Sonntag, 30. März 2025

Mediatheken-Tipps (30. März 2025)

Echoes: Franz Ferdinand (Konzert, 2022) Die Schotten, die den Sound meiner 2000er mitgeprägt haben, spielen in Frankreich ein Hit-Potpourri, bei dem Take Me Out, The Dark Of The Matinée und Lucid Dreams selbstredend nicht fehlen dürfen. arte-Mediathek, abrufbar bis zum 3. April 2025

"Zurück in die Zukunft": Wie ein Film zeitlos wurde (Doku, 2022) In gewohnt-verlässlicher Manier der nicht ganz einstündigen arte-Popkulturdokus braust diese Zurück in die Zukunft-Verneigung durch die Entstehung und das kulturelle Echo des Zemeckis-Blockbusterklassikers. arte-Mediathek, abrufbar bis zum 21. Mai 2025

Black Sabbath: The End (Konzert, 2017) Die Heavy-Metal-Urväter beendeten ihre The End-Tour in Birmigham und fetzten sich dabei eindrucksvoll durch ihre imposante Diskografie. arte-Mediathek, abrufbar bis zum 31. August 2025

Sergej Prokofjew: Peter und der Wolf (Konzert, 2025) Das ikonische Orchestermärchen, umgesetzt mit Jean Reno als Erzähler und Renaud Capuçon als Dirigent und inhaltlich hie und da abgemildert. Aber hört selbst.. arte-Mediathek, abrufbar bis zum 3. September 2025

La Ciotat: Der erste Filmstar der Geschichte (Reportage, 2024) arte besucht den sonnigen Schauplatz diverser früher Lumière-Filme. arte-Mediathek, abrufbar bis zum 1. Februar 2026

Moby: Play 25 im Sportpaleis Antwerpen (Konzert, 2024) arte hat die Live-Wiederaufführung des einflussreichen Moby-Albums in sogleich zwei Fassungen in petto - einmal etwa eineinhalb Stunden, einmal knapp zwei Stunden lang. Als Bonus gibt es auch Moby-Hits aus anderen Alben, darunter selbstredend auch Lift Me Uparte-Mediathek, abrufbar bis zum 11. November 2026

Donnerstag, 20. März 2025

Schneewittchen

Disneys neuster Realfilm Schneewittchen hat weniger mit Jon Favreaus abscheulichem, künstlerisch vollkommen wertlosem Der König der Löwen gemeinsam als mit Kenneth Branaghs Cinderella: Statt den Zeichentrickklassiker der Walt Disney Animation Studios noch einmal aufzuziehen, nur langsamer und hässlicher, sollte Marc Webbs Fantasymusical als weitere Interpretation des Märchens aufgefasst werden. Als weitere Interpretation des Märchens, die halt ebenfalls unter dem Disney-Banner erscheint und sich daher ein paar Rückgriffe auf den animierten Meilenstein nicht verkneifen kann, selbst wenn die zentrale Geschichte einen eigenen, dramatischeren Dreh bekommt.

Wie Branaghs Cinderella imitiert Webbs Schneewittchen diverse denkwürdige Einstellungen aus dem (nahezu) gleichnamigen Zeichentrickfilm, überträgt einzelne gezeichnete Kleidungsstücke in die Realität und greift ausgewählte Musikeinlagen auf. Abseits dessen lösen sich beide Filme vom engen Fokus der Disney-Zeichentrickfilme und erzählen zusätzlich vom Königreich rund um die titelgebende Prinzessin sowie davon, welche Auswirkungen ihre Familienvorgeschichte auf ihr emotionales Befinden hat.

An Branaghs ziemlich rundem Cinderella reicht Webbs Schneewittchen jedoch nicht gänzlich heran. Beispielsweise ist beim Lily-James-Vehikel der Wechsel in eine dramatischere Tonalität konsequent, während Schneewittchen zwar die Familienproblematik der Protagonistin ausbaut und zudem die Geschichte eines in Empathielosigkeit gefallenen Königreichs erzählt. Allerdings wird dieses Mehr an Dramatik nicht konsequent zum erwachseneren Ansatz. Beispielsweise sind die Gruselpassagen des Zeichentrickfilms gestutzt, und anders als der intuitiv verständliche Zeichentrickfilm übererklärt sich der Spielfilm.

Das größte Problem des neuen Schneewittchen-Films ist allerdings Wonder Woman-Star Gal Gadot, die als böse Königin eine hölzerne, verkrampfte Vollkatastrophe darstellt und nicht einmal böse gucken kann, ohne dass es unfreiwillig komisch wird. Ironischerweise ist der neue Schurkensong der bösen Königin rein melodisch und textlich einer der besseren neuen Songs, die das Greatest Showman-Duo Benj Pasek und Justin Paul für dieses Projekt verfasst hat. Wer allein auf Englisch schwört, wartet also auf eine Coverversion, um zu erkennen, welches Potential in ihm steckt. Synchronfans können sich indes freuen, dass Dakota Johnsons deutsche Stimme Rubina Nath deutlich, deutlich besser singen kann als Gadot, und im Falle von Schneewittchen auch mal diese Mimin vertonen darf.

West Side Story-Star Rachel Zegler ist wiederum ein hervorragendes Schneewittchen: Sie fängt eingangs die scheu-gutherzige, mitunter in Passivität gleitende Art des Zeichentrickvorbilds toll ein, was angesichts der vertieften Vorgeschichte zudem kein reines Trickfilm-Imitat ist, sondern eine nachvollziehbare, emotionale Grundhaltung. Aus dieser wächst das Realfilm-Schneewittchen sukzessive heraus (wenn der Film schon länger ist, soll auf Charakterebene auch bitte mehr passieren), sodass aus passiver Gütigkeit nach und nach eine inspirierende Widerstandsfähigkeit entsteht.

Es wäre interessant, zu wissen, was Secretary-Drehbuchautorin Erin Cressida Wilson und eine an früheren Fassungen beteiligte, nun nicht mehr als Autorin genannte Greta Gerwig ursprünglich geplant hatten. Denn der Eindruck lässt sich nicht abschütteln, dass Schneewittchens Charakterzeichnung komplexer und bewegender angedacht war. Im fertigen Film stottert der Erzählfluss gelegentlich durch eingeschobene, kurze Imitationen des Zeichentrickklassikers. Doch Zeglers Fähigkeit, innerhalb eines Wimpernschlags von großäugig-schüchtern zu freundlich-unbeirrbar zu wechseln, und ihr Gesangstalent glätten diese Skriptpolterei recht gut aus.

Inszenatorisch ist Schneewittchen zwar wahrlich kein großer Wurf, aber im Kanon der Disney-Realverfilmungen einer der beständigeren Titel: Waldkulissen mit kontrastreichem DEFA-Charme, ausstaffierte Dorfsets und kalt-prunkvolle Schloss-Innenarchitektur ergeben ein stimmiges Ganzes, inklusive einer den emotionalen Faden der Handlung stützenden Farbdramaturgie. Und selbst wenn sich wieder einmal einzelne, halbgare Chromakey-Augenblicke in den Film geschlichen haben, sind sie viel, viel rarer gesät als in den meisten Big-Budget-Franchise-Projekten der letzten Zeit. 

Da kommt dem Film das stringente Design zugute: Alles, was nicht menschlich ist, hat in diesem Film eine schimmernde Kindchenschema-Ästhetik. Waldtiere sind fast schon im parodistischen Maße knuffig, die Zwerge wirken etwas aufgedunsen, aber fügen sich wesentlich besser in die Gesamtästhetik des Films, als die Trailer befürchten ließen. Und das Effektteam lässt die Zwerge sogar recht solide "schauspielen": Ihre Pointen funktionieren, Momente, in denen sie über sich hinauswachsen, fallen in die Sparte "glaubwürdig genug". Hier gilt: Für sich völlig fein, die Existenz der meisterhaften Zeichentrickanimation ist der größte "Feind" des Remakes. 

Schneewittchens Schwarm, dieses Mal ein mit "Flynn Rider light"-Persönlichkeit ausgestatteter Dieb namens Jonathan anstelle eines namen- und persönlichkeitslosen Prinzen, überflügelt derweil mühelos die Trickfilmkonkurrenz. Schließlich hat dieser Gauner wenigstens etwas Profil und ist zudem mit seinen Überzeugungen, und der Art, wie sie Schneewittchen beeinflussen, handlungsrelevanter als im Klassiker von 1937, wo es keinen echten Unterschied gemacht hätte, ob der Prinz herbeigeritten kommt oder eine gute Fee die Prinzessin aus ihrer Lage befreit.

Der mit Jonathan und Schneewittchens "Wie lange will ich einfach aushalten, ab wann will ich dafür sorgen, dass ich nichts mehr aushalten muss, sondern mich entfalten kann?"-Zauderei verbandelte Handlungsfaden darüber, wie die böse Königin ihr Königreich und dessen Solidaritätsgefühl ruiniert, fügt sich organisch mit den altbekannten Story-Versatzstücken. Und auch wenn diese Widerstandserzählung angesichts der Tagespolitik zahm wirken mag, und nicht einmal unter der Disney-Flagge zu den aufrüttelndsten Geschichten dieser Art gehört: Sie gibt dem Realfilm schon im Alleingang eine Daseinsberechtigung (wer nochmal dasselbe sehen will, kann ja nochmal den Zeichentrickklassiker gucken) und schiebt ihn beispielsweise an Guy Ritchies fahrigem Aladdin vorbei. Geschweige denn an den völlig konfusen Maleficent-Filmen.

Fazit: Schneewittchen hätte im Schnitt noch etwas gestrafft werden sollen und leidet unter einer fehlbesetzten Schurkin. Und die neuen Gesangseinlagen sind mal so, mal so. Aber eine ebenso fähige wie sich freudig in die Rolle stürzende Rachel Zegler sowie eine, ja, eigenwillige, aber farbenfrohe und konsistente Ästhetik helfen Schneewittchen, zum soliden Fantasymusical heranzuwachsen. Im Kanon der Disney-Realfilmremakes einer der annehmbareren Einträge. Gewiss: Wer selbst Kenneth Branaghs Cinderella ablehnte, dürfte es auch hier schwer haben. Als moderne Zusatzoption zum Zeichentrickklassiker ist der Film aber tausendmal willkommener als der Susi und Strolch-Realfilm oder Robert Zemeckis' Pinocchio und mir auch lieber als Guy Richties seeeeeeltsamerweise weniger digitalen Hass abkriegender Aladdin.

Montag, 10. März 2025

Mediatheken-Tipps (10. März 2025)

Der Kontrakt des Zeichners (Kostüm-Krimi-Dramödie, 1982) Peter Greenaways Durchbruch ist ein origineller Genrehybrid mit starken Bildern und verkopft-provokant-neckischen Einfällen. Aber ich habe woanders schon mehr dazu geschrieben... arte-Mediathek, abrufbar bis zum 17. März 2025

Der Ökothriller "Soylent Green": Alarmstufe rot aus Hollywood (Dokumentation, 2022) Die kompakte Doku blickt auf Soylent Green, die Umstände, in denen er entstanden ist, seine Nachwirkung und die anhaltende Aktualität seiner Aussage. arte-Mediathek, abrufbar bis zum 21. März 2025

Thelma & Louise (Roadtrip-Dramödie, 1991) Ridley Scotts bahnbrechender Roadtrip mit Thrillerelementen und Westernanleihen macht aus Callie Khouris Skript eine packend-amüsante Genreübung und Susan Sarandon & Geena Davis zu einem fabelhaften Duo. arte-Mediathek, abrufbar bis zum 7. April 2025

Die Pionierinnen des Fahrrads (Doku, 2023) Wusstet ihr, dass die Erfindung des Fahrrads eine große Rolle in der Emanzipation der Frau spielte? Diese Doku skizziert nach, weshalb! arte-Mediathek, abrufbar bis zum 1. Juni 2025

Thelma & Louise – Ein feministischer Western (Doku, 2024) Wie ist Thelma & Louise entstanden, wie denken Beteiligte heute über ihn und wie geht er mit seinen Genre-Vorgängern um? Innerhalb knapp einer Stunde erörtert diese Doku es! arte-Mediathek, abrufbar bis zum 6. Juni 2025

Reschke Fernsehen - Liebespaar oder Lebensgefahr: Wie Gewalt Frauen bedroht (Satire-Infotainment-Magazin, 2025) Schon am 6. März gab es dieses Jahr den stärksten Beitrag zum feministischen Kampftag: Reschke Fernsehen rechnet mit Witz, Wut, geballten Informationen und Ehrfurcht damit ab, wie wenig unsere Gesellschaft tut, um Frauen zu schützen - und wie gerne weiße, alte Herren die Schuld auf fremden Schultern abladen. ARD-Mediathek, unbekanntes Ablaufdatum

Sonntag, 2. März 2025

Mediatheken-Tipps (2. März 2025)

Der brave Soldat Schwejk (Pazifistische Kriegskomödie, 1960) Die Vorlage in ihrer Schärfe abschwächelnde, dennoch charmante, in ihrer Aussage deutliche und schelmisch-witzige Antikriegskomödie mit einem tollen Heinz Rühmann in der wahlweise überaus gewieften oder extrem vom Glück verwöhnten Hauptrolle. 3sat-Mediathek, abrufbar bis zum 4. März 2025

Ente gut! Mädchen allein zu Haus (Familienkomödie, 2016) Eine Elfjährige und ihre kleine Schwestern sind aufgrund eines Familiennotfalls auf sich allein gestellt - und müssen klug taktieren, um das vor dem Jugendamt und gemeinen Leuten aus der Nachbarschaft geheim zu halten. Kurzweiliger Spaß mit Botschaft und launigen Figuren. ARD-Mediathek, abrufbar bis zum 24. März 2025, 8.05 Uhr

Sisters with Transistors (Musik-Dokumentation, 2020) Kompakte, informative Doku über die Vorreiterinnen der elektronischen Musik. arte-Mediathek, abrufbar bis zum 31. März 2025

Artistik aus einer anderen Welt: Gravity & Other Myths (Akrobatik-Porträt, 2024) Eindrucksvoll bebildertes Dokuporträt der Akrobatikkompanie Gravity & Other Myths. ARD-Mediathek, abrufbar bis zum 25. April 2025, 5 Uhr 

Black Box (Streit-Dramödienthriller, 2023) Toll besetzter Film über Misstrauen, Vorurteile, Wut und verschleppte Rachegefühle in einem Berliner Hinterhof. ZDF-Mediathek, abrufbar bis zum 13. Juni 2025

Soundtrack für einen Staatsstreich (Politische Musikdoku, 2024) Aktuell im Oscar-Rennen, jetzt schon bei arte abrufbar: Aufschlussreiche Doku über die Wechselwirkung zwischen Musik, gesellschaftlicher Stimmung und politischer Wende, zentral erzählt am Beispiel der Sängerin Abbey Lincoln und des Schlagzeugers Max Roach, die, nachdem der Menschenrechtler und kongolesische Präsident Patrice Lumumba ermordet wurde, aus Protest den UN-Sicherheitsrat stürmten. Doch es sind noch viele weitere Jazzgrößen Thema. arte-Mediathek, abrufbar bis zum 11. September 2025

Samstag, 1. März 2025

Oscars 2025: Meine Prognose für die 97. Academy Awards


Ich will die Oscar-Saison nicht vor dem Ende der Verleihung loben. Aber bisher fand ich es einen guten Academy-Award-Jahrgang. Ich finde acht der zehn "Bester Film"-Anwärter mindestens gut, die online unter Filmfans heiß diskutierten Kontroversen sind bloß das (zu heiß gekochtes, teils nerviges Online-Blabla, das bald vergessen sein wird), und mit den Nominierungen bin ich auch größtenteils zufrieden.

Und: Es scheint mir eine schwer vorherzusagende Saison zu sein, was die Spannung während der Verleihung in die Höhe treiben könnte. Aber es wird auch sicherlich meine Prognosen-Trefferquote nach dem 22/23 aus dem vergangenen Jahr sicher enorm vermiesen. Doch wer nicht wagt, der nicht gewinnt: Das hier sind sie, meine Vorhersagen für die große Nacht der Hollywood-Nächte.

Bester Kurzfilm
Anuja
Ich bin kein Roboter
The Last Ranger 
A Lien 
Der Mann, der nicht schweigen wollte 

A Lien hat englischsprachigen Dialog und ist ein stressiger Kurzfilm über drohende Abschiebungen und stressige Green-Card-Beschaffungsbürokratie. Das dürfte den US-Anteil der Academy magnetisch anziehen.

Bester Animationskurzfilm
Beautiful Men
In the Shadow of the Cypress 
Magic Candies 
Wander to Wonder 
Beurk! 

Seit vielen Jahren dominieren in dieser Sparte englischsprachige Filme, noch dazu handelt Wander to Wonder oberflächlich von Medien, unter der Oberfläche von Einsamkeit und Sinnsuche. Das halte ich für eine gewinnende Kombi (zumal der zugänglichste Film, der knuffige Beurk! recht simpel animiert ist und in französischer Sprache gehalten).

Beste Kurzdokumentation
Death by Numbers 
Die einzige Frau im Orchester
I Am Ready, Warden
Incident 
Instruments of a Beating Heart

Abseits von Die einzige Frau im Orchester wahrlich keine Wohlfühlkategorie. Ich ahne, dass die Amoklauf-Doku Death by Numbers durch die Kombination aus für die USA brennend-relevantem Thema und zugänglich-emotionalisierender Herangehensweise die Nase vorne hat. Die durch Überwachungskamera-Material zusammen geklöpelte BLM-Doku Incident hat aber auch gute Chancen.

Bester internationaler Film
Emilia Pérez, Frankreich
Flow, Lettland
Für immer hier, Brasilien
Das Mädchen mit der Nadel, Dänemark
Die Saat des heiligen Feigenbaums, Deutschland

Wenn ein Film in dieser Sparte auch in der Hauptkategorie mitmischt, gewinnt er diesen Oscar. Das ist bislang ungeschriebenes Gesetz, trifft dieses Mal aber auf zwei Filme zu. Emilia Pérez hat 13 Nominierungen auf der Haben-Seite, Für immer hier das Momentum: In den vergangenen Wochen hat das Team hinter dem Film ordentlich die Trommel gerührt - und so immer mehr Interessenten für den dramatischen, eindringlichen Film gefunden. Ich tippe auf Für immer hier und bin jetzt schon genervt, weil Film-YouTube das als Beweis werten wird, dass die Kontroversen Emilia Pérez geschadet hätten. Ich sehe es eher als Beweis, dass "In vielen Kategorien geachtet" bei der Academy nun einmal nicht die halbe Miete ist. Wenn das Thema und seine Umsetzung hängen bleiben: Das ist die halbe Miete. Und die hat hier der Militärdiktatur-Film in der Hand...

Bester Dokumentarfilm
Black Box Diaries
No Other Land
Porcelain War
Soundtrack to a Coup d’Etat
Sugarcane

No Other Land gewann zahlreiche Preise, hat aber keinen US-Verleih und daher einen Nachteil im Oscar-Rennen: Es ist einfach, auf einem Festival für ihn zu stimmen, wenn man Teil der Jury ist und ihn auf dem Silbertablett serviert bekommt. Wenn man aber Teil der Academy ist und sich zu einem der sporadischen Sonderscreenings aufraffen muss, sieht das schon anders aus. Porcelain War gewann wiederum den U.S. Documentary Grand Jury Prize beim Sundance Film Festival sowie den Doku-Preis der Regiegilde, zudem war er (im Gegensatz zu allen anderen nominierten Filmen) im Rennen um den Doku-Preis der Produzent:innen-Gewerkschaft. Ich tippe auf's Porzellan!

Bester Animationsfilm
Flow
Alles steht Kopf 2
Memoir of a Snail
Wallace & Gromit – Vergeltung mit Flügeln
Der wilde Roboter

Wenn ein Animationsfilm in weiteren technischen Kategorien nominiert wird, ist das eigentlich ein nahezu sicheres Zeichen, dass er diesen Preis gewinnt. Es müsste also Der wilde Roboter werden. Aber da Flow den Globe gewann, es einen (Shrek ausgenommen) Anti-DreamWorks-Computeranimation-Bias in der Academy zu geben scheint und angesichts der immer internationaler werdenden Academy bin ich mir nicht soooo sicher. Ich wage einen riskanten Flow-Tipp, vernünftige Tippspielsüchtige wählen den Roboter.

Beste Effekte
Alien: Romulus
Better Man – Die Robbie Williams Story
Dune: Part Two
Planet der Affen: New Kingdom
Wicked

Bei den Visual Effects Society Awards gewann die Wüstensaga vier Preise, nicht aber den Preis für die besten Effekte eines fotorealistischen Films. Diese Trophäe ging an die Affen. Ich sage mal vorsichtshalber Dune: Part Two vorher, weil ja die ganze Academy abstimmt. Aber sollte Planet der Affen: New Kingdom gewinnen, ihr wisst jetzt, weshalb!

Bestes Make-Up und Hairstyling
Emilia Pérez
A Different Man
Nosferatu – Der Untote
The Substance
Wicked

Die Academy hat jahrzehntelang Horror in dieser Kategorie unter Gebühr verkauft. Aber es ist halt nicht mehr dieselbe Academy wie früher, und ich sage in einer größeren Kategorie ebenfalls The Substance vorher. Heißt: Ich glaube an Zuspruch für diesen Film. Da muss er doch auch in dieser Kategorie mühelos mit dem Sieg davonziehen?

Bestes Szenenbild
Der Brutalist
Konklave
Dune: Part Two
Nosferatu – Der Untote
Wicked

Das Team hinter Wicked (Nathan Crowley & Lee Sandales) hat in dieser Auflistung die meisten früheren Oscar-Nominierungen auf dem Kerbholz, und manchmal heißt es bei den Oscars ja: Viel hilft viel. Aber ich wäre sehr glücklich, wenn es Der Brutalist wird. Und mit Konklave wäre ich angesichts des hervorragend herbeigemogelten Vatikan-Settings ebenfalls ohne zu murren einverstanden.

Bestes Kostümdesign
Like A Complete Unknown
Konklave
Gladiator II
Nosferatu – Der Untote
Wicked

Paul Tazewell dominierte die vergangenen paar Wochen und sicherte somit Wicked einige Preise. Da wird sich gewiss nun noch ein Oscar dazugesellen.

Beste Kamera
Lol Crawley für Der Brutalist
Greig Fraser für Dune: Part Two
Paul Guilhaume für Emilia Pérez
Ed Lachman für Maria
Jarin Blaschke für Nosferatu – Der Untote

Der Brutalist ist ungeheuerlich bildgewaltig, ein monumentales Kunstwerk - und gewann auch schon ein paar Kamera-Preise, darunter den BAFTA. Ich bin mir dank dieser Sparte recht siegesbewusst, mir wenigstens einen Prognosenpunkt sichern zu können.

Bester Ton
Like A Complete Unknown
Dune: Part Two
Emilia Pérez
Wicked
Der wilde Roboter

Die Dune-Fans dürfen aufatmen: Der wuchtige Sound wird sich wie bei den BAFTAS gegen den Rest durchsetzen. 

Bester Song
The Journey aus The Six Triple Eight
Like a Bird aus Sing Sing
El Mal aus Emilia Pérez
Mi Camino aus Emilia Pérez
Never Too Late aus Elton John: Never Too Late

Saldañas beste Szene in Emilia Pérez und die beste Original-Musicaleinlage des Kinojahres 2024.

Beste Musik
Daniel Blumberg für Der Brutalist
Volker Bertelmann für Konklave
Clément Ducol und Camille für Emilia Pérez
Kris Bowers für Der wilde Roboter
John Powell und Stephen Schwartz für Wicked

Das wiederkehrende Thema aus Der Brutalist wird in die Filmgeschichte eingehen, und dürfte allen im Ohr festsitzen, die den Film gesehen haben. Das muss doch eine einfache Sache werden?

Bester Schnitt
Anora
Der Brutalist
Konklave
Emilia Pérez
Wicked

Der kompakte, mitreißende kleine Thriller oder die rasante Komödie? Ich tippe auf Konklave, wenn es Anora wird, wäre ich aber kein Stück überrascht.

Bestes adaptiertes Drehbuch
James Mangold und Jay Cocks für Like A Complete Unknown
Peter Straughan für Konklave
Jacques Audiard, Thomas Bidegain, Léa Mysius und Nicolas Livecchi für Emilia Pérez
RaMell Ross und Joslyn Barnes für Nickel Boys
Clint Bentley und Greg Kwedar für Sing Sing

Mit dem BAFTA und dem Globe im Rücken dürfte dies an Konklave gehen, zumal sich (denke ich) die Stimmen derjenigen, die in dieser Sparte anspruchsvoll abstimmen wollen, über Nickel Boys und Sing Sing verteilen dürften.

Bestes Original-Drehbuch
Sean Baker für Anora 
Brady Corbet und Mona Fastvold für Der Brutalist
Jesse Eisenberg für A Real Pain 
Moritz Binder, Tim Fehlbaum und Alex David für September 5
Coralie Fargeat für The Substance

Baker gewann den Preis der Autor:innen-Gilde, A Real Pain hatte bei den BAFTAs die Nase vorne und Der Brutalist ist ein Gesamtkunstwerk (das aber bisher nicht DEN alles entscheidenden Drehbuch-Sieg verbuchen konnte). Ich tippe auf Anora, würde mich aber für alles außer A Real Pain freuen. 

Beste Nebendarstellerin
Monica Barbaro für Like A Complete Unknown
Ariana Grande für Wicked
Felicity Jones für Der Brutalist
Isabella Rossellini für Konklave
Zoë Saldaña für Emilia Pérez

Saldaña gewann praktisch alle nennenswerten Indikatorpreise. Sie hat das in der Tasche.

Bester Nebendarsteller
Juri Borissow für Anora
Kieran Culkin für A Real Pain
Edward Norton für Like A Complete Unknown
Guy Pearce für Der Brutalist
Jeremy Strong für The Apprentice: The Trump Story

Ich finde A Real Pain brutal überbewertet und habe auch den Eindruck, dass sich Culkin bloß halbherzig durch den Film schnoddert, nachdem Emma Stone ihn davon abgehalten hat, das Projekt zu verlassen. Aber fast alle anderen finden ihn super in dem Film, zudem gewann er praktisch alle wichtigen Indikatorpreise. Er wird es, und ich werde mit den Augen rollen. (Borissow und Pearce wären deutlich verdientere Gewinner.)

Beste Hauptdarstellerin
Cynthia Erivo für Wicked
Karla Sofía Gascón für Emilia Pérez
Mikey Madison für Anora
Demi Moore für The Substance
Fernanda Torres für Für immer hier

Ein Drei-Personen-Rennen: Demi Moore hat die Comeback-Narrative, den Globe und den SAG Award. Mikey Madison den BAFTA und den Oscar-tauglicheren Film. Fernanda Torres hat ebenfalls einen Globe, zudem gewaltiges Momentum, zumal Für immer hier es auf den Schultern ihrer Darbietung in die Hauptkategorie geschafft hat. 

Es ist die Kategorie, die mich dieses Jahr am meisten stresst, zumal Comeback-Rollen zwar die Presse packen, aber wie Mickey Rourke einst erlebte: Sie führen nicht immer zu Brendan-Fraser-Siegen. Andererseits bewies Everything Everywhere All At Once, dass die verjüngte Academy an wilden Filmen interessiert ist (und Meta-Narrativen)... Ich tippe auf Moore, halte aber Madison und Torres ebenfalls für möglich. Gascón und Erivo wären für mich große Überraschungen!

Bester Hauptdarsteller
Adrien Brody für Der Brutalist
Timothée Chalamet für Like A Complete Unknown
Colman Domingo für Sing Sing
Ralph Fiennes für Konklave
Sebastian Stan für The Apprentice: The Trump Story

Wichtig wäre mir, dass in dieser Kategorie Chalamet für sein eindimensionales Gewimmer in Like A Complete Unknown leer ausgeht. Jubeln würde ich für Fiennes (eher seichter Stoff im Vergleich zu meinen anderen beiden Favoriten, aber er rockt es einfach), Domingo (berührend) und Brody (eine sensationelle, zehrende Leistung... und meine Prognose).

Beste Regie
Jacques Audiard für Emilia Pérez
Sean Baker für Anora
Brady Corbet für Der Brutalist
Coralie Fargeat für The Substance
James Mangold für Like A Complete Unknown

Baker gewann den Preis der Regie-Gewerkschaft, weshalb er die klügere Wahl wäre. Aber wenn bei den Oscars in jüngerer Vergangenheit Regie und Film gesplittet wurden, gewann der technisch eindrucksvollere Film den Regie-Preis. Siehe: Alfonso Cuarón für Gravity versus 12 Years a Slave, Alejandro G. Iñárritu für The Revenant vs. Spotlight, Damien Chazelle für La La Land vs. Moonlight, Alfonso Cuarón für Roma vs. Green Book und Jane Campion für Power of the Dog vs. CODA.

Es ist fast so, als würden unentschlossene Academy-Mitglieder ihren Kopf in dieser und ihr Herz in der anderen Sparte sprechen lassen (hinzu kommen die unterschiedlichen Auswertungsmechanismen). Möglich natürlich, dass Baker sich hier einfach durchsetzt, und all meine Überlegungen vergebens waren. Aber ich glaube, dass sich die Fans von Der Brutalist öfter durchsetzen als bisher in meiner Prognose vorhergesagt. Also tippe ich auch noch auf diesen Preis. Immerhin gewann Corbet den Globe, den BAFTA und diverse regionale Kritikenpreise. Das sollte gereicht haben, um ihn neben Baker bei den Academy-Mitglieder im Hinterkopf fest zu zementieren.

Bester Film
Anora
Der Brutalist
Like A Complete Unknown
Konklave
Dune: Part Two
Emilia Pérez
Für immer hier
Nickel Boys
The Substance
Wicked

Konklave hat den BAFTA und den Ensemblepreis bei den SAG Awards, aber Anora gewann bei den Producers Guild Awards, die Goldene Palme, das Wohlfühl-Momentum und die "Endlich bist du voll im Club angekommen"-Narrative für Sean Baker. Der Brutalist stand dank mehrerer Kritiker-Preise und dem Globe-Drama-Sieg im Rampenlicht und wird sicher noch in kommenden Jahrzehnten sehr, sehr oft thematisiert. Aber wird das die Academy jetzt schon jucken?

Ich tippe auf Anora dank des Momentums und der Mischung aus Humor und Anspruch-Nachglühen vergangener Baker-Filme, womit sich mehrere Winkel der Academy abgeholt fühlen dürften. Und ich bin sehr gespannt, wie das alles am Ende ausgeht...

Donnerstag, 13. Februar 2025

Mediatheken-Tipps (13. Februar 2025)

Werk ohne Autor (Drama, 2018) Florian Henckel von Donnersmarcks ausschweifende, filmisch ambitionierte Vereinigung aus Literaturbegeisterung, Kunstinteresse und Geschichtsbewältigung ist wesentlich sperriger als Das Leben der Anderen, aber das gereicht diesem schweren Drama schlussendlich zum Vorteil. Aber ich will mich nicht wiederholenARD-Mediathek, abrufbar bis zum 15. Januar 2025

Der Marathon-Mann (Thriller, 1976) Dustin Hoffman, Roy Scheider, Laurence Olivier, John Schlesingers nervenaufreibende Inszenierung und eine der (im Sinne des Filmes) ätzendsten Folterszenen der Kinogeschichte. 3sat-Mediathek, abrufbar bis zum 24. Februar 2025

Art Brut - Die andere Kunst (Doku, 2020) Außenseiterkunst der Kategorie Art Brut, die autodidaktische und antiakademische Kunst vereint, wird auf dem Kunstmarkt immer erfolgreicher. Aber wie sehr ist die Art Brut sich selbst treu, wenn sie von Museen und Auktionshäusern in Euphorie versetzt? arte-Mediathek, abrufbar bis zum 10. März 2025

Krieg und Frieden (Monumentale Literaturadaption, 1966) Über Sergei Bondartschuks Tolstoi-Adaption kursieren widersprüchliche Zahlen und Daten voller Superlative, doch ganz gleich, welche Rekorde denn nun stimmen, und welche nur erdacht sind: Dieser gewaltige Filmexzess ist eine einzigartige Wucht! arte-Mediathek, abrufbar bis zum 1. Juni 2025

An Urban Allegory (Allegorischer Kurzfilm, 2024) Alice Rohrwachers kontemporäre Reinterpretation des Höhlengleichnisses mit JR-Straßenkunst-Einschlag. arte-Mediathek, abrufbar bis zum 26. Juni 2025

Amanda Lear, die Geheimnisvolle: Nennen Sie mich Fräulein (Dokuporträt, 2022) Die Popikone mit der rauchigen Stimme und der verruchten Aura bekommt die informativ-kompakte arte-Stardokuporträt-Behandlung. Verlässlich-sehenswert. arte-Mediathek, abrufbar bis zum 6. Juli 2025

Montag, 3. Februar 2025

Mediatheken-Tipps (3. Februar 2025)

Wie Raubkatzen (Psychothriller, 1964) René Cléments romantisch-lüsterner Psychothriller über Verbrechen, Geheimnisse und Eifersucht ist in einem zurückhaltenden, in den richtigen Momenten intensiver werdende Schatten aufweisenden Schwarz-Weiß gehalten und punktet mit einem pikanten Trio aus Jane Fonda, Alain Delon und Lola Albright. arte-Mediathek, abrufbar bis zum 18. Februar 2025

Die Ermittlung (Justizdrama, 2024) Vierstündiges Mahnmal, dass wir dem Faschismus nie wieder auch nur einen Fußbreit Platz geben dürfen. Unsere Gesellschaft wird ihrer Verantwortung nicht zu genüge gerecht, weshalb diese Verdichtung des ersten Frankfurter Auschwitz-Prozesses nicht nur niederschmetternd und erschreckend, sondern auch von beklemmender Relevanz ist. arte-Mediathek, abrufbar bis zum 25. Februar 2025

Ein leichtes Mädchen (Sommerliche Coming-of-Sexual-Age-Tragikomödie, 2019) Lose inspiriert von einem Enthüllungsartikel und clever besetzt mit dem ehemaligen Callgirl Zahia Dehar, das in der Presse lang und hitzig debattiert wurde, erzählt die französische Regisseurin Rebecca Zlotowski eine mit Widerhaken bespickte, in sommerlich-traumhaften Bildern eingefangene Geschichte über Ausbeutung, Ausnutzung, Selbstermächtigung und Erkundungsdrang, in deren Zuge sich dem Publikum ständig beiläufig moralische Fragen stellen, auf die dieser Film nur selten Antworten zu geben gewillt ist. Dank der Besetzung, der von Zlotowski kultivierten, ambivalenten Stimmung und des keinerlei Redundanz zulassenden Skripts ein pikant-kniffliger, seltsam-sympathischer Coming-of-Age-Film über weibliche Lust und männliche Egos. ZDF-Mediathek, abrufbar bis zum 25. Februar 2025

Der Gott des Gemetzels (Streitkomödie, 2011) Ich kann mir nicht helfen: Ich finde diese Verfilmung von Yasmina Rezas Theaterstück mit Jodie Foster & John C. Reilly und Kate Winslet & Christoph Waltz als sich gegenseitig ankeifende, innerlich streitende und gegeneinander verbündende Elternpaare abartig lustig. Immer wieder aufs Neue. ZDF-Mediathek, abrufbar bis zum 1. März 2025

The Whale (Allegorisches Drama, 2022) Ein von Schuldgefühlen und Einsamkeit geplagter, sensibler Mann kapselt sich (nahezu) von der Außenwelt ab und straft sich mit einer selbstzerstörerischen Lebensweise. Als diese droht, unumkehrbare Konsequenzen zu zeigen, treffen seine großen Passionen wieder aufeinander: Seine Familie und die Kunst, mit Worten umzugehen. Vielschichtige Geschichte, atemberaubend von Brendan Fraser gespielt. ARD-Mediathek, abrufbar bis zum 22. März 2025

aspekte: Ein Jahr nach den Correctiv-Recherchen - Was ist aus den Massenprotesten gegen Rechtsextremismus geworden? (Kulturreportagemagazin, 2025) In Windeseile wurde diese aspekte-Folge zu einem Vormerz-Relikt geworden, da sie sich fragt, weshalb die Anfang 2024 so prominenten Demonstrationen gegen Rects verstummt sind, und hat an Relevanz zugelegt, da sie aufzeigt, wie wichtig es ist, unmissverständlich gegen hasserfüllte, verletzende Politik aufzubegehren. ZDF-Mediathek, abrufbar bis zum 23. Januar 2026

Freitag, 24. Januar 2025

Mediatheken-Tipps (24. Januar 2025)

Lucy ist jetzt Gangster (Familienkomödie, 2022) Die zehnjährige Lucy ist kreuzbrav, zuvorkommend und in jeder Lebenslage absolut korrekt. Doch als der Eisdiele von Lucys Eltern der Ruin droht, weil ihre teure Eismaschine kaputt geht, liebäugelt Lucy zum Wohle des Guten mit einem Wechsel auf die verbrecherische Seite des Rechts. Da sie das aber nicht übers Herz bringt, lacht sie sich einen ungezogenen Mitschüler als Assistenten an... Gewitzt-charmante und hübsch fotografierte Familienfilm-Gangsterkino-Stilübung. ARD-Mediathek, abrufbar bis zum 28. Januar 2025

Pleasure (Medienindustriedrama, 2021) Die schwedische Regisseurin Ninja Thyberg  stürzt sich mit dokumentarischer Anmutung ins Haifischbecken Internetpornografie und lässt die Schauspielentdeckung Sofia Kappel mit Spirl- und Entdeckungsfreude, Existenzangst und traumatischen Ereignissen hadern. Starker, harter und dennoch nuancierter Tobak. ZDF-Mediathek, abrufbar bis zum 29. Januar 2025

Verlangen – Die Begierden einer Frau (Körperliches Sehnsuchtsdrama, 2019) Nigina Sayfullaeva erzählt in ihrem erotisiertem Beziehungsfilm von einer verheirateten Frau, die in Karriere und Alltag zufrieden ist, aber nicht im Bett. Erst durch einen Verkehrsunfall (höhö) lernt sie einen Mann kennen, der sie erfüllt. Dank der facettenreich-offen spielenden Jewgenija Gromowa und den sozial-/politkritischen Zwischentöne ein ebenso prickelndes und zärtlichen wie aussagekräftiges Werk des russischen Kinos der 2010er. ARD-Mediathek, abrufbar bis zum 3. Februar 2025

Kate & Leopold (Romantikkomödie, 2001) Als James Mangold noch nicht dauernd den harten Mann markieren musste, inszenierte er mit diesem Zeitreise-Spaß eine warmherzig-alberne, all ihren erzählerischen Kniffen zum Trotz recht formelhafte, dennoch liebenswerte Liebeskomödie mit Meg Ryan, Hugh Jackman und viel Butter. ARD-Mediathek, abrufbar bis zum 13. Februar 2025

Winner (Politdrama, 2024) Susanna Fogels formal wesentlich alltäglichere Schwester zu Tina Satters Reality überschlägt sich zwar keineswegs mit Innovation, ist aber dank der Besetzung (u.a. Emilia Jones und Kathryn Newton) immer noch eine solide (und wundersam locker-flockig erzählt) Auseinandersetzung mit dem Whistleblowing-Thema. Na, das schreit doch nach einem Double Feature! ZDF-Mediathek, abrufbar bis zum 21. Februar 2025

Alaska (Drama, 2023) Kerstin versucht auf einer einsamen Kajaktour einen Trauerfall zu verarbeiten. Gerade, als sie zurück ins Leben und in ihrer Zufallsbekannten Alima eine neue Liebe findet, taucht ihr Bruder Thomas auf und macht Stunk. Stilles Wasserstraßentrip-Drama mit interessanten Konflikten, stimmungsvollen Bildern und rau-nordischer Melancholie. ZDF-Mediathek, abrufbar bis zum 29. März 2025

Donnerstag, 16. Januar 2025

Oscars 2025: Meine Prognose für die Nominierungen zur 97. Verleihung der Academy Awards


Bester Kurzfilm
Anuja
An Orange from Jaffa
Dovecote
The Man Who Could Not Remain Silent
The Masterpiece

Bester animierter Kurzfilm
A Bear Named Wojtek
Beautiful Men
Maybe Elephants
Wander to Wonder
Yuck!

Bester internationaler Film
Brasilien, I'm Still Here
Dänemark, Das Mädchen mit der Nadel
Frankreich, Emilia Pérez
Deutschland, Die Saat des heiligen Feigenbaums
Lettland, Flow

Bester Kurz-Dokumentarfilm
Chasing Roo
Death by Numbers
I Am Ready, Warden
Makayla's Voice: A Letter to the World
Once Upon a Time in Ukraine

Bester Dokumentarfilm
Dahomey
No Other Land
Soundtrack to a Coup d'Etat
Sugarcane
Will and Harper

Bester Animationsfilm
Flow
Alles steht Kopf 2
Memoir of a Snail
Wallace and Gromit: Vergeltung mit Flügeln
Der wilde Roboter

Beste Effekte
Better Man
Civil War
Dune: Part Two
Planet der Affen: New Kingdom
Wicked

Bester Ton
Alien: Romulus
Dune: Part Two
Emilia Pérez
Wicked
Der wilde Roboter

Bester Originalsong
El Mal aus Emilia Pérez
Piece By Piece aus Piece By Piece
Like A Bird aus Sing Sing
Kiss The Sky aus Der wilde Roboter
Harper and Will go West aus Will & Harper

Beste Originalmusik
Daniel Blumberg, Der Brutalist
Trent Reznor und Atticus Ross, Challengers
Volker Bertelmann, Konklave
Alberto Iglesias, The Room Next Door
Kris Bowers, Der wilde Roboter

Bestes Produktionsdesign
Der Brutalist
Konklave
Dune: Part Two
Nosferatu
Wicked

Bestes Makeup und Hairstyling
Beetlejuice Beetlejuice
Dune: Part Two
Nosferatu
The Substance
Wicked

Bester Schnitt
Sean Baker, Anora
David Jansco, Der Brutalist
Nick Emerson, Konklave
Joe Walker, Dune: Part Two
Hansjörg Weibrich, September 5

Beste Kostüme
Colleen Atwood, Beetlejuice Beetlejuice
Jacqueline West, Dune: Part Two
Lisy Christl, Konklave
Massimo Cantini Parrini, Maria
Paul Tazewell, Wicked

Beste Kamera
Lol Crawley, Der Brutalist
Greg Fraiser, Dune: Part Two
Stéphane Fontaine, Konklave
Jomo Fray, Nickel Boys
Jarin Blaschke, Nosferatu

Bestes Original-Drehbuch
Jesse Eisenberg, A Real Pain
Sean Baker, Anora
Brady Corbet und Mona Fastvold, Der Brutalist
Megan Park, My Old Ass
Coralie Fargeat, The Substance

Bestes adaptiertes Drehbuch
Peter Straughan, Konklave
Jacques Audiard, Emilia Pérez
Joslyn Barnes und RaMell Ross, Nickel Boys
Clint Bentley, Greg Kwedar, John "Divine G" Whitfield, Clarence Maclin, Sing Sing
Winnie Holzman und Dana Fox, Wicked

Bester Nebendarsteller
Yura Borisov, Anora
Kieran Culkin, A Real Pain
Edward Norton, Like A Complete Unknown
Guy Pearce, Der Brutalist
Denzel Washington, Gladiator II

Von allen vier Schauspielkategorien lässt mich diese hier am ratlosesten zurück. Halte nur Culkin für gesetzt, alle anderen könnten auch durch sonst wen ersetzt werden. Diese Award-Saison hat sonderbar wenig Nebendarsteller-Debatte, die es gestattet, ein Gespür für die Präferenzen der Academy zu entwickeln...

Beste Nebendarstellerin
Danielle Deadwyler, The Piano Lesson
Ariana Grande, Wicked
Felicity Jones, Der Brutalist
Isabella Rossellini, Konklave
Zoe Saldaña, Emilia Pérez

Bester Hauptdarsteller
Adrien Brody, Der Brutalist
Timothée Chalamet, Like A Complete Unknown
Daniel Craig, Queer
Colman Domingo, Sing Sing
Ralph Fiennes, Konklave

Ich "fühle" nicht wirklich genug Buzz für Craig, aber ich wüsste auch nicht, wer ihn überholen könnte. Sebastian Stan für The Apprentice wäre angesichts seiner BAFTA-Nominierung denkbar, aber ich glaube, da steht ihm die Berührungsangst der US-Academy-Mitglieder mit dem Stoff im Weg. Vielleicht Hugh Grant für Heretic (siehe Globes) oder als völlige "Wer hätte das gedacht?!"-Überraschung Glen Powell für A Killer Romance?

Beste Hauptdarstellerin
Cynthia Erivo, Wicked
Karla Sofía Gascón, Emilia Pérez
Mikey Madison, Anora
Demi Moore, The Substance
Saoirse Ronan, The Outrun

Ronan ist absolute Wackelkandidatin: Pamela Anderson für The Last Showgirl, Nicole Kidman für Babygirl, Fernanda Torres für I'm Still Here und Marianne Jean-Baptiste für Hard Truths könnten es ebenfalls werden. Hier setze ich einfach auf die geballte Stimmgewalt der britischen Academy-Mitglieder. (Und was, wenn die jüngeren Academy-Mitglieder sich an Filme erinnern, die fast ein Jahr zurückliegen? Dann könnte Zendaya endlich mitmischen!)

Beste Regie
Jacques Audiard, Emilia Pérez
Sean Baker, Anora
Edward Berger, Konklave
Brady Corbet, Der Brutalist
Coralie Fargeat, The Substance

Bester Film
Anora
Der Brutalist
Like A Complete Unknown
Dune: Part Two
Konklave
Emilia Pérez
September 5
Sing Sing
The Substance
Wicked

Sonntag, 12. Januar 2025

Mediatheken-Tipps (12. Januar 2025)

The Straight Story (Drama, 1999) Aus der Kategorie "Dinge, die aktuell nicht passieren würde": Ende des 20. Jahrhunderts beschloss die Walt-Disney-Pictures-Führungsriege, das Portfolio des ikonischen Studios zu diversifizieren. Deshalb erwarb man die US-Rechte an David Lynchs geradlinigstem Film: Die berührende, wahre Geschichte eines Mannes, der auf einem Aufsitzrasenmäher durch die USA fährt, um noch einmal seinen Bruder zu sehen, mit dem er sich zerstritten hat. Lynch erzählt den Stoff sensibel, nachdenklich und metaphorisch überhöht, ohne den "Eine Kuriosität, aus dem Leben gegriffen"-Aspekt dieses Dramas zu zerstören. Ich will, dass wieder mehr solcher Filme auch unter dem Disney-Namen erscheinen. ARD-Mediathek, abrufbar bis zum 14. Januar 2025 um 20.14 Uhr

À la Carte! – Freiheit geht durch den Magen (Historische Romantikdramödie, 2021) In seinem bislang besten Film blickt Ca$h-Regisseur Éric Besnard (mit etwas künstlerischer Freiheit, aber auch einem genauen Blick auf historische Genauigkeit bezüglich der Speisen und Requisiten) auf die Entstehungsgeschichte des Restaurant-Konzepts. Sinnlich, amüsant und mit französischer Freude an Aufmüpfigkeit, aber auch voller kleiner zwischenmenschlicher Dramen. Eine kleine Köstlichkeit. ARD-Mediathek, abrufbar bis zum 26. Januar 2025

Quiz (Drama-Miniserie, 2020) Basierend auf dem wahren TV-Skandal, der Großbritannien auf Trab hielt: Der frühere Major Charles Ingram nimmt am Quotenphänomen Who Wants to Be a Millionaire? (dem Original-Wer wird Millionär?) teil, jedoch glaubt das Produktionsteam, während seines Auftritts irreguläre Vorkommnisse bemerkt zu haben... Kurzweilig-informativer, mit Sinn für Showmanship, aber auch nuancierter Blick hinter die Kulissen der Ur-Erfolgsshow und ihrem berühmtesten Streitfall. ARD-Mediathek, abrufbar bis zum 9. Februar 2025

Shahid (Semi-dokumentarisches Meta-Musicaldrama, 2024) In diesem autobiografisch angehauchten Film der Regisseurin und Autorin Narges Kalhor versucht die Titelheldin (Baharak Abdolifard), ihren mittleren Namen "Shahid" zu streichen, der "Märtyrer" bedeutet und sie unwohl an ihren Urgroßvater erinnert, der 1907 im Zuge der Revolution im Iran umgebracht wurde. Doch sie stößt bei diesem Versuch bloß auf immer neue bürokratische Hürden. Ein selbstreflexiver Film über Migration, Feminismus, den Wert der Kunst und iranische Kulturgeschichte. Ungewöhnlich, klug, lustig, eindringlich. Höchst empfehlenswert! ZDF-Mediathek, abrufbar bis zum 20. März 2025

Die Ausstattung der Welt (Dokufiktion, 2023) In Die Ausstattung der Welt blickt das Regie-Duo Susanne Weirich & Robert Bramkamp auf den Requisitenfundus Studio Babelsberg, den Hamburger Fundus Props und den delikatessen Requisitenfundus Berlin: Wie sind sie organisiert, wie geht die Belegschaft an ihre Aufgabe heran, wie vielseitig können Requisiten sein? In einer das Gezeigte thematisch vertiefenden und daher aussagekräftigen, aber zwischendurch ungelenk eingebauten, fiktionalen Ebene beschäftigt sich zudem eine von Thelma Buabeng gespielte Doktorandin für Postcolonial Studies mit rassistischen Tendenzen im deutschen Film im Speziellen und der Kunstgeschichte im Allgemeinen. arte-Mediathek, abrufbar bis zum 11. April 2024

Welke & Pastewka - Wiedersehen macht Freude (TV-Nostalgieshow, 2024) Ende 2024 sind zwei neue Folgen der unaufgeregten, nerdig-lustigen TV-Nostalgieshow Welke & Pastewka erschienen, in der die titelgebenden Gastgeber auf Skurrilitäten vergangener TV-Tage zurückblicken. Zu Gast waren Anke Engelke und Klaas Heufer-Umlauf, die wahren Stars sind aber die TV-Kleinode und beschämenden Archivfundstücke. Ich hoffe, dass die Show endlich mal mehr Laufzeit und mehr Folgen pro Jahr bekommt. ZDF-Mediathek, die neuen Folgen sind bis zum 25. respektive 31. Dezember 2025 abrufbar

Donnerstag, 2. Januar 2025

Mediatheken-Tipps (2. Januar 2025)

Die Fahrten des Odysseus (Monumentalfilm, 1954) Kirk Douglas, Anthony Quinn und Silvana Mangano in einer farbintensiven Materialschlacht frei nach Homer, inszeniert von Mario Camerini und Mario Bava. arte-Mediathek, abrufbar bis zum 5. Januar 2025

Natürlich die Autofahrer (Komödie, 1959) Heinz Erhardt spielt einen privat humorvoll verpeilten, beruflich überkorrekten Witwer, Vater und Verkehrspolizisten, der nicht bemerkt, wie sehr ihn seine Nachbarin und gute Freundin mag. Eines Tages sieht sich der überzeugte Fußgänger gezwungen, den Führerschein zu machen (herrlich als Fahrlehrerin: Trude Herr). Harmloser Wohlfühlspaß, dessen biederes Naturell durch ein paar flottere Musikeinlagen und gezielte Seitenhiebe aufgebrochen wird. ARD-Mediathek, abrufbar bis zum 26. Januar 2025

Drei Mann in einem Boot (Komödie, 1961) Wasserstraßen-Trip-Komödie mit heimeligen Stadt- und Landpanoramen entlang des Rheins, amüsanten Dialogen, etwas Slapstick-Chaos. Ich kann mir nicht helfen, ich hab eine irrationale Schwäche für diesen klamaukig-piefigen Film. ARD-Mediathek, abrufbar bis zum 26. Januar 2025

Manche mögen's heiß (Komödie, 1959) So, schrauben wir das Qualitätslevel mal exorbitant in die Höhe: Billy Wilders Gangster-, Liebes-, Screwball-, Verkleidungs- und Musikkomödie Manche mögen's heiß ist einer der lustigsten Filme aller Zeiten. Was damals zur Zersetzung des Hays Codes beigetragen haben soll, ist heute noch immer ein Dauerfeuerwerk an Pointen, Lachsalven, Verbalkapriolen und Lebensfreude. Jack Lemmon, Tony Curtis, Marilyn Monroe und Joe E. Brown spielen allesamt brillant, das Drehbuch aus der Feder von Wilder und I.A.L. Diamond ist raffiniert, ruhelos und bei allem frechen Witz liebevoll und der Schlusssatz ist ein Schlusssatz für die Filmewigkeit. arte-Mediathek, abrufbar bis zum 28. Januar 2025

Hape Kerkeling: Total normal (Doku, 2024) Anlässlich Hape Kerkelings 60. Geburtstag reist diese ARD-Doku durch das Leben und die Karriere des Ausnahme-Entertainers und geht darauf ein, wie die Bundesrepublik ihn prägte (und umgekehrt). ARD-Mediathek, abrufbar bis zum 9. März 2025

Harris Tweed - Rückkehr einer Legende (Reportage, 2022) Praktisch, modisch, verpönt, wieder verehrt: Der Tweed-Stoff wurde bereits vieles genannt, und diese Reportage nimmt sich seine derzeitige Renaissance zum Anlass, hinter die Kulissen des Stoffes an, aus dem seit Jahrzehnten Lieblings- und Hass-Lehrer:innen gemacht werden. arte-Mediathek, abrufbar bis zum 13. März 2025

Freitag, 20. Dezember 2024

Mediatheken-Tipps (20. Dezember 2024)

Einsam zweisam (Großstadt-Drama, 2019) Cédric Klapisch erzählt mit Alltagspoesie und nach Anschluss suchendem Herzen die Geschichte zweier einsamer Menschen, die in Paris versuchen, ihr Leben wieder in die Bahn zu kriegen. Und unentwegt drängt sich die Frage auf: Können sie sich nicht einfach gegenseitig retten? Doch so einfach ist das nicht... ARD-Mediathek, abrufbar bis zum 2. Januar 2025

No Turning Back (Kammerspiel-Thrillerdrama, 2013) In diesem Anwärter auf den Titel "Tom Hardys beste Performance" will ein Bauleiter vergangene Fehler und aktuelle Lebenskrisen meistern, all das während einer einsamen Autofahrt. Bewegend, spannend, saustark gespielt. ARD-Mediathek, abrufbar bis zum 8. Januar 2025

Die Regenschirme von Cherbourg (Durchkomponiertes Musical, 1964) Jacques Demy atemberaubendes Meisterwerk über Liebe, gebrochene Herzen und Sehnsucht, eingefangen in kräftig leuchtenden, märchenhaften Farben. Zum Dahinschmelzen! arte-Mediathek, abrufbar bis zum 8. Januar 2025

The Green Knight (Dramatische Fantasy, 2021) David Lowerys imposant gefilmte, intensive Atmosphäre aufweisende und vielschichtige Interpretation der romantischen Rittersage Sir Gawain und der grünen Ritter aus dem Sagengeflecht über die Tafelrunde. Ein Film mit einem unmwerfenden Dev Patel in der Hauptrolle und immenser Sogwirkung. ARD-Mediathek, abrufbar bis zum 10. Januar 2025

Der schwarze Korsar (Piraten-Abenteuer, 1976) Sergio Sallimas Romanverfilmung über einen adligen Piraten auf Rachemission setzt mehr auf schmachtende Figuren, als auf Hochsee-Thrill, lebt aber von der ästhetischen und tonalen Patina des 70er-Abenteuerkinos aus Italien und prachtvollen Schauplätzen. arte-Mediathek, abrufbar bis zum 11. Januar 2025

The World of Hans Zimmer (Konzertfilm, 2024) Nach seinem Prager Konzertfilm zieht es Hans Zimmer gen Krakau. Unter anderem mit einem Chor und der Sängerin Lisa Gerrard präsentiert der einflussreiche Komponist neu arrangierte Kompositionen und Medleys aus Gladiator, Interstellar, Wonder Woman 1984, Dune: Part Two, Sherlock Holmes, Im Glanz der Sonne, Der König der Löwen und der Pirates of the Caribbean-Saga. arte-Mediathek, abrufbar bis zum 29. Mai 2025

Samstag, 30. November 2024

Mediatheken-Tipps (30. November 2024)

Besser geht's nicht (Romantische Komödie mit dramatischen Zwischentönen, 1997) Jack Nicholson und Helen Hunt brillieren in einer munteren, eloquent verfassten Romantikkomödie von James L. Brooks, in der es zwischendurch auch sensibel und nachdenklich zugehen darf. Ein Wohlfühlfilm mit Köpfchen. ZDF-Mediathek, abrufbar bis zum 3. Dezember 2024

Viva Maria! (Nouvelle-Vague-Abenteuerkomödie mit parodistisch-satirischen Einschlägen, 1965) Louis Malles burlesque, fidele Subversierung des Buddy-Abenteuerkinos mit Brigitte Bardot und Jeanne Moreau als irische Terroristin und singende Schauspielerin, die sich in Mittelamerika in einem Zirkuswagen kennenlernen. Schnell werden sie zu einer unzertrennlichen Einheit, die sich gegenseitig in Liebesdingen und Revolutionsideen beeinflussen. Oh, und sie sagen dem Faschismus sowie bigott-christlichen Konservativisums den Kampf an. Achja, und sie erfinden den Striptease. arte-Mediathek, abrufbar bis zum 3. Dezember 2024

Rabbit Hole (Drama, 2010) Nicole Kidman, Aaron Eckhart und ein junger Miles Teller in einem bewusst aneckenden, zwischendurch bitterkomischen Drama von John Cameron Mitchell über Trauer, Perversion und  Schuldzuweisung. ARD-Mediathek, abrufbar bis zum 12. Dezember 2024 um 22.29 Uhr

Supertramp: Live in Paris (Konzert, 1979/2012) Das Paris-Konzert '79 der Band Supertramp galt jahrzehntelang als legendär - nicht zuletzt, weil man es nur aus Nacherzählungen kannte, sofern man denn nicht dabei war. 2012 kam es dann zur Sensation: Nachdem man die Filmaufnahmen des mitreißenden Auftritts in der Scheune des Schlagzeugers Bob Siebenberg fand, wurde der einst geplante Konzertfilm doch noch veröffentlicht! ZDF-Mediathek, abrufbar bis zum 31. Dezember 2024

Jeanne Dielman (Drama, 1975) Chantal Akerman im jüngsten Sight & Sound-Ranking auf Platz eins der besten Filme aller Zeiten gestiegenes Alltagsdrama über eine verwitwete Frau beeindruckt durch minimalistisch-formale Konsequenz und eine authentisch wirkende Hauptdarstellerin. arte-Mediathek, abrufbar bis zum 23. Februar 2025

Paläste der Nacht (Dokuserie, 2024) Ich habe ein kleines Faible für artes Doku-Serien über die Geschichte, Ästhetik und kulturelle Wirkung von Sehenswürdigkeiten / lokalen Institutionen, und Paläste der Nacht führt mir einmal mehr vor Augen, weshalb: Die sehnsüchtig-geheimnisvollen "Paläste der Nacht" in Paris, Berlin, London und Shanghai werden auf ihre jahrzehntelange Entwicklung auf architektonischer, künstlerischer und gesellschaftlicher Ebene abgeklopft und spiegeln somit (gegen-)gesellschaftlichen Wandel. Kurzweilig, informativ. arte-Mediathek, abrufbar bis zum 6. März 2025

Freitag, 22. November 2024

Mediatheken-Tipps (22. November 2024)

Don Camillo und Peppone (Komödien-Filmsammlung, ab 1952) Komödien-Klassiker, die nicht aus dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen wegzudenken sind: Das ländliche Italien nach dem Zweiten Weltkrieg wird zum Schauplatz des gewitzten Tauziehens zwischen Traditionen und dem Versuch, sich weiterzuentwickeln. Gewitzt gespielt und charmant verkörpert von Fernandel und Gino Cervi. ARD-Mediathek, Ablaufdatum der Filme liegt zwischen dem 2. Dezember und dem 16. Dezember 2024

The Big Sick (Romantikkomödie, 2017) Urkomische und rührende, wahre Geschichte einer sich auf ungewöhnlichem Wege verkomplizierenden Romanze. Emily V. Gordon und Kumail Nanjiani verarbeiten ihre Beziehung auf Skriptebene locker-flockig-herzig, vor der Kamera spielt Nanjiani herausragend mit Zoe Kazan. Einfach schön. ARD-Mediathek, abrufbar bis zum 5.Dezember 2024

Gesprengte Ketten (Kriegs- und Gefängnisfilm-Abenteuerepos, 1963) Kernig-launiger Klassiker von Die glorreichen Sieben-Regisseur John Sturges, der Steve McQueen, James Garner, Richard Attenborough, Charles Bronson, James Coburn und Donald Pleasence in ein hoch unterhaltsames Thrillerabenteuer steckt. Leichtfüßiges Eskapismuskino vor ernstem historischen Hintergrund, ein verdienter Klassiker! arte-Mediathek, abrufbar bis zum 9.Dezember 2024

She Chef (Dokumentation, 2023) Spannende, informative Dokumentation über die österreichische Kochweltmeisterin Agnes Karrasch, die versucht, sich in der Männerdomäne einen Platz zu erkämpfen. Es geht um Freundschaften, Sexismus und unfassbar mieses Timing. Toll erzählt! ARD-Mediathek, abrufbar bis zum 18.Dezember 2024

Galakonzert mit Anne-Sophie Mutter, John Williams und Beethoven aus Pittsburgh (Galakonzert aus Pittsburgh, 2024) Anne-Sophie Mutter spielt in Pittsburgh unter anderem Musik aus Die Abenteuer von Tim und Struppi, der Indiana Jones-Reihe, der Star Wars-Saga und Beethovens Tripelkonzert. ZDF-Mediathek, abrufbar bis zum 14. Februar 2025

Ida Lupino: "Ein paar Mal schneuzen, dann fühlst du dich wie neu geboren!" (Dokuporträt, 2022) Die nicht ausreichend gewürdigte Schauspielerin und Regisseurin Ida Lupino drehte zu Zeiten, zu denen das Hollywood-Studiosystem kaum Frauen auf den Regiestuhl ließ und vor brenzligen Themen scheute, Filme, die wie aus den Schlagzeilen gerissen schienen. Doch diese brenzligen Geschichten behandelte sie nuanciert, spannend und gefühlvoll. Dieses kompakt-informative Dokuporträt erklärt, was Lupino antrieb, wie sie sich durchsetzte, und was ihre Filme ausmacht. Sehenswert! arte-Mediathek, abrufbar bis zum 31.Oktober 2025

Samstag, 2. November 2024

Mediatheken-Tipps (2. November 2024)

Wir sind keine Engel (Weihnachtliche Ganovenkomödie, 1955) Michael Curtiz' Weihnachtsklassiker mit Humphrey Bogart, Peter Ustinov, Aldo Ray, Joan Bennett und Basil Rathbone über einen Betrüger und zwei Mörder, die kurz vor Weihnachten von einer Gefängnisinsel fliehen und in einer kleinen Kolonialstadt landen, wo sie eine Krämerladenfamilie ins Herz schließen. Einfach schön. arte-Mediathek, abrufbar bis zum 15. November 2024

Orpheus in der Unterwelt (Filmoperette, 1974) Kurze, knackige DEFA-Adaption der berühmten Operette von Hector Crémieux und Jacques Offenbach über Götter, Menschen, Begierde und Moral. Prächtige Farben, interessante Drehorte und luftige Garderoben, sowie Dialoge im Kabarettduktus. ARD-Mediathek, abrufbar bis zum 26. November 2024, um 10.15 Uhr

Fahrschule (Komödie, 1986) Familie Steinköhler besitzt keinen Führerschein und geht aus Überzeugung zu Fuß. Doch plötzlich besitzt sie sogleich zwei Autos! Schnell müssen Führerscheine her, sonst wäre das ja Verschwendung. Doch Herr und Frau Steinköhler machen in der Fahrschule sehr gegensätzliche Erfahrungen... Flott-lockere DDR-Komödie voller Humor über den damaligen Alltag, dessen Kern aber heute noch immer nachvollzogen werden kann. ARD-Mediathek, abrufbar bis zum 30. November 2024 um 8.45 Uhr

20 Jahre Walt Disney Hall: Los Angeles Philharmonic und Gustavo Dudamel (Konzert, 2024) Die Walt Disney Hall in Los Angeles feiert Jubiläum, weshalb die Los Angeles Philharmonic und Chefdirigent Gustavo Dudamel zum Jubelkonzert laden. Sie spielen Bach, Debussy und Poulenc, zudem tanzt Lucinda Childs zu Esa-Pekka Salonen. ARD-Mediathek, abrufbar bis zum 18. Januar 2025

Die Wollust (Kurzfilm, 1962) Jacques Demys Beitrag zum französischen Episodenfilm Die sieben Todsünden ist derzeit einzeln in der arte-Mediathek abrufbar und dreht sich um Hieronymus Bosch sowie ulkige Kindheits-Missverständnisse. arte-Mediathek, abrufbar bis zum 1. März 2025

Die Kunst zu lieben (Episodenfilm, 2011) Süffisanter, kurzweiliger, abwechslungsreicher und zügiger Omnibus über Fehlkommunikation, (Un-)Glück und Überraschungen im modernen (französischen Großstadt)-Sexleben. Zwischendurch was "heteromännerig" geraten, aber für mein Gefühl mehr aus einem eng gesetzten Schwerpunkt heraus, weniger aus Boshaftigkeit. arte-Mediathek, abrufbar bis zum 1. Mai 2025

Samstag, 26. Oktober 2024

Mediatheken-Tipps (26. Oktober 2024)

Rammbock (Horrorfilm, 2010) Kammerspielartiger Zombiefilm in monochronem Grau-in-Betongrau-in-Pissbraun-in-Matschrot, der sich weniger um seine Splattereffekte schert, als um eine betrübliche Stimmung, einzelne humorige Elemente und gesellschaftliche Seitenhiebe. ZDF-Mediathek, abrufbar bis zum 27. Oktober 2024

Casino (Kriminaldrama, 1995) Martin Scorseses Verbrechen-vor-Glanz-und-Glamour-Kulisse-Pendant zu seinem New-Yorker-Mafia-Klassiker GoodFellas: Casino besticht mit einer tollen Sharon Stone zwischen Scorseses bewährten Haudegen  Robert De Niro und Joe Pesci, einer in schillernden Bildern eingefangenen, schroffen Schilderung des Schauplatzes Las Vegas, hoher Informationsdichte und faszinierenden, durchdacht skizzierten Figuren. ARD-Mediathek, abrufbar bis zum 3. November 2024 

Charade (Screwball-Agententhriller-Romantikkriminalkomödie, 1963) Stanley Donens wunderschön fotografierte, stillvoll erzählte Hitchcock-Trittbrettfahrerei mit einer einmal mehr wundervollen Audrey Hepburn und einem einmal mehr fabelhaften Cary Grant: Von toller Henry- Mancini-Musik, berückenden Schauplätzen und einem unentwegt galant seine Gangart ändernden Peter-Stone-Skript zusammengehaltene, spannende Scherzerei über Lug, Betrug, Diebstahl, (romantische) Begierde und verwirrendes Identitätsspiel. Einfach exzellent. ARD-Mediathek, abrufbar bis zum 5. November 2024

Die Katze und der Kanarienvogel (Rabenschwarze Gruselkrimikomödie, 1979) Ein exzentrischer Milliardär ist verstorben und seine potentiellen Erben haben sich zur Testamentsverkündung versammelt - nur um festzustellen, dass sich im selben Anwesen ein Killer herumtreibt... Inszeniert von Radley Metzger, setzt diese Verfilmung des gleichnamigen Theaterstücks auf beeindruckende Sets, außergewöhnliche Kamerapositionen und gewitzte Dialoge. ARD-Mediathek, abrufbar bis zum 13. November 2024r

Der Hund von Baskerville (Gruselkrimi, 1959) Mit Christopher Lee und Peter Cushing prominent besetzte, atmosphärische Sherlock-Holmes-Adaption der Hammer-Studios, von der ich hier schon geschwärmt habe. arte-Mediathek, abrufbar bis zum 19. November 2024

Der Gute und die Bösen (Widerstandskomödie, 1976) Claude Lelouchs Film, in dem die Pariser Polizei und Unterwelt unverhofft auf dieselbe Seite gelangen, um gegen die deutsche Besatzung Kante zu zeigen, ist nicht gerade sein zügigster Film. Dank seiner Bildsprache und seiner clever eingefädelten Handlung dennoch ein sehenswerter Spaß. arte-Mediathek, abrufbar bis zum 30. November 2024

Mittwoch, 23. Oktober 2024

Mediatheken-Tipps (20. Oktober 2024)

Die Rüden (Drama, 2020) Connie Walthers kopfgesteuertes Drama über männliche Straftäter, die von einer markigen Trainerin angeleitet werden, aggressive Hunde zu zügeln, mag provokant verkürzen. Ist aber auch stilsicher inszeniert, atmosphärisch und regt in seiner Metaphorik zur weiteren Reflexion an. arte-Mediathek, abrufbar bis zum 28. Oktober 2024

Stolz und Vorurteil (Romantisches Drama, 2005) Joe Wrights betörend schöne, ebenso durchdacht verdichtete wie in ihrer Bildsprache erfreulich leichte Jane-Austen-Adaption. Dario Marianellis Musik ist toll, die Kostüme erstklassig, Roman Osins Kameraarbeit verzaubert. Und das Ensemble ist famos, ganz vorne natürlich Keira Knightley! ARD-Mediathek, abrufbar bis zum 9. November 2024, um 18 Uhr

Ida (Drama, 2013) Paweł Pawlikowskis hervorragend fotografiertes Schwarz-Weiß-Roadmovie über Schuld und Schmerz, das in einer denkwürdigen Grauzone zwischen schön und unheilvoll schwebt, glänzt mit einer Atmosphäre, die man schneiden könnte, und starken Performances von Agata Trzebuchowska und Agata Kulesza. ARD-Mediathek, abrufbar bis zum 17. November 2024 um 8 Uhr

Der Breitengrad der Liebe: Cold War (Drama, 2018) Nochmal Paweł Pawlikowski, wieder Schwarz-Weiß: Über eineinhalb Jahrzehnte hinweg begleiten wir die Liebesgeschichte zwischen einer Sängerin und einem Pianisten, während sich das Nachkriegspolen unaufhaltsam wandelt. Melancholisch, sinnlich, traurig und tröstlich zugleich, mit einem Hauch polnisch-kühler Varianz des italienischen Neorealismus! ARD-Mediathek, abrufbar bis zum 17. November 2024, um 8 Uhr

Die letzten Venezianer (Reportage, 2021) Wie lebt es sich eigentlich in einer Stadt, die eine einzige Touristenattraktion ist? Diese Reportage wagt den Versuch einer Antwort, indem sie sich an die Fersen der verbliebenen "echten" Menschen aus Venedig haftet und das "Dorf" in der Stadt sucht, abseits der großen Sehenswürdigkeiten. arte-Mediathek, abrufbar bis zum 31. Dezember 2025

Evanescence Synthesis Live (Symphonic-Metal-Konzertdoku, 2017) Evanescence tourte 2017/2018 anlässlich des Albums Synthesis und interpretierte seine Songs mit einem neuen orchestralen Arrangement. ZDF-Mediathek, abrufbar bis zum 31. August 2025

Sonntag, 13. Oktober 2024

Mediathenken-Tipps (12. Oktober 2024)

Border (Magischer-Realismus-Drama, 2018) Ali Abbasis Film über eine schwedische Zollbeamtin, die einen sechsten Sinn zu haben scheint, Sehnsucht nach Liebe und Kindesentführung. Einfühlsam, schräg, dramatisch. ARD-Mediathek, abrufbar bis zum 28. Oktober 2024

Dick & Doof (Filmsammlung, verschiedene Jahrgänge) Hach, da werde ich ganz nostalgisch: Durch Das Erste habe ich als Knirps diverse Schwarz-Weiß-Slapstickgrößen überhaupt erst kennen- und liebengelernt, jetzt gibt es in der ARD-Mediathek eine ganze Sammlung an Filmen mit Stan Laurel & Oliver Hardy. Viel Spaß! ARD-Mediathek, Abruf-Verfallsdatum variiert von Film zu Film - die ersten laufen am 31. Oktober 2024 aus

Anna und die Apokalypse (Weihnachtliche Zombie-Musicalkomödie, 2017) John McPhail hervorragender Musicalspaß über Jugendliche, die zur angeblich wundervollsten Zeit des Jahres erkennen müssen, dass die Zukunft überaus ungewiss und für viele von ihnen das Ende nah ist. Und Zombies sind auch unterwegs! Ella Hunt, Marli Silu und Sarah Swire sind klasse, die Songs super - es ist einer meiner absoluten Lieblingsfilme der letzten zehn Jahre. ZDF-Mediathek, abrufbar bis zum 3. November 2024

David Copperfield - Einmal Reichtum und zurück (Drama, 2019) Armando Iannuccis farbenfroh ausgestattete und locker-leicht-zügig erzählte Variation des Romans von Charles Dickens, mit einem losgelösten Dev Patel in der Titelrolle. Nicht der große Wurf, den dieser Ansatz verdient hätte, aber hübsch anzuschauen und eine originelle Annäherung an die Vorlage. ARD-Mediathek, abrufbar bis zum 6. November 2024

Love & Friendship (Kostüm-Dramödie, 2016) Jane Austens Briefroman Lady Susan, schön schnippisch umgesetzt und mit einer Kate Beckinsale, die mal daran erinnern darf, was sie mimisch drauf hat. ARD-Mediathek, abrufbar bis zum 7. November 2024

Marc-Antoine Charpentier: Médée (Opern-Aufzeichnung, 2024) Der Schotte David McVicar verlegt Marc-Antoine Charpentiers tragische Oper über eine von ihrem Gatten betrogene Zauberin, die sich auf einen blutigen Rachezug begibt, in ein britisches Armeequartier während des Zweiten Weltkriegs. Eindringlich! arte-Mediathek, abrufbar bis zum 30. Mai 2025

Sonntag, 6. Oktober 2024

Mediatheken-Tipps (5. Oktober 2024)

Das Geheimnis der Meister: Piet Mondrian (Kultur-Doku, 2021) Die Kunst-Dokureihe Das Geheimnis der Meister ist per se empfehlenswert, aber exemplarisch habe ich mal die über den niederländischen Meister primärfarbener Geometrieformen ausgesucht. Kompakt, informativ, noch mehr Neugier weckend. 3sat-Mediathek, abrufbar bis zum 31. Januar 2025

Sarah Bosetti: Wer Angst hat, soll zuhause bleiben! (Kabarettprogramm, 2023) Bosetti pariert mit Eloquenz, (spitzer) Freundlichkeit und reflektierten Gedanken populistische Hetze und doofe Kommentare. Nicht nur witzig, sondern auch ungewöhnlich entspannend. 3sat-Mediathek, abrufbar bis zum 29. September 2025

Nahschuss (Thrillerdrama, 2021) Franziska Stünkel widmet sich spannend und aufwühlend dem Leben des letzten Hinrichtungsopfers der DDR. Toll besetzt mit Lars Eidinger, Luise Heyer und Devid Striesow, zuweilen überraschend kafkaesk inszeniert. 3sat-Mediathek, abrufbar bis zum 3. Oktober 2025

Bucket List (Musicaltheateraufzeichnung, 2024) Regisseurin Yael Ronen und Musiker Shlomi Shaban verarbeiten Terror, Krieg, Verlust, posttraumatische Belastungsstörungen und den Zweifel am eigenen Erinnerungsvermögen. Ein schweres Musical, thematisch angestoßen durch die Lage in Nahost. 3sat-Mediathek, abrufbar bis zum 1. Mai 2027

Profiler im Museum - Mit Geheimdienstmethoden gegen Diebesbanden (Doku, 2024) Der Einbruch ins Grüne Gewölbe, der Münzendiebstahl von Manching und der millionenschwere Porzellanraub von Köln: Wie versuchen Museen eigentlich, ihre Sicherheitslücken zu schließen? 3sat-Mediathek, abrufbar bis zum 16. Februar 2029

Scobel: Was kann ich wissen? (Wissenschaftstalk, 2024) Wer nichts weiß, hält sich oft für schlau. Je mehr man weiß, desto mehr stechen die eigenen Wissenslücken ins Auge. Nicht nur ein individuelles, sondern auch ein gesamtgesellschaftliches und wissenschaftliches Paradoxon, das durch den Umstand "Wir alle tragen den Zugang zu weiten Teilen des Weltwissens - und nutzen ihn oft, um auf starke Vereinfachungen, Fehlwissen und Lügen zuzugreifen" an Bedeutsamkeit gewinnt. Wie sollen Wissenschaft und Journalismus damit umgehen? Gert Scobel diskutiert dies mit Wiebke Loosen, Maren Urner und Marcus Willaschek 3sat-Mediathek, abrufbar bis zum 29. August 2029

Samstag, 28. September 2024

Mediatheken-Tipps (28. September 2024)

The Human Voice (Dramatischer Kurzfilm, 2020) Pedro Almodóvars Kurzfilm über eine isolierte, wütende, unsichere, sehnsüchtige, nervöse Frau (stark gespielt von Tilda Swinton). arte-Mediathek, abrufbar bis zum 29. September 2024

Die glorreichen Sieben (Western, 1960) Die sieben Samurai, als Western neu entworfen: John Sturges' mit einem denkwürdigen Ensemble besetzte, von Elmer Bernstein musikalisch unvergesslich untermalte Kurosawa-Reinterpretation Reinterpretation wurde dank brillanter Bilder und kernig-unterhaltsamer Action selbst höchstverdient zum Klassiker. arte-Mediathek, abrufbar bis zum 6. Oktober 2024

mid90s (Coming-of-Age-Dramödie, 2018) Sympathischer, ebenso authentischer wie reflexiver Film über die Skater-Subkultur und typisches 90er-Jahre-Jungsgehabe, geschrieben und inszeniert von Jonah Hill. ARD-Mediathek, abrufbar bis zum 13. Oktober 2024

Der Teufelshauptmann (Western, 1949) Mittelteil von John Fords thematischer "Kavallerie-Trilogie", der jegliche Western-Romantik in einem für 1949 erstaunlich hart-blutigen Actionanteil ertränkt. Malerische Landschaftsaufnahmen lassen einen noch tieferen Graben zwischen der Erwartungshaltung an "Schön war es, im Wilden Westen" und der traurig-kargen Entwicklung der Handlung rund um ohn Waynes Titelfigur entstehen. ARD-Mediathek, abrufbar bis zum 14. Oktober 2024

Lauren Bacall: Die diskrete Verführerin (Doku-Porträt, 2017) Informativ-sensibler Einblick in die Karriere der Schauspielgröße Lauren Bacall und ihrer langen Suche nach Selbstakzeptanz. arte-Mediathek, abrufbar bis zum 16. Oktober 2024

Piratin und Pferdejunge – Alte und neue Rollenbilder in Kinderbüchern (Doku, 2023) Versuch einer kompakten, dennoch ausdifferenzierten Auseinandersetzung mit den Erwartungen daran, wie viel Vorbildfunktion und wie wenig Stereotyp ein Kinderbuch haben soll. 3sat-Mediathek, abrufbar bis zum 8. Dezember 2028