Donnerstag, 31. Dezember 2009

Meine Hits des Jahres 2009

365 Tage sind vergangen. Erneut verabschiedet sich ein Jahr und macht Platz für ein neues. Die Uhr lässt sich nicht aufhalten, deshalb brauchen wir es gar nicht erst zu versuchen. Stattdessen möchte ich mit euch an dieser Stelle eine mittlerweile schon lieb gewonnene Tradition feiern und pünktlich zu Silvester einen musikalischen Rückblick auf das vergehende Jahr abhalten.

Wie schon 2007 und 2008 besteht die Hitliste meiner Songs dieses Jahres aus Liedern, die ich mit 2009 verbinde und besonders wertschätze. Vornehmlich, weil sie mir besonders gefallen, manche aber auch, weil das Drumherum den Song aufwertete. Erläuterungen für diese Sonderfälle erhaltet ihr auf den gegebenen Rängen.

Filmmusik ist wie immer ausgeschlossen, Lieder die zwar etwas älter sind, aber erst jetzt Erfolg feierten, sind dagegen zugelassen. Michael Jackson wird euch in dieser Liste dennoch nicht begegnen, denn seine Lieder hatten 2009 ja wieder Erfolg, und nicht erst.
Damit wäre das Nötigste geklärt, und somit steht meinen Songs des Jahres 2009 nichts mehr im Weg!

Platz 24: Love Sex Magic - Justin Timberlake feat. Ciara  
I can make you believe in Love and Sex and Magic

Ich habe es wirklich versucht, ich habe mich richtig bemüht aus diesem Song so etwas wie meinen eigenen Sommerhit zu machen. Denn Love Sex Magic ist zwar kein Stückchen die Art Musik, die ich mir auf CD kaufen würde, aber sehr wohl ein Lied, dass ich richtig gerne im Auto mit offenem Verdeck Schiebedach und aufgesetzter Sonnebrille höre,und zwar laut. Es ist lässig, cool und der Refrain macht Laune. Es wäre das richtige Lied gewesen, dass ich in den Sommerferien (und schon an den Wochenenden vorher) fest mit allen möglichen Unternehmungen verbinden würde, da ich es mir auf dem Hin- und Rückweg dauernd im Radio begegnete.
Aber der Song erreichte nicht so wirklich das Publikum und erhielt deswegen weniger Airplay. Und somit hat es nicht die Assoziationsstärke, die etwa LoveStoned 2007 hatte - deshalb auch nur Platz 24. Es ist ein Lied, dass ich mit 2009 verbinde, das Jahr aber nicht ausmachte.

Platz 23: B******** - Rammstein
Tu das nicht / Lass das sein / Fass das nicht an / Sag einfach nein

In den letzten zwei Jahren hielten mit Maroon 5, Lordi, Linkin Park und Alestorm bereits die meisten meiner Lieblingsbands Einzug in meine alljährliche Songhitliste. Mit Rammstein ist das Quintett endlich vollständig. Die harte, energetische Musik Rammsteins und die genialen Texte die mit Wort und Sinn spielen (und in den meisten Fällen auch richtig komisch sind) haben mich schon vor einigen Jahren zum Fan gemacht, und das aktuelle Album ist textlich genau auf meiner Wellenlänge. Manche Fans beklagen eine zu "saubere" Produktion, jedoch hat mich die dreckige Tonqualität früherer Rammstein-Alben nie wirklich gejuckt, weder positiv, noch negativ, so dass ich die Änderung gar nicht bemerkte. Was ich aber bemerkte ist, dass das aktuelle Album wieder härtere und schnellere Lieder beinhaltet als noch Rosenrot. Ein weiterer Grund, das neue Album zu lieben. B******** ist wirklich gut, jedoch wird der Gesang über das Fantasiewort, das eine große Begierde umschreibt, recht schnell alt, während ich andere Lieder des Albums in Dauerschleife hören könnte. Somit Platz 23.

Platz 22: To The End of Our Days - Alestorm
I stand here alone on the bow of the ship / Counting the hours 'til I die

Alestorms bislang schwermütigstes Stück ist sozusagen die ernste, komplexe Antwort auf den Titeltrack des Vorgängeralbums Captain Morgan's Revenge. Weg mit all dem selbstironischen Spaß und der Abenteuer-Swashbuckler-Stimmung und her mit rauher Seefahrermelancholie. Der richtige Song für das Ende eines langen, ausgelassenen Abends. Und der Refrain ist selbst mit dröhnenden Ohren, trockener Keele (wieso ist der Rum schon wieder alle?) und heiseren Stimmbänden gut mitgröhlbar.

Platz 21: Düm Tek Tek - Hadise
The Beats going DÜM TEK TEK

Jährlich verfolge ich den Eurovision Song Contest mit großem Interesse, und jährlich schlägt für dessen Lieder Ende Dezember die Stunde der Wahrheit. Welche Beiträge gerieten nicht in Vergessenheit, sondern konnten sich bis Silvester in meinem Gehörgang festhalten? Dieses Jahr waren es zwei Beiträge, darunter der obligatorische Ethno-Pop aus der Türkei. Nichts weltbewegendes, aber Schwung hat's und die Stimme der Sängerin ist recht niedlich.

Platz 20: Black Sails at Midnight - Alestorm
Black Sails at Midnight / You're dead by Daylight!

Auf Alestorms Debütalbum gehörten die zwei "Thrash Metal"-Songs zu meinen Favoriten. Black Sails at Midnight, der Titelsong des zweiten Albums und der einzige Vertreter seines Subgenres auf dieser Langspielplatte, kann nicht ganz an seine Vorgänger heranreichen und wird vom Großteil des Albums übertrumpft. Der Song haut zwar kräftig rein, hat aber nicht ganz die Energie und das in den Noten versteckte, piratige Grinsen von Terror on the High Seas. Dennoch gut.

Platz 19: Right Round - Flo Rida
You spin my head right round, right round

Ein bisschen Sünde gehört in diese Jahreslisten immer hinein. 2007 war's Umbrella (ella, ella,eh, eh, eh, eh, eh, eh...), der so leicht zu verhohnepiepelnde Song, der zu fast jeder Fete dazugehörte und immer mit viel Freude veräppelt wurde (und wenn irgendwo Cocktail-Schirmchen rumlagen, war's endgültig aus mit langen Gesichtern), letztes Jahr 4 Minutes (und/ oder I Kissed a Girl), und dieses Jahr nunmal Right Round, ein hippig-hoppender Dance-Pop-Tune, der schon allein aufgrund des Namens des Interpreten nicht für voll genommen werden dürfte. Es ist eine glatte, auf Disco und Airplay-Charts hingebogene Mainstream-Produktion, die böse bei Timbaland abschaut - und in die Schultern geht. Für die Beine reicht es nicht ganz, aber für seltsames, beinahe rhythmisches Zappeln des Oberkörpers genügt es.
Außerdem untermalte dieses You Spin Me Round (Like a Record) von Dead or Alive sampelnde Lied den Abspann von Hangover - wie will man das dann bitte noch aus den Assoziationen dieses Jahres löschen? Dass TGWTG-Mitglied Benzaie das Original für den Abspann seiner Videos nutzte, hilft auch nicht gerade dabei, Right Round aus der Liste der Songs meines Jahres 2009 zu kegeln...

Platz 18: Pokerface - Lady GaGa
Ma ma ma ma P-p-p-pokerface

Bleiben wir sündig. Pokerface ist ein Song, der überall so oft gespielt wurde, dass man ihm nahezu unmöglich entgehen konnte. Und es wurde irgendwann wirklich schwer, nicht eine Überdosis an Pokerface zu erhalten. So nervig eine solche Überdosis auch sein mag, und so peinlich es in mancher Gesellschaft sein mag, wenn man bei diesem Lied nicht mehr aus dem gut unterhaltendem Grinsen kommt, muss man zugeben, dass Pokerface eine wirklich gute und nicht zu kalt berechnete Dance-Popnummer ist, die tatsächlich sowas wie Charakter hat. Völlog unabhängig von der extrovertierten Art der Interpretin.

Um aber ganz ehrlich zu sein, hätte mich dieses Lied nie tangiert, würde ich nicht nach dem anfänglichen "Ma ma ma ma" dauernd "Baker" denken...

Platz 17: Jungle Drum - Emilíana Torrini
Röke döke dumm

Als ich das Lied das erste Mal im Radio gehört habe, dachte ich "Häh? Das kam doch überhaupt nicht in Inglourious Basterds vor!"
Um meinen Gedankengang zu erklären: Wenn jetzt jeder für einen Moment vergisst, wie oft er dieses Lied dieses Jahr hörte, und wie stark es in seinem Verständnis somit zu Chartpop verkam, dann müssen wir doch alle zugeben, dass es mit seiner leicht krieseligen 50er oder 60er-Soundatmosphäre, der Hippie-Ausgelassenheit und der Unkonventionalität der Umsetzung so klingt, alskönnte nur ein Tarantino-Film dieses Lied populär gemacht haben.
Von daher: Es macht Spaß, es ist mir aufgrund seiner Andersartigkeit sympatisch und es zeigt, dass Otto-Normalkäufer nicht nur Einheitsbrei in die Charts befördert. Mit genug Willen schaffen es auch solche Nummern.

Platz 16: Bodies - Robbie Williams
Bodies in the way of me / Bodies in the cemetery

Der gute, alte "Robbieeeeeeee!" ist mir wirklich sympatisch. Der Kerl hat Charisma und ist der einzige noch aktive, leibhaftige Entertainer im gesamten Pop-Business. Seine Balladen sind mir in den meisten Fällen zu zäh, aber seine schnelleren Nummern haben mir stets wirklich gut gefallen. Es ist wirklich gute, unterhaltsame Chartmusik mit Persönlichkeit. Der Mann hat obendrein den Swing im Blut. Bodies ist nicht gerade mein All-Time-Favorite von ihm, aber dank seinen Showauftritten und ProSieben habe ich den Beat und Refrain mit der Zeit gefressen.

Platz 15: Rammlied - Rammstein
Nun, das Warten hat ein Ende / Leiht euer Ohr einer Legende

Ein gelungenes, episches Intro für das neue Rammsteinalbum. Scheppernde Gitarren, tolle Keyboarduntermalung, Choreinsatz und zwischenzeitlich Anlehnungen an Kirchenmusik. Dazu herrlich ironische Selbstverliebtheit und fertig ist der gelungene Kopfnicker.

Platz 14: Pirate Song - Alestorm
And if I could go back and make my amends, I'd make all those mistakes again.

In nur 4 Minuten fasst Alestorm die bewegten Memoiren eines alten piratenkapitäns zusammen und segelt dabei quer durch das eigene musikalische Angebot. Sämtliche Facetten ihres Stils werden kurz besucht, und dennoch ergibt diese zwischen betrüblich und beschwingt angesiedelte Seefahrt ein in sich schlüssiges Gesamtbild ab. Pirate Song ist kein Ohrwurm (mit Ausnahme des toll betonten "And for what?" von Sänger Chris Bowes), macht beim Anhören aber jedes Mal ordentlich Spaß. Eine der anspruchsvoller komponierten Alestorm-Nummern, ohne an Unterhaltungswert zu verlieren.

Platz 13: The Quest - Alestorm
The quest is never ending / It leads us to destiny

Nach der enttäuschenden EP Leviathan war ich besorgt um Alestorms Zukunft. Als ich nach Erscheinen des Albums Black Sails at Midnight die dennoch heiß ersehnte Scheibe einlegte und mir der erste Track entgegendröhnte, waren meine Sorgen weggeweht. Das fünfminütige Metalepos erzählt in mythischen, sehnsüchtigen und genüsslich-schnellen Klängen von einer unendlichen Seefahrtmission. Das Lied wird mit mehrfachem Anhören immer besser und versetzt einen so richtig in eine ambivalente Abenteuerstimmung. In hellen und dunklen Grautönen getaucht weiß The Quest den Piraten in einem zu wecken.

Platz 12: Rain on your Parade - Duffy
And I'll keep raining, raining, raining over you

Und schon wieder vielen Dank an ProSieben. Die haben mir nicht nur Bodies näher gebracht, sondern auch Rain on your Parade von Duffy in meiner Gunst weit nach oben katapultiert und in meinen Gedanken fest in Verbindung mit diesem Jahr gebracht. Dabei schaue ich gar nicht mal so viel Fernsehen, dass ich in meiner Jahreserinnerungsgestaltung davon abhängig wäre.
Dennoch hat ProSieben mit seinen stylischen Trailern für den Blockbustermonat März (inklusive der Free-TV-Premiere von Fluch der Karibik 2) diesen Song zu einem Ohrwurm und essentiellen Teil meines Frühjahrs gemacht.
Die Wetten, dass...?-Performance besiegelte schließlich das Schicksal dieses Liedes - auch ohne ProSieben-Trailer gefiel es. Die James Bond-esque Atmosphäre, die verzerrten Streicher und der kraftvoll-zarte Gesang Duffys, die mich mit Mercy im Vorjahr mal nervte und mal faszinierte, ließen den Rachesong aus der Masse der charttauglichen Soulpop-Liedern hervorstechen, und ich warte jetzt darauf, dass jemand dieses Lied unter eine packende Filmszene schneidet. Rain on your Parade hat wirkliches Potential zu einem große Kinomoment.

Platz 11: Pussy - Rammstein
Blitzkrieg mit dem Fleischgewehr

Ich schrieb es ja bereits in meiner CD-Kritik zum Album Liebe ist für alle da: In Pussy muss man sich erst einarbeiten. Sobald man aber drin ist, will man's nie wieder missen. Pussy ist ein feucht-fröhlicher Spaß, ein wenig seltsam, aber süchtig machend.
Aber im Ernst: Der Text ist genial, und sobald man sich an die enormen elektronischen Einflüsse gewöhnt hat und nicht weiter nach dem klassischen Rammstein-Industrial-Sound sucht, dann schmeckt einem auch die Musik. Mit der normalen Rammstein-Instrumentalisierung und härterer, schwererer Gangart würde Pussy nicht wirklich funktionieren.

Platz 10: Haifisch - Rammstein
Ja, der Haifisch, der hat Tränen, und die Laufen vom Gesicht, doch der Haifisch lebt im Wasser, so die Tränen sieht man nicht

Sollte irgendejmandem diese Hitliste an dieser Stelle zu eintönig werden, keine Sorge, wir sind ja bereits in den Top Ten. Ist nicht mehr weit hin.
Haifisch ist der texttlich wohl beste Song auf dem aktuellen Rammstein-Album und die Tempowechsel machten ihn anfangs für mich zu einem der Anwärter auf den Titel "Bester Song des Albums". Während des alltäglichen Hörens hat der Song eigentlich seine Qualitäten beibehalten, ein paar andere haben sich jedoch an ihm vorbeigeschlichen...

Platz 9: Pflaster - Ich + Ich
Du bist das Pflaster, für meine Seele, wenn ich mich nachts im Dunkeln quäle

Hach ja. Ich + Ich. Was soll ich sagen?
Seit Du erinnerst mich an Liebe trifft diese Kombo immer wieder meinen weichen Kern. Sie haben irgendetwas an sich, was ihre Lieder unter all dem trübselig-jammernden Deutschpop zu den Songs macht, die mich am meisten ansprechen. Sind es die melancholisch-eingängigen Melodien Annette Humpes oder die warme, starke Stimme von Adel Tawil? Ich kann es mir schwer erklären. Jedenfalls bringt Ich + Ich regelmäßig eine richtig kraftvolle Nummer raus, die ich mir immer wieder anhören kann.
Pflaster ist außerdem die bereits zweite Nummer in dieser Liste, bei der ich an James Bond denke. Würde man die Bläser stärker rausstellen und die Gesamtklangfarbe was dunkler gestalten, hätte man einen perfekten Bonf-Titel. Okay, vielleicht noch wo das Bond-Thema reinmischen, aber dann...
Hoffentlich gelingt es beim nächsten Bond auch wieder den Verantwortlichen für das Franchise, einen guten Titelsong zu finden. Another Way to Die war grauenvoll...

Platz 8: That Famous Ol' Spiced - Alestorm
Oh, pour me a slug of it / Throw me a mug of it / Bring me a jug of that Famous Ol' Spiced

Beim Klabautermann, was für ein Song! Angetrunken-leiernder Refrain, aggressiv, laut, hämmernd, wild, chaotisch und infektiös! Die perfekte Musik für einen ausgelassenen, kämpferischen (oder sauskämpferischen) Abend in einer Tortuga Spelunke!
That Famous Ol' Spiced sorgt aber auch dann Laune, wenn man etwas weniger ungehobelt ist und einfach nur gemütlich zusammen sitzt und dieses Lied auf gehobener Lautstärke im Hintergrund läuft.

Platz 7: Ich tu dir weh - Rammstein
Bei dir hab' ich die Qual der Wahl / Stacheldraht im Harnkanal

Ich tu dir weh ist einer der Songs von Liebe ist für alle da, die sich mit mehrmaligem Anhören verbessert haben. Anfangs fand ich das spritzige, indizierte Lied über eine SM-Beziehung zwar sehr gut, jedoch musikalisch etwas zu zahm. Mitterlweile hat es sich gerade wegen dieser (für Rammstein) mittleren Härte und dem gut mitnickbaren Rhtyhmus in meinem Kopf festgesetzt. Es macht Spaß, diesen Song im stillen vor sich hin zu singen, den Fuß im Takt auf den Boden klopfen zu lassen und über die ehemalige Familienministerin zu grinsen und bei diesem gedanken den Kopf zu schütteln. Frau von der Leyen hat 2009 definitiv geprägt, und mit ihrer Abschiedstat hat sie sich selbst für den (leider unwahrscheinlichen) Fall einer Abschaffung der neuen FSK-Zeichen verewigt.
Bei schlechter Laune ist Ich tu dir weh ein großartiger Stimmungsheber und ich würde zu gerne ein Musikvideo zum Lied sehen. Aber das wird wohl nichts mehr.

Platz 6: Liebe ist für alle da - Rammstein
Ich schleich mich an, und rede fein, wer ficken will, muss freundlich sein

Haifisch hat vielleicht den poetischsten Text des Albums, Pussy den feucht-fröhlichsten, Ich tu dir weh den frech-komischsten und ein späterer Song den eindeutig bösesten, aber Liebe ist für alle da bietet die clever-hinterhältig-gemeinspaßigsten Textzeilen. Der Refrain wandelt sich im Laufe des Liedes, und wer ein wenig mitdenkt, kann sich wohl ausmalen, was das unglücklich verliebte lyrische Ich anstellt, um seine Lust zu befriedigen: Ich mach die Augen zu, dann seh' ich sie, ich sperr' sie ein, in meine Fantasie ----> Ich mach die Augen zu, wir sind allein, ich halt' sie fest, und keiner sieht sie weinen. Hübsch, gell?
Liebe ist für alle da ist also der perfekte, jedem aus der Seele sprechende Song für all diejenigen, die ihr Herz vergeben haben ohne zurückgeliebt zu werden. Nein, Quatsch. Natürlich nicht.
Dennoch spricht Liebe ist für alle da mein bitterböses Humorzentrum an, hinzu kommen die rhythmischen Strophen, die hart thrashende Bridge und der sehnsüchtig dahingesungene Refrain sowie ein fetziger Instrmentalpart, was den Titeltrack des Rammstein-Albums zu einem genialen Gesamtpaket macht.

Platz 5: Fairytale - Aleksander Rybak
I'm in love with a fairytale Even though it hurts. 'Cause I don't care if I lose my mind I'm already cursed.

Appropos "unglücklich verliebt": Der zweite und letzte ESC-Song in dieser Liste macht in dieser Hinsicht ja alles genau richtig, um mir zu gefallen.
Aleksander Rybak kombiniert eine vor Lebensenergie sprühende, heitere Melodie mit einem romantisch-schwermütigen Text, den er mit melancholisch-glücklicher Stimme vorträgt. Eine fröhliche Ballade, für diese Art Lieder habe ich eine richtige Schwäche. Oben drauf kommt auch noch der intensive Einsatz der Fidel, die in mir direkt wieder jede Menge positiver Assoziationen (Tau, grüner Klee, Baileys, Kerrygold, Topf voll Gold...) auslöst und natürlich noch die Bezeichnung der berrückenden Verflossenen als wandelndes Märchen. Eine Metapher, die bei mir als Disneyfan natürlich sofort ins Schwarze trifft.

Vor allem repräsentiert das lyrische Ich von Fairytale eine Gemütshaltung, die auch ich mir gerne zu eigen mache (zumindest versuche ich es): Wieso klagen und betrübt sein, wenn man das Vergangene beschwingt zelebrieren kann? Für alle Hobbypsychologen da draußen: Liebe ist für alle da ist die Rachefantasie eines unglücklich verliebten, Fairytale der leichtlebige Lobgesang auf eine unerfüllte Liebe. "Alles doof, ich könnt' heulen"- oder gar "Mir geht's so mies, ich möcht' sterben"-Lieder sind nicht aufzufinden. Macht daraus, was auch immer ihr wollt ("Wenn's Sir D. mies geht, könnte er um sich schlagen oder grinsend und zufrieden das Gute an seiner Situation entdecken und das Leben genießen, aber traurig wird er nicht... Schnell, zum Freud-o-mobil! Und warnt die Emos in seiner Umgebung, sie haben einen starken Feind!"), in Wahrheit mag ich einfach nur keine "nöligen" Jammerschluchzballaden wie die von Xavier Naidoo (*es mir mit meinen Leserinnen verscherz*).

Außerdem ist der Kontrast in Fairytale wesentlich spannender als die Geradeaus-Durchschnittsballade.
Übrigens glaube ich, dass Fairytale besser abgeschnitten hätte, wäre es nicht bereits dieses Jahr erschienen, sondern käme erst 2010 raus. Denn wann wäre es besser, wann wäre ein Lied über jemanden, der in eine märchenhafte Braut verliebt ist passender, als in dem Jahr, welches von Rapunzel überschattet wird? * *scherz*

Platz 4: Waidmanns Heil - Rammstein
Auf dem Lande, auf dem Meer, lauert das Verderben / Die Kreatur muss sterben!

Dies sollte die Hymne aller Fleischesser werden. Oder der Titelsong sämtlicher noch erscheinender Egoshooter. Oder man sollte Weidmanns Heil immer dann heimlich vor sich hersingen, wenn nervige Film- oder Seriencharaktere sich vehement weigern, endlich ins Gras zu beißen (Jar-Jar Binks, Jack aus Lost, Ingrid und Klaus...).
Waidmanns Heil hat jede Menge Power und hetzt, drischt und fetzt nur so dahin. Der kleine Break vor dem Refrain bringt ein wneig Abwechslung und Würze ins Spiel.
Und vor allem: Besser wurden "Sterbeeeeen!" und "Heil!" wohl noch nie in einem Song dahingebrüllt.

Platz 3: Wiener Blut - Rammstein
Und bist du manchmal auch allein, ich pflanze dir ein Schwesterlein

Für manche verstörend und bedrückend, für andere eine bitterböse Satire und dann gibt's die, für die es kraftvoller, genial aufgebauter, schön scheppernder "Tanzmetal" ist: Wiener Blut von Rammstein, ursprünglich als Titelgeber für das neue Album gedacht, funktioniert auf diese Arten, und sicherlich noch auf einigen mehr. Wenn Lindemann mit dunkler Stimme fragt "Seid ihr bereit? Seid ihr soweit? Willkommen... in der Dunkelheit!", bricht er dort die vierte Wand des Songs, der den Skandalfall aus Amstetten behandelt, und spricht direkt die Zuhörer an, oder ist es der wahnsinnige, bedrohliche Monolog des psychopatischen lyrischen Ichs? Oder beides zugleich?
Ob zum analysieren, für eine schaurige Stimmung oder zum abschalten und headbangen - Wiener Blut ist ein richtig schön bösartiges Lied mit hartem Sound und ambivalenter Wirkung.

Platz 2: Keelhauled - Alestorm
He don't deserve no mercy / We oath to ship him with the guns /But I am not an evil man / So thus lets have a little fun

2009 ist dank Alestorm und Rammstein wohl irgendwie mein Jahr der komischen Songtexte geworden. Der mit Ironie und Einfallsreichtum vollgestopfte Titel Keelhauled ist die rockend dahingesungene Ansprache eines Piratenkapitäns, der von einem Verräter an Bord erfuhr und erklärt, dass dieser eine Strafe verdient habe. Da der Kapitän jedoch kein bösartiger Mann sei, wolle man erst Mal Spaß mit dieser Ratte haben. Es folgt eine schier endlose Auflistung abartiger, brutaler Dinge, die man der fiesen, stinkigen Qualle antun werde.
Der Refrain ist schnell erlernt und lässt sich wunderbar mitbrüllen, die fidelen Folk-Metal-Elemente (schon wieder eine Fidel!) erhöhen den Spaßfaktor, während die harten Instrumente das Tempo vorgeben und dieser großartige Tirade jede Menge Energie verleihen.
Ob für eine heftige Party oder für gemütliches rum liegen, Rum trinken iund Sonne tanken: Keelhauled ist ein großartiger Song und fest mit vielen Erinnerungen an 2009 verwurzelt. Und nicht nur mit Erinnerungen an die zahlreichen Pirates of the Caribbean-Meldungen des Jahres.

Achja, und da wäre nochwas: Der Instrumentalpart ist ein nahezu perfektes Empfehlungsschreiben Alestorms an Rob Marshall. Mann, lad' Alestorm ein, die seltsamen Gezeiten mitzuerleben!





Und mein Hit des Jahres 2009 ist - mit gewaltigem Abstand:







No Quarter - Alestorm
Hey!

Keine Widerworte - Es zählt! Ja, ich habe so eben den kompletten Text dieses Liedes zitiert, und ja, das Instrumental wurde bereits vor einiger Zeit zum ersten Mal aufgenommen. Damals hieß Alestorm noch Battleheart, hatte eine andere Besetzung und die Instrumente klangen dumpf (oder im Falle des Keyboards quäkig). Für das zweite Album arrangierte Alestorm dieses fantastische Stück nochmal neu, bastelte an ein paar Übergängen herum und leistete sich neue Instrumente sowie ein deutlich besseres Tonstudio. Das Ergebnis ist überwältigend. Dynamisch. Gewaltig. Monumental, engeriereich, hervorragend komponiert, eingängig. Ein Kuss für die Ohren jedes Fluch der Karibik-Fans, ein Fass voll Rum, das die gar grauseligen Techno-Remixe von He's a Pirate auf Anhieb in Vergessenheit geraten lässt.
Rund um ein ultra-stylisches Rock/Metal-Cover von He's a Pirate bastelten die seetüchtigen Piraten von Alestorm ein charakteristisches, starkes und das beste aus Rock, Metal, Seefahrermusik und Swashbuckler-Abenteuerscore vereinendes Musiktsück, von dem ich einfach nicht genug kriegen kann.

Keelhauled
mag ein Empfehlungsschreiben für die Mitarbeit an Pirates of the Caribbean - On Stranger Tides sein, No Quarter hingegen ist im Grunde schon die erste Frucht der bislang nicht existierenden Kooperation zwischen Marshall, Zimmer, Bruckheimer und Disney!


Und damit verabschiede ich euch in eure Silvester-Feierlichkeiten! Habt einen guten Rutsch! Bis nächstes Jahr!

Mittwoch, 30. Dezember 2009

Zum letzten Mal in diesem Jahr: Die Kurzmeldungen

  • Transformer - Der Untergang: Michael Bay versenkte diesen Sommer die Titanic. Transformer - Die Rache schlug in China den schmalzigen Schinken von James Cameron und stieg dort zum erfolgreichsten Hollywoodstreifen aller Zeiten auf (mehr dazu). Nun wurde Michael Bays Spielzeugroboterverfilmung auf den zweiten Platz verwiesen: Wie CBC News meldete, ist Roland Emmerichs 2012 Chinas erfolgreichster Hollywoodfilm aller Zeiten. Die 67,3 Millionen Dollar Einspiel verdankt der Weltuntergangsstreifen angeblich auch der positiven Darstellung Chinas - schließlich konnte nur dort schnell und effektiv etwas wichtiges für den letzten Akt des Films gebaut werden.
    Mich freut's. Erst Titanic, dann Transformer - Die Rache, nun 2012. Chinas Geschmack wird mir immer sympatischer. *g*
  • Yahoo! Movies präsentiert die zehn meistgesehenen Trailer des Jahres. Auf Platz 10: Oben! Danach wird's schlechter, und wenn ihr bei Platz 1 angelangt, dann wäre ein starker Magen angebracht...
  • Wall•E ist der beste Film der Dekade! Zumindest für den Filmkritiker A.O. Scott von At the Movies. Ein Sieg für den liebenswürdigen Roboter aus dem bis dato wohl besten Pixarfilm überhaupt (zu meiner Rezension). Sein Kollege Michael Phillips wählte ebenfalls einen Pixar-Film in seine Hitliste (mein zweitliebster Pixar-Film, Ratatouille, gelang auf seinen zweiten Platz dieser Dekade) und There Will Be Blood kam auf Platz 1.
  • Während sich Pixar über diese Ehre freuen darf, nutzt DreamWorks Disneymusik, um auf seine bisherigen Erfolge zurückzublicken und daraufhin auf Chris Sanders neuen Film Drachenzähmen leicht gemacht aufmerksam zu machen.
  • Und nun zu etwas völlig anderem:


Neues "Rapunzel"-Bild aufgetaucht

(zum Vergrößern das Bild anklicken, zur Quelle geht's hier lang)

Sieht es aus wie eine Kombination aus Zeichentrick und CGI? Ja. Sieht es aus wie ein Ölgemälde? Mhhh... Noch nicht ganz.
Sieht Rapunzel aus, als hätte sie jede Menge Persönlichkeit? Ja.
Sieht sie so aus wie auf meinem Lieblingskonzeptbild? Mhhh... Nicht ganz, die Nase ist nicht mehr so spitz, das Kinn ist etwas runder, die Stirn ein wenig höher. Dafür sind die Augen auf eine realistische Größe reduziert worden.

Das Kleid ist nicht mehr weiß-blau, sondern weiß-lila, was ich aber sehr gut akzeptieren kann, vor allem, wenn Disney tatsächlich die Farbsymbolik berücksichtigte, laut der Lila für Empfindsamkeit, Einsamkeit, Intiutivität, aber auch ein hohes Selbstvertrauen steht. Einsamkeit ist bei Rapunzel sicherlich gegeben, und das letzte wird in ihrer Mimik und Körperhaltung auf diesem Bild ja ganz klar ebenfalls repräsentiert.

Bleibt aber die Frage: Disney, wie sieht das in Bewegung aus? Wir wollen einen Teaser, um uns von der Animation zu überzeugen!

Dienstag, 29. Dezember 2009

Zweiter Trailer zu "Inception" zu bestaunen

Mit freundlichen Grüßen von FirstShowing: Der neue Trailer zu Christopher Nolans komplexen, gigantischen Sci-Fi-Thriller Inception... Über den wir zum Glück nicht wesentlich mehr wissen, als der Trailer verrät. So soll's bleiben!



Nolan scheint da etwas großartiges ausgetüftelt zu haben. Ich sollte meine Kinnlade schonmal trainieren, damit sie kommenden Sommer nicht dauernd runterklappt.

Weiterführende Artikel:

Montag, 28. Dezember 2009

Die möglichen Oscar-Songs 2010

Awards Daily veröffentlichte in der Zeit vor Weihnachten eine Liste sämtlicher für die kommenden Oscars zugelassenen Filmsongs. Da die Songkategorie für mich zu den interessantesten gehört, möchte ich mit euch an dieser Stelle einen etwas genaueren Blick auf die möglichen Nominierten werfen.

Dieses Jahr sind wesentlich mehr Lieder zugelassen, als vergangene Oscar-Saison, insgesamt 63 Lieder wurden eingereicht und genügten den Kriterien für die Kategorie "Best Original Song". Im Vorfeld der letzten Oscars mussten sich die Stimmberechtigten durch "bloß" 49 Lieder durchhören.

Zu den freudigen Überraschungen gehören für mich die Qualifikationen von Dove of Peace aus Brüno und Stu’s Song aus Hangover. Eine Nominierung ist leider außerordentlich unwahrscheinlich, aber wünschen kann man es sich ja dennoch. Gerade Dove of Peace wäre sicherlich eine willkommene Erfrischung während der Preisverleihung.

Wie man es von Disney ja gewohnt ist, ist das Studio mit mehreren Filmen und mehreren Liedern pro Film vertreten. Aus Küss den Frosch qualifizierten sich Almost There (Ganz nah dran), Down in New Orleans (In New Orleans), Ma Belle Evangeline (Ich lieb' dich, Evangeline) und Never Knew I Needed, wovon ich den ersten beiden die größten Chancen auf eine Nominierung einrechnen würde, da sie zwar (mehr oder weniger) aus dem Off gesungen werden, aber gut in den Film eingetüftelt wurden, was dem Geschmack der Academy zu entsprechen scheint. Außerdem halte ich es für unwahrscheinlich, dass die Academy wirklich einen mit Akzent vorgetragenen Song eines Nebencharakters wählt - und gegen den Abspannsong habe ich etwas (wenn das Mal kein Grund ist... außerdem sollen Abspannsongs ja nicht mehr so beliebt sein...).

Aus Hannah Montana - Der Film qualifizierten sich Back to Tennessee, Butterfly Fly Away, Don’t Walk Away, Hoedown Throwdown und You’ll Always Find Your Way Back Home. Sollte irgendeiner dieser Songs nominiert werden, fress ich einen Besen mitsamt Putzfrau.

Andrea Bocellis Abspannsong God Bless Us Everyone aus Eine Weihnachtsgeschichte qualifizierte sich ebenfalls, genauso wie Bryan Adams' You’ve Been a Friend to Me aus Old Dogs und Ponyo on the Cliff by the Sea aus Ponyo, das verzauberte Goldfischmädchen.



Die Leinwandadaption des Musicals Nine, welches auf Fellinis 8 1/2 basiert, beinhaltet drei neue Songs, wobei einer jedoch auf einem instumentalen Stück aus dem Bühnenstück basiert. Deswegen konnten sich nur Cinema Italiano und Take It All qualifizieren. Ersterer wurde auch bereits für einen Globe nominiert und solte deshalb recht gute Chancen auf eine Oscar-Nominierung haben.

Natürlich haben sich auch wieder ein paar Charthits hineingemogelt. Da wäre etwa aus Transformer - Die Rache der Song New Divide von Linkin Park, einer meiner Lieblingsbands, und noch Leona Lewis' I See You aus Avatar. Ich würde Linkin Park natürlich gerne mit einer Oscar-Nominierung geschmückt sehen, jedoch haben etablierte Chartkünstler eigentlich nur mit Schmalz eine Oscar-Chance. Der Avatar-Song, bereits für einen Globe nominiert, wird unsere Ohren also eher bei den Oscars quälen, als dass wir mit Linkin Park rechnen können.





Und diese Songs sind ebenfalls qualifiziert:

  • “All Is Love” aus “Where the Wild Things Are”
  • “Almost Over You” aus “My One and Only”
  • “AyAyAyAy” aus “The Maid”
  • “Being Bad” aus “Duplicity”
  • “Blanco” aus “Fast & Furious”
  • “Brothers in Arms” aus “Brothers at War”
  • “Colorblind” aus “Invictus”
  • “Depression Era” aus “That Evening Sun”
  • “Fly Farm Blues” aus “It Might Get Loud”
  • “Forget Me” aus “I Love You, Beth Cooper”
  • “Here” aus “Shrink”
  • “Hideaway” aus “Where the Wild Things Are”
  • “I Bring What I Love” aus “Youssou N’Dour: I Bring What I Love”
  • “(I Want to) Come Home” aus “Everybody’s Fine”
  • “If You’re Wondering” aus “The Lightkeepers”
  • “Impossible Fantasy” aus “Adventures of Power”
  • “Innocent Child” aus “Skin”
  • “Invictus 9,000 Days” aus “Invictus”
  • “Legendary” aus “Tyson”
  • “Let Freedom Reign” aus “Skin”
  • “Loin de Paname” aus “Paris 36”
  • “My One and Only” aus “My One and Only”
  • “Na Na” aus “Couples Retreat”
  • “New Jersey Nights” aus “Adventures of Power”
  • “New York Is Where I Live” aus “Did You Hear about the Morgans?”
  • “No Time for Love” aus “Simon & Malou”
  • “One Day” aus “Post Grad”
  • “Only You” aus “The Young Victoria”
  • “Other Father Song” aus “Coraline”
  • “Petey’s Song” aus “Fantastic Mr. Fox”
  • Possibility” aus “The Twilight Saga: New Moon”
  • “Raining Sunshine” aus “Cloudy with a Chance of Meatballs”
  • “Running Out of Empty (Make Ourselves at Home)” aus “Lymelife”
  • “Smoke without Fire” aus “An Education”
  • “Somebody Else” aus “Crazy Heart”
  • “Through the Trees” aus “Jennifer’s Body”
  • “Trust Me” aus “The Informant!”
  • “Un Bouquet des Violettes” aus “New York, I Love You”
  • “We Are the Children of the World” aus “The Imaginarium of Doctor Parnassus”
  • “We Love Violence” aus “The Imaginarium of Doctor Parnassus”
  • “The Weary Kind (Theme aus Crazy Heart)” aus “Crazy Heart”
  • “When You Find Me” aus “Adam”
  • “Winter” aus “Brothers”
  • “The Word Is Love” aus “Oy Vey! My Son Is Gay!”
  • “You Got Me Wrapped around Your Little Finger” aus “An Education”
Siehe auch:

Die größten Karrierewandel der Dekade - Teil I

Es ist Zeit, auf die vergangenen zehn Jahre zurückzublicken. Und während andere die besten Filme, Lieder, Romane und Frisuren dieses Jahrzehnts auflisten, möchte ich ein wenig hinter die Kulissen Hollywoods schielen und uns alle daran erinnern, wo einige Filmschaffende noch vor zehn Jahren standen.

In einer zweiteiligen Ausgabe von Popcorn & Rollenwechsel geht es um die steilsten Aufstiege, die härtesten Abstürze und die überraschendsten Wandlungen der Kinodekade. Platz 10 bis 6 dürft ihr noch dieses Jahr bestaunen, den Rest gibt es in einer Woche.

Was denkt ihr - welche Karrierewandel werden und sollten noch folgen?

Sonntag, 27. Dezember 2009

Musikalisches Immergrün - Meine 333 liebsten Disney-Lieder (Teil XVII)

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Beinahe 100 Lieder haben wir jetzt schon hinter uns gelassen. Zeit, erneut einer bedeutsamen Frage ins Auge zu blicken: Was genau ist denn jetzt eigentlich der Unterschied zwischen einer Liste mit Lieblingssongs und einer Hitliste der besten Lieder?
Die grundlegenden Prinzipien dieser Definition, und weshalb ich mich dazu entschied meine Lieblingslieder zu präsentieren, statt mich an einer Liste der besten Disney-Songs zu versuchen, erläuterte ich ja bereits im Eingangsposting sowie im ersten regulären Artikel dieser Reihe.
Im Vorfeld dieses Blocks möchte ich näher darauf eingehen.

Es ist nunmal so: Es gibt Musik, bei der man auf Anhieb erkennt, dass es sich dabei um gute Musik handelt, vollkommen unabhängig von jedweden persönlichen Vorlieben. Insbesondere bei Filmmusik gibt es den einen oder anderne zweifelsfreien Fall. Wenn eine eingängige Melodie, eine in den Kontext passende Klangfarbe und eine zum gerade im Fokus stehenden Charakter aus der Seele sprechende Textwahl zusammenfallen, der Sänger/die Sängerin alle Töne trifft und Gefühl ins Lied hineinlegt, dann muss es sich - sofern dieser Song nicht grauenvoll produziert wurde - um ein gutes Exemplar der Gattung Filmsong handeln.
Ebenso gibt es Musik, die schlichtweg schlecht ist. Ein schlecht gewähltes Genre, unpassender Gesang, zum Himmel schreiende Texte, eine seelenlose Produktion und keinerlei erkennbarer Zusammenhang zum Film oder irgendwelcher Anspruch...

Allerdings gibt es schlechte Musik, die trotz ihrer Mülltonnen-Qualität gefällig ist. Ich spreche von solchen Liedern, die in ihrer Dreistigkeit, Dämlichkeit und/oder Unbeholfenheit so etwas wie den Mutterinstinkt unserer Gehöhrgänge wecken und schlichtweg Freude machen.
Wenn dann noch wohlige Erinnerungen anheim fallen, dann ist es um uns geschehen, und wir bilden uns tatsächlich ein, dass dieser Song Qualitäten habe.

Bei ein oder gar zwei Liedern aus dem nun folgendem Block bin ich mir sogar vollstens dessen bewusst, dass ich mir lediglich eine fragile Schutzkuppel baute, die diese Musikstücke vor der harten Realität bewahren soll, dass ich mir diese Lieder mit schwachen Argumenten schönrede. Doch es stört mich nicht.

Das ist jedoch keineswegs ein Freifahrtsschein für schlechte Musik oder sogar eine Benachteiligung guter Lieder. Absolute Pflichtkandidaten werden sich hier in dieser Liste in der einen oder anderen Form auf jeden Fall wiederfinden, und es ist ja auch nicht so, als würde ich gute Musik aktiv ablehnen. Auf den etwas weniger hart umkämpften Rängen ist die Auswahl lediglich etwas... origineller... durchmischt.

Platz 238: Always Know Where You Are aus Der Schatzplanet
Musik & Text von John Rzeznik

Die Misserfolge der Disney-Zeichentrickfilme aus den Jahren 2000 bis 2003 schmerzen mich sehr, da die Filme von Fantasia 2000 bis Bärenbrüder allesamt mehr Erfolg verdient gehabt hätten (okay, Lilo & Stitch hat so ungefähr den Erfolg gehabt, der ihm gebührt), doch wenn es einen Film gibt, bei dem es mich am meisten ärgert und der in Zukunft gefälligst wie Pinocchio oder Dornröschen zu den größten Ehren unter Disneyfans und Animationskennern kommen sollte, dann ist es Der Schatzplanet von Ron Clements und John Musker.
Wie sehr ich diesen Film mag kann man vielleicht daraus gut ablesen, dass der Abspannsong aus der Feder vom Frontmann der Goo Goo Dolls für mich der größte Schwachpunkt dieses visuell überwältigenden Disney-Meisterwerkes ist. Es klampft zurückhaltend voran und schafft es durchaus, die Stimmung und Entwicklung des Protagonisten Jim Hawkins einzufangen, der in dieser Version ein rebellischer Teenager ist. Der Song kann mich jedoch nicht mitreißen und beendet den Film somit auf einer zu entspannten, leicht distanzierenden Art. Da hätte mich eine Jims Veränderung reflektierende Reprise von I'm Still Here oder ein instrumentales Medley des gelungenen Scores von James Newton Howard wesentlich mehr erfreut.
Dennoch ein gutes Lied, dass ich mir auch außerhalb des Kontextes des Films dann und wann gerne anhören kann.

Platz 237: The Kid in You aus Die Country Bears
Musik & Text von John Hiatt

Nicht sämtliche Lieder in Disneys alberner, stellenweise allerdings durchaus ansehnlich-amüsanter Attraktionenverfilmung Die Country Bears werden auch tatsächlich von der titelgebenen Bärenbande gesungen. Die fiktive Country-Pop-Gruppe tritt auch ein paar Schritte zurück, um reale Stars und Sternchen aus dem Musikgeschäft singen zu lassen. Hinter den Kulissen änderte sich jedoch nichts, auch diese Gesangseinlagen wurden von John Hiatt komponiert und getextet. Eine Künstlerin, die auf diesem Weg Einzug in diesen Film fand, ist Krystal Harris, deren erste Single der Song Supergirl! vom Plötzlich Prinzessin-Soundtrack war. Nach ihrem Debütalbum und einem weiteren akustischen Auftritt (nun in der Komödie Natürlich blond) markierte ihr Gastauftritt in Die Country Bears sowie auf dem Soundtrack des Fake-Bandmovies das Ende ihrer Karriere. Ein Schelm, wer böses dabei denkt...

The Kid in You bringt zu Beginn des Films erstmals etwas popiges Leben in die Musik von Die Country Bears und frischt zudem auch die Szenerie auf: Der kleine Beary hat es endlich geschafft und konnte eine die ersten Bears dazu bringen sich aufzumachen um ihre über die USA verstreuten Ex-Bandmitglieder zu suchen und die Band wieder zusammenzuführen. Unter den noch zu überzeugenden Mitgliedern ist Fred, der als Sicherheitsmann in einem kleinen Studio arbeitet, wo Krystal Harris ihr neues Musikvideo dreht. Während einer Runde Smalltalk fällt bei Krystal endlich der Groschen, und sie erkennt im Sicherheitsmann, mit dem sie schon länger per Du ist, die Munharmonika spielende und das Crowd-Surfing erfindende Countrylegende, die Fred früher einmal war. Schon bittet Krystal Fred sie beim Proben für den Videodreh zu begleiten. Der Clip trieft vor 90er-Popmusikvideo-Klischees (kommt dabei jedoch nicht als Parodie rüber), aber das ändert nichts daran, dass die sauber produzierte Nummer in der Mundharmonika, Tamborin und R'n'B-Backgroundsängerinnen auf solide fetzendem Mainstreampop treffen dem Film nochmal ordentlich Schub gibt. Den er sehr schnell wieder verliert...

Platz 236: Pretty Irish Girl aus Das Geheimnis der verwunschenen Höhle
Musik & Text von Lawrence Edward Watkin & Oliver Wallace

Das Geheimnis der verwunschenen Höhle (Originaltitel: Darby O'Gill and the Little People) gehört zwar nicht zu den erfolgreichsten Disney-Spielfilmen aller Zeiten, jedoch konnte er sich mittlerweile sehr viel Respekt bei Filmhistorikern und -schaffenden erarbeiten, nicht zuletzt dank seiner sicht nahtlos einfügenden Spezialeffekte. Steven Spielberg nennt die mühevoll eingesetzte "Forced Perspective" in dieser irischen Mär "das perfekteste Perspektivenspiel der Filmgeschichte", Peter Ellenshaw zauberte einige der besten Maskenmalereien seiner Karriere und Lawrence Watkin, der zuvor für Walt Disney das Drehbuch zu seinem ersten reinen Spielfilm, Die Schatzinsel, schrieb, verfasste auf Basis der Darby O'Gill-Geschichten von H.T. Kavanagh ein fantasievolles, romantisches, witziges menschelndes und stellenweise auch schauriges Drehbuch, in dessen Zentrum der ältere Gutsverwalter Darby O'Gill steht, der den König der Leprechauns einfing und mit dem er sich seither in einem Spiel aus Lug, Trug und Hassliebe befindet.
Pretty Irish Girl
ist die charmante, launige kurze Weise von Michael McBride, den Darby mit seiner Tochter zu verkuppeln versucht. Gespielt wird McBride von niemand anderem als Sean Connery, der in diesem Film seine erste Hollywoodrolle bestritt. Gesungen hat er, entgegen eines populären Mythos, für diesen Film jedoch nicht. Er und seine Leinwandpartnerin bekamen mit Brendan O'Dowda und Ruby Murray zwei Gesangsdouble. Eins ympatisches, schönes Lied bleibt Pretty Irish Girl aber weiterhin.

Platz 235: Vive la France ("Petey's King of France") aus Micky • Donald • Goofy: Die drei Musketiere
Musik entliehen aus In der Halle des Bergkönigs von Edvard Grieg, Text von Chris Otsuki (dt. Fassung von Andreas Hommelsheim)

Wann immer etwas hinterhältiges ausgetüftelt wird oder kleine Schaurigkeiten vor sich gehen, muss diese Melodie herhalten. Kein Wunder, dass In der Halle des Bergkönigs in dem mit klassischer Musik gefütterten DVD-Zeichentrickfilm Die drei Musketiere als Bösewichtlied für Kater Karlo herhalten muss, der sich gerade wie ein kleines Kind darüber freut, dass sein Plan aufzugehen scheint. Vorhang auf für einen wundervoll kindlichen, sich selbst genießenden Bösewicht-Song, in dem Karlo wunderbar-komische Texte zur spaßig arrangierten Schauermelodie singen darf und auf eine an Yzma erinnernde, umständliche und Disneyland taugliche Weise in sein geheimes Versteck "schleicht", wo er sich zum großen Finale des Liedes die Oberbekleidung vom Körper reißt. Eine wahre Spaßnummer.

Platz 234: Mr. Duck
Musik von Keykov, Text von Frank Meyer-Thurn & Jean Bronte

Ich hätte beim Erstellen meiner Disneylieder-Hitliste mogeln, sie auf Gesellschaftsfähigkeit überprüfen und daraufhin schönschminken können. Schließlich gebe ich hier meinen persönlichen, musikalischen Geschmack der Öffentlichkeit preis. Da sollten erhebliche Ausrutscher nicht unbedingt stolz hinausposaunt werden. Ich mache es dennoch und stehe dazu, dass ich den überaus trashigen Eurodance/Euro House-Track Mr. Duck, den deutsche Videokäufer auf der Cartoon-Sammlung That's Donald über sich ergehen lassen mussten, tatsächlich irgendwo, tief in den dunkelsten und verdorbensten Ecken meiner verworrenen Seele mag. Mit preisverdächtigen Liedtexten wie "Here comes Mr. Duck, Mr. Duck, Mr. Donald Duck, the one and only, call him Mr. Duck, Mr. Duck, Mr. Donald Duck" und "He's crazy, he's crazy, he's crazy over Daisy! That's Donald!" infiltrierte der mit schnellem, aber nicht zu lautem Bass vorantreibende 90er-Trash meine frühe Jugend. Dabei mochte ich elektronische Musik noch nie so wirklich. War es allein der Donald-Bonus? Nein, es war auch zu weiten Teilen das hypnotische, mich unter einer Bilderflut begrabene Musikvideo im Zusammenspiel mit der "so bad, it's funny"-Dancetrash-Melodie und den krude reingestreuten Soundschnipseln. Ich kann mich nicht weiter wehren - dieses Lied hat mich ein Stück weit musikalisch verdorben, und ich finde es nicht weiter schlimm. Mein einziger Kommentar dazu: Heiliger Quackstrudel!

Platz 233: Das Nichtgeburtstagslied ("A Very Merry Un-birthday (The Un-birthday Song)") aus Alice im Wunderland
Musik und Text von Mack David, Al Hoffman und Jerry Livingston (dt. Fassung von ?)

Genauso wie schon bei Guten Tag, wie geht's denn? (Platz 266) wurde die Eingängigkeit der musikalischen Filmvorlage durch ein Disney-Sing mit uns-Video in die Höhe getrieben, womit sich dieses Lied endgültig für immer und ewig in meinem Kopf festsetzte. Das Nichtgeburtstagslied ist wohl der berühmteste von den 14 Songs aus Alice im Wunderland und wurde von Walt Disney in Auftrag gegeben, um der geplanten Teepartysequenz eine Struktur zu geben. Dafür wendete er sich an die Liedtexter von Cinderella, und sie fanden, dass das Konzept eines Nicht-Geburtstages die beste Idee für ein verrücktes Teetreffen sei. Und so schufen sie eines der unvergesslichsten, eingängigsten und verrücktesten Disney-Lieder aller Zeiten. Erst macht's Spaß, dann nervt's, und dann ist's wieder lustig.

Platz 232: Quack Quack Quack, Donald Duck aus Disneyland: A Day in the Life of Donald Duck
Musik und Text von Jimmie Dodd (dt. Fassung von ?)

In der Folge A Day in the Life of Donald Duck aus der Reihe Disneyland folgen die Zuschauer Donald Duck in die Disney-Studios und bestaunen einen typischen Tag im Leben eines beliebten Hollywood-Stars. Unter anderem führt er die Mitglieder des Mickey Mouse Clubs in die Farb- und Zeichenabteilungen sowie auf die Soundstages der Studios und es wird ein neues Lied über Donald Duck vorgestellt, das besingt, wie toll und beliebt Donald ist. Das Lied von Jimmie Dodd, der im Special sich selbst spielt, ist sehr einfach strukturiert, die Melodie simpel und der Text schnell gelernt. Und weil's ja so viel Spaß macht, wird es sogleich in international angehauchten Versionen Reprisen fortgeführt, so lange, bis man es nicht mehr aus seinem Kopf bekommt. Diese Weltreise beinhaltet dann sogar eine familienfreundlichere, weniger brisante Rückkehr eines gänzlich anderen Donald-Songs... Nämlich dem Titelsong des einzigen Oscar-prämierten Donald-Films.
Quack Quack Quack, Donald Duck ist zwar alles andere als ein sonderlich gehaltvoller oder anspruchsvoller Song, und ich muss zugeben, dass ich "Woof Woof Woof, Mr. Goof" wohl kaum so hoch auf dieser Liste platziert hätte, aber dieses Lied heitert einen richtig auf - und hat somit seine Berechtigung in dieser Liste.

Platz 231: Ich bin unterwegs ("On my Way") aus Bärenbrüder
Musik und Text von Phil Collins (dt. Fassung von Leslie Mandoki & Matthias Monka)

Tarzan war ein großer Erfolg und der Soundtrack kam enorm gut an. Kein Wunder, dass man Phil Collins für einen weiteren Disney-Zeichentrickfilm verpflichtete. In Bärenbrüder brachte der einstige Genesis-Sänger nicht mehr ganz so stark seine Wurzeln als Drummer ein, dafür durchzieht sämtliche Lieder eine berührende Melancholie. Selbst der heitere Reisesong Ich bin unterwegs, in dem die gemeinsame Reise des Bärenjungen Koda und des in einen Bären verwandelten Menschens Kenai quer durch die malerischen Landschaften des Nordens Amerikas besungen wird kann sich nicht gänzlich einer schwermütigen Note entsagen. Dies spiegelt nicht nur die Natur des Films wieder, sondern trifft sehr gut den Kern einer längeren Reise. Phil Collins erkannte, dass solche Reisen wie Kenais zwar spaßig sein können, aber stets auch etwas bewegtes an sich haben - und dies baute Collins hervorragend in dieses Lied ein, ähnlich wie Hans Zimmer das Titelthema des "Reisefilms" Pirates of the Caribbean - Am Ende der Welt verletzlich-romantisch anlegte.
Ich bin unterwegs könnte zwar gerne ein paar Sekunde kürzer sein und Kodas schiefer Gesang zu Beginn ist für mich verzichtbar, doch die genannten Gründe hieven dieses Lied trotz dieser kleinen Kritikpunkte auf Platz 231 meiner liebsten Disney-Lieder.

Samstag, 26. Dezember 2009

Die üblichen Verdächtigen

Im Hafen von Los Angeles sterben Dutzende Menschen in Folge einer Explosion. Die Behörden vermuten einen schief gelaufenen Drogendeal, bloß fehlt dazu die wohl wichtigste "Zutat": Die Drogen. Ein Zollinspektor versucht durch das Verhöhr der einzigen zwei Überlebenden des Vorfalls das Rätsel zu lösen: Ein komatöser Gangster aus Osteuropa und der halbseitig gelähmte Kleinganove Verbal Kint, welcher sich dazu bereit erklärt zu verraten, wie es zu diesem Massaker kommen konnte, wenn man ihm Immunität verspricht. Stück für Stück skizziert Kint, welche verwirrenden Puzzleteile des organisierten Verbrechens zum exolosiven Abend im Hafen von LA führten.

Ich wurde ja vor einiger Zeit gebeten, ab und zu in diesem Blog auch ein paar (moderne) Klassiker zu besprechen, weil es wohl interessant sei zu lesen,w as ich über sie denke. Ich habe mich entschlossen, zunächst eine Rezension zu Die üblichen Verdächtigen vorzuschicken, weil ich denke, dass dies eine der sinnvolleren Kritiken werden könnte, da ich dort wenigstens wirklich etwas neues zur allgemeinen Rezeption dieses Films beizutragen habe.
Haltet eure Kaffetassen fest, denn ich finde Die üblichen Verdächtigen nicht gerade für perfekt. Das Drehbuch von Christopher McQuarrie gehört zweifelsohne zu den durchdachtesten und intelligentesten Skripten Hollywoods und die Schauspieler sind bis in die kleinste Rolle gut besetzt, und natürlich hat sich Kevin Spacey seinen Oscar für diesen Thriller redlich verdient (selbst wenn es eine typische Hollywood-Oscarmogelei ist, dass er in der Nebenkategorie landete), allerdings lassen sich wohl mit zunehmendem Alter von Die üblichen Verdächtigen viele Filmfans und -kritiker zu stark vom Schluss blenden.

Dieser macht einen in seiner Schlüssigkeit und unerwarteten Radikalität den Zuschauer wirklich sprachlos, lässt viele darüber jedoch auch vergessen, dass Regisseur Bryan Singer in den vorangehenden 90 Minuten daran scheitert seinen Figuren ein richtiges Leben einzuhauchen. Die in der Gegenwart spielenden Verhörsequenzen zwischen dem körperlich behinderten Kleinkriminellen Verbal Kint (Kevin Spacey) und Zollinspektor Dave Kujan (Chazz Palminteri) profitieren vom starken Schauspiel der beiden Akteure und einer beklemmenden Stimmung, die durch Rückblenden konstruierten Ereignisse der Tage zuvor dagegen konnten mich nie fesseln. Die Charaktere bleiben dort, obwohl sie glaubwürdig gespielt werden, blasse Pappkameraden in einem intriganten Unterweltspoker. Wer was warum macht, und wem welche Bedeutung zukommt ließ mich beim ersten Ansehen völlig kalt, und anders als The Sixth Sense baut Die üblichen Verdächtigen nach Kenntnis des Finales ab. Selbst wenn man weiß, wie M. Night Shyamalans erfolgreiches Geisterdrama endet,erzählt er weiterhin eine emotionale und packende Geschichte, Die üblichen Verdächtigen dagegen lässt einen ob seiner lückenlosen Konstruktion staunen, die eigentlichen Erlebnisse aber sind mir vollkommen gleich.

Die üblichen Verdächtigen ist zu verkopft für einen spannenden Gangsterstreifen, aber in seinen Rückblenden, wenn man sie für sich betrachtet, zu profillos für einen intelligenten Thriller. Wenn man also seine gewaltige Verblüffung über den Schluss eindämmt, bleibt ein gut gespielter, sehr gut geschriebener Film übrig, der erst in dne letzten zehn Minuten den Zugang zu seinem Publikum findet. Aufgrund seiner genannten Qualitäten zwar durchaus ein Kandidat für eine Pflichtliste im Thrillerbereich, aber keineswegs einer der besten Filme aller Zeiten.

Jetzt dürft ihr mich gerne ausbuhen und mit unsortierten Akten beschmeißen. Ich verstecke mich so lange hinter Kritikergott Roger Ebert, mit dem man natürlich nicht immer einer Meinung sein muss, der aber gleichwohl im Zweifelsfall ein gutes Schutzschild abgibt.

Weitere Rezensionen:

Die Geschenke, die hinter dem Tannenbaum lagen

Weihnachten nähert sich seinem Ende. Klein-Steffis Plastikbagger hat bereits einen platten Reifen und Peter jr.s Barbie leidet schon an Cellulite. Doch da sind noch ein paar Paketchen hinter dem Tannenbaum liegen geblieben, die Mutter heute erst beim Tannennadeln wegsaugen entdeckt hat.

Holen wir sie empor und freuen uns über diese stiefmütterlich behandelten Links:
  • Im Disneyland Paris wurde vor Weihnachten gestreikt. Die drei Gewerkschaften der Cast Member riefen nicht nur zum Niederlegen der Arbeit (weshalb einige Shows und Paraden ausfielen), sondern auch zu öffentlichen Protesten in der Main Street U.S.A. auf. DLP.info berichtet, dass der Streik am 23. Dezember niedergelegt wurde, und dass viele Cast Member während des Streiks freiwillig zusätzliche Shows ansetzten, um die Gäste für die durch den Streik verhinderten Leistungen zu entschädigen.
  • Coming Soon besuchte die Sets von Jerry Bruckheimers The Sorcerer's Apprentice mit Nicolas Cage und Jay Baruchel in den Hauptrollen. Der Bericht liest sich sehr gut und macht mich richtig heiß auf den Film.
  • Am Heiligabend blickte TAG Blog auf einige unproduzierte Disney-Trickfilme zurück und hier könnt ihr einen Blick auf den aufgrund seiner Anzüglichkeit von Roy E. Disney persönlich eingestellten Animationsfilm Wild Life werfen.
  • Slate erklärt die schwedische Tradition, sich an Weihnachten Donald-Duck-Cartoons und Schnipsel aus Disney-Filmen anzusehen.
  • Coming Soon hat eine neue Featurette zu Prince of Persia - Der Sand der Zeit
  • Cartoon Brew entdeckte diesen Studentenfilm von Michael Gaddie, der in knapp einer Viertelstunde Walt Disneys Aufstieg erzählt. Wie jedes Biopic nimmt auch dieses es mit den Fakten nicht allzu genau:

  • Das Nostalgia Chick bespricht Die Schöne & das Biest - Weihnachtszauber:

Reingehört 22 - Alles nur Tricks

Im neusten Quotenmeter-Podcast versuchen Jan, Glenn und ich ich die Geschichte des Fernseh-Zeichentricks in einen einzigen Podcast zu quetschen. Von der Familie Feuerstein über DuckTales zu Kim Possible.
Ob Disney, Warner oder Nickelodeon - wie überstehen die Zeichentrickserien den Test der Zeit, und sind neue Zeichentrickserien tatsächlich schlechter als die von früher?

Mehr dazu im Podcast!

Freitag, 25. Dezember 2009

Elfen helfen - Bahn frei für Santa Claus

Manchmal braucht es kleine Weihnachtswunder. Da in meiner Programmzeitschrift das Nachfolgeprogramm von Der Gigant aus dem All auf Super RTL ohne jegliche Kommentare oder "Neu"-Kennzeichnungen versehen war, tat ich es dank seines Titels als Cosmo & Wanda-Special ab und kümmerte mich nicht weiter darum. Während des Finales des schönen Zeichentrickfilms von Brad Bird kamen mir jedoch Zweifel. Könnte es vielleicht auch, völlig unspektakulär von Disney im Weihnachtsprogramm versteckt und kein bisschen von Disneys Pressediensten angepriesen, die deutsche Free-TV-Ausstrahlung des diesjährigen, von US-Zuschauern, Kritikern und Animationskollegen gelobte CGI-Fernsehspecial Prep & Landing aus den Disney-Studios sein? Der Untertitel klingt immerhin ein wenig danach...

Und tatsächlich: Nach Der Gigant aus dem All prangt ein festlich-grünes Walt Disney Pictures auf meiner Flimmerkiste!
So kam ich, vollkommen unvorbereitet, in den Genuss des Fernsehspecials, welches auf einer Idee von Bolt-Regisseur Chris Williams basiert und urspünglich als Kurzfilm vorgesehen war, dann jedoch von John Lasseter für so gut befunden wurde, dass man es auf TV-Special-Länge aufblähte und für's Fernsehen produzierte.

Aber worum geht es eigentlich in Elfen helfen?
Im 22-minütigen Fernsehspecial aus den Walt Disney Animation Studios geht es um den Elfen Wayne, der seit 227 Jahren für die Elfeneinheit "Elfen helfen"... ach, dämliche deutsche Übersetzung... "Prep & Landing" arbeitet und am Weihnachtsabend in die Häuser steigt, um alles für den Besuch des Weihnachtsmannes vorzubereiten. Ihr wisst schon: Aggressive Hunde beruhigen, nachschauen, ob auch alle schlafen, den Kamin löschen, den Fettgehalt der Milch überprüfen... das nötigste halt.

Wayne hat mittlerweile genug von dieser Anstellung und reibt sich wegen einer winkenden Beförderung vorfreudig die Hände. Es kommt allerdings ganz anders, und Wayne erfährt von Magee, der Koordinatorin sämtlicher Nordpolaktivitäten, dass nicht er befördert wurde, sondern sein bisheriger Partner. Als Ersatz bekommt Wayne den nervösen und überengagierten Neuling Lanny zur Seite gestellt. Damit kommt Wayne kein bisschen zurecht, und so macht er sich mit Wut im Bauch und einer gehörigen "Mir doch alles egal"-Einstellung auf in seine Mission. Wieso sollte sich denn Santa alle Plätzchen in seinen dicken Bauch stopfen? Und wenn Lanny doch so gut auf der Akademie abgeschlossen hat, dann kann der sich ganz allein um alles kümmern!

Unter der Regie von Stevie Wermers-Skelton und Kevin Deters (How to Hook up your Home Theatre) entwarfen Produktionsdesigner Mac George (Layoutkünstler bei Der Glöckner von Notre Dame, Der Schatzplanet und Bärenbrüder) und Szenenbildner Andy Harkness (Layoutkünstler bei Lilo & Stitch und Bärenbrüder) ein liebevoll und fantasiereich gestaltetes Weihnachtsspecial. Gerade die Szenen am Nordpol sprühen nur so vor Einfallsreichtum und zeigt eine herrliche und komische Symbiose aus Weihnachtsromantik/-nostalgie und moderner Kommunikationszentrale. Das Elfendesign erfindet das Rad zwar nicht neu, ist allerdings sehr gut umgesetzt. Animation und Rendering sind lebendig und schön abgerundet, die Figuren sind für ein Fernsehspecial sehr detailreich. Fast bin ich geneigt, Elfen helfen als die bislang hübscheste CGI-Produktion aus den Disney Animation Studios zu bezeichnen - jedoch ist Bolt noch etwas filigraner und dynamischer geraten, was man zum Beispiel an solchen Details wie den Haaren der Charaktere erkennen kann. Trotzdem ist es eine erstaunliche Leistung, wenn Elfen helfen es mit den anderen CGI-Langfilmen Disneys aufnehmen kann - oder eine Peinlichkeit für die hier ungenannt bleibenden Produktionen.

Elfen helfen ist zudem sehr witzig - neben den komischen und erstaunlicherweise nicht überreizten Codenamen und den genialen Rentieren hat es mir vor allem Magee angetan, die für alles in Verantwortung stehende und entsprechend nervös auf das sich anbahnende Chaos reagierende Kommandantin mit wirklich witzig überzeichneter Mimik.

Allerdings scheitert Elfen helfen an seiner Lauflänge. Als prägnanter und rasanter Kurzfilm wäre er urkomisch, als Langfilm (und sei es nur als siebzig Minuten langes DTV, das zwischen den Tinkerbell-Filmen veröffentlich wird) könnte er mehr aus seinem fantasiereichen Konzept von der Welt des Weihnachtsmanns machen und auch Waynes Unzufriedenheit mit seinem Beruf besser herausstellen. In seinen 22 Minuten dagegen fällt der Konflikt viel zu kurz aus, weshalb die Spannungselemente abgehetzt wirken und die Emotionen schwächer ausgeprägt werden als möglich. Deswegen fühlt sich Elfen helfen am Schluss inhaltlich ein wenig unbedeutend an. Die hübsche Verpackung, die feinen Disney-Insidergags, der alle Altersschichten befriedigende Humor und die wieder einmal charakterliche Musikuntermalung von Michael Giacchino übertrumpfen hier den recht netten Inhalt.

Für eine knappe halbe Stunde ist Elfen helfen dessen ungeachtet sehr schön anzusehen und zeigt, dass die Disney-Trickstudios wieder in Form kommen.

Wo die wilden Kerle wohnen

Der einstige Musikvideoregisseur Spike Jonze machte sich bei Filmliebhabern dieser Welt bislang durch Arbeiten einen Namen, die auf Drehbüchern von Charlie Kaufman, Hollywoods Vorzeige-Groteskenautor mit intellektuellem Anspruch, basieren und die Grenzen zwischen Realität, Fiktion und Fiktion-innerhalb-der-Fiktion verschwimmen ließen.
Obschon Wo die wilden Kerle wohnen bei weitem nicht solche verworrene Züge annimmt wie Being John Malkovich und Adaption, lässt Jonze auch in seiner abendfüllenden Verfilmung des nichmtal 400 Wörter umfassenden Kinderbuches die Definition von Realität und Fantasie zurückfallen und prescht kühn in eine kindliche Welt voran. Doch Jonzes Gefühls- und Gedankenwelt gleicht der üblichen Vorstellung Hollywoods dessen, was Kinder bewegt, nichtmal ansatzweise, sondern ist ein komplexes Konstrukt aus Angst, Unsicherheit und nicht ausformulierbaren Emotionen. Nicht umsonst erklärt Jonze, dass Wo die wilden Kerle wohnen kein Kinderfilm sei, sondern einer über die Kindheit. Die nachdenkliche, expressionistische und bedrückende Geschichte des kleinen Max', der nach einem Streit von zu Hause ausbricht und auf eine ferne Insel voller Monster segelt, ist durchaus kindgerecht umgesetzt worden, den größeren Nährwert werden aber Erwachsene aus ihr ziehen.

Stilistisch stets nah an der Vorlage von Maurice Sendak, taucht Jonze seinen Film in graubraunen, dunklen Tönen und lässt die Leinwandgeschehnisse stets in einer unwohlen, nachdenklichen Stimmung schweben. Selbst das größte Glück hat einen schalen Nachgeschmack und ist bloß von kurzer Dauer.

Die einzige, durchgehende Konstante in der ungezähmten, ambivalenten und wechselhaften Welt von Wo die wilden Kerle wohnen ist der erstaunliche Kinderdarsteller Max Records. Der 1997 geborene Jungdarsteller hat außerordentliches Talent und spielt kraftvoll, ohne je aufgesetzt zu wirken. Ihm gelingt es, die von Jonze angelegte Ambivalenz und die komplexe Charaktereigenschaften seiner nicht wirklich sympatischen Figur perfekt auszudrücken, so dass man selbst als vom Verhalten des Charakters Max gegenüber seiner Familie distanzierter Zuschauer gebannt die Handlungen dieser Figur verfolgt.

Tricktechnisch ist Wo die wilden Kerle wohnen makellos, die durch Jim Hensons Creature Shop verwirklichten wilden Kerle sind greifbar, die computeranimierten Gesichter haben eine glaubhafte Mimik. Die visuelle Gestaltung der Monster und ihrer Umwelt ist zugleich atemberaubend, aufregend und bedrückend. Die stellenweise hyperaktiv zappelnde Handkamera macht es jedoch schwer, diese Schönheit ausgiebig zu würdigen. Zwar ist erkenntlich, dass die wilde Kamera die Ungestümtheit Max' repräsentieren soll, allerdings sollten solche Konzepte nicht gänzlich auf Kosten der Übersichtlichkeit vollzogen werden.

Trotz allem ist Wo die wilden Kerle wohnen für mich eine Enttäuschung. Die Eriegnisse plätschern ohne Spannungsbogen vor sich hin und selbst die Eskalation gen Schluss hätte ich mir intensiver gewünscht. Ich hätte mir auch aktivere wilde Kerle gewünscht, der Fokus liegt mir zu stark auf Max' Liebling Carol, während andere der Monster unausgeschröpft durch den Hintergrund stapfen. An manchen Stellen geriet ich in Zweifel, ob die Figur Max wirklich komplex durchdacht ist und fing an zu vermuten, dass Max stattdessen eine unachtsam uneinig charakterisierte Figur ist. Und vor allem habe ich mir einen unkonventionelleren, düsteren und beklemmenderen Film gewünscht. Zu oft fängt Jonze die von ihm vorbereitete, raue Atmosphäre durch übereilte kleine Kniffe wieder auf, statt den Moment etwas weiter auszukosten.

Wo die wilden Kerle wohnen ist zwar ein guter, anspruchsvoller Familienfilm mit schwer vergleichlicher Stimmung, aber leider sehe ich in ihm nicht das Herausragende, was ich mir versprochen hatte. Statt einer Radikalkur liefert Jonze eine grau-braun eingefärbte Abwandlung ab, die durchaus zu inspirieren weiß, jedoch neben dem angenehm nachdenklichen Nachgeschmack auch eine Leere hinterlässt, durch die man bemerkt, dass noch mehr drin gewesen wäre.

Somit ist Wo die wilden Kerle wohnen zwar für Liebhaber der Vorlage und/oder intelligenten Familienfilmen einen Blick wert, aber zugleich der mit Abstand schwächste Spike-Jonze-Film. Scheinbar bin ich doch mehr ein Anhänger von Charlie Kaufmans Drehbüchern als von Spike Jonze.

Weiterführende Artikel:

Cronenberg, Mrs. Swan, ein Basterd und der Judenjäger


Vor drei Jahren kündigte David Cronenberg (eXistenZ, A History of Violence) eine Leinwandadaption des Theaterstücks The Talking Cure an, in dem gezeigt wird, wie sich Carl Jung und Sigmund Freud entzweien, vornehmlich aber konzentriert sich das Stück auf Jungs Beziehung zu seiner ersten Patientin, einer mit Problemen beladenen jungen Russin.

Wie Cinematical berichtete, kramte Cronenberg seine Pläne für diesen Film wieder raus und entschied sich für Keira Knightley, Christoph Waltz und Michael Fassbender in den Hauptrollen.
Waltz und Fassbender waren ja bereits beide in Inglourious Basterds zu sehen, jedoch nie gemeinsam in der selben Szene, und Keira Knightley war ja in letzter Zeit nur schwerlich aus britischen Historiendramen rauszukriegen.

Interessanterweise bin ich zwar durchaus auf "Knightley + Waltz + Fassbender + Cronenberg" gespannt, noch mehr jedoch frage ich mich, wie Inglourious Basterds mit Knightley an Diane Kruegers Stelle ausgesehen hätte. Naja, der Tausch hapert an Knightleys Deutsch, also begraben wir die Idee ganz schnell wieder...