zu dürfen!"

Mir fiel diese Aufgabenstellung wieder deutlich leichter, als die letzten paar. Immerhin stellte sich nun nicht erneut die Frage, in welche musikalische Richtung ich wanden sollte, ob ich eine Filmkomposition wähle oder doch einen "eigenständigen" Song. Bei diesem Thema war sofort klar: Wähle ich nichts von Disney, so müsste ich mir meine Lizenz zum Ich-Sein entziehen. Höchstwahrscheinlich in einer höchst offiziellen und theatralisch inszenierten Zeremonie, bei der das ehrenwerte Musikkorps der Bundeswehr zum Abschied ein Lied meiner Wahl spielt. Das wäre dann gewiss ein Disney-Stück geworden, was diesen ganzen Sir-Donnerbold-Zapfenstreich ad absurdum führen würde...

Jedenfalls kann ich hier nicht anders, als meiner großen Disney-Leidenschaft zu fröhnen. Alles andere wäre so, als verzichte cimddwc bei diesem Thema auf eine Queen-Verbindung.

Meine Selbstbeschreibung, so mein Gedanke, sollte aber mehr sein, als einfach nur "Disney". Dann stünde ich ja wieder vor einem schier unendlichen Musik-Archiv. Mein Song sollte Laune machen, voller Energie und Kraft sein. Denn auch wenn Ausnahmen die Regel bestätigen, so ist mir diese Art Musik deutlich lieber, als ruhiges Gesäusel. Wo käme ich hin, wäre meine Selbstbeschreibung eine musikalische Ausnahme meiner üblichen Vorlieben? Außerdem sollte mein Song hart sein, so richtig rockig. Wenigstens für Disney-Verhältnisse. Es sollte gute Stimmung thematisieren (etwa durch seinen Klang), aber auch miese Laune, etwa Wut (was man ja im Text erledigen könnte). Wenn dann noch etwas Eigenwilligkeit zum Ausdruck käme, genauso wie eine gewisse Gemeinschaftlichkeit, wenn also nach einer "ich, ich, ich"-Haltung letztlich doch ein Wir-Gefühl vorherrscht, dann ist eigentlich alles paletti.

Aber... gibt es solch ein Lied überhaupt? Und... könnte ich es wagen, auch noch zu verlangen, dass dieser Song mit dem launischen, jedoch letztlich sehr wohl umgänglichen Pechvogel Donald Duck zu tun hat? Der Ente wie du und ich? Dass dieses Lied nicht zu sehr im Rampenlicht steht, allerdings auch kein absolutes Schattendasein ist dann gewiss viel zu viel verlangt, oder?

Ein Lied, dass sämtliche meiner Forderungen erfüllt, kann es unmöglich geben...



... ach ja. Der Titelsong von Quack Pack.

Anders gesagt: Die Antwort auf die Frage nach dem Ich, meinem Wesen und all dem Rest lautet... 42. Wie denn auch sonst?

Banksy übernimmt das Werbefernsehen


Banksy - Exit Through The Gift Shop (*zu meiner Kritik*), die intelligente, kunst- und mediensatirische Dokumentation von und über den britischen Graffitikünstler Banksy wird so langsam aber sicher von den europäischen Fernsehstationen eingenommen. So läuft der Film am 31. August um 0.45 im WDR. Diese TV-Ausstrahlung wird leider nicht so einmalig sein, wie die britische Premiere auf Channel 4. Denn der Fernsehsender gab Banksy die Gelegenheit, die Werbeunterbrechungen mit einigen eigenen Spots zu würzen.

Eine Zusammenstellung der Banksy-Spots findet ihr hier:




Nichts weltbewegendes, aber doch ein netter Touch, der die kommerzielle Fernsehauswertung einer kommerzkritischen Dokumentation sehr gut aufwertet. Wer Banksy nochmal in Höchstform sehen möchte, kann sich ja nochmal sein Simpsons-Intro ansehen. In der jüngsten Simpsons-Staffel werden übrigens erneut kleine Banksy-Gags auftauchen. Wir in Deutschland hinken ja noch etwas hinterher: Am 10. Oktober strahlt ProSieben um 20.15 Uhr die in The Lisa Series umbenannte Episode MoneyBART aus - und somit die erste Vereinigung der gelben Chaosfamilie und dem anarchischen Straßenkünstler.

Bis dahin werde ich hoffentlich Zeit finden, mir nochmal Exit Through The Gift Shop anzusehen. Dann im Double-Feature mit einem ganz anderen, und doch so vergleichbaren Film. Wenn das was gescheites ergibt, werdet ihr es erfahren, wenn nicht, dann tut so, als hättet ihr diese Zeilen niemals gelesen...

Dienstag, 23. August 2011

D23: Ein Blick auf die Themenparks


Dass die Walt Disney Company weniger Filme als Warner Bros., ihr ständiger Konkurrent um den Titel des weltgrößten Unterhaltungskonzerns, veröffentlichen kann, und dennoch finanziell ziemlich solide dasteht, liegt vor allem an den Freizeitparks. Diese sind eine verlässliche Einnahmequelle mit einer beneidenswert treuen Fangemeinde. Menschenskinder, es gibt sogar Disney-Fans, deren Herz allein wegen der Parks für Disney schlägt. Das kann ich zwar nicht so ganz nachvollziehen, da ich nicht verstehe, wie manche die Filme mies finden und trotzdem die Parks lieben können (sind sie dafür nicht zu verwandt?), aber ich möchte da niemanden in seine Herzensangelegenheiten reinquatschen.

Jedenfalls dürfte es niemanden überraschen, dass die Themenparks bei der D23 Expo womöglich den größten Raum beanschlagt haben. Leider gab es relativ wenig Neuigkeiten unter all der Themenpark-Berichterstattung, aber ich habe mich bemüht, die interessantesten der Informationen rauszufischen:

Zunächst stellte Tom Staggs von Disneys Themenpark-Division die Pläne für das rundumerneuerte Fantasyland im Magic Kingdom vor. So wird Belles Dorf viel Raum davon einnehmen und sehr liebevoll bepflanzt. Neben mehreren Restaurants wird es auch eine interaktive Meet-and-Greet-Möglichkeit mit Figuren bieten. Teil dessen ist die bis dato komplizierteste Audio-Animatronic: Ein lebensgroßer Lumiere.
Außerdem wird auch Schneewittchens Dorf das Fantasyland erweitern, in welchem auch die neue Familien-Achterbahn Seven Dwarfs Mine Coaster zu finden ist. Diese ist wilder als die zahme Fahrt mit Casey jr., aber sanfter als Big Thunder Mountain und schließt somit die klaffende Lücke in Disneys Achterbahnen-Spektrum. Videos auf der Expo führten die neuartigen Wagen vor, die unabhängig voneinander ins Schwingen geraten:



(Quelle: Attractions Magazine)

Auch im kalifornischen Disneyland wird das Fantasyland verstärkt an Disneys Märchenfilme angepasst. In diesem Falle stehen aber nicht Die Schöne und das Biest und Schneewittchen, sondern Rapunzel Pate. Wie der Präsident des Disneyland Resorts, George Kalogridis, auf der Expo erklärte, wird man die zwar charmanten, aber auch recht "tacky" gearteten Carnation Gardens zur so genannten Fantasy Fair umgestalten. Diese ist vom pittoresken Markplatz im wunderschönen Königreich aus Rapunzel inspiriert und wird auch einen Blick auf Rapunzels Turm beinhalten (die geographische Magie der Disney-Parks!). Auf diesem Platz wartet neben den üblichen Boutiquen und Verzehrgelegenheiten auch zahlreiches Live-Entertainment auf die Gäste, wie etwa die geplante Royal Ribbon Parade, ein musikalisches Fest mit zahlreichen Tänzern, Artisten und Belle sowie Rapunzel. Ja, die belesenen der Disney-Prinzessinnen scheinen sich zu verstehen. Gefällt mir. Außerdem soll es wohl auch Gelegenheit für die üblichen Autogrammstunden mit den adligen Disney-Figuren (inklusive Pixars Merida) geben. Nachts wird der Platz außerdem für zahlreiche Sonderveranstaltungen geöffnet.


Wir nähern uns damit also einen gewaltigen Schritt dem künstlerischen Disney-Inzest: Die Regisseure von Rapunzel sagten, dass die Gestaltung des Königreichs in Rapunzel sehr stark vom Fantasyland inspiriert wurde, und nun wird diese Inspirationsquelle unter Bezugnahme auf Rapunzel neu gestaltet. Irgendwie ironisch, aber so lange es hübsch und einfallsreich umgesetzt wird, werde ich nicht panisch aufschreien.

Auch die massiven Umbauten im parkgewordenen Prügelknappen Disney California Adventure wurden thematisiert. So zeigte man einige Konzeptbilder der Buena Vista Street, die an Stelle des derzeitigen Eingangs treten wird. Sie soll, wie seit Jahren angekündigt, das gesamte Konzept des Themenparks auf den Kopf stellen und aus "Kalifornien als Themenpark! In Kalifornien!" eine waschechte, disney'esque Zeitreise bieten. Man betritt auf Augenhöhe gemeinsam mit einem jungen und träumerischen Walt Disney und seiner jüngsten Schöpfung Micky Maus (siehe das Bild ganz oben) das Los Angeles der 20er Jahre und folgt dann während der Erkundung des Parks der Entwicklung des disney'schen Traums, während man auch die Facetten Kaliforniens kennenlernt. Klingt doch direkt viel besser!


(Quelle: Disney Parks)

An Cars Land, ebenfalls des kalifornischen Abenteuers, wird weiter tüchtig gebaut. Wirklich neues gab es nicht zu lernen, die bereits angekündigten Attraktionen werden derzeit getestet, und die Cast Member (Disneys Parkangestellten) werden in diesem Bereich in einem liebenswürdigen Seitenhieb auf John Lasseter in Hawaiihemden mit Route-66-Symbolen auftreten. Denn... warum nicht? Die spannendste Meldung bezüglich des kalifornischen Resorts sind wohl buchbare persönliche Begegnungen für besonders begeisterte Disney-Fans, wie etwa "ein Abendessen mit einem Imagineer... in der Haunted Mansion" oder das Wiedererleben alter (filmischer) Attraktionen. Damit spricht man wohl ganz klar die Club 33-Zielgruppe an, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass dies etwas für den schmalen Geldbeutel wird.


Schließlich widmete man sich auch dem in der Planung befindlichen Disneypark in Shanghai, der auf dem besten Wege ist der ambitioniertste von allen zu werden, wie allein schon die vielen Konzeptbilder bei Disney and more vermuten lassen. Schon das Schloss wird das größte in der Disney-Geschichte: Das Enchanted Storybook Castle umfasst vier Stockwerke und beinhaltet ein Restaurant, in dem man mit den Prinzessinnen speisen kann, eine Boutique, eine Walkthrough-Attraktion sowie eine sämtlichen Disney-Märchen gewidmete Bootsfahrt. Klotzen, nicht kleckern...

Mehr bei: Fused Film, Disney and more, Attractions Magazine, Mickey Updates

Oh... Ihr wartet noch immer darauf, dass auch was für uns Europäer gemeldet wird? Ihr Narren! Natürlich gab es mal wieder nichts neues über Disneyland Paris.

Deutschlands Lehrer in Sachen Humor ist verstorben

Wie heute bekannt wurde, verstarb gestern Bernhard Victor Christoph-Carl von Bülow, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Loriot, im Alter von 87 Jahren. Der am 12. November 1923 in Brandenburg an der Havel geborene Karikaturist, Schauspieler, Drehbuchautor und Regisseur sei aufgrund von Altersschwäche "sanft entschlafen", wie eine Sprecherin des Diogenes Verlags im Namen Loriots Hinterbliebenen mitteilte.

Loriot gehörte zu den bedeutendsten und vielseitigsten deutschen Künstlern. Mit seinem feingeistigen Humor brachte er erst als spitzfindiger Cartoonist und ab 1967 auch als Fernsehmoderator und -komiker dem spröden deutschen Bürgertum das Lachen bei. Am bekanntesten wurden seine Fernsehsketche im Rahmen der sechsteiligen ARD-Reihe Loriot, in der er unter anderem gemeinsam mit Evelyn Hamann das Versagen der zwischengeschlechtlichen Kommunikation auf's Korn nahm. Zahlreichen Sketchen, darunter dem Jodeldiplom und dem Weihnachtstrubel bei Familie Hoppenstedt ("Früher war mehr Lametta!") gelang der dauerfristige Eingang in unseren Sprachgebrauch.

Dem unter anderem mit dem Bambi, der Goldenen Kamera, dem Wilhelm-Busch-Preis sowie dem Deutschen Filmpreis ausgezeichneten Multitalent gelang es mit seinem besonnen Auftreten und der so ruhigen Art, selbst bei den spießigsten Deutschen auf Akzeptanz zu stoßen. Dabei zog Loriot eben diese stocksteife Natur genüsslich durch den Kakao. Und trotzdem versprühte er stets eine ehrliche, gelebte Würde, die viele Komiker für den Witz abstreifen. Selbst in seinen skurrilsten, subversivesten Momenten schien Loriot über den Dingen zu stehen - vielleicht konnte er genau deshalb so treffende Beobachtungen über den Irrsinn in den langweiligsten Situationen des Alltags machen. Verdientermaßen wurde er dafür zum Ehrenmitglied der Deutschen Gesellschaft für Soziologie ernannt.

Wie wichtig Loriots Schaffen für die hiesige Humorkultur ist, lässt sich kaum zusammenfassen. Möge er in Frieden ruhen. Denn seine unvergesslichen Schöpfungen werden es, glücklicherweise, nicht.

D23: Videospiele, Märchen, Burton-Horror - Disneys Trickfilmwelt abseits von Pixar

Wreck-it Ralph, ehemals Reboot Ralph, ehemals Joe Jump, hat bereits eine turbulente Produktionsgeschichte hinter sich, aber die Storyfindungsprobleme sind nunmehr gelöst und das Kino-Regiedebüt von Rich Moore steuert einen Kinostart Ende 2012 an. Der Regisseur einiger der besten Simpsons- und Futurama-Episoden wird Disney-Fans das 52. Meisterwerk im offiziellen Disney-Kanon bescheren, und damit Fans ein besseres Gefühl für den Ton dieses Films bekommen, wurde er auf der D23-Expo recht umfangreich repräsentiert.

So gab es eine auf der Ausstellung eine Ecke, in der eine Retro-Arcade aufgebaut wurde, deren Zentrum der Fake-Spieleautomat zu Fix-it Felix, jr. bildete. Diese liebevolle Verneigung vor dem waschechten 80er-Arcadefeeling bildete das Videospiel nach, welches die "Heimat" des Film-Titelhelden darstellt. Der bullige Ralph ist der Schurke in einem an Donkey Kong jr. und Rampage erinnert. Seit nunmehr 30 Jahren tut er brav seinen Job und mach dem optimistischen Handwerker Fix-it Felix, jr. das Leben schwer. Doch das ständige Randalieren erfüllt Ralph nicht mehr, was ihn in eine Identitätskrise stürzt. Auf der Suche nach Anerkennung reist er, sobald niemand mehr da ist, durch die gesamte Arcade. Wie John Lasseter erklärte, wird Wreck-it Ralph für Videospiele das tun, was Falsches Spiel mit Roger Rabbit für klassischen Zeichentrick tat und die neuen Figuren im Laufe ihres Abenteuers mit zahlreichen alteingesessenen Videospielcharakteren zusammenführen.

Dies wird bereits in der Eröffnungsszene bewiesen, die (größtenteils in Storyboardform) auf der Expo aufgeführt wurde: Ralph ist Mitglied einer Schurken-Selbsttherapiegruppe namens Bad-Anon: One Game At A Time, der auch unter anderem einer der Geister aus Pac-Man, die Schlange aus Q*bert, ein anonymer, Axt-schwingender Zombie (Kanonenfutter zahlreicher Horrorgames und Shooter), Kano aus Mortal Kombat und Bowser angehörig sind. Aber Ralph versucht letztlich, sich auf anderem Weg zu helfen: Er lässt die Gruppensitzungen sausen und geht auf die Suche nach einem Spiel, indem er nicht weiter der geborene Schurke ist.

Überraschenderweise sollen wohl auch schon die ersten vier Minuten sehr viel mehr als solide Charakterisierung beinhalten: Der Film beginnt mit einem von John C. Reilly (Ralphs Originalsprecher) gesprochenen, an Film noirs angelehnten Off-Kommentar, in welchem Ralph erklärt, wieso er so ist, wie er ist: "Wo ich herkomme, gibt es nur zwei Arten von Typen: Gute Jungs und böse Jungs. Ich bin 9 Fuß groß, wiege 643 Pfund und ich kann nicht die Straße entlanglaufen, ohne gigantischen Schaden anzurichten." Ralph erklärt auch, wie sich die Zeiten für ihn und Felix änderten. Hatten sie früher noch viele ähnliche Kollegen, sind sie nun einsame Vertreter ihrer Zunft in der Arcade.

Reillys Darbietung wird gemeinhin als sehr beseelt beschrieben, Gerade die Szenen, die zeigen, was mit Ralph passiert, sobald das Spiel zu Ende ist und er auf der anderen Seite des Bildschirms ganz allein auf der Schutthalde zurückzieht, während Felix jr. umfeiert wird, soll wohl recht anrührend sein.

Links: Felix, Rechts: Vanellope (Bildquelle: ComingSoon)
Regisseur Rich Moore erklärte während der Präsentation seines Films, dass Ralph auf seiner Reise durch die Spielewelt unter anderem in dem Science-Fiction-Egoshooter Hero's Duty landet, wo er "nicht deplatzierter sein könnte". Dieses klar von Halo inspirierte Spiel beinhaltet auch den toughen weiblichen Sgt. Calhoun (Jane Lynch), die Ralph schnell völlig überfordert, weshalb er sich in das Fun-Rennspiel Sugar Rush flüchtet. Dies ist die Heimat von Vanellope von Schweet (Sarah Silverman "Ich führe eine Hassliebe zu Disney, weil sie mich fühlen lassen. Das ist hart, denn ich habe ein sehr kleines Herz"), und dort scheint der sanfte Riese Ralph endlich als Held akzeptiert. Aber wie auch im echten Leben, so beinhalten auch in der Filmwelt von Wreck-it Ralph einige der am kindischsten gestalteten Spiele die größten und gefährlichsten Herausforderungen...

Für mich klingen die bisher veröffentlichten Informationen so, als hätte Wreck-it Ralph den quirligen, nerdigen Humor und die knallige Fantasie von Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt, gekreut mit der Emotionalität einiger früherer Pixar-Filme (ich spüre einen Toy Story 2/Monster AG-Vibe). Sollte dem so sein, kann ich den Walt Disney Animation Studios nur gratulieren: An das 50. Meisterwerk wird Wreck-it Ralph wohl in meiner Rangliste nicht heranreichen, sollte der Film so werden, wie ich erwarte, aber es dürfte ein sehr humorvoller und dennoch herzlicher Animationsfilm sein, der hilft, Disneys Meisterwerk-Kanon vielfältig zu halten und der Dreamworks zeigt, wie man ihre popkulturell angehauchten Komödien richtig umsetzt.

Mehr bei: Total Film, io9, Entertaiment Weekly, Cinema Blend, FirstShowing


Im April wurde öffentlich, dass die Rapunzel-Regisseure Nathan Greno und Byron Howard in die Märchenwelt zurückkehren und einen Kurzfilm über Disneys sympathischste Prinzessin nachliefern werden. Damals war weder das Thema des Kurzfilms, noch dessen Veröffentlichungsformat bekannt, was sich mittlerweile geändert hat: Der Kurzfilm wird auf dem US-Disney Channel seine Premiere feiern (weshalb Disney ihn mittlerweile als TV-Special bezeichnet) und von Rapunzels Hochzeit handeln.

Viel mehr gibt es eigentlich nicht, außer... eines der schlechtesten Disney-Poster aller Zeiten! Achja, und den Filmtitel... Tangled Ever After ist nun kein sonderlich origineller Filmtitel, aber dieses Poster ist einfach grauenhaft. Also, was ist alles mies an diesem Poster? Zunächst einmal war man tatsächlich so faul und dreist, einfach altes Clip-Art zu nehmen und Rapunzel sowie Flynn neu einzukleiden (und eine neue Frisur zu verpassen). Pascal und Maximus wurden 1:1 aus altem Bildmaterial übernommen und weil das Poster ja noch nicht blöd genug ist, wird es mit zahllosen anderen Figuren, darunter den Stabbington-Brüdern und der Kneipen-Schlägerbande, vollgestopft.

Aber wenigstens können wir uns zwei Dingen versichern: Der Kurzfilm hält die Filmkontinuität aufrecht und mit Howard und Greno auf dem Regiestuhl kann ja eigentlich nichts schiefgehen. In der Disney-Trickfilmwelt sind Fortsetzungen, die den Regisseur des Originals beibehalten, eine absolute Rarität. Also kann man ja eigentlich nur erwarten, dass sich die Geschichte wiederholt: Grauenhaftes Marketing - fantastisches Ergebnis?

In den Kommentaren der letzten Tage hoffte ja der geschätzte Disney-Blogger und treue Stammleser Jaguar D Sauro, dass ich das TV-Special verreiße. Wieso denn? Als es noch offiziell als Kurzfilm bezeichnet wurde, waren alle enthusiastisch, und ich weiß nicht, was sich seither geändert hat. Ja, bei anderen Projekten würde ich wegen des Posters Panik bekommen, aber dass Rapunzel nicht an solchen Dingen bemessen werden darf, ist ja bereits etabliert. Ein Cash-In ist es meiner Ansicht nach auch nicht, jedenfalls längst nicht so sehr wie Arielle 2 & 3 oder ähnliche DTV-Produktionen. Die Original-Künstler sind daran beteiligt, während Genies wie Ron Clements & John Musker die Hände gefesselt waren und ihnen nichts anderes blieb, als die Prinzessin-Fortsetzungen zu hassen. Und... es ist Rapunzel! *schmacht*

(PS: Bitte nicht als Zickerei unter Bloggern verstehen, sondern schlicht als prominent veröffentlichte Antwort auf einen interessante Diskussionen ermöglichenden Kommentar)


Mit einem ungewöhnlich knappen Abstand kommt nächstes Jahr vor Wreck-it Ralph auch Tim Burtons jüngstes Projekt in die Kinos: Der seit einiger Zeit in der mühseligen Produktion befindliche Stop-Motion-Film Frankenweenie. "Der Regisseur von Alice im Wunderland" (hoffentlich muss sich Tim Burton diese Betitelung nicht all zu häufig gefallen lassen) bringt damit seinen zweiten 3D-Film heraus, der übrigens zugleich seine Rückkehr zum Schwarz-Weiß-Film markiert. Die ihre Vorlage, den gleichnamigen Kurzfilm von anno 1984, enorm erweiternde Adaption wird von Don Hahn (Der König der Löwen, Atlantis) produziert und trumpft im Original mit den Stimmen von Martin Landau, Winona Ryder, Martin Short, und Catherine O'Hara. Die Musik stammt natürlich von Danny Elfman.

Tim Burton mag zwar in den frühen 80ern aus dem Disney-Konzern geflogen sein, weil seine Nischen-Kurzfilme Vincent und Frankenweenie als eine Verschwendung der Sturio-Ressourcen betrachtet wurden, aber seit der von Burton verfasste und produzierte Nightmare before Christmas Kultstatus innehält, hat sich das Verhältnis zwischen Disney und Burton bekanntlich gebessert. Einen zweiten Milliardenerfolg wird man wohl dennoch nicht erwarten - hoffentlich, denn sonst wird Disney nur enttäuscht, und dann ist Frankenweenie ein zweites Mal schuld, dass Burton und Disney giftig auseinander gehen.

Da Tim Burton nicht anwesend war, sprachen stattdessen die Produzenten Don Hahn und Allison Abbate auf der Expo über Frankenweenie. Neben Konzeptzeichnungen wurden auch erste Filmszenen gezeigt, die angeblich die burton'esqueste Mischung aus grotesk und liebenswürdig sein sollen, die man je zu sehen bekam. Laut Don Hahn sei es ein sehr persönliches Projekt für Tim Burton, der auch von Beginn an darauf bestand, es in schwarz-weiß zu verwirklichen, weil dies die Emotionalität der Figuren in den Vordergrund rücke. Außerdem sind so viel stärkere Einflüsse des deutschen Filmexpressionismus möglich.

Der Film spielt in der fiktiven Stadt "New Holland", einer absurden Mischung aus dem Burbank der frühen 70er Jahre und Transylvanien. Wie auch im Kurzfilm verliert ein kleiner Junge, der sich nebenher als verrückter Wissenschaftler betätigt, durch einen Unfall seinen getreuen Hund Sparky. Also beschließt er, ihn wieder zum Leben zu erwecken, was jedoch schnell für Aufruhr in dem Städtchen sorgt. Dabei sind monströse Haustiere keine Seltenheit in New Holland, schließlich gibt es dort weitere schräge Haustiere wie einen Mumien-Hamster.

Allein schon solche Randnotizen stimmen mich vertrauensselig in diesen Film, denn es scheint, dass Burton nach Alice im Wunderland wieder stärker auf sein Herz hört, statt allein seinem Streben nach schrägen (visuellen) Ideen nachzugeben. Richtig angepackt könnte dieser groteske Familiengrusel als Satire auf die Doppelmoralität des Kleinstadtleben funktionieren. Diese Hoffnung wird durch eine Aussage von Allison Abbate zementiert: Tim Burton hebe sich Stop-Motion für wahre Herzensangelegenheiten auf, da es eine Dummheit wäre, die für dieses Medium benötigte Zeit in eine Idee zu stecken, an der man nicht mit Leib und Seele hängt. Burton habe auch das Design jeder einzelnen Figur selbst entworfen und der Film habe insgesamt 35 äußerst detaillierte Sets.

Die "Dreharbeiten" zu Frankenweenie sind noch im vollen Gange, man hofft aber, an Thanksgiving fertig zu sein. Danny Elfman begann kürzlich damit, die Filmmusik zu schreiben, die übrigens im Gegensatz zu Burtons vorherigen Stop-Motion-Projekten rein instrumental bleiben wird. Die Öffentlichkeit soll im kommenden Oktober erstmals einen Blick auf den Film werfen können.

Mehr bei: io9, Collider, ShockTillYouDrop

Und, worauf freue ich mich am meisten?
Ich würde glatt sagen "Alle drei zusammen!" Mein innerer Nerd freut sich gewaltig auf die verrücktere Seite von Wreck-it Ralph, während ich von Frankenweenie etwas viel kunstvolleres erhoffe, was meinen inneren Cineasten entzückt. Und der Rapunzel-Kurzfilm, tja, der könnte im schlimmsten Film nur ein Schulterzucken hervorlocken (während Kinoenttäuschungen schon deprimierender wären), aber im besten Falle wird es ein warmherziger, wunderbar animierter Spaß. *Haaaach!* Ein wahres "Oh, wow, meine Güte, ich will den Film sofort sehen!"-Projekt ist in dieser Liste zwar nicht dabei, aber dafür haben wir ja noch immer Pixar... Und die etwas "geheimeren" Disney-Projekte.

Montag, 22. August 2011

D23: The Great and Powerful Muppets from Mars


Wer selbst nach dem Trailer noch nicht davon überzeugt ist, dass die Muppets in ihrem kommenden Kinofilm zu alter Form zurückkehren, lässt sich vielleicht von der humorvollen D23-Präsentation des Films umstimmen. Jason Segel, Kermit und Miss Piggy wurden angekündigt, doch als sich der Vorhang öffnete, waren nur Segel und Kermit auf zwei Regiestühlen zu sehen. Die beiden waren fix zu betonen, dass Miss Piggy niemals pünktlich ist. Publikumsrufe wie "Ich liebe dich Kermit!" wurden selbstverständlich sofort mit einem "Ich dich auch erwidert" und Kermit erklärte, dass die Arbeit mit den Co-Stars des Films eine Freude war. Sowohl mit der "wunderschönen wie talentierten Amy Adams" und dem "ebenso talentierten, aber nicht ganz so schönen Jason Segel... nichts für ungut!"

Dann wurden die Clips angekündigt, die einzig und allein eine Schwäche hätten: Miss Piggy käme nicht darin vor. Zum Glück, so Segel, ist sie ja nicht da, weshalb es keinen Ärger zu befürchten gebe. Auf dieses Stichwort hin wurde Miss Piggy mit viel Krawall von einem klassischen US-Chopper in die Halle gefahren. (Quelle: ComingSoon)
Aber nicht nur auf der Bühne waren Segel und die Muppets in bester Form, auch die Clips schienen das Publikum und die US-Blogger sehr zufriedenzustellen. Für viele war die Muppet-Präsentation das Highlight - und das will ja was heißen! Einer der Clips zeigt nahezu die gesamte Muppet-Gang, wie sie zu We Build This City ihr Theater wieder aufräumt. Klingt nach nichts spektakulärem? Tja, den Beschreibungen und Reaktionen nach ist diese Szene voll mit Humor und vielen kleinen typischen Muppet-Charakteristika. Weitere Berichte sprechen davon, dass Jason Segels Skript zwar ganz klar sämtliche Altersgruppen anspricht, aber die nun groß gewordenen Kinder und Jugendliche der 80er Jahre ganz besonders ins Visier nimmt, etwa mit einer Szene, die zeigt, dass Kermits Lebensstil im Höhepunkt der 80er hängen geblieben ist. Wie Jason Segel im Interview mit THR anschneidet, sollen es keine billigen Popkultur-Referenzen sein, sondern Gags, die auch dazu dienen, die Figuren zu charakterisieren. Als riesiger Puppen- und vor allem Muppet-Fan ("Mein Haus ist voller Puppen... deshalb bin ich auch noch immer Single!") nahm er diesen Film halt entsprechend ernst. Und er ist nicht allein: Wie er Collider erzählte, war das Muppet-Set das meistbesuchte seiner Karriere, da einfach alle möglichen Freunde und Bekannte der Beteiligten die Muppets kennenlernen wollten.

Der bereits angekündigte Toy Story-Kurzfilm im Vorprogramm von Die Muppets handelt übrigens davon, wie Buzz Lightyear bei einem Fast-Food-Restaurant vergessen wird. Während er sich mit einigen billigen Happy-Meal-Spielzeugen anfreundet (darunter eine Meerjungfrau, gesprochen von Jane Lynch aus Glee), machen sich Woody und Co. auf, um ihn zu retten.


Natürlich war auch das angeblich 300 Millionen Dollar verschlingende Mammutwerk von Pixars Top-Regisseur Andrew Stanton Teil der D23-Expo. John Carter, laut Disneys eigenen Angaben "nur" eine 250-Millionen-Dollar-Produktion, erhielt durchwachseneres Feedback auf der Expo. Für jede begeisterte Stimme schien es auch einen Zweifler zu geben. Schon der Look des Films entzweite die Geister: Einige sind beeindruckt davon, dass Andrew Stanton eine sehr entsättigte, einheitliche Farbpalette wählte, während andere über die mangelnde Knalligkeit erbost sind. Auch die meisten der CGI-Effekte schienen bislang weder zu begeistern, noch zu enttäuschen, sondern schlichtweg solide zu sein. Aber bis März kann man ja hoffentlich noch einiges retten.

Das Motion-Capturing für Willem Dafoes Figur wurde insgesamt am besten angenommen. Für die Dreharbeiten musste Dafoe drei Fuß hohe Stelzen tragen, damit die Verwandlung in seine Alien-Figur im Computer glaubwürdiger erscheint und damit die Darsteller am Set stets den richtigen Blickwinkel einnehmen, wenn sie mit ihm interagieren. Aus einem ähnlichen Grund wurde am Set auch auf Puppen-Tricktechnik zurückgegriffen, um die vier Arme seiner Figur zu simulieren.

Insgesamt wurden vier Szenen gezeigt, die auf Superhero Hype sehr ausführlich beschrieben werden. Gegenüber den Reportern dieser Website scherzte Andrew Stanton auch, wie lang die Produktionsdauer für dieses Monstrum war: "Ich dachte, Realfilme wären schneller als Animation. Ich war gewohnt, dass Filme bis zu vier Jahre benötigen, was nur ein paar Monate weniger Zeit ist, als ich mit [John Carter] verbracht habe", sagte er über das so weit möglich auf digitale Sets verzichtenden Sci-Fi-Abenteuer.


Der letzte nennenswerte Realfilm, der auf der D23-Expo besprochen wurde, ist Oz: The Great and Powerful, dessen Dreharbeiten erst kürzlich in Detroit begonnen haben. Wie Hauptdarsteller James Franco laut Insidemovies auf der Expo erklärte, beginnt der Film mit einem betrügerischen Straßenzauberer und verführenden Weiberhelden, der während eines Heißluftballontricks von einem Wirbelsturm erfasst und nach Oz transportiert wird. Dort begegnet er den drei Hexen von Oz (Michelle Williams, Mila Kunis, Rachel Weisz) und wird schließlich zum Zauberer von Oz hoch - laut Franco ist dies die einzige Chance seiner Rolle, sich selbst wieder auf den rechten Weg zurückzubringen.

Auf der Expo konnte, da die Dreharbeiten erst vor kurzem angefangen haben, kaum fertiges Filmmaterial gezeigt werden, doch dieses chancierte zwischen Sepia-Tönen und knalligem Technicolor, ganz genau wie dielaut ComingSoon und MovieViral atemberaubende Konzeptzeichnungen. Dieses zeigte unter anderem die smaragdgrünen Hügel von Oz, mit seiner traumartigen Geographie (unmöglich lange Felsformationen und ein elefantenförmiger Berg) sowie der Art-Deco-Architektur der Smaragdstadt. Die güldene Ziegelsteinstraße wurde ebenfalls gezeigt - als ein noch nicht fertig gestellter Weg.

Im März 2013 kommt Sam Raimis kostspieliges Projekt (und somit auch wieder Zach Braff, der eine Nebenrolle übernahm) ins Kino. Und von den paar Dutzend Oz-Projekten, die derzeit in Arbeit sind, bin ich auf dieses am meisten gespannt.

D23: Avengers Assamble!


Obwohl Marvel seit 2009 in den Händen der Walt Disney Company liegt, sah es zunächst so aus, als müsse Disney Däumchen drehend zuschauen, wie andere Studios mit "ihren" Figuren Geld scheffelt. Denn Marvel Studios und Paramount Pictures schlossen zuvor einen Fünf-Jahres-Vertrag ab, der Paramount die Vertriebsrechte für Thor, Captain America, The Avengers und Iron Man 3 sicherte. Im Oktober vergangenen Jahres änderte sich dies: Disney zahlte Paramount 115 Millionen Dollar, um die Vertriebsrechte an The Avengers und Iron Man 3 zu übernehmen. Außerdem soll das Studio (welches als Vertrieb der Iron Man-Filme jeweils 60 Millionen gewann) einen 8% Anteil des Avengers-Profits und 9% des Gewinns aus Iron Man 3 erhalten.

Für Disney ist das Timing nahezu perfekt: Paramount (und Universal) übernahmen die Vorarbeit, und mit dem Film, auf den alle Marvel-Geeks warten, beginnt auch die Disney-Ära des Marvel-Kinouniversums. Da war es eine Sache der Selbstverständlichkeit, dass The Avengers auch während der D23-Expo eine prominente Position einnahm.

So wurde erstmals (abseits des nach Captain America - The First Avenger gezeigten Teasers) fertiges Filmmaterial aus The Avengers vorgeführt. Dieses zeigte Loki, eingesperrt in einer futuristischen Glaszelle (wie sich herausstellt, eigentlich für den Hulk gebaut), wie er von Nick Fury verhört wird. Sämtliche Berichte von der D23-Expo sind sich einig, dass Tom Hiddelston und Samuel L. Jackson in wahrer Höchstform zu sehen waren. Doch der große Knaller kam danach: Eine Montage aus verschiedenen Actionszenen, in denen Thor (Chris Hemsworth), Tony Stark (Robert Downey Jr.) Bruce Banner (Mark Ruffalo), Captain America (Chris Evans), Black Widow (Scarlett Johansson) und Maria Hill (Cobie Smulders) zeigen, was sie so drauf haben. Dabei kommt es auch zu Rangeleien unter den Avengern... die, wie Tony Stark schnippisch kommentiert, aus zwei Auftragskillern, einem Halbgott und einer lebenden Legende zusammensetzen. Dass Loki sie alle angepisst hat, müsse ihm doch Sorgen bereiten. "Ich habe eine Armee", versichert Loki. Starks Antwort: "Wir haben einen Hulk!"

Der Humor der vergangenen Marvel-Filme wird also auch ganz klar in Joss Whedons Rückkehr auf die Kinoleinwand zu spüren sein. Trotzdem scheint das gezeigte Material auch eine gewisse Düsternis an sich zu haben, wie ein zuvor skeptischer Autor von HeyUGuys zufrieden feststellte.

Das alles wird trotzdem zur Disney-Marke passen. Ich hatte ja schon bei Captain America erstmals das Gefühl, dass die Marvel-Filme eigentlich problemlos unter dem Disney-Label laufen können, welches ja eh hin und wieder auch mal kernigere Produktionen auf die Welt losließ. Marvel-Produzent Kevin Feige soll während der Expo auch genau dies angesprochen haben. Er sei großer Disney-Liebhaber und freue sich auf die mit The Avengers abgerundete Vereinigung von Marvel und Disney.

Collider konnte obendrein einige kurze Video-Interviews mit den Avengers-Darstellern arrangieren. So verriet Cobie Smulders, dass auch sie einen fünf Filme umfassenden Vertrag mit den Marvel Studios unterschrieb. Chris Hemsworth und Downey junior erzählen nichts neues, aber ihr Interview sei wegen ihres Charismas trotzdem verlinkt. Hiddleston sprach derweil darüber, wie viel Freude er daran hat, als Loki mit jedem Superhelden auf Konfrontation zu gehen.

Ja... Es sind keine sensationellen Neuigkeiten, aber auch ich habe endlich den Punkt erreicht, an dem ich mich wahnsinnig auf den Film freue. Der nicht sonderlich viel zeigende, aber überaus effektive Teaser am Ende von Captain America hat mich nunmal rumgekriegt...

D23: Pixars Zukunft handelt von Dinosauriern und dem menschlichen Verstand


Manchmal kann man ja leider nicht so, wie man gerne könnte. In einer idealen Welt hätte ich einen Luxus-VIP-Presseausweis für die D23-Expo. In dieser Realität hatte leider nicht einmal die Gelegenheit, mich mit Blubberlutsch bewaffnet an den Computer zu pappen und live das Internet nach jedem Fitzelchen an Neuigkeiten von Disneys riesiger Messe der (ganz und gar verdienten!) Selbstbeweihräucherung zu durchforsten. Also denke ich mir: Wenn ich schon nicht topaktuell sein kann, dann wenigstens sorgfältig.

Deshalb werde ich euch (und mich selbst *g*) am Wochenbeginn nach der D23-Expo Stück für Stück über die wichtigsten Meldungen belehren. Was haben wir Nicht-Expobesucher verpasst, und was ist von den neusten Ankündigungen zu halten?

Beginnen möchte ich den D23-Rückblick mit Pixar. Nach Cars 2 ist die Traumfabrik aus Emeryville in tiefster Bringschuld. Zahlreiche zerbrochene Herzen gilt es zu kitten, und das nächstjährige, märchenhafte Abenteuer Brave (bzw. Merida - Legende der Highlands) sah bereits im ersten Teaser sehr gut aus. Konnte die Expo diesen Eindruck bestätigen?


Definitiv!
Sämtliche Berichte, die mir unter die Augen kamen, waren sich hinsichtlich Merida einig: Der Film verspricht großartiges. Pixars erstes Märchen entstand nicht ohne intensive Recherchereisen nach Schottland, und die dortigen Sagen wurden als klare Inspirationsquelle genommen, so dass der Film möglichst authentisch wie eine "echte" schottische Legende wirkt. Dennoch sei Merida ein durch und durch originelles Werk. So wird das für Schottland so typische blaue Irrlicht im Pixarmärchen eine große Rolle als "Wil-o'-the-wisp" eine zentrale Rolle spielen. Die Lichter haben die Fähigkeit, das Schicksal eines Menschen komplett zu verdrehen - sei es zum Guten oder zum unvermeidlichen Verderben.

Die Geschichte von Merida beginnt wie folgt: Der alternde König Fergus verlor bei einem nunmehr legendären Kampf gegen einen dämonischen Bären ein Bein. Nicht zu letzt deshalb ist er zwar nicht weiter in seiner Blütezeit, doch wenigstens respektieren ihn seine Untertanen. Seine Tochter Merida kommt ganz nach ihm, was Königin Elinor nicht zusagt. Sie will ihre Tochter endlich verheiratet sehen und beschließt, dass die drei noblen Lords Macintosh, Dingwall und MacGuffin stellvertretend für ihre Söhne um Meridas Hand kämpfen sollen. Aber Merida hat natürlich ihr eigenes Ding im Sinn: Sie lässt sich von einer Hexe von ihren adeligen Pflichten befreien...

Der Film soll ein epochales, dramatisches Abenteuerfeeling versprühen, aber auch mindestens ebenso märchenhaft-magisch und humorvoll sein. Klingt für mich nach der perfekten Disney-Mischung.

Man ging auch auf den Regiewechsel ein: Mark Andrews soll Brenda Chapmans Vision sehr treu bleiben, aber schlicht effektive arbeiten. Eine der gravierendsten Änderungen für den Film war, dass Chapman den Film im Schnee spielen lassen wollte, den auf hohem Pixar-Niveau umzusetzen eine gewaltige Herausforderung war, an der man zu scheitern drohte. Andrews änderte die Wetterlage des Films, wie /Film berichtet. Aber das bedeutet nicht, dass nun weniger Arbeit in die Hintergründe gesteckt wurde. Über 350 digitale Pinsel mussten allein für die Gestaltung der Felsen und das Moos in Merida entwickelt werden! Oh, und der Pizza Planet Truck wird im Film zu sehen sein! Nur halt besser versteckt, als etwa in WALL•E...

Mehr bei: ComingSoon, Cinema Blend,

Bildquelle: /Film

Kommen wir zu dem Film, der indirekt am meisten unter Cars 2 zu leiden hat: Die Erwartungshaltung an Monsters University, dem Prequel zu Die Monster AG, ist sicherlich nicht nur bei mir etwas eingesackt, seit Pixars "Fortsetzungen/Prequels kommen uns nur mit einer guten Story in die Tüte"-Mantra angezweifelt werden darf.

Die Story bleibt bei dem, was seit der offiziellen Ankündigung zu erwarten war: Der Film spielt 15 Jahre vor Die Monster AG und zeigt, wie die sich seit der Grundschule hassenden Monster Sully und Mike gemeinsam zur Uni gehen. Das sich in der Zukunft noch zu einem unschlagbaren Duo entwickelnde Zankpärchen kann sich deshalb nicht leiden, weil sie einander als Konkurrenten sehen. Schließlich wollen beide unbedingt Schrecker werden - und Schrecker sind in der Monsterwelt so hoch angesehen, wie bei uns etwa Astronauten. Die Ausbildungsplätze wiederum sind rar und heiß umkämpft...
Natürlich kommt es, wie es immer kommt: Die zwei verfeindeten Monster werden als Zimmerpartner eingeteilt. Der Startpunkt für jede Menge Lacher... so hoffen wir Zuschauer. Jedenfalls werden der Regisseur Dan Scanlon (Cars... keine Sorge, gemeint ist Teil 1!) und Sprecher Billy Crystal nicht müde zu betonen, dass es sich um einen waschechten College-Movie handelt. Nur im Pixar-Style.

Dies soll angeblich auch mit sich bringen, dass sich auch um das Innenleben unserer Monsterhelden gekümmert wird. Wie Scanlon bei der Präsentation des Films erklärte, wählte man bei Pixar ausgerechnet die College-Zeit von Mike und Sully als Anlaufpunkt für eine Rückkehr nach Monstropolis, da die College-Zeit (oder auch die späte Pubertät an sich - die Monster sind im Film ca. 18 Jahre alt) einen wichtigen Scheidepunkt in jedermanns Leben markiert, da man sich zwangsweise fragen muss, wer man überhaupt ist und was man vom Leben erwartet. Sofern dieser Ansatz richtig angepackt wird, kann Monsters University eigentlich unmöglich auf Cars 2-Niveau abrutschen...

Die Idee zum Film kam übrigens 2008 auf, und seither arbeitete man an der Story, dem Konzept und der Darstellung des College-Lebens. Davon hätten viele Pixar-Mitarbeiter ja keinen Schimmer: "Die meisten von uns gingen auf Kunst-Schulen und haben keine Ahnung, wie ein richtiges College ist", scherzte Scalon. Deshalb unternahm das Monsters University-Team, zu dem auch der begnadete Produktionsdesigner Ricky Nierva (Findet Nemo, Die Monster AG) und die Produzentin Kori Rae (Oben) gehören, eine Tour durch die wichtigsten US-Universitäten. Harvard und Berkley erwiesen sich als besonders einflussreiche Elemente, wie Expo-Besucher an den Konzeptbildern des Monster-Campus erkennen konnten. Dieser ist ebenso fantasievoll, wie die uns bislang bekannten Monstropolis-Ecken (von denen mindestens eine wiederkehren soll, auch wenn nicht verraten wurde, welche). So muss das Gebäude ja auf Monster unterschiedlichster Größen zugeschnitten sein, was zu sehr verrückten Treppenkonstruktionen führt.
Selbstverständlich mussten auch Mike und Sully neu gestaltet werden. Ihre jüngeren Ichs sind schlanker und kleiner. Sully hat weniger, aber längere und wuscheligere Haare (außer im etwas schlankeren Gesicht), Mikes Auge ist noch etwas größer, dafür sind seine Hörner weniger ausgebildet, ebenso wie seine "Altersflecken". Dafür ist sein Grünton saftiger. Und er hat eine Zahnspange, die entweder seine Zähne begradigen oder krümmen soll... Der Regisseur gab zu, selbst nicht zu wissen, wie Zahnspangen in Monstropolis funktionieren.

Neben Mike und Sully kehren auch Randell (gesprochen von Steve Buscemi) zurück, genauso wie George (der arme Kerl, der in Die Monster AG mehrfach widerwillig rasiert wird) und die störrische Bürokratin Roz. Dave Foley, Julia Sweeney, Joel Murray und Pixar-Animator Peter Sohn werden im Original als neue Monster zu hören. Selbstverständlich passen auch die Monster in typische College(film)cliquen: Die coolen, die Nerds, die Gothics... Ebenso sollen die Professoren im Film jeglichen Archetyp abdecken.

Klingt nach einem relativ unspektakulären, aber sicherlich spaßigen Pixar-Film. Vorfreude besteht, ist aber für einen Pixar noch vergleichsweise niedrig.

Mehr bei ComingSoon, Total Film, Pixar Times

Beste "Wir haben für unseren Film noch keinen Titel, brauchen für eine Präsentation aber dringend ein Logo, also... ähhh--- ach, was soll's, fi*kt euch!"-Titelkarte aller Zeiten!

Bildquelle: ComingSoon

Flashback ins Jahr 2009: Mehrere Pixar-Angestellte unternahmen eine Reise nach Südamerika, die sich darum gedreht haben soll, sich über Dinosaurier weiterzubilden. Darunter befand sich auch Bob Petersen, der Co-Regisseur von Oben und Co-Autor von Findet Nemo. Petersen ist von Dinosauriern fasziniert, seit er als Kind auf der New Yorker Weltausstellung im Jahre 1964 Walt Disneys nunmehr auf der Railroad-Strecke im kalifornischen Disneyland platzierten Dino-Animatronics bestaunte.
Da einige Making-of-Materialien zu Oben Petersen in Mitten einiger Konzeptzeichnungen zu einem Jungen und mehreren Dinosauriern zeigten, kam schnell die Theorie auf, dass Pixar an einem Dino-Film arbeite.

Und? Die Theorien wurden als wahr bestätigt! Produzent John Walker (Osmosis Jones, Die Unglaublichen, Ratatouille) wird Petersen bei seinem Debüt als Chef-Regisseur den Rücken stärken, einigen Meldungen zu Folge wird Peter Sohn (Regie bei Teilweise wolkig) als Co-Regisseur tätig sein.

Über den Inhalt des in den USA wahrscheinlich am 27. November 2013 startenden Films ist nicht nicht vieles bekannt. Doch es wurde verraten, dass die Grundfrage des Films folgende ist: Was wäre, wenn der schwere Nachfolgen mit sich ziehende Meteorideneinsturz auf die Erde nie geschehen wäre, und Dinosaurier deshalb nie ausgestorben wären?

Wie die Konzeptbilder erahnen lassen, werden in diesem Film Menschen und Dinosaurier koexistieren. Es steht aber weder ein Flintstones, noch ein Jurassic Park zu erwarten. Jedenfalls versicherte Petersen, dass sein Film keiner bisherigen Dinosaurer-Kinofantasie gleichen wird.


Für das letzte Pixar-Kinoprojekt bitte ich euch alle, auf diesen alten Beitrag zurückzugehen und euch Hans Zimmers Inception-Livekonzert anzuhören, während ihr euch den Rest über Pixars Ankündigungen auf der D23-Expo durchlest. Denn Pete Docters für das Jahr 2014 anvisierte Regiearbeit könnte in die Gefilde von Christopher Nolans Mammutwerk vordringen. Oder doch zu Pixars höchst eigenem Osmosis Jones werden.

Unter der Regie von Pete Docter und Co-Regisseur Ronnie del Carmen (Story von Findet NemoRatatouille und WALL•E, Produktionsdesign bei letzterem), produziert von Jonas Rivera (Oben) geleitet uns Pixar mit seinem geheimnisvollen Projekt in den menschlichen Verstand. Was auch immer das ganz bedeutet bedeutet, erfahren wir (oder eher: US-Kinogänger)  voraussichtlich am 30. Mai 2014.

Die "abenteuerlich ambitionierte" Geschichte handle unter anderem davon, wie und weshalb der Mensch etwas vergisst, während uns zum Beispiel manche Lieder ein Leben lang begleiten. Letztlich ging es aber hauptsächlich darum, wie sich Ideen formieren. Manche Quellen behaupten, Michael Arndt (Toy Story 3) wäre als Autor zum Projekt hinzugezogen worden.

Sicherlich werden viele diese groben Informationen nehmen, und Pixar ein Inception-Ripoff unterstellen, aber grob genug erzählt, haben sehr, sehr viele Filme auffällige Gemeinsamkeiten. Pete Docter arbeitet jedenfalls mindestens seit der Fertigstellung von Oben an diesem Projekt - damals wusste außerhalb des Ensembles und der Crew von Inception niemand, was Christopher Nolan mit seinem nach eigenen Angaben persönlichsten Projekt zu erzählen hat. Insofern geselle ich mich zur optimistischen Seite... Denn wenn ich mir so die bisherigen Fakten zusammenklaube, klingt diese Idee ungeheuerlich vielversprechend. Wäre es eine Andrew-Stanton-Regiearbeit, würde ich sogar schon WALL•E vorwarnen, dass seine Regentschaft als mein Pixar-Liebling eventuell bedroht werden könnte... Aber auch bei Pete Docter halte ich es für gut möglich, dass er seinen letzten Film übertrumpfen kann.

Mehr bei: io9, HeyUGuys, D23, Hero Complex, /Film, The Playlist, The Hollywood Reporter


Fazit: Mein Fanherz muss sich zwar weiterhin von Cars 2 erholen, doch die Abwesenheit von Toy Story 4 oder Cars 3 unter den Ankündigungen Pixars ist bereits Balsam für meine belastete Seele. Monsters University sieht sehr solide aus, auf Merida freue ich mich weiterhin enorm, Bob Petersens Dinosaurier-Film könnte sehr nett werden... und obwohl man über Pete Docters nächsten Film kaum etwas weiß, ist er auf meiner "Ich kann es nicht erwarten!"-Liste bereits ganz vorne mit dabei. Damit haben die Jungs aus Emeryville einen kleinen Vorsprung gegenüber dem ebenfalls sehr spannenden Disney-Lineup der nächsten Jahre. Pixar lebt - und Cars 2 wird sicherlich bald vergeben und vergessen.