Donnerstag, 30. Juni 2011

Der Berg ruft!

Bildquelle: Started by a Mouse

Schon bald wird Pirates of the Caribbean - Fremde Gezeiten an den Kinokassen die Milliardengrenze knacken. Verfilmungen von Fahrattraktionen aus den Disney-Parks sind also ungebrochen rentabel. Zumindest die piratigen Leinwandadaptionen. Die Country Bears und Die Geistervilla sind ja bekanntlich gefloppt und letzterer war eine derartige Beleidigung der Vorlage, dass Disney ein Remake unter der Obhut von Guillermo del Toro genehmigte. Disney möchte aber auch weiter sein Glück mit anderen Attraktionen versuchen. Ein vom Enchanted Tiki Room inspirierter Film ist in Arbeit, Jon Favreau verfilmt gleichmal das ganze Magic Kingdom und die Jungle Cruise könnte mit Tim Allen und Tom Hanks ins Kino finden.

Wie THR meldet, reiht sich jetzt auch eine von Disneys beliebten Berg-und-Talfahrten in diese Liste ein: Die seit 1959 exklusiv in Disneyland angebotenen Matterhorn Bobsleds sollen zu einem rasanten, spannenden Kinoabenteuer umgewandelt werden. Dabei wurde diese Attraktion ursprünglich bereits vom Disney-Abenteuerdrama Der dritte Mann im Berg von 1959 inspiriert. Da die Attraktion allerdings 1978 komplett umgemodelt wurde und seither dem (im Film nicht auftauchenden) Yeti Obdach gewährt, würde ich jetzt nicht aufschreien, dass Disney nun Filme macht, die auf Attraktionen basieren, die eigentlich auf Filme basieren. Rechnet also nicht mit Armageddon - Der Film.

Bislang ist über die Story nur bekannt, dass der Film von fünf jungen Abenteurern handelt, die aus ihnen unbekannten Gründen zum Matterhorn bestellt werden und während des Abstiegs dem Yeti begegnen. Ja, das Disney-Matterhorn bedient sich Sagengestalten aus anderen Ecken der Welt...

Das Drehbuch zu The Hill (so der Arbeitstitel des Films) stammt vom Newcomer Jason Dean Hall, Tron: Legacy-Produzent Justin Springer wird die Produzentenrolle übernehmen.

Mittwoch, 29. Juni 2011

Die besten Suchbegriffe X

Zeit, die Sektkorken knallen zu lassen! Google, Yahoo, Bing und vielen, vielen seltsamen Suchbegriffen haben wir es zu verdanken, dass eine der beliebtesten Artikelreihen hier im Blog nun die zehnte Ausgabe feiern kann!

Aber solch ein Jubiläum sollte auch Anlass sein, nachdenklich zu sein. Die besten Suchbegriffe, das ist auch eine Geschichte voller Vorurteile und Missverständnisse. So wird mir gegenüber immer wieder erwähnt, wie toll ja die Artikel über die Perverslinge, die auf meine Seite stolpern, doch immer seien. Dabei werden in dieser Reihe nicht nur Suchbegriffe sexueller Natur vorgeführt. Manches ist auch ganz harmlos - oder geisteskrank, ganz ohne sexuellen Bezug.

Und wer weiß, möglicherweise hat die Wurzel allen Übels ihren missverstandenen Ursprung bei mir? Vielleicht sind dies keine vorführenswerten, seltsamen Suchanfragen, die letzten Endes zu meinem Blog führten, sondern verzweifelte Hilfeschreie verirrter Seelen? Oder all dies sind Ergebnisse von Katzen, die ihren Besitzern auf die Tastatur springen? Sollte ich nicht viel lieber aufklärerische Artikel darüber verfassen, wie man sicherer im Internet surft und sich dieses digitale Medium effektiver zu Nutze macht?!

Quaaaaaaaatsch! Immer nur her mit den dämlichen, perversen oder schlichtweg interessanten Suchanfragen! Lachen wollen wir, lachen!

thomas gottschalk wettschuld lied grand prix keine teilnahme rocker
Seht ihr? Dieser Person wäre geholfen, würde ich nun eine kurze, knappe, einprägsame Erklärung liefern, wie man seine Google-Suchen formulieren sollte, wenn man auf Ergebnisse aus ist, die einem auch etwas bringen. Vielleicht könnte ich mir so auch den ersten Internet-Nobelpreis erarbeiten... Aber nein... ihr wartet doch nur auf den ersten Gag in diesem Posting, nicht wahr? Links zu meinen Ergüssen bezüglich Gottschalks kurzlebiger Gesangskarriere jucken eucht bestimmt auch nicht...

Gottschalk wetten dass rückkehr lippert
Und so entdeckte dann auch Jörg Pilawa meinen Blog. Und wissen Sie was, Herr Pilawa? Lippert wäre der TV-Nation wesentlich lieber, als eine feindliche Übernahme ihrerseits...

texte zu entschuldigung bei gulliver
Ja, jack Black sollte sich dringend für Gullivers Reisen entschuldigen...

brüno eklige szene
Also ich fand ja die sonnenbankgebräunte, schlecht operierte Domina, die Brüno zum Sex zwingen wollte das ekligste am ganzen Film, und das mit gewaltigem Abstand. Einige ukarinische Bürohengste sowie ein irischer Kinobesitzer sehen das aber ganz anders. Klar, ist ja auch schon gesundheitsgefährdend, so ein ganzer Film über einen schwulen Moderporter... Brrrr...

friseure sind voll doof
Ohja, das ist ein toller Protest-Button! Viel besser als "Atomkraft Nein Nein", aber längst nicht so toll wie "Müsli, Müsli, Mjam, Mjam, Mjam"!

Hochzeit, musikalisches interview
Habe ich nicht zu bieten, aber dafür vielleicht einige Anregungen bezüglich des Hochzeitsgeschenks...
Oh, das ist die ideale Überleitung zum nächsten Suchbegriff! Clever, hm?

Leder bh
So, aus reiner Neugier... ich als Mann hab' da ja keine Ahnung, also, wenn sich vielleicht eine aufgeschlossene Leserin dazu äußern würde... denn beim sommerlichen Wetter, da frage ich mich schon... Sind die Teile eigentlich atmungsaktiv?

Fluch der Karibik ziege
Na gut, der Suchbegriff ist eigentlich ganz harmlos. Und hier und hier findet ihr ganz informatives Zeug darüber. Aber ich woll hier ja keine Infoaktion machen, sondern Comedy... Mh... was kann ich denn auf eine Ziege folgen lassen?

Sir Donnerbold Hengst
Liebe Leserinnen: Google ist die falsche Anlaufstelle. Sucht nicht nach Informationen aus dritter Hand... Ladet mich auf ein paar Cocktails ein, macht mir ein paar Komplimente und wer weiß, vielleicht könnt ihr euch dann selbst davon überzeugen. Bonuspunkte, wenn eine von euch den Körper und das Talent dazu hat, die berühmt-berüchtigte Musikhitliste von meinem Gastautor Elias durchzugehen...

...

Schluchz, ich bin so einsam...

dmooth criminal donnerbold
Seht ihr, ich bin scheinbar so uninteressant, dass es nichtmal für die Kennzeichnung als "smooth" ausreicht. Stattdessen bin ich für meine Leser bloß ein "dmooth criminal". Das klingt so scheiße, dass kann nichts gutes bedeuten.

idool karo titels gebrachte sonfs
Gesundheit.

bekanntes geklautes bulgarisches lied
Klar. Wer kennt's nicht? Ich finde allerdings, dass die Dänen die größeren Musikdiebe sind.

ist jack sparrow ernster
Ernster als wer? Ernster als was? Worin ernster? Magst du das vielleicht etwas spezifizieren? Am besten, bevor der tobende Mob mit den Fackeln und den "Wir wollen Sex in deinen Suchbegriffen!"-Schildern hier aufkreuzt...

drahtseil auftritt zur fluch der karibik musik
Ich kann mich beim besten Willen an keinen Drahtseilakt in Fluch der Karibik erinnern, geschweige denn, welche Musik dabei läufen könnte. Sicher, dass du nicht irgendeinen anderen, ganz ähnlichen Film meinst? Vielleicht 2001: Odyssee im Weltall?

Safari scrubs sexszene
Vielleicht trügt meine Erinnerung, aber ich glaube, dass es bei Scrubs genauso viele Safari-Folgen gibt, wie Drahtseilakte bei Fluch der Karibik. Vielleicht wurden sie auch nie ausgestrahlt, weil die von dir gesuchten Sexszenen zu heftig waren, wer weiß?

pornodarstellerin bei scrubs
Erinnerst du dich an den schwitzigen Anwalt namens Ted? Ja? Richtig, das ist eigentlich eine Pornodarstellerin. Willst du 'nen Link?

porno traut euch! folge 4
Fans sagen mir ja, dass Episode 4 den kindlichsten Enthusiasmus in sich trägt, aber ich bleibe dabei, der düstere Tonfall der Fortsetzung und dieses offene Ende, das ist der wahre Moneyshot! Episode 6 ist auch ganz nett, aber die kleinen haarigen Teile sind tatsächlich etwas irritierend. Naja, das jamaikanische Reptilenvieh in Episode 1 ist dennoch der größte Lusttöter. Wenigstens ist in Teil 2 und 3 die Senatorin endlich in einem reiferen Alter und ganz schnuckelig anzusehen...
Hö? Nein, ich verwechsle hier keine Filmserien, wieso?

Naja, ich muss jetzt aufhören. Der tobende Mob hat mich gefunden, und die Anspielung auf die minderjährige Senatorin hat einer ganz anderen Menschengruppe überhaupt nicht gefallen. Ich tauch mal lieber ab, bis mein Anwalt alle davon überzeugt hat, dass dies ja User generierte Suchanfragen sind und ich nichts dafür kann, wenn ich auf Spinner eine gewisse Anziehungskraft habe. Wer andere Suchanfragen will, muss sich an die wenden, nicht an mich... Hach, was tipp' ich eigentlich noch, ich sollte lieber rennen! Adios!

Mehr fragwürdige Suchbegriffe:

Stylische Action-Trailer-Time

Morgen startet Transformers 3, und sicherlich wird der Film einiges an Geld einspielen, aber meine hirn- und sinnlose Kinoadaption voller CGI wird dieses Jahr Paul WS Andersons Die drei Musketiere! Der neue Trailer bewirbt stolz, dass er auf dem klassischen Roman von Dumas basiert - und pfeffert uns dann feinste Matrix-Action im mittelalterlichen Gewand, pompöse Luftschlachten und brenzlige Feuerwerfer entgegen. Und einen zum niederknien dämlich angezogenen Orlando Bloom. Hach, wie viel schöner kann man schon auf sein sein Hirn eindreschen?



Wenn sich unsere Gehirnzellen davon erholt haben... Nicht mehr all zu lange, und dann startet Tom Cruises Bitte akzeptiert mich wieder als euren Kinohelden, auch bekannt als Brad Birds aufwändiges Testvideo für sämtliche potentielle Investoren für sein Realfilmprojekt 1906. Da weder das eine, noch das andere einen attraktiven Filmtitel darstellt, kommt's als Mission: Impossible - Ghost Protocol ins Kino. Der Trailer liefert hübsch fotografierte Action, meiner Meinung nach mies gewählte Musik sowie einen Blick auf den stattlichen Cast rund um Tom Cruise, Jeremy Renner, Simon Pegg, Lea Seydoux, Michael Nyqvist und Josh Holloway.

Dienstag, 28. Juni 2011

Sucker Punch: Love is a Drug

Viele verlängerte Schnittfassungen, die exklusiv auf DVD und/oder Blu-ray erscheinen, sind reinste Abzocke. Oft suggerieren die Studios, die Vision des Filmemachers wieder herzustellen. Schließlich will ja jedermann seinen Film mit einer längstmöglichen Laufzeit ins Kino bringen... Sei still, Ridley Scott!
Gerade Warner Bros. musste sich in jüngerer Vergangenheit Prügel gefallen lassen. So schimpfte Todd Phillips, Regisseur des in einer Unrated-Edition erhältlichen Hangover, gewisse Studios hätten ganz bestimmte Filme in einer vermeintlich härteren, besseren, offizielleren Fassung veröffentlicht, obwohl die Kinofassung die einzig legitime Version sei. Zaunpfahl, darf ich vorstellen, Warner. Warner, darf ich vorstellen, Zaunpfahl.

Wie kann man in einer gegenüber längeren Heimkinofassungen immer feindlicher eingestellten Welt den potentiellen Käufer wieder scharf auf diese besonderen Editionen machen? Tja, am besten, in denen man ihnen einen Vorgeschmack bietet!

Warner war so frei und stellte einigen Videoportalen die aus Sucker Punch geschnittene Musicalsequenz Love is a Drug zur Verfügung. Sie ist kostspielig, aufwändig und ambitioniert. Und somit perfektes Werbematerial für die Sucker Punch-Blu-ray. Einen kompletten Vergleich zwischen beiden Schnittfassungen findet ihr bei Schnittberichte.com, aber zuvor empfehle ich, dass ihr euch endlich dieses verfluchte Video reinzieht:



Ich hab's ja gesagt, im Idealfall wäre Sucker Punch eine Macho-Kreuzung aus Repo! The Genetic Opera und Moulin Rouge geworden, aber Zack Snyder hat sich's ja mit der Story versaubeutelt...

Mehr zum Film:

Montag, 27. Juni 2011

Brave: Teaser zu Pixars märchenhaftem Highland-Abenteuer

Cars 2 startete vergangenes Wochenende in den amerikanischen Kinos und raste mit stolzen 68 Millionen US-Dollar auf Platz 1 der Kinocharts. Damit erweist sich Pixars erster Film, der mehr negative als positive Kritiken erhielt nicht nur als Merchandising-Erfolg, sondern auch als Publikumsrenner. Na, welch' eine Überraschung. Zugleich setzt Cars 2 aber auch den amerikanischen Abwärtstrend des 3D-Kinos fort: Schlappe 38% der Einnahmen wurden durch 3D-Vorstellungen generiert.

Aber all diese Informationen zerfallen zu nichtigem Staub, denn das wohl aufregendste am Kinostart der knalligen, actionorientierten Pixar-Fortsetzung ist der zeitgleich veröffentlichte Teaser für Pixars 13. abendfüllenden Kinofilm Brave. Reibt eure Augen jetzt schon, damit ihr keine Sekunde verpasst:



So mag ich meine Animations-Teaser: Keinerlei Spoiler, dafür jede Menge Atmosphäre und vor allem ein (hoffentlich) repräsentativer Eindruck der Optik. Und, wow, das dürfte Pixars bis dato visuell beeindruckendster Film werden. Ich habe mich jetzt schon in diese nebligen Highlands verliebt und kann es kaum erwarten, nächstes Jahr in sie abzutauchen.

In Deutschland wird Brave übrigens in alter Disney-Tradition nach seiner Hauptfigur benannt: Merida - Legende der Highlands. Der voraussichtliche Kinostart ist hierzulande am 26. Juli 2012.

Mehr zum Film:

Samstag, 25. Juni 2011

Verregneter Funk: Die Heavytones gastieren in Erkelenz


Die Heavytones - es heißt, sie seien die meistgelobte Studioband der Fernsehgeschichte. Seit 2001 sind sie fester Bestandteil von TV total und haben sich im Laufe der Jahre immer mehr musikalische Anerkennung erarbeitet. Ihre Zusammenarbeiten mit dem musikalisch versierten Entertainer Stefan Raab sowie seinen jegliche anderen Castingstars der deutschen Fernsehwelt alt aussehen lassenden Zöglingen, und nicht zu vergessen ihre zahllosen Live-Auftritte mit den Größten des Musik-Business haben ihnen Respekt eingebracht, von denen viele nur träumen können. Vergangenen Mai konnten sie als Begleitband von Stefan Raab und Lena bei der Eröffnungs-Rockabillyversion von Satellite ein Millionenpublikum von ihrem Talent überzeugen.

Und trotzdem genießen die Heavytones noch immer nicht den verdienten Ruhm. Schließlich sind sie meistens nur wenige Sekunden lang zu hören, als musikalischer Rahmen von TV total, wenn Werbung läuft oder Gäste auf- und abtreten. Es reicht, um manche Zuschauer aufhorchen zu lassen "Mensch, ist das eine geile Version von Song XY!", aber sie bleiben für die meisten noch immer "die Band vom Raab". Und exakt die trat vergangenen Donnerstag in meiner Beinahe-Heimatstadt Erkelenz auf. Quasi als Headliner des Open-Air-Bühnenprogramm des alljährlichen Lambertusmarkts. Fünf Tage Kirmes und Musikprogramm zum Sommerbeginn - naja, zumindest in der Theorie, denn der Juni 2011 erinnert einen ja eher an albtraumhafte Februarwochen.

Am Donnerstagmorgen sah die Welt ja noch ganz sonnig aus, doch kaum machten sich meine kleine, auf die Heavytones neugierige Gruppe nach einer gepflegten Runde Nichtlustig! Laborchaos (tolles Kartenspiel, kauft es euch!) auf den Weg, färbte sich der Himmel mausgrau. Vom leichten Nieselregen unbeeindruckt schauten wir uns erstmal auf der Kirmes um, und zu unserem Erstaunen hielt sie sich an den Trend der letzten Jahre, dass von Mal zu Mal immer weniger Fahrgeschäfte zur Auswahl standen. Warum es uns überraschte, wenn man es ja ganz dem Trend entsprach? Nun, das Verhältnis Fahrgeschäft/Rest ist nun völlig umgekippt. Ein Riesenrad, zwei Autoscooter, zwei Kinderzüge, ein klassisches Kinderkarussel, eine Raupe (auch bekannt als "Schlagerexpress"), ein wiiiiinziger Flugsimulator, ein Kettenkarussel und zwei etwas wildere Attraktionen für Jugendliche. Dem gegenüber standen zahllose Crêpes-Stände, mehrere Bratwurstbuden, zwei Softeis-Stände, und, und, und... Ich habe zuvor nirgends die Imbissstände und Los-/Wurfbuden in einer derartigen Übermacht gesehen. Nun, all zu schlecht finde ich das jedoch nicht, immerhin konnte man an einem Dosenwerf-Stand Plüsch-Yoshis gewinnen. Den Stand haben wir zu spät entdeckt, weshalb wir aus Zeitdruck nicht unser Glück versuchen konnten, aber der Lambertusmarkt läuft ja noch bis Montag... Hey, Yoshi ist ja wohl der knuffigste aller Videospielhelden und ich will mir schon länger einen Plüschkameraden anschaffen, wie kann ich mir diese Gelegenheit entgehen lassen?

Wie dem auch sei, konzentrieren wir uns wieder auf das wesentliche: Die Heavytones. Als ich mich, von einer Da Bomb Final Answer-Currywurst gestärkt, auf dem viel zu kleinen Vorplatz der Open-Air-Bühne einfand, hörte der Regen endlich auf. Der Platz war gerammelt voll und das Bühnenvorprogramm sorgte bereits für lockere Stimmung. Nach Behebung kleinerer technischer Probleme (was muss der Tontechniker auch dauernd am Lautstärkeregler der Mikros rumspielen?) wurden dann pünktlich um 20.30 Uhr die Heavytones angekündigt und der "Moderator" verließ die Bühne. Während gefühlt die halbe Jugend aus Erkelenz und Umgebung (plus ein paar ältere Semester) nach vorne starrten und darauf warteten, dass irgendwas geschieht, dröhnte mit starkem Bass aus den Verstärkern ein wilder Musikzusammenschnitt. Es dauerte nur ein paar Sekunden, bis langsam klar wurde: Halt, das ist kein planloser Lückenfüller. Da hat sich jemand beim Zusammenfügen unterschiedlichster Songs (unter anderem: Rock DJ, Give it Away der Red Hot Chili Peppers, der Titelsongs der Simpsons, From Sarah with Love, Daylight der No Angels und I Shot the Sheriff) ja richtige Gedanken gemacht. Die Lieder führten nämlich eine richtige Korrespondenz untereinander. Spätestens als Zlatkos Ich vermiss' dich wie die Hölle mit einem saftigen Shut Up! abgewürgt wurde und sich Stefan Raabs liebster Schlagerbarde René Pascal zwischen einige Pop- und Rockklassiker mogelte war klar: Das ist die Auftrittsmasche der Heavytones. Und eine richtig großartige obendrein - abgeschlossen wurde sie von einem saukomischen Kommentar der legendären TV total-Stimme, dann war es endlich so weit: Die Heavytones schlufften mit sympatischem Lächeln auf die Bühne und ohne größere Umschweife schwingten sie sich hinter ihre Instrumente, um erstmal ein rund achtminütiges Funk-Medley rauszuhauen.

Dass Stefan Raab und die Heavytones dem hierzulande eher ein Nischendasein führendem Funk alles andere als abgeneigt sind, sollte eigentlich jedem klar sein, der je mit offenem Ohr ein paar Ausgaben TV total gesehen hat. Und der Heavytones-Funk ist eine ideale Einstiegsdroge, wie man auch während des Open-Airs gesehen hat, denn neben spielerischer Frische verbreitete das erste Stück auch eine sehr fetzige Note, die ein paar Jungs in der ersten Reihe zu wildem Headbanging verführte. Nun, das war vielleicht eine etwas übertriebene Reaktion, aber die Heavytones wussten auch den etwas ruhigeren Marktbesuchern einzuheizen. Schnell zeigte sich auch einer der "Running Gags" des Abends: Das angetäuschte Ende. Großer Tusch, ausklingende Instrumente, applaudierendes Publikum, grinsende Heavytones, nochmal eine Minute Lied drangehangen.

Auf das funkige Intro folgte eine kleine Vorstellungsrunde, schließlich ist nicht jeder so ein treuer TV total-Zuschauer wie etwa meine Freunde und ich. Im Laufe des Konzerts schwangen sich auch Schlagzeuger und Bandgründer Herb sowie Keyboarder Wolfgang (dem Unser Star für Oslo-Zuschauer vergangenes Jahr die genialen Arrangements zu verdanken hatten) hinter's Mikro, aber es war überraschenderweise Percussionist Alfonso, der sich zum Conférencier aufschwang. Mit goldiger Laune erklärte er, dass die Heavytones den Sommer (sofern da draußen irgendwo Sommer ist) nutzen, um endlich wieder die Luft außerhalb des stickigen Studios zu schnuppern und den Menschen zu zeigen, dass sie mehr können, als nur eine halbe Minute lang die Fernsehwerbung einzuleiten.

Als zweites Stück spielte die bodenständige Musikertruppe eine umarrangierte (und natürlich instrumentale) Version von Stings Oscar-nominierten My Funny Friend and Me aus Ein Königreich für ein Lama. Vielleicht hätten die Heavytones auf musikalische Ausflüge in den Regenwald verzichten sollen, denn spätestens als Alfonso mit seinen kunterbunten und kuriosen Spielzeugen authentische Regengeräusche (nur viel rhythmischer!) erzeugte, prasselte es auch aus den Wolken. Somit verschwand die Band aus meinen Augen, da der geübte Erkelenzer offenbar nicht ohne seinen Regenschirm auf die Kirmes geht, und wie auf Kommando auch alle ihre Regenschirme aufspannten. Irgendwo hinter den vielen Schirmen ließen die Heavytones die Sting-Schnulze nahtlos in eine peppige Interpretation von Beyoncés Déjà Vu fließen, der die (wie ich am Tag darauf der Presse entnehmen konnte) knapp Tausend Anwesenden unter ihren Regenschirmen tatsächlich auch zum Tanzen brachte. Naja, so gut das halt unter'm Regenschirm und auf glitschigem Kopfsteinpflaster möglich war. Mit Beyoncé kann ich (nicht mehr) viel anfangen, aber die Version der Heavytones klang sowieso viel aufgeweckter und antreibender als das Original - es zahlt sich halt aus, wenn die Musik handgemacht ist und nicht aus dem Computer stammt.


Es folgte ein Gastauftritt von Christian Durstewitz, der genauso zerzaust rumlief wie bei Unser Star für Oslo und ganz locker mit (kurzzeitig nicht mehr eingeregnetem) Publikum sowie Band rumscherzte. Pflichtmäßig lobte er das schöne Erkelenz und kündigte an, nach der ans Konzert anschließenden Autogrammstunde wieder um die Buden ziehen wird. Irgendwo war ein Pferderennspiel, wo er sich unbedingt nochmal versuchen müsse, denn vorhin sei er leider nur Dritter geworden. Wäre ja schade, sowas.
Durstewitz spielte erst allein auf seiner Gitarre, beim zweiten Song setzten die Heavytones dann aber mit einem hübschen "WUMMS!" im Refrain wieder ein. Großartiges Timing, denn gerade kam wieder Nieselregen auf, was einige der verweichlichteren Besucher wieder unter die Regenschirme trieb. Mit Bandbegleitung konnte die Stimmung aber gerettet werden - bloß sah man leider nicht mehr sehr viel vom rumscherzenden Durstewitz. Der hatte nämlich prächtige Laune (und das, obwohl laut Alfonso am Vortag seine Scheune von einem umgestürzten Baum zerstört wurde) und leistete sich bei langen, höhen Tönen einige herrlich alberne Grimassen. Nach einem ruhigen Mando-Diao-Cover, bei dem sich die Heavytones "hinsetzen müssen, die alten Rücken halten das ja nicht länger aus" verabschiedete sich Durstewitz mit seinem Song Stalker - "den kennt ihr vielleicht aus der Werbung".

Nachdem Durstewitz die Bühne verließ, kündigten Alfonso und Wolfgang an, auf das Wetter zu reagieren und für den Rest des Abends das kürzere Regenprogramm zu spielen. Dies bestand aus einem etwas romantischeren und einem mittelschnellen, dafür recht langen Stück - beide sagten mir nichts, ich habe auch nicht ergooglen können, ob's etwas eigenes der Heavytones war oder mir unbekannte Funk-Klassiker. Jedenfalls verabschiedeten sich die Heavytones und kündigten an, sich nur kurz frisch zu machen und sich dann darauf zu freuen, uns "bei einem Bier... oder zwei... ein bisschen zu quatschen und, naja, rein zufällig haben wir auch ein paar Kopien unserer Alben hier, nur so, falls die jemand haben möchte".

Das verbliebene Publikum (ein paar Leutchen gingen, als kurz nach Durstewitz' Auftritt wieder etwas heftigerer Regen aufkreuzte) hatte aber noch nicht genug. Der Abschiedapplaus wurde von immer lauter werdenden "Zugabe!"-Forderungen unterstützt, bis Alfonso auf die Bühne stoperte: "Für mich reicht das, aber für die ganze Band muss das noch ein wenig lauter werden!" So gesagt, so getan. Die Heavytones kehrten nochmal zurück und holten in der halbstündigen Zugabe nochmal zwei richtig dicke Kracher raus, die dem Publikum so richtig einheizten. Über die Euphorie war die Band wohl selbst richtig erstaunt (O-Ton Herb: "Was seid ihr auf einmal so freundlich zu uns?") und so dauerte es nach dem zweiten Abgang nicht mehr lange, bis sie Heavytones die erneuten Zugabe-Wünsche erhörten: "Leute, wir sind jetzt leergespielt. Aber, wenn ihr unbedingt wollt, wir können euch noch so richtig den Abend verregnen..." sprach es, und die Heavytones übten sich als Acapella-Truppe. Und, ja, man merkte, dass es nicht ihre Hauptprofession ist, aber es war dennoch beschwingt und vor allem locker-lässig-cool.

Das Schlussfazit? Ein wirklich toller Auftritt einer extrem talentierten Musikkombo. Die Heavytones sind nicht gerade die großen Rampensäue, aber mit ehrlicher Bescheidenheit, viel Charisma und ihrer musikalischen Versiertheit haben sie ein tolles zweistündiges Konzert abgeliefert, ohne sich zu sehr vom plagenden Regen stören zu lassen. Ich hoffe, dass die Heavytones bald wieder in meiner Nähe auftreten, dann aber gerne in einem Jazzclub oder ähnlichem, denn das hätte nochmal einiges mehr Stil und würde was besser zur Truppe passen.

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Bad Teacher


Bad Teacher ist zwar längst nicht der schlechteste Film des bisherigen Kinojahres, aber er ist ein Spitzenanwärter auf den Titel der größten Enttäuschung. Zumindest für mich. Vielleicht war es naiv von mir, ein neues Hangover zu erwarten, aber das, was abgeliefert wurde ist auch noch recht deutlich unter dem Hangover-Qualitätslevel.

Cameron Diaz spielt in Bad Teacher eine saufende, fluchende Lehrerin, der einfach alles absolut scheißegal ist. Nachdem die Verlobung mit ihrem reichen Macker geplatzt ist, will sie sich an den neuen Vertretungslehrer (Justin Timberlake) ranschmeißen, aber der hat eher Augen für die quirlige, engagierte und nervige Kollegin Amy (Lucy Punch). Für Diaz' Figur Elizabeth ist die Sache klar: Das liegt nur daran, dass Amy größere Titten hat. Also leitet Elizabeth alles in die Wege, um an Geld für eine Brust-OP ranzukommen...

Die Prämisse ist simpel und effektiv, eine tolle Grundlage für einen Film voller derben, zügellosen Humor. Und Cameron Diaz spielt mit einer Hingabe, die sie im Comedybereich vielleicht seit Verrückt nach Mary nicht mehr gezeigt hat. Und dennoch will Bad Teacher nicht zünden. Das Tempo ist zäh, die Gags bleiben im luftleeren Raum hängen und die Figuren sind weder böse genug, so dass man Spaß daran hat sie zu hassen, noch sympatisch genug, als dass man sie in ihrer Frechheit anfeuern möchte.

Mir ist im Grunde nahezu das gleiche passiert wie Film Brain: Vorher wurde sogar vom Kinopublikum herzlich über den Trailer zu Der Zoowärter gelacht, im eigentlichen Film herrschte dagegen betretenes Schweigen. Ein paar kleinere Lacher waren zu vernehmen, aber das meiste Gelächter beim jugendlichen Publikum löste das stets sehr zeitverzögert kommende Gekicher einer älteren Dame irgendwo im Saal. Das kann man dem Film ja nicht wirklich anrechnen. In der Sekunde, in der das Bild schwarz wurde, räumten alle fluchtartig den Saal, pünktlich bevor auch nur der erste Name im Abspann eingeblendet wurde.

So grottig, dass man vor Bad Teacher fliehen müsste, ist er aber nicht. Er ist, wenngleich nicht zum laut auflachen lustig, für Fans böseren Humors noch recht kurzweilig. Ein Kinobesuch lohnt sich meiner Meinung nach definitiv nicht, aber als Leih-DVD oder legalen Download ist er einen Blick wert - sollte euch der Trailer begeistert haben.

Freitag, 24. Juni 2011

Eine Frage hatte er da noch...

Der US-amerikanische Schauspieler und Produzent Peter Michael Falk, bestens bekannt als Titellheld der langlebigen Krimireihe Columbo, verstarb gestern, am 23. Juni 2011 im Alter von 83 Jahren.

Der Sohn russischer und polnischer Einwanderer wurde am 16. September 1927 in New York geboren. Bereits im Alter von drei Jahren wurde ein Tumor in seinem rechten Auge entdeckt, welches durch ein Glasausge ersetzt werden musste und wodurch Falk sein charakteristischen, zugekniffenen Blick erhielt, der insbesondere für seine Paraderolle des Columbo zum Markenzeichen wurde.

In der High School entdeckte Falk seine Leidenschaft für die Theaterbühne, der er sich nach seiner Zeit in der Marine intensiver widmete. Der Sprung auf die Kinoleinwand fiel Falk deutlich schwerer als der Start einer Theaterkarriere, so ist beispielsweise überliefert, wie ihn der damalige Studioboss von Columbia Pictures mit der Begründung ablehnte, er könne "für den selben Preis einen Darsteller mit zwei Augen" haben. Dennoch ergatterte er 1960 nach einigen kleinen Rollen in den späten 50er Jahren eine prägnante Nebenrolle als süffisant-boshafter Killer im Gangsterfilm Unterwelt. Für diese Leistung erhielt Falk eine Oscar-Nominierung. Im Jahr darauf war Falk neben der Kinolegende Bette Davis in Frank Capras letztem Film Die unteren Zehntausend zu sehen, wofür er erneut eine Oscar-Nominierung ergatterte.

Falk widmete sich danach wieder vermehrt der Theaterbühne, wo er große Erfolge feierte. Unter anderem erhielt er 1972 für seine Rolle im Broadwaystück Das Nervenbündel den begehrten Tony Award. In Film und Fernsehen absolvierte er vorerst nur noch kleinere Parts, wie etwa in der Kultkomödie Eine total, total verrückte Welt.

Internationale Berümtheit erlang Falk jedoch mit der Rolle des Inspektors (bzw. Lieutenants) Columbo. Obwohl Falk unsterblich mit dieser Figur verbunden ist und sein legendärer, zerknitteter Regenmantel aus Falks Privatbesitz stammte, wurde die Rolle nicht für ihn geschrieben. Columbo hatte seinen ersten Auftritt 1960 in einer Episode von The Chevy Mystery Show, welche zwei Jahre später als Bühnenstück realisiert wurde. Erst als NBC 1968 beschloss, dieses Theaterstück als Fernsehfilm zu adaptieren, fanden Falk und seine populärste Rolle zusammen. Und selbst dies war ein reiner Zufall, da Bng Crosby, der Wunschkandidat für diesen Fernsehfilm, absagte.

Aufgrund des Erfolgs dieses Fernsehfilms wurde um Columbo eine regelmäßige Reihe von Fernsehfilmen gesponnen, die Peter Falk schnell einen Emmy einbrachte. Falk erbat nach sieben Jahren ein Ende der Reihe, da er nicht auf die immens beliebte Ermittlerfigur beschränkt sein wollte. Er war es auch, der sich stets dagegen aussprach, aus Columbo eine wöchentliche Serie zu machen, da dies mit einer zu enormen Fallhöhe einherginge. Falk spielte nach dem zwischenzeitigen Ende von Columbo unter anderem im zum Klassiker gewordenen Fantasyfilm Die Braut des Prinzen mit, außerdem spielte er sich selbst in Wim Wenders Der Himmel über Berlin.

1989 kehrte Columbo wegen der hohen Nachfrage aus seinem vorzeitigen Ruhestand zurück, dieses Mal als ein- bis zweimal pro TV-Saison ausgestrahlte Filmreihe. Mit ihrem neben der allgegenwärtigen Konkurrenz der so genannten "Whodunits?" ungewöhnlich wirkenden Aufbau und Falks bestechendem, trotteligen Charme wurde Columbo zu einem internationalen Phänomen - mittlerweile sehr zum Vergnügen Falks. Vergnügt erzählte er Anekdoten, wie er während Afrika-Besuchen von einheimischen Kindern freudig mit "Columbo! Columbo!" empfangen wurde.
Der Mord wurde in Columbo bereits zu Beginn der Filme gezeigt, die Identität der Täter war dem Publikum bekannt - nicht das Rätsellösen sollte für Spannung sorgen, sondern die Art und Weise, wie Columbo den Fall löst. In den letzten Jahren war die Serie deswegen ein, höchst respektiertes, Relikt früherer Zeiten. Dass der keinerlei Gewalt anwendene Columbo nutzte sein verplantes Äußeres zu seinem Vorteil und wiegte sein Gegenüber stets in Sicherheit. Voller Schmeichelen  und total harmlos wirkend sammelte er seine Hinweise, die mit einem Fuß aus der Tür zeigend gestellte Floskel "Eine Frage hätte ich da noch..."  wurde zum geflügelten Wort und Columbos Vorgehen ging als "Der Columbo-Effekt" ins Polizei-Vokabular ein. 2003 endete Columbo nach insgesamt 69 Episoden.

2007 plante Falk eine finale Episode namens Columbo: Hear No Evil, später umbenannt in Columbo's Last Case. Das Projekt sollte nie umgesetzt werden. Ende 2007 diagnostizierten Falks Ärzte bei ihm schwere Demenz. Als 2009 Falk aufgrund seiner  fortgeschrittenen Erkrankung unter Vormundschaft gestellt wurde, konnte er sich nicht einmal an die Figur des Columbo erinnern.

Donnerstag, 23. Juni 2011

Selbes Thema - andere Herangehensweise V

heute mit: Männern, die Frauen in ihrem Kopf gefangen halten

Über zwei Jahre sind seit der letzten Ausgabe dieser Artikelreihe vergangen. Deshalb sei die Prämisse an dieser Stelle kurz vorgestellt, für all jene Leser, die schon völlig vergessen haben, dass es diese Reihe gibt, und insbesondere für all jene, die sie noch gar nicht kennen: Bei Selbes Thema - andere Herangehensweise geht es um Lieder, die eine vergleichbare Sache behandeln, aber so verflucht unterschiedlich herangehen, dass man sie ein Dutzend mal hören kann, ohne irgendwelche Parallelen zu entdecken. Und genau dafür habt ihr dann mich - ich ziehe für euch seltsame Vergleiche, damit ihr's nicht müsst.

Welche zwei Songs mich mit ihren thematischen Ähnlichkeiten (oder eher "Ähnlichkeiten", denn das ist Teil der Freude an dieser Artikelreihe) dermaßen erschlagen haben, dass ich nach so langer Abstinenz ein altes Blogsegment wieder hervorzerre? Tja, es ist schon überraschend, denn beide Lieder sind bereits was länger raus, eins von beiden erhielt eine Zeit lang viel Airplay im Radio und verschwindet langsam wieder aus dem kollektiven Bewusstsein. Das andere gehört für mich zu den besten Stücken der letzten Jahre - und als ich das massentauglichere Lied während eines Radio-Hitmix zum hunderttaudenstenmal mit einem halben Ohr mitbekommen habe, während ich in meiner geliebten alten Karre auf jemanden gewartet habe... Ja, da habe ich mich in einem Moment von Sehnsucht nach wartezeitverkürzender Selbstunterhaltung erwischt, wie ich willkürlich mitsumme. Und dann ratterten die Zahnräder in meiner Birne. Hey, sowas habe ich doch schonmal sehnsüchtig mitgegröhlt. Ganz anderer Kontext, und doch ging's irgendwie ums Gleiche...

Das Paar:

Jason Derülo - In My Head


Rammstein - Liebe ist für alle da


Die sämtliche Ähnlichkeiten beweisende Textstellen:

In my head / I see you all over me. 
In my head / you fulfill my fantasy.

vs.

Ich mach die Augen zu / dann seh ich sie. 
Ich sperr sie ein / In meine Fantasie

Die sinnliche Spielwiese der Männerfantasien:

Obschon sich beide Lyrische Ichs eines gänzlich anderen Tonfalls bedienen und sich wohl an einem anderen Ort befinden, so geht in deren Köpfen fast das gleiche vor. Während Jason Derülos R&B-Song befinden wir uns in einem Club (also einem Ort, den man vor fünf Jahren noch Disco genannt hätte), spricht das Lyrische-Rammstein-Ich von Sonne, warmem Wasser und glänzenden, wohlgebauten Frauenkörpern. Es wird sich also höchstwahrscheinlich an einem Strand befinden. Oder in einem Lehrerzimmer, man weiß es nicht so genau.

Unsere Protagonisten befinden sich beide auf der Suche nach einem Lustobjekt ("Everybody's looking for love- Oh, ho", "Ficken will"), und beiden ist bewusst, dass in der unsrigen, kultivierten sowie in gewissen Grundzügen emanzipierten Gesellschaft die meisten Frauen steinzeitlichen Methoden der Partnereroberung oppositionell gegenüberstehen. Soll heißen: Sie wollen nicht mit einem Knüppel erschlagen werden, sondern mit Charme und Eloquenz überzeugt. Deswegen gehen sie ja auch in einen Club oder an einen vielbesuchten Strand. Welche Lokalitäten sollten denn für ein entspanntes, ruhiges und ausführliches Schwätzchen besser geeignet sein?

Geschwätzigkeit, obendrein intellektuell ansprechende, ist jedoch nicht die Stärke unserer musikalischen Handlungsträger mit Samenstau. Man beachte etwa, wie in Jason Darülos In My Head im Vers "Some dudes know all the right things to say - ähöhöhöhh" explizit auf Dritte verwiesen wird.  Auch im musikalisch dezent aggressiveren Stück der deutschen Tanzmetall-Kombo Rammstein gibt das Lyrische Ich seinen animalischen Trieben nach (man beachte in der noch zu zitierenden Textpassage die Beschreibung seines tiergleichen Anschleichverhaltens), nur um sich daraufhin in wohlfeineren Konversationen zu versuchen: "Ich schleich mich an / Und rede fein [...] / Muss freundlich sein" Dass diese Freundlichkeiten von Erfolglosigkeit gekrönt sind, erkennt man daran, dass im Anschluss dieser Passage der Refrain zu hören ist, in welchem unser rolliger Kumpane gezwungen ist, sich seine Dosis Sexualität zusammenzufantasieren, statt tatsächlich eine gesellige Runde "Versteck' die Gurke" zu spielen.

Die Refrains sind es letztlich, in denen sich beide Lieder am stärksten annähern. Der sich auf der Pirsch befindliche Clubbesucher in In My Head spricht das Objekt seiner Begierde an und erzählt diesem, dass er es in seinen Gedanken in seiner nähsten Nähe sehe und es dazu imstande sei, all seine (zweifelsohne sexuellen) Fantasien zu erfüllen. Der grummelige Strandbesucher aus Rammsteins Liebe ist für alle da wiederum adressiert sein Vorgehen nicht direkt an sein ersehntes Betthupferl, sondern erzählt wahlweise sich selbst oder uns Zuhörern praktisch das Gleiche: "Ich mach die Augen zu / dann seh ich sie. Ich sperr sie ein / in meine Fantasie. Ich mach die Augen zu / sie wehrt sich nicht. Liebe ist für alle da - nicht für mich"

Anzumerken ist, dass in beiden Liedern Erfolglosigkeit impliziert wird. Das Lyrische Ich im Stück von Jason Darülo versucht es nach dem ersten Refrain deutlich offensiver ("Get down to business and skip foreplay - ähöhöhöhh", "Just leave with me now, say the word and we'll go"), doch daraufhin beschließt das Lied bloß mit Wiederholungen des Refrains. Dies verdeutlicht unmissverständlich, dass die angegeiferte Dame dem Lyrischen Ich offensichtlich einen gepfefferten Korb verpasst hat und das Lyrische Ich alleine in sein eigenes Bett pilgern musste, wo es zumindest in seinen Gedanken aufregenden Sex erlebt. Man beachte allein die gesteigerte Anzahl an Stöhnlauten zum Abschluss des Liedes, obgleich weiterhin nur davon die Rede ist, dass sich all dies im Kopf des Lyrischen Ichs abspielt: "In my head / I see you all over me. All over you - uhhhuhuhu. In my head / you fulfill my fantasy. My fantasy, baby. Iheiehieheuieh! In my head /
You'll be screaming ohhhh. In my head / it's going down. In my head / it's going down. In my head."

Es ist wohl überflüssig zu betonen, dass sich das Lyrische Ich zum Ende des Songs ganz allein in seinem Bett befindet und keinerlei Tinte mehr im verschlaffenden Füller aufzuweisen hat ("It's going down").

Das Lyrische Ich in Liebe ist für alle da hingegen bleibt nicht völlig allein mit seinem Problem. Die Schlusswende dieses Liedes als Erfolg zu titulieren, wäre jedoch ... höchst zynisch.
Nach Wiederholung des Refrains ohne Veränderungen, verlässt uns das Lied mit folgender Variation des Refrains: "Ich mach die Augen zu  / Wir sind allein. Ich halt sie fest / und keiner sieht sie weinen. Sie macht die Augen zu / Sie wehrt sich nicht. [...] Liebe ist für alle da! Die Liebe ist für alle da! Liebe ist für alle da - auch für mich!"

Durch die Variation des zuvor mehrfach in die Schädel der Zuhörer getrommelten Refrains wird betont, dass sich das Lyrische Ich nicht weiter alleine herumtreibt. Dadurch, dass nun sie es ist, die die Augen zumacht und sich unter Tränen aus der Situation herausdenkt, wird im Zusammenspiel mit der Musikwahl, sagen wir, mangelnde Freiwilligkeit ihrerseits angedeutet.

Da haben wir es also. In My Head und Liebe ist für alle da besingen beide ähnlich aufgebaute Sexfantastereien. Rammstein entlohnt den Zuhörer mit einem bitteren Schlusstwist, Jason Darülo hingegen wird weiterhin Lied für Lied seinen Namen irgendwo unterbringen müssen, um irgendwie im Gedächtnis zu bleiben, schließlich klingt er wie viele andere in seinem Fach. Und seine Lyrischen Ichs sind dazu noch ziemliche Versager im Anbaggern.

Fazit: Egal ob im Club, am Strand oder sonstwo. Zieht man aus diesen Liedern irgendeine Lehre, so treiben es Männer in Gedanken jederorts mit der nächstbesten schönen Frau, die ihnen ins Auge fällt. Eine nicht unerhebliche Erkenntnis, die wir uns alle ins Tagebuch schreiben sollten. Oder in Ermangelung eines Tagebuchs an die nächstbeste Klotür.

Weitere Beiträge aus dieser Artikelreihe:

Dienstag, 21. Juni 2011

Wenn der Konsens egal ist: Film- und Werkreihen die ich anders gewichte

Ihr kennt ja bereits zehn meiner peinlichen (?) Film-Leidenschaften sowie meine Hitliste der Filme, die jeder liebt - ich jedoch nicht. Aber man kann auf eine weitere Weise mit dem generellen Filmkonsens kollidieren. Etwa, wenn man in einer langlebigen Filmreihe nicht jedermanns Liebling am meisten schätzt, oder wenn man das Opus Maximus eines Regisseurs hinter ein vergessenes Juwel stellt.

Hier möchte ich mich genau darüber auslassen. Es geht nicht um miese Filme, die ich gut finde, oder beliebte Filme, die ich nicht mag. Sondern darum, dass ich in Regie-Filmografien und Kinoreihen eine andere Gewichtung vornehme, als der laute Durchschnitt. Wieso ich das breittrete, fragt ihr? "Wieso nicht?", frage ich! Gerade solche Hitlisten sind doch eh immer sehr beliebt, und genau deswegen geht's mit dieser jetzt auch direkt los...!

Krieg der Sterne/ Star Wars IV - Eine neue Hoffnung ist nicht der beste Teil von Lucas' knalliger Weltraumoper (und auch nicht der zweitbeste)

Schiele ich auf die aktuelle Top 250 bei IMDb, dann sehe ich, dass ich mit dieser Rangfolge gar nicht mal all zu vielen Leuten auf den Schlips zu treten scheine. Dennoch ist mir bewusst, dass es genügend Leute gibt, die für eine andere Meinung eintreten, so dass eine Nennung im Rahmen dieses Artikels durchaus angebracht ist. Das Imperium schlägt zurück ist für mich ganz klar der beste Star Wars-Film. Regisseur Irvin Kershner kreiert eine viel intensivere Atmosphäre für seinen Eintrag in die lucas'sche Weltraumoper-Western-Samurai-Komödien-Abenteuerdrama-Saga, als George Lucas und Richard Marquand gelang, Lucas war zum Zeitpunkt dieses Films als Drehbuchautor gereift (und noch nicht an dem Punkt angekommen, wo er sämtliches Feedback ignorierte) und es ist der Film, der zwischen knalligbunten und dunklen Passagen, imposanten Bauten und erstaunlichen Spezialeffekten die beste Balance findet. Ich muss auch Dante aus Clerks zustimmen: Der finstere Schluss hinterlässt einen beachtlichen Eindruck. An zweiter Stelle würde ich dann Die Rückkehr der Jedi-Ritter setzen - die seit den Prequels nochmals wesentlich härter angegangenen Ewoks finde ich ganz kurzweilig und die Actionszenen finde ich ausgereifter als jene aus Eine neue Hoffnung. Und inhaltlich bringt der Abschluss der Originaltrilogie auch deutlich mehr mit sich als Teil I (bzw. IV). Dessen Anfang finde ich schleppend und den aufgrund der Fanreaktionen in den Fortsetzungen verschobenen Fokus, weg vom mich nicht sonderlich ansprechenden Luke hin zu Harrison Fords coolen Han Solo, kann ich nur begrüßen. Der originale Star Wars-Film kann noch so bedeutsam sein - seine Fortsetzungen finde ich um einiges durchdachter und unterhaltsamer.

The Sixth Sense ist nicht der beste Film von M. Night Shyamalan

Nach zwei kaum beachteten Indie-Filmen machte M. Night Shyamalan mit einem gewaltigen Knall von sich reden: Das spannende, übernatürliche Drama The Sixth Sense mit einer sensationellen Leistung des Kinderdarstellers Haley Joel Osment und einem nuanciert spielenden Bruce Willis eroberte 1999 die Kinowelt im Sturm. Mit sechs Oscar-Nominierungen, darunter für den besten Film und das beste Original-Drehbuch brach The Sixth Sense als einer von nur wenigen Filmen mit dem ungeschriebenen Gesetz, dass Produktionen mit größeren Horrorelementen keinerlei Beachtung von der Academy erhalten. Außerdem erreichte Shyamalans Geistergeschichte ein breitgefächertes Publikum. Und ja, selbst wenn ich nie verstanden habe, wieso so viele den Film als außerordentlich gruselig bezeichneten (ich bin ja wahrlich kein Gorehound, aber von ein oder zwei Jump Scares abgesehen fand ich dieses Mysterydrama nicht gerade erschreckend), so finde ich ihn wirklich respektabel. Doch The Sixth Sense hat auch ein paar langgezogene Passagen und ich persönlich finde ihn von Shyamalans guten Filmen den am wenigsten involvierenden - ich finde mich bei ihm als bloßen Betrachter wieder.

Ganz ehrlich gesagt, ist für mich The Sixth Sense nicht einmal Shyamalans zweitbester Film. Sogleich zwei seiner Regiearbeiten übertreffen seine gemeinhin populärste Arbeit in meiner Gunst - und das nicht zu knapp. Zum einen wäre da Unbreakable. Dieser Superheldenthriller, der den ersten Akt eines jeden guten Superheldenfilms nimmt und packend auf volle Spielfilmlänge streckt, gewann über die Jahre an Fans dazu, und die gedankenreiche Auslegung des Superheldenmythos, die bedrückende Stimmung und die zwischen Plausibilität und schierer Comic-Logik liegende Farbästhetik von Unbreakable machen ihn für mich wesentlich interessanter als The Sixth Sense. Zu einem gewissen Grad nahm Shyamalan die Jahre später von Christopher Nolan in The Dark Knight behandelten Themen stilvoll vorweg, und das ist im Bezug auf Comicfilme nicht gerade ein schwaches Kompliment.

Mein Lieblingsfilm von Shyamalan bleibt jedoch, und darin finde ich bekanntlich weniger Unterstützer als bei meiner Liebe zu Unbreakable, ganz eindeutig The Village. Dieser Film ist wohl oder übel das Paradebeispiel dafür, wie schädlich Marketing sein kann, und ich werde nicht müde, es bei jeder passenden Gelegenheit herbeizuzitieren. Ich wage zu behaupten, dass die Trailer zu The Village nicht nur dem Film selbst, sondern der gesamten Karriere von Shyamalan geschadet haben. Nun gut, mit Filmen wie Das Mädchen aus dem Wasser hat sich der Kerl selbst keinen Gefallen getan, doch selbst wenn Shyamalan nach The Village einen Volltreffer gelandet hätte - er wäre an weiten Teilen des Publikums vorbeigelaufen.

The Village wurde als finsterer, gruseliger Monsterhorror verkauft. Und das Publikum schluckte das Fehlmarketing des Disney-Konzerns. Ja, hat denn keiner von denen je zuvor einen Shyamalan-Film gesehen? Als nächstes beschwert sich irgendjemand darüber, dass "plötzlich" in Quentin-Tarantino-Filmen mehr geredet als abgeschlachtet wird... Nun gut, The Village war dennoch fpr Shyamalan unytpisch, da selbst die zu erwartende Suspense eine eher untergeordnete Rolle spielte. Stattdessen entfaltete sich The Village während seines Verlaufs als in hypnotischen Bildern eingefangene, cineastische Liebeslyrik voller gesellschafts- und politkritischer Parabeln. Auf eine solche Mischung muss man sich eh einlassen können, insbesondere wenn sie in einem historischen Gewand daherkommt und Shyamalans markant rationale, emotional unerklärlich... entrückt... wirkenden Dialog beinhaltet. Aber wenn der ganze Spaß dann auch noch als das krasse Gegenteil verkauft wird - wen soll es da bitte wundern, dass das Publikum bei so einer Verkaufsstrategie auf die Barrikaden geht? Gewiss, Fehlmarketing kann funktionieren, wie Disney Jahre später mit Rapunzel beweisen sollte oder die Weinstein Company mit Inglourious Basterds, dessen Teaser ähnlich weit von der Realität entfernt war, wie die Trailer zu The Village. Weshalb Basterds nicht Tarantinos Genick brach? So falsch der Tonfall des Teasers auch wahr, so enthielt Inglourious Basterds genug Grindhouse-Kult um das angelogene Publikum zu befriedigen - und mit hervorragender Erzählkunst euphorisierte der Film es dann letzten Endes.

So sehr ich den Pre-Das Mädchen aus dem Wasser-Shyamalan auch mag, ein Tarantino war er nun auch nicht. Und erst recht keiner in Basterds-Höchstform, der sich ein solches Fehlmarketing erlauben durfte. The Village ist trotzdem ganz klar sein Meisterwerk - wenigstens für mich. Zu vielsagend die Bilder, zu verführerisch verstrickt die verkopfte und dennoch aufgehende Gefühlswelt des Films, zu sehr stimme ich der in ihm liegenden Politparabel zu, zu beklemmend die Atmosphäre. Es ist ein verzweifelnder Film, aber auf die rare, berückende Weise. Ja, durch den Plottwist macht es sich Shyamalan unnötig schwer, selbst das Publikum an der Stange zu halten, welches keinen Monstersplatter erwartete. Aber wenn man gar nicht auf einen genialen Twist wartet, sondern nur Konsequenz erhofft... so ist das Ende die logischste und nachhaltigste Fortführung der Kernthematik von The Village. Unrealistisch soll das sein? Dann schaut euch zuvor Fahrenheit 9/11 an. Michael Moores Doku-Essay ergänzt The Village fast schon erschreckend schlüssig...

Zweiohrküken ist besser als Keinohrhasen

Damit wir alle jetzt kurz durchatmen können, nun eine verschobene Rangfolge, die wohl weniger bedeutsam ist. Jedenfalls wüsste ich nicht, dass die Schweiger-RomCom-Fanbase mit so energischen Mitteln kämpft, dass ich mir nun einen Schutzbunker suchen müsste...
Keinohrhasen finde ich ja ganz nett. Schweiger hat ein Händchen für schöne Bilder, Nora Tschirner ist äußerst liebenswert, auch der Autor-Regisseur-Hauptdarsteller-Produzent sichert sich ein paar Sympathiepunkte und passagenweise haben die Dialoge schon ein klein wenig was von einem Kevin-Smith-Nachfolger. Weshalb mich der große Publikumserfolg des Films überraschte? Ich finde ihn dramaturgisch recht unausgereift. Die Liebesgeschichte verläuft an einigen Wendepunkten sehr unglaubwürdig - da werden Dinge verziehen oder eben nicht verziehen, wie es dem Plot gerade in den Kram passt, statt den Figuren das Steuerrad zu reichen. Und Mensch, hatte ich irgendwann Schweigers Montagen satt.
Zweiohrküken gefiel mir da schon was mehr. Beim zweiten Anschauen sind die "Ich halte übertrieben große Geschlechtsteile in die Kamera"-Momente anstrengend, ja, und auch die ganze "Kacke auf dem Nachttisch"-Storyline wird mir zwar allein schon durch ihre Erwähnung jetzt sicher einige neue Googletreffer einbringen, ist ohne pubertierendes Kinopublikum um einen herum aber nur halb so komisch (und trotzdem noch immer amüsanter, als man es befürchten mag). Doch Zweiohrküken ist emotional komplexer, die Figuren sind ausgereifter und handeln plausibel, sie steuern den Verlauf des Films, nicht der aufgedrückte Gedanke "Was wäre jetzt für die Story das angebrachteste?" und der Kitsch ist dank zusätzlicher, ehrlicher Dramatik auch schöner. Der Soundtrack ist aber nicht ganz so einprägsam.

Der beste Bully-Film ist...

... schonmal ganz eindeutig nicht der maue Lissi und der wilde Kaiser, aber gegen diese Aussage wird auch kaum jemand klagen. Nein, ich muss sagen, dass mir (T)Raumschiff Surprise - Periode 1 tatsächlich ein Stückchen besser gefällt als Der Schuh des Manitu. Viele hauen ja auf Bullys Weltraumkomödie drauf, weil "der Schwulenwitz irgendwann raus war" - aber das war auch schon in Der Schuh des Manitu so. Aber die Mannschaft des (T)Raumschiffs ist ja mehr, als ein wandelndes und dümmliches Schwulenklischee, also ist es vollkommen in Ordnung, wenn die bully'sche Art "schwul" zu sprechen ihren Witz verliert. Denn der eigentliche Gag hinter Spucky, Kork und Schrotti ist, dass diese drei planlosen Trottel eines der größten Sci-Fi-Abenteuer überhaupt erleben und dort mit jeder Menge Dusel souverän durchstolpern Das gleicht schonmal einige der durch zuviel Wiederholung von Der Schuh des Manitu entstandenen Schwächen aus. Hinzu kommen aber der tolle Soundtrack von Stefan Raab, ein enorm witziger Til Schweiger, die Doppel- und Dreifachrollen von Rick Kavanian und Sky Dumont und jeder Menge gelungener Meta-Humor. Jepp... ich find die Sci-Fi-Parodie einen Tacken besser... Space Taxi.... flieg mit uns!

Der (bislang) mit Abstand erfolgloseste Werner-Film ist zugleich mein Liebling

Das Phänomen Werner. Sonderlich sympatisch sind die Figuren von Brösel nicht unbedingt, nennenswertes Identifikationspotential bieten sie nur Motorradfahrern und Installateuren von "Gas, Wasser, Scheiße" (denen dafür aber auch einiges, da Brösel doch recht gut darin zu sein scheint, den anstrengenden Alltag zu überspitzen) und sonderlich hübsch gezeichnet sind die Filme auch nicht gerade. Und trotzdem haben die ersten vier Werner-Filme insgesamt über 13 Millionen Eintrittskarten verkauft. Sie haben ja auch was - als "(Very) Guilty Pleasure" kann ich sehr gut über die Werner-Filme lachen, selbst wenn mich die Vorschau auf den fünften Teil bislang nicht sonderlich euphorisch gemacht hat. Wie dem auch sei, jeder der vier Werner-Filme hat seinen eigenen Reiz. Die Suche nach meinem Favoriten ist dennoch schnell abgeschlossen, wenn man die restlichen Anwärter knallhart mit meinem Favoriten vergleicht: Beinhart! ist im Vergleich zum Rest schlecht gealtert. Das muß kesseln!!! versucht sich darin, eine eigenständige Geschichte zu erzählen und muss sich deshalb für ein paar narrative Schnitzer verantworten, Volles Rooäää!!! braucht stellenweise zu lange, um seine Gags vorzubereiten - und nicht immer lohnt es sich so sehr wie bei der Aktion "Scheißen für das Vaterland!"
Bleibt nur ein Film übrig, und der gewinnt bei mir auch recht klar: Gekotzt wird später hat zwar den strunzdämlichsten Titel der Reihe (Gratulation, das ist eine Leistung!), doch das war's dann auch schon mit den relevanten Kritikpunkten. Zunächst einmal handelt es sich hierbei endlich um einen Road-Movie (das hätte die Filmreihe schon früher machen sollen), und ich habe einfach ein Faible für dieses Subgenre. Und, ganz ehrlich, es ist ein recht vorbildliches Roadmovie obendrein. Naturgemäß ist Gekotzt wird später sehr episodenhaft, allerdings waren tragende Geschichten eh nie Brösels Stärke (oder Anliegen). Gekotzt wird später klammert also eine Schwäche der Werner-Filme gekonnt aus, und erzählt einfach, was die Jungs so auf dem Weg nach Korsika erleben, wo sie unbedingt "Flachköpper" machen wollen. Das ganze hat dann sogar richtigen Flair von Freundschaft und dem jugendlichen Drang nach Lebensfreude und Abenteuer, ganz gleich, was vernünftig sei oder nicht. Ekelhumor weicht (gekonnt) derben Zoten und sympatischem Schwachfug und die Schlusspointe ist in ihrer Konsequenz wahrlich beneidenswert. Das von den fast fünf Millionen Zuschauern aus der Blütezeit nur noch rund ein Fünftel der Zuschauer zurückkehrte, ist bedauerlich. Wäre man gemein und auf Provokation aus, könnte man behaupten, es läge daran, dass der vierte Werner der ist, der (aus Versehen oder etwa doch, weil die Macher gereift sind?) Teil ist, der am ehesten sowas wie Gehalt hat. Aber das wäre fies - in Wahrheit war wohl einfach der Hype abgeflaut.

 Cinderella II ist "besser" als Cinderella III

We're scraping the barrel, my friend! Ja, wir sind wohl am Tiefpunkt dieses Artikels angelangt. Disney-Fortsetzungen, exklusiv erschienen auf Video und DVD. Was noch viel versprechend mit Filmen wie Dschafars Rückkehr und dem musikalisch vergleichsweise ambitionierten Der König der Löwen 2 begann, führte irgendwann zu Schrott wie dem knatschig-kitschigen Der Glöckner von Notre Dame 2. Cinderella II ist auch einer dieser sinnlosen Filme. Das Kleine-Mädchen-Beschäftigungsprogramm erzählt von Cinderellas aufregenden Abenteuern nach ihrer Märchenhochzeit... etwa davon, wie sie ein Banquet organisiert. Oder davon, wie durch Missbrauch des Zauberstabs der guten Fee ein paar Haushaltsgegenstände lebendig wurden (wo passiert denn bitte sowas?). Ja, Cinderella II ist sehr redundant, und weder die Zeichner, noch die Kolorationsabteilung haben sich sonderliche Mühe gegeben. Für einen auf kleine Mädchen abzielenden Film voller Quark und überdramatisierter Probleme ist Cinderella II allerdings schockierend erträglich, zwischendurch sogar fast... ja... süß. Deutlich besser als der zum Kinderkitsch mutierte Pitch für einen viktorianischen Horrorfilm über ein psychopatisches Mädchen, den Disney Jahre später rausrotzte. Und wie ich finde, ist Cinderella II auch erträglicher als der von überraschend vielen (US-)Disneyfans gelobte dritte Cinderella-Teil. In diesem mit Pornosynchrp gesegnetem, den Zuschauer mit dämlichen Dialogen malträtierendem Versuch, das Märchengenre zu dekonstruieren (ihr wisst schon, auf knuffigem Direct-to-Video-Niveau...) stiehlt die böse Stiefmutter den Zauberstab der guten Fee (die Frau sollte sich das Teil ans Kleid nähen lassen!) und reist durch die Zeit, um die Geschehnisse aus dem ersten Film rückgängig zu machen. Eine spannende Zeiteisegeschichte entsteht... nicht. Der Film ist einfach saublöd - finde ich. Und damit stelle ich wohl eine Minderheit dar. Wieso auch immer...

 Pulp Fiction ist nicht Tarantinos beste Regiearbeit

Pulp Fiction ist cool. Die Sprüche sind zu recht kult und es ist faszinierend, wie Quentin Tarantino auf nahezu jegliche Gesetze des Drehbuchschreibens scheißt und dennoch einen ansprechenden, spannenden und bei aller Vulgarität obendrein smarten Film schuf. Und obwohl Pulp Fiction wohl für immer und ewig der meistzitierte Film des Kultfilmers bleiben wird, Poster von ihm die meisten Studentenbuden schmücken werden... Ich finde ihn längst nicht den ansprechendsten Streifen aus seiner Feder. Aber wisst ihr was? Das ist Stoff für eine ganz andere Hitliste...

So weit also mein jüngster kleiner Blick auf Fälle, in denen ich dem generellen Filmkonsens wiederspreche. Dabei gilt: Hey, hier geht es um Meinungen und ich will keinesfalls behaupten, dass die in dieser Liste vertretenen Positionen allgemeingültig sein sollten. Klar, ich bin froh um jeden, der mich unterstützt, aber das heißt nicht, dass Fans von Beinhart, deren liebster Star Wars-Film das Original ist und die jeden Tarantino-Film abseits von Pulp Fiction dämlich finden allesamt einen schlechten Geschmack haben. Dazu müssten sie bekanntlich zu allem Übel James Camerons Titanic gut finden.

Boah, Spaß, das war ein schlechter Scherz, regt euch ab! Schon gut, schon gut... mein letzter Seitenhieb war lange her, irgendwie muss ich meine Zwangsneurose ja ausleben, und ich halte mich ja momentan echt zurück mit Titanic-Bashing... Diskutiert also lieber eure liebsten Werner-, Til-Schweiger, Star Wars-und Bully-Filme, denn das fände ich sehr interessant. Und am meisten bin ich gespannt, ob irgendjemand auf mein Geschwafel bezüglich Shyamalan antwortet. Lasst mal von euch lesen, wenn ich schon nicht mehr tagtäglich poste... :-)

Weiterführende Artikel:

Samstag, 18. Juni 2011

Der erste echte Trailer zum neuen Muppet-Kinofilm

Schluss mit dem Puppentheater! Nach einem Romatikkomödien-Fake-Trailer, einer Parodie des Hangover 2-Trailers und einer sich anfangs als Green Lantern-Trailer ausgebenden dritten Parodie geben die Muppets nun Butter bei die Fische und zeigen sich im jüngsten Werbematerial zu ihrem kommenden Film von ihrer wahren Seite. Dieses Mal wird kein anderer Film oder gar ein ganzes Filmgenre hopps genommen, sondern die echte Identität des neuen Muppet-Films enthüllt. Und offenbar scheint man wirklich zu den Wurzeln zurückzukehren: Die Muppets müssen eine Show zum Laufen bringen. Mit dabei: Der neue Muppet Walter, eine liebreizende Amy Adams und ein Jason Segel, der das dämlich-glückliche Grinsen darüber, endlich mit den Muppets arbeiten zu dürfen, einfach nicht aus dem Gesicht kriegt:



Old-School-Muppets für das neue Jahrtausend. Ich freu mich drauf!

Kung Fu Panda 2

Der 2008 gestartete Kung Fu Panda war für mich ganz klar der bis dorthin beste Computeranimationsfilm aus dem Hause Dreamworks. Paradoxerweise rechnete ich ihm nicht die längste Halbwertszeit aus dem Katzenberg-Kanon an (die gehört wohl Shrek 1 & 2), doch für die Dauer der ersten Sichtung hatte der liebenswerte Kampfkunstpanda klar die Stupsnase vor (siehe auch meine Kritik zum Film).

Vergangenes Jahr wurde Po furios vom Thron gestoßen: Drachenzähmen leicht gemacht hatte mehr Herz, atemberaubendere Landschaften, eine betörendere Musik, die bessere Story und die reizvolleren Figuren.

Von Kung Fu Panda 2 erwartete ich anfangs, dass er sich irgendwo zwischen diesen beiden Filmen platziert. Schließlich ist mit Teil 1 das abgenutzte "Wie der Versager zum Held wurde"-Schema-F abgegrast, so dass Po und seine Kumpanen in einem wesentlich packenderen Abenteuer Schläge verteilen und die Lachmuskeln kitzeln könnten. Frühe Vorabmeinungen zu Kung Fu Panda 2 waren dann allerdings, trotz ihres positiven Tenors, tendentiell enttäuscht, ja, richtig überrascht, dass der bei der gleichen Veranstaltung vorgestellte Der gestiefelte Kater deutlich besser schein.

Also schraubte ich meine Erwartungen etwas zurück, ging nur noch davon aus, dass Kung Fu Panda 2 in der gleichen Liga wie sein Vorläufer spielt. Was ja auch bereits eine ansehnliche Leistung wäre. Kung Fu Panda 2 hat diese Leistung vollbracht: Eine bessere, aus emotionaler Sicht komplexere Geschichte als in Teil 1, mit weniger eigener Frische erzählt. Hinzu kommt der gelungene Score von John Powell (der mit Drachenzähmen leicht gemacht ein wahres Glanzstück ablieferte) und meinem steten Liebling Hans Zimmer und obendrein hat der Film eine tolle, fernöstlichen Zauber versprühende Farbpalette. Die Gags sitzen so gut wie in Teil 1, sind aber nicht mehr ganz so gut über die Laufzeit verteilt wie im Original.

Ihr wisst vielleicht, dass ich meine Blogkommentare zu Filmen, die ich für Quotenmeter.de begutachtet habe, gerne dazu nutzen möchte, um die Divergenz zwischen dem Versuch einer "professionellen" und einer "persönlichen" Meinung zu unterstreichen. Tja, Kung Fu Panda 2 ist ideal für dieses Vorhaben... Denn als Kritiker bin ich sehr zufrieden mit Kung Fu Panda 2, ganz persönlich, als mein eigener kleiner, jung gebliebener und sich um irgendwelche Film-Fachliteratur nicht wirklich scherender Trickfilmfan bin ich hingegen... ja... ein wenig enttäuscht. Obwohl meine wohlwollenden Erwartungen erfüllt wurden, verspüre ich beim Gedanken an Dreamworks' neusten Film eine gewisse Leere in der Magengrube.

Zum einen liegt es daran, dass mich "privat" die Zick-Zack-Charakterisierung Pos (mal ist er genauso, wie während des Gros von Kung Fu Panda, dann erinnern sich die Autoren wieder an seine abgeschlossene Entwicklung in eben jenem Film) wohl viel mehr gestört hat, als aus "professioneller" Sicht. Denn genau dadurch kam ich einfach nicht so wirklich in Pos Selbstfindungsprobleme hinein, die einen wichtigen Teil der Dramatik in dieser Fortsetzung ausmachen.
Schade finde ich auch, dass die Furiosen Fünf noch weniger zu sagen haben, als im ersten Teil. Bräuchte man nicht in 75% der Actionszenen jemanden, der Pos dicken Hintern rettet, hätte man die Kung-Fu-Asse gleich rausstreichen können.

Und ja, beim folgenden Problem zeigt sich wohl endgültig, dass ich gerade aus ganz persönlicher Perspektive berichte... Ich finde schade, was den Aufhänger von Pos Handlungsbogen darstellt. Objektiv muss ich sagen, dass Kung Fu Panda 2 dahingehend sehr vorbildlich ist und recht clever auf den ersten Film zurückgreift: Einer der Running Gags von Kung Fu Panda war ja, dass Pos Vater ein Gänserich ist, der einen Nudelladen führt. Immer wieder führten die Vater-Sohn-Gespräche in eine Richtung, die den Zuschauer erwarten ließ, dass das offensichtliche ausgesprochen und Po als adoptiert "geoutet" wird. Aber es kam stets anders. Das fand ich sehr putzig (überhaupt mag ich Pos Vater, super animiert und in der deutschen Synchro grandios von Lutz Mackensy gesprochen). Dass die Fortsetzung nun auf Pos leiblichen Eltern und seine vergessenen Wurzeln eingeht, ist eine naheliegende, kluge Idee... Aber, menno... ich mochte diese Selbstverständlichkeit, mit der Pos seltsame Ahnengalerie angepackt wurde...

Ich weiß... ein alberner Kritikpunkt, hm?

Freitag, 17. Juni 2011

Collison of Worlds: Robbie Willams' und Brad Paisleys "Cars 2"-Musikvideo

Das Vereinigte Königreich vs. USA: Im Song Collison of Worlds spielen Robbie Williams und Brad Paisley Fakten und Klischees ihrer Heimatländer gegeneinander aus. Das alles zu Filmmaterial aus Cars 2. Denn bis zum 28. Juli muss uns Disney den Film ja irgendwie schmackhaft machen. Und, naja, wenigstens der Soundtrack scheint mir schonmal besser als der des Originals zu sein!

Donnerstag, 16. Juni 2011

Being Green-Trailer bewahrt seine Geheimidentität. Nicht so wirklich.

Dieser Trailer hat üüüüüüberhaupt nichts mit Green Lantern zu tun. Versprochen! Dies ist keeeeeine virale Aktion für den kommenden DC-Superheldenfilm, ehrlich! Ich mein, welche Marketingabteilung käme auf die Idee, einen allein schon vom Titel her so mies getarnte Parodie wie Being Green zu schalten, nein, also, das ist schon alles ernstgemeint...



Seht ihr? Man muss schon einiges versäumt haben, um nicht schon beim Titel auf den Trichter gekommen zu sein. Mehr zum Film findet ihr hier und hier.

Die Zehn-Satz-Rezension zu "Osmosis Jones"

  1. Osmosis Jones dürfte zum Kinostart anno 2001 sicherlich einige überrascht haben, denn wer erwartete schon einen Familienfilm, noch dazu einen animierten, von den zotigen Klamaukspezialisten Bobby & Peter Farrelly, die sich zuvor mit Dumm & Dümmer, Verrückt nach Mary, und Ich, beide & sie einen Namen machten?
  2. In Wahrheit ist der Fall ein klein wenig komplizierter, denn Osmosis Jones wurde vollkommen unabhängig von den Farellys entwickelt, der animierte Teil und somit das Herzstück des Films ging auch lange vorher in Produktion, während das Studio händeringend nach einem Regisseur für den Realfilmpart suchte, wobei man letztlich die Farellys wählte, die sich vertraglich versichern ließen, dass sie für den kompletten Film als Regisseure genannt werden.
  3. Der Film handelt vom nicht sonderlich gesund lebenden Zoowärter Frank (Bill Murray als widerliches Ekel), der ein Ei isst, welches auf dem Boden des Affenkäfigs lag und sich dabei einen gefährlichen Virus namens Thrax einfängt.
  4. Wie die Tricksequenzen zeigen, bildet Franks Körper ein ganzes Mikrosystem, wo ein versagender, schmieriger Bürgermeister (angelehnt an Nixon) das Sagen hat und die weißen Blutkörperchen als Polizei fungieren.
  5. Eines dieser Blutkörperchen ist der unkonventionell arbeitende Osmosis Jones, der aufgrund seiner Art und seiner niederen Herkunft nicht ernstgenommen wird, allein sein neuer Partner, die Erkältungspille Drixx, glaubt ihm, dass in Frank mehr vorgeht, als nur eine kleine Verkühlung.
  6. Für die auf voller Cartoon-Logik operierenden und voller charmanter Detailgags steckenden, Cop-Movies parodierenden Tricksequenzen zeichneten sich der Neuling Piet Kroon und Trickveteran Tom Sito verantwortlich, der nach einem Karrierebeginn im TV (u.a. He-Man) bei Disney landete und an Falsches Spiel mit Roger Rabbit sowie einigen der Renaissance-Filmen mitwirkte.
  7. Die Animation ist dynamisch, sehr stylisch und "cool", aber auf eine angenehm unaufdringliche Weise, und auch wenn die Story sehr konventionell ist, gewinnt sie durch ihren toll ausgespielten Warner-Witz, zeitlose Anspielungen sowie frische Einfälle im Dialogwitz deutlich an Sympathiepunkten.
  8. Besonders das Zusammenspiel zwischen Osmosis Jones (Chris Rock oder Will Smiths Stammsprecher Ian Odle) und Drixx (David Hyde Pierce oder Walter "Buzz Lightyear" von Hauff) ist toll mitanzusehen und so wundert es nicht, dass man auf den beiden später eine Trickserie basierte.
  9. Die Realfilmsequenzen dagegen ziehen den Film enorm runter, sie nerven mit einer Holzhammer-Moral über gesunde Ernnährung, mit dem Brecheisen hineingehebelten, unehrlichen Emotionen sowie einem Übermaß an infantilem Ekelhumor.
  10. Osmosis Jones ist, seinen Realsequenzen ungeachtet, besser als sein Ruf und für Trickfans, die was mit dem Buddy-Cop-Genre anfangen können, durchaus einen Blick wert, zugleich ist der Film jedoch wieder einmal ein super Beispiel dafür, wie man eine kecke Idee dank ständiger Einmischung der Geschäftsleitung vermiesen kann.
Ähnliche Artikel:

    Mittwoch, 15. Juni 2011

    Die Academy ändert Regeln für den Oscar

    Das Regelwerk der Academy of Motion Picture Arts & Sciences befindet sich in einem steten Wandel. Und das ist durchaus begrüßenswert, denn selbst wenn der Oscar als der ruhmreichste Filmpreis überhaupt eine gewisse Konstanz auszustrahlen hat, so muss er aufgrund seines Stellenwerts auch ununterbrochen optimiert werden.

    Die letzten größeren Regeländerungen wurden Mitte 2009 bekannt, als verlautbart wurde, dass ab sofort zehn Produktionen in der Kategorie "Bester Film" nominiert werden. Diese Verdoppelung des Nominiertenfeldes war eine nicht-ganz-so-stillschweigende Antwort auf die erbosten Reaktionen zahlreicher Filmliebhaber über die Oscar-Nomminierungen 2009, als weder The Dark Knight noch WALL•E für den wichtigsten aller Oscars nominiert wurden. Zudem war es ein Zugeständnis an das Fernsehpublikum: Die schwächelnden Einschaltquoten der Oscar-Nächte sollten durch die Chance, dass mehr nominierte Filme dem Massenpublikum bekannt sind, wieder aufgebessert werden.

    In Folge dieser Neuregelung wurde auch das Abstimmungsverfahren für die Hauptkategorie optimiert, so dass ab sofort nicht ein Film gewinnen kann, der von einer knappen Mehrheit geliebt, von der restlichen Academy jedoch gehasst wird. Das neue Abstimmungsverfahren sollte sicherstellen, dass hinsichtlich des Oscargewinners ein allgemeiner Konsens herrscht - der Film, auf den sich die meisten einigen können sollte die Statue davontragen (mehr dazu *hier*). So erklärt sich etwa auch der diesjährige Sieg von The King's Speech: Auch Leute, die lieber mutigere oder modernere Filme wie Inception oder The Social Network gewählt hätten, werden zustimmen, dass The King's Speech gut war. Nimmt man nun das "Nicht meine Generation"-Potential von Finchers Facebook-Drama und die "Zu laut, zu krachbummig!"-Geheule bei Inception, und schon sieht man, dass ein stotternder König universellere Attraktivität hat.

    Das neue System mit zehn Nominierungen für die "Bester Film"-Kategorie wurde insgesamt zwar recht freundlich aufgenommen, fand jedoch auch harsche Kritik. Filme wie Blind Side hätten eine Nominierung nicht verdient, und spannender würde das Oscar-Rennen durch das breitere Feld auch nicht, weil man zwei, drei der nominierten Filme vor dem geistigen Auge eh wieder streichen kann. 2010 wurde etwa A Serious Man von den Coen-Brüdern für exakt einen Oscar nominiert - den für den besten Film. Und der soll eine reelle Chance gegen Avatar, Tödliches Kommando - The Hurt Locker, Inglourious Basterds, ja, selbst gegen den mehrfach nominierten Oben haben?

    Offenbar sieht die Academy es ähnlich, und deswegen werden nächstes Jahr keine zehn Filme nominiert. Oder vielleicht doch. Denn ab sofort ist das Nominiertenfeld in der Hauptkategorie nicht auf eine exakte Zahl festgelegt.

    In einer Pressemitteilung der Academy (die ihr bei Awards Daily nachlesen könnt), erklärt sie, dass die Leitung der Academy in Zusammenarbeit mit der Prüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers die Nominierungs- und Wahlstatistiken der letzten zehn Jahre ausgewertet hat. Academy-Präsident Tom Sherak befolgte somit einen Rat des zurücktretenden Executive Directors Bruce Davis.

    Dieser erklärt: "Was während des Studiums der Daten besonders auffällig schien, war dass die Acadmey-Mitglieder regelmäßig eine große Zuneigung für mehr als nur fünf Filme zeigten. Eine Nominierung als bester Film sollte eine Anerkennung herausragender Leistungen sein. Wenn es in einem gegebenen Jahr nur acht Filme gibt, die sich diese Ehre verdient haben, dann sollten wir uns nicht verpflichtet fühlen, die Zahl der Nominierten aufzurunden."

    Damit reagiert man also auf die Kritk, man habe aufgrund des Fünferfeldes wichtige Filme ignoriert, während die Academy sich gleichzeitig eingesteht, dass Filme "unverdient" ins Zehnerfeld rutschten. Damit dies nicht mehr geschieht wurde nach eingehender Untersuchung der bisherigen Statistiken beschlossen, dass ein Film im Nominierungsprozess mindestens 5% der Erststimmen erhalten muss, um offiziell nominiert zu werden. Das Feld der offiziellen Nominierungen kann 5 bis 10 Filme umfassen. Unabhängig davon wird das 2009 eingeführte Abstimmungssystem für den Oscar-Gewinner beibehalten.

    Es gab außerdem Änderungen in der Kategorie für den "Besten Animationsfilm": Die Kategorie muss nicht weiter alljährlich "aktiviert" werden, sondern ist nun ganz regulärer und fester Bestandteil der Oscars. Allerdings fällt die Kategorie aus, wenn weniger als acht Produktionen im Jahr veröffentlicht werden, die den Qualifikationsregeln der Academy genügen. Sollten zwischen acht und zwölf Filme veröffentlicht werden, können zwei bis drei Filme nominiert werden, erscheinen 13 bis 15 Filme, werden bis zu vier Stück nominiert. Die Grenze von 16 Filmen, um ein (bis!) fünf Nominierungen umfassendes Feld zu haben, bleibt bestehen.

    In der Kategorie für die besten Effekte, die vergangenes Jahr auf fünf Nominierungen erweitert wurden, nahm die Zahl der Filme zu, die in die "Bakeoff"-Runde gelangen. Statt sieben werden nun zehn Vorabnominierungen getätigt, die von den Stimmberechtigten begutachtet werden, bevor die finalen Nominierungen festgelegt werden.

    Außerdem weden die bislang nach anderen Terminen orientierten Doku-Kategorien ab sofort auf das Kalenderjahr abgestimmt. Damit keine Filme durch's Raster fallen, werden deshalb bei den nächsten Oscars ausnahmsweise mehr als zwölf Monate abgedeckt, genauer gesagt alle Dokumentationen, die zwischen September 2010 und Dezember 2011 erschienen sind.

    Dienstag, 14. Juni 2011

    Source Code

    Source Code ist der zweite Kino-Langfilm von Duncan Jones, geboren Zowie Bowie. Der Sohn des Rockstars und Teilzeitschauspielers David Bowie machte durch den Science-Fiction-Film Moon im Independentbereich auf sich aufmerksam und legt nun mit Source Code einen größeren, publikumsträchtigeren Film nach. Diese Gelegenheit hat er seinem Hauptdarsteller Jake Gyllenhaal zu verdanken, der schon vor Jones für Source Code verpflichtet werden konnte und als Fan von Moon ihn für den Regieposten vorschlug.

    Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich Moonzwar auf DVD besitze, ich bisher allerdings nicht dazu kam, ihn von seinem bedauerlichen Dasein auf meinem "Noch zu gucken"-Stapel zu befreien. Deshalb ist Source Code meine erste Begegnung mit dem bereits als nächste große Kinohoffnung umjubelten Briten. Mit großen Erwartungen bin ich aber nicht an den Thriller herangegangen, denn der Trailer versprach neben einem interessanten Plot auch allerhand Parallelen zur frustrierend unterschätzten Jerry-Bruckheimer-Produktion Déjà Vu. Man ersetze die Fähre durch einen Zug, fertig ist der neue FIlm - so schien es mir nach Sichtung des Trailers.

    Tatsächlich erinnert die Handlung von Source Code anfangs eher an 12 Monkeys, auch wenn die Stimmung längst nicht so rau geriet. Dahingehend lehnt sich Source Code eher an Tony Scotts Déjà Vu an, auch wenn beide Parallelen recht bald in den Hintergrund treten und Source Code eine mehr oder weniger eigene Idee verfolgt: Ein junger Mann wacht völlig verwirrt in einem Zug auf, wo er gegenüber einer Frau namens Christina (Michelle Monaghan) aufwacht, die offenbar mit ihm gemeinsam die Zugreise anbrach. Sie spricht ihn als Sean Fentress (Jake Gyllenhaal) an, aber er kennt weder sie, noch irgendjemand anderem im Zug. Er meint, er hieße Colter Stevens und müsse eigentlich als Soldat in Afghanistan stationiert sein, statt mit einem Zug durch Chicago zu fahren. Acht Minuten später jagt eine Bombe den Zug in die Luft und Sean/Colter wacht in einer kleinen Kapsel auf, wo ihn eine Computerstimme dazu auffordert, kleine Gedächtnistests zu bestehen. Daraufhin wird er von Capt. Colleen Goodwin (Vera Farmiga) recht kryptisch instruiert: Er habe die Chance, ein großes Attentat aufzuhalten und müsse deshalb mittels des Source Codes in die letzten Minuten vor dem Zugunglück reisen und herausfinden, wer der Attentäter ist.

    Drehbuchautor Ben Ripley, dessen bisherige Vita mit den Billigfortsetzungen Species III & IV sowie dem Fernsehhorror The Watch nicht gerade vertrauenserweckend ist, gibt dem Zuschauer zu Beginn von Source Code keine Gelegenheit, sich auf die sich entfaltene Handlung vorzubereiten. Er stößt sie unmittelbar ins kalte Wasser, und exakt dies erweist sich als die effektivste Vorgehensweise. Man ist ähnlich ratlos wie Sean/Colter und kann sich deswegen hürdenlos in seine Verwirrung, seine Ängste und seinen Frust einfühlen. Durch die (zumindest anfänglich) ausgesparte Exposition ist Source Code von der ersten Minute an hochspannend, weiß zu erstaunen und lässt das Publikum fiebrig miträtseln. Die von manchen Medienvertretern getätigten Vergleiche mit Christopher Nolans Geniestreich Memento halte ich dennoch für unangebracht, da in Nolans Thriller Inhalt und Form die gesamte Laufzeit über eine perfekte Symbiose eingehen, während der Zuschauer in Source Code nach und nach einen gehörigen Wissensvorsprung gewinnt. Vor allem aber wird Source Code während des zweiten Akts mit nachgeschobener Exposition überfrachtet, die zwar dank gut geschriebener Dialoge weiterhin packend präsentiert wird, dem Film allerdings zu früh zu viel von seiner Rätselhaftigkeit raubt.


    Dessen ungeachtet bleibt Source Code spannend und, was dringend hervorgehoben werden muss, auch emotional involvierend. Die unvermeidliche, schon im Trailer unübersehbare, Liebesgeschichte nimmt nicht den in ihren ersten Minuten befürchteten Raum ein, sondern wird unaufdringlich vorbereitet und spielt generell eine zwar inhaltlich relevante Rolle, fuscht jedoch nicht in die beklemmende Atmosphäre des Filmanfangs hinein. Sie ist nachvollziehbar und unterstützt die Menschlichkeit von Source Code, die vor allem aus Jake Gyllenhaals darstellerischer Leistung erwächst. Das Herzstück dieses Thrillers ist nämlich Seans/Colters verzweifelte Wahrheitsfindung - sowohl in Bezug auf das Bombenattentat, als auch hinsichtlich seiner eigenen Situation. Er ist in einer, ja, gewissermaßen sogar in zwei Situationen gefangen, an deren Anfang er sich nicht zurückerinnern kann und aus denen es augenscheinlich keinen Ausweg gibt. Gerade seine Diskussionen mit seiner einzigen Verbindung zur Außenwelt, Capt. Goodwin, sind emotional komplex und intellektuell ansprechend. Gyllenhaal läuft nahezu zu Höchstform auf und gibt seiner Figur sehr viel versteckte Tiefe und Vera Farmigas Rolle mag sich nach anfänglicher Mystifizierung immer mehr in ein Genre-Klischee verwandeln, trotzdem gefiel sie mir dank des feinsinnigen, natürlichen Spiels besser als in ihrer Oscar-nominierten Rolle aus Up in the Air. Michelle Monaghan kommt die undankbare Rolle der unwissenden Love Interest zu, ist aber sympatisch und nett anzuschauen. Das mag nicht das höchste Lob sein, doch sehen wir es mal so: Sie lässt ihre Rolle nicht überflüssig oder störend dastehen, sondern macht sie zu einem elementaren Teil des Films. Viele Darstellerinnen hätten in dieser Rolle den Kitschfaktor überdreht oder sonstwie genervt. Im Zusammenspiel mit Gyllenhaal und mittels der stets im Detail variierenden Abläufe während der Zugfahrt macht sie wirklich das beste aus der Sache.

    Die Effekte sind, bestenfalls, so lala und die Musik von Chris P. Bacon (Gnomeo & Julia) schwankt zwischen unauffällig und nervig, bloß sind das leider die geringsten Probleme, die ich mit Source Code habe. Die schwerwiegenden Probleme zu erläutern, ohne dabei zu spoilern, ist eine kleine Herausforderung, doch ich nehme sie gerne an: Die ersten zwei Drittel von Source Code sind fantastisch, ich dachte mir "Wow, ein intelligenter und berührender Zeitreisethriller - zwar mit geborgten Ansätzen... allerdings sind die schnell vergessen! Den muss ich dringend weiterempfehlen!"... Tja, und dann bewegt sich Source Code seinem Ende entgegen.

    Was mich etwas störte, war dass der Thriller zum Ende hin seine sentimentale Ader zu sehr rauskehrte, was meines Erachtens nach einige der anfänglichen "Versprechen" verriet. Das wäre nicht weiter schlimm gewesen, denn Source Code fand das perfekte, mich damit versöhnende Schlussbild. Wer mich ein bisschen kennt oder gut im Raten ist, wird bei der Sichtung von Source Code gewiss erahnen, welche Stelle ich meine. Bloß ist dieses perfekte Schlussbild nicht das Schlussbild - und danach geht es nur noch bergab.

    In Science-Fiction-Thrillern wie diesem muss man selbstverständlich seinen Unglauben zu Gunsten des Films verbiegen. Damit habe ich kein Problem. Womit ich Probleme habe, ist es, wenn solche Geschichten ihre eigenen, stillschweigend geäußerten Versprechen zu Liebe billiger Twists brechen. Und dieses Verbrechens macht sich Source Code schuldig - die innere Logik wird gegen die Wand gefahren, um sich von hinten an den Zuschauer anzuschleichen, ihm in den Rücken zu springen und mit verstellter Stimme "ÜBERRASCHUNG!" entgegenzubrüllen. Für eine sich zuvor so ausgereift gebende Geschichte wie Source Code ist dies sogar ein doppelt schwerer Fehler, denn wenn man vor diesem Twist den Zuschauer zum Denken anregt, dann überdenkt dieser auch den Twist sowie seine Folgen. Und, sofern ich in den letzten fünfzehn Minuten nicht vor lauter Frust und Ärger völlig auf Durchzug gestellt habe, dann nimmt Source Code eine Wendung von ausgetüftelter Plausibilität zu miesester, auf Schall, Rauch und ablenkende Lichteffekte setzender Hollywood-Logik. Selbst wenn ich irgendwelche (vermeintlich?) logischen Ausflüchte versäumt habe... die letzte Viertelstunde von Source Code hat es sozusagen mit mir verscherzt. Man kann mir nun die schlüssigsten Erklärungen bieten, im Kern bleibt immer noch eine Wende zur Inkonsequenz, die weit von dem entfernt liegt, was ich gern gesehen hätte.

    Ob ich Source Code dennoch empfehlen kann? Jein. Der Löwenanteil des Films ist atmosphärisch dicht, hochspannend und bietet einen wundervoll agierenden Jake Gyllenhaal - das zu versäumen wäre für (Sci-Fi-)Thriller-Fans und Freunde von Zeitreisegeschichten sehr schade. Das Ende ist aber wohl eine klare "Lieb' es oder hass es!"-Kiste. Ich denke, wenn man sich nicht schon während des Films zu viele Gedanken über den Ausgang macht, wird man ihm gegenüber aufgeschlossener sein, als ich es beispielsweise war. Aber selbst dann muss man es dringend als gegeben hinnehmen, statt mit seinen Überlegungen zu weit abzuwandern, denn das Ende ist vielleicht ganz raffiniert - nur nicht als Abschluss dessen, was zuvor rund 80 Minuten lang vorbereitet wird.

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