Donnerstag, 30. Januar 2014

Nominated Yet Not Nominated


Es war eine der größten Überraschungen, die es bei den Academy-Award-Nominierungen in den vergangenen Jahren zu bestaunen gab: Der unbekannte Song Alone Yet Not Alone aus dem gleichnamigen, obskuren christlichen Filmdrama erhielt eine der fünf Oscar-Nominierungen in der seit Jahren regelmäßig heiß diskutierten "Bester Song"-Kategorie. Viele klagten laut, noch mehr Filmfreunde staunten einfach nur verwundert, andere (darunter meine Wenigkeit) lobten, dass nicht allein große Namen nominiert werden, sondern Qualität offenbar aus allen Gefilden anerkannt wird.

Einige Mitglieder der Filmbranche waren dagegen misstrauisch. Und so wurde am 23. Januar öffentlich, dass die Köpfe hinter der Oscar-Werbekampagne eines Filmliedes, das es letztlich nicht zu einer Nominierung brachte, nach ihrer Niederlage eine Privatdetektei anheuerten, um im Dreck zu wühlen. Die Theorie war, dass Alone Yet Not Alone nicht den Ansprüchen für eine Qualifikation genügte und daher nicht hätte nominiert werden dürfen. Eine Woche später schreitet die Academy of Motion Picture Arts & Sciences ein ... und entzieht dem Titelsong des historischen Glaubensdramas seine Nominierung. Nicht aber, weil sich das Lied nicht qualifizierte, sondern weil schmutzige Tricks aufgedeckt wurden, die den Nominierungsprozess beeinflussten.

Die wenig bekannte Filmproduktion setzte in ihren musikalischen Aspekten auf alte bekannte der Academy: Der Score stammte von William Ross, der vergangenes Jahr die Musikleitung bei der Oscar-Verleihung übernahm, während der Titelsong aus der Feder von Bruce Broughton und Dennis Spiegel stammt. Und hier findet Alone Yet Not Alone den Grund für seinen Fall: Broughton war bis vor kurzem Vorstandsmitglied und Ausschussvorsitzender der Musikbranche der Academy und gängelte während der Nominierungsphase befreundete Ex-Kollegen via E-Mail, sie sollten sich für seine Nummer stark machen. Dies fällt laut den Regeln der Academy in den Bereich unlauterer Werbung, weshalb die Nominierung des Titels zurückgerufen wurde.

Zurück bleiben die vier anderen nominierten Filmlieder Happy aus Ich – Einfach Unverbesserlich 2, Let It Go aus Die Eiskönigin, The Moon Song aus Her und Ordinary Love aus Mandela – Der lange Weg zur Freiheit. Ein "neuer" fünfter Nominierter wird nicht nachgereicht, obwohl die Academy in der vergangenen Award-Saison noch ankündigte, in der Songkategorie würde es von nun an immer fünf Anwärter geben.

Eine Entnominierung ist rar in der Oscar-Historie, allerdings kennt THR einige Beispiele. So zog Uruguay 1992 den als bester fremdsprachiger Film nominierten Streifen A Place in the World zurück, mit der Begründung, er sei kaum aus Geldern dieses Landes finanziert und sei eher ein Film aus Argentinien. 1972 wiederum wurde der Score von Der Pate disqualifiziert, nachdem sich herausstellte, dass Nino Rota große Teile der Musik aus seinem früheren Werk Fortunella kopierte. Damals fand eine Neuabstimmung statt, damit dennoch fünf Filmmusiken nominiert werden konnten.

Montag, 27. Januar 2014

In Entenhausen lernt man schnell: Ducks & Friends


Das frei empfangbare deutsche Fernsehen ist um einen neuen sehenswerten Sender reicher: Seit dem 17. Januar 2014 flimmert der Disney Channel auch über die Mattscheiben all jener, die kein Pay-TV haben. Und dieser Schritt hat sich für Disney gelohnt: Der mit einem neuen, besseren Programmschema ausgestattete Kanal feierte den besten Start eines Free-TV-Senders seit zehn Jahren sowie das beste erste Wochenende, das jemals einem deutschen Familiensender beschieden war (mehr dazu). Wie ich finde, völlig verdient. Denn wie sich am zweiten Sendewochenende zeigte, hat der Disney Channel nicht nur einige schöne Filme und Serien zu bieten, sondern verfügt auch über eine redliche Tugend, die in der Fernsehlandschaft der Bundesrepublik nicht weit verbreitet ist: Den Willen zur Verbesserung!

Dies zeigt sich beispielsweise bei der Talkshow Ducks & Friends, die ein reizendes Konzept aufweist und bei ihrer Premiere unterhaltsam war, allerdings auch unter ein paar kleineren Kinderkrankheiten litt. Doch schon die zweite Episode der von Nova Meierhenrich moderierten Sendung wusste, die Schwächen der Vorwoche einzudämmen und das Format zu verbessern.

In der (Werbepause mit eingerechnet) rund einstündigen Sendung begrüßt Meierhenrich im stilvoll mit Disney-Memorabilia eingerichteten Studio wöchentlich einen prominenten Gast, um mit ihm einen lockeren Plausch zu halten. Dieser bekommt durch einen Entenhausener Held der Woche einen losen Rahmen: So wurde in der ersten Ausgabe Quack, der Bruchpilot vorgestellt, der das Kindheitsidol des Schauspielers Jörn Schlönvoigt war und ihn dazu bewegte, eine Pilotenschein zu machen. Von passenden Disney-Einspielern inspiriert unterhalten sich Gast und Gastgeberin über persönliche Disney-Erinnerungen, den Einfluss der Ducks auf ihr Leben oder aber sie quatschen sympathischen Unsinn über Entenhausen. Schlönvoigt wurde aufgrund eines Clips, in dem Quack einen auf James Bond machte, etwa gefragt, welche großen Kinoikonen er gerne mal uminterpretieren würde, während Johanna Klum als Gast der zweiten Folge aufgrund der Flirttipps aus Entenhausen ganz schön ins Stottern geriet.

Garniert wird das Ganze mit Ratespielen über Entenhausen und einen 90-sekündigen Zeichenkurs mit dem deutschen Disney-Comiczeichner Ulrich Schröder, der zudem den Gast der Woche im Entenstil karikiert.

Das unverfängliche Charisma dieses ruhigen Formats war schon in der Premiere zu spüren, gleichwohl bremste beispielsweise die Entscheidung, eine leicht gestraffte DuckTales-Folge als dreiteiligen Clip über die Laufzeit zu verteilen. Die Wahl fiel mit der Episode Ein Bruchpilot spielt 007 durchaus auf eine passende Geschichte aus Entenhausen: Die mit amüsanten Quack-Momenten gespickte Folge, in der unser geliebter Bruchpilot als Ersatzagent eine Mission löst, ergänzte Schlönvoigts Erläuterungen, wieso er Quack als seinen Entenhelden bezeichnet, und bot auch neuen Gesprächsstoff, da sie ideal die Frage vorbereitete, welche für ihn untypischen Rollen der Quack-Liebhaber denn gern übernehmen wollen würde. Außerdem ist es eine sehr pointiert erzählte Folge, die auch wunderbar als Fundgrube für lose Einspieler hätte dienen können.
Exakt dies verfolgten die Ducks & Friends-Macher jedoch nicht: Die knapp 22-minütige Quack-Story wurde um einen Subplot sowie einige wenige Gags gekürzt und gedrittelt, wobei jedes Drittel der Folge nach kurzer Ankündigung (als Verschnaufpause für Meierhenrich und Schlönvoigt) für mehrere Minuten das Szepter in der Show übernahm.

Auf dem Papier klingt "Promis unterhalten sich auf amüsante Weise über Leben und Karriere, während sie Duck-Cartoons gucken" durchaus nach einer liebevoll-verschrobenen Showidee, die perfekt zum Disney Channel passt. In dieser Umsetzung fiel Ducks & Friends aber durchaus zwischen zwei Stühle: Wer eine Ausgabe der DuckTales sehen will, schaut sich eine Folge an und keine mehrfach unterbrochene, geschnittene Fassung mitten in einer Talkshow. Wer Promis beim Schnattern sehen will, fühlt sich wiederum durch die Episode gestört, die ja immerhin in drei Clips eine Story aufzubauen versucht. Da zudem durch die mehreren Szenenwechsel für den Zuschauer unklar ist, wann der Einspieler denn mal endet, zieht sich das Vergnügen unnötig. Ist man in der Story drin, wird plötzlich wieder getalkt, kommt das Gespräch in Fahrt, wird wieder länger auf die Auflösung der Episode gestarrt.

Doch schon in Woche zwei schliffen die Ducks & Friends-Macher an diesem Problemchen: Zwar gab es weiterhin eine bearbeitete DuckTales-Episode zu sehen, diese wurde aber nur noch zweigeteilt, was die Gesprächsdynamik weniger beeinträchtigte. Ich wäre dennoch begeistert, wenn die Produktionsfirma First Entertainment es ausprobieren würde, ganz Late-Show-mäßig die Einspieler als Sketche zu verstehen: Keine Storyline (die parallel zum Talk einen Spannungsbogen aufzubauen versucht), keine Referenzen auf andere Folgen (die Johanna-Klum-Folge des Talks verarbeitete Geschichte Im ewigen Eis etwa beinhaltete mehre Momente, in denen Dagobert vom Tal der Goldenen Sonne sprach, der Sinn dahinter blieb aber unklar), einfach nur entenstarke Gags. Zur Not kann die Anmoderation (mit einem Augenzwinkern) Kontext liefern. "Quack hat sich mal als Geheimagent versucht, mal schauen, ob das gut geht ...", zack, einige ulkige Sequenzen aus Ein Bruchpilot spielt 007, schon gibt es gute Gründe zu lachen und sowohl die Disney-Nostalgie ist bedient als auch Lust auf mehr Spaß aus Entenhausen geschaffen. Auch Classic Cartoons wurden sich wunderbar anbieten!

Wie gut sich die Abenteuer aus Entenhausen zu solchen Anlässen verwerten lassen, bewies bereits ein Top-5-Video in der Ducks & Friends-Folge mit Johanna Klum. Meierhenrich leitete auf das Thema Flirten hin und präsentierte dann, ehe sie Klum mit sanfter Ironie auf den Zahl fühlte (immerhin will man auf dem Disney Channel seine Nase nicht wirklich zu tief in fremde Angelegenheiten stecken, sondern schlicht gutherzig unterhalten), einen Einspieler darüber, wie sich Frauen in Entenhausen gegenüber dem anderen Geschlecht zu verhalten haben. Einer der Punkte: Damen in Entenhausen sollten niemals Komplimente erwarten, denn die Herren unter den Ducks sind nicht besonders feinfühlig in dieser Hinsicht. Untermauert wurde dies duch Folgenden Wortwechsel aus DuckTales: Neffe warnt beim Kuchenkauf vor einem Sonderangebot: "Das gammlige Zeug ist völlig hinüber!" Dagobert: "Na und, das ist Frieda auch schon. Den nehmen wir!"

Überaus amüsant geriet auch das Ratespiel, in dem Klum mutmaßen sollte, wie ein gezeigter Clip weitergeht. Während der Auflösung gab es parallel zum restlichen Video auch Klums strahlendes Gesicht zu sehen - durch Klums begeisterte Reaktion mit breitem Lächeln auf dem Gesicht konnte sich die Moderatorin bei einigen Disney-Fans gewiss einige neue Sympathiepunkte erarbeiten, darüber hinaus bekamen Gelegenheitszuschauer dadurch nochmal die universelle Wirkung toller Disney-Storys vorgeführt.

Löblich ist auch, dass sich die Trivia (mehr noch in Episode zwei als in der Premiere) einen wohlfeinen Mittelweg suchte und Disney-Kenner wie -Amateure anzusprechen versuchte. Infos über Dagoberts Liebesleben (korrekt recherchiert), Damenmode in Entenhausen sowie den ersten Auftritt von Nicky und Frieda (oder in Folge eins: die Anzahl von Quacks Bruchlandungen) sind weder zu banal, um Disney-Experten zu langweilen (selbst wer es weiß, sollte es nicht zu naheliegend finden - anders als etwa die Quizfragen beim Sat.1-Disneyquiz), noch sind sie zu speziell, um Normalos zu überfordern.

Die Zeichenkurse mit Ulrich Schröder waren in beiden Ausgaben schmissig und auch seine Karikaturen der Gäste sind sehenswert. Die Gesprächsdynamik und die Struktur der Sendung stimmten in Episode zwei, und wenn die Sache mit den Episodenclips etwas optimiert wird, dann müssen sich die Showmacher nur noch ein bisschen mehr einspielen, um dem Format den letzten Schliff zu verleihen. Ich zumindest bin aber seit Ausgabe zwei definitiv von Ducks & Friends überzeugt und bleibe am Ball. Weiter so!

Ducks & Friends läuft jeden Samstag nach dem 20.15-Uhr-Film im Disney Channel und ist auch in der Mediathek des Senders verfügbar.

Freitag, 24. Januar 2014

Entengeschnatter: Mensch, war das ein Jahr!

In bester Tradition überlanger Awardshows und erst nach Silvester veröffentlichter, von mir gestalteter Jahresrückblicke präsentieren die schnatternden Erben Donalds in einem neuen Podcast ihre ganz persönlichen Filmpreise!

Die Entengeschnatter-Moderatoren (also Stephan Ortmann und ich) sowie ihr Dauergast Antje Wessels sprechen im ersten Teil unter anderem über visuelle Glanz- und Fehlleistungen.

Viel Spaß beim Anhören!

Dienstag, 21. Januar 2014

Meine Gedanken über das Kinojahr 2013


2013 war für mich persönlich ein äußerst bewegtes Jahr, was Stammleserinnen und -leser gewiss an der rapide gesunkenen Anzahl an neuen Blogeinträgen ablesen konnten. Meine Freude an diesem Blog ist jedoch ungebrochen vorhanden, ebenso, wie ich mich weiterhin störrisch weigere, noch im laufenden Kalenderjahr eine Liste meiner Lieblingsfilme zu veröffentlichen. Ich möchte 2013 lieber ein wenig ruhen lassen, ehe ich entscheide, welche Produktionen des Jahres mich am meisten bewegten, unterhielten oder erstaunten. Und wie schon in den vergangenen Jahren nutze ich auch jetzt meine kleine Bedenkzeit, die ich mir erlaube ehe ich meine liebsten Filme des Vorjahres in eine Rangfolge dränge, um über andere Aspekte der vergangenen Kinomonate zu grübeln.

War 2011 für mich ein gutes, unterschätztes Filmjahr, dominierten 2012 dann vor allem die mittelgroßen Produktionen mein Gesamtbild des Kinojahres. 2013 wiederum enttäuschten viele (Möchtegern-)Blockbuster, was aber nicht von arger Bedeutung ist, da im Laufe der zwölf Monate dafür die große filmische Handwerkskunst einen bleibenden Eindruck hinterließ. Eloquente Autoren, namhafte Regisseure und mehrbödige Stoffe verhalfen 2013 in Kritikerkreisen bereits zu einem hervorragenden Ruf und da wir hier in Deutschland 2013 zudem mit Les Misérables, Django Unchained und Co. in den verspäteten Genuss einiger toller Produktionen des Jahres 2012 kamen, kann ich dies nur doppelt und dreifach unterstreichen.

Trotzdem kommt kein Kinojahr vollständig ohne Enttäuschungen und Frustrationen aus. 2013 waren dies für mich zunächst Star Trek Into Darkness, der gut inszeniert und dynamisch erzählt war, dessen Verständnis von Fanservice und Mythologiebildung überhaupt nicht mein Bier waren, weshalb ich den Kinosaal mit einem sehr flauen Magengefühl verlassen habe. Und dann wäre da natürlich die von mir vielfach thematisierte "Akte Die Eiskönigin". Und selbst wenn ich dem Film aufgrund seiner Titelfigur und der Let It Go-Sequenz bei den noch anstehenden Filmpreisen tüchtig die Daumen drücken, bringt mich diese Disney-Produktion als Gesamtwerk noch immer tüchtig auf die Palme. Anna mausert sich zu einer meiner am wenigsten geduldeten Disney-Heldinnen und wann immer ich an jene Momente denke, die mich stören, gerate ich wieder ins Stänkern. Die Höhepunkte des Films sind phänomenal, der Rest lässt mich kalt. Keineswegs frustrierend, aber erdrückend träge fand ich zudem Wolverine - Weg des Kriegers, der es sich zum Ziel setzte, eine melancholisch-ernste Erzählung über den berühmtesten X-Men zu skizzieren, dann aber doch in einige Klischees verrannte und in der Kinofassung all zu handzahm geriet. Eine mittelgroße Enttäuschung war für mich zudem der in seinen Actionmomenten teils fantastisch, teils grottig gefilmte sowie geschnittene Elysium, der außerdem unerwarteterweise mehr auf Look und Atmosphäre, denn auf subtilen Symbolismus und runde Figurenzeichnung setzte. Von Neill Blomkamp hatte ich mir anderes versprochen. Gehasst habe ich Elysium, in Gegensatz zu manch anderen enttäuschten Filmliebhabern, jedoch nicht.

Positive Überraschungen gab es im Gegenzug selbstredend auch: So fällt Hitchcock für mich in die Kategorie "Schöner Film für einen bequemen Sonntagnachmittag, der kurzweilig ist und dem ich nicht zu viel Bedeutung beimessen möchte", nachdem ich aufgrund einiger überaus erboster US-Kritiken das Schlimmste erwartet habe. Ähnliches gilt für den 2013 endlich in Deutschland gestarteten Disney-Film Das wundersame Leben von Timothy Green, der zum Beispiel angeblich Internetpromi Doug Walker dazu inspirierte, seine zeternde Kunstfigur, den Nostalgia Critic, aus dem Ruhestand zurückzuholen und der auch sonst bestenfalls lauwarm aufgenommen wurde. Ich empfand ihn aber als süß-unschuldigen "Unter die Decke kuscheln"-Familienfilm mit manch überzogenen Momenten, aber auch einer guten Prise Charme. In Michael Bays "kleinem" Film Pain & Gain habe ich mich sogar köstlich amüsiert. Wäre 2013 ein etwas schwächeres Jahr gewesen, hätte es dieser realsatirische Angriff auf den American Dream bestimmt sogar in meine Bestenliste geschafft. Nicht ganz so stark gefiel mir Michael "Bully" Herbigs Romantikkomödie Buddy, dennoch muss ich sie ganz klar als erfreuliche Überraschung einordnen. Immerhin ließen mich die lahmen Trailer und die grausame Sitcom Bully macht Buddy einen Totalausfall befürchten. Stattdessen war der Film konventionell, doch liebevoll und mit einigen netten Lachern ausgestattet. Kein Muss, doch im Fernsehen dürfte er sich als freundliches Couchfutter zu einem verlässlichen Quotenbringer entwickeln. Nach den mageren Besucherzahlen wäre es ihm auch zu gönnen. Unerwartet amüsant fand ich außerdem Jackass: Bad Grandpa, nachdem ich Jackass bislang ja immer unerträglich fand, sowie White House Down, der nach einem Film roch, für den man sich schämen müsste. Stattdessen ist er ein solides "Guilty, guilty Pleasure".
Die stärkste Überraschung war für mich derweil Ron Howards Rush, bei dem ich wider Erwarten fast durchgehend wie gefesselt auf die Leinwand blickte - dabei dachte ich, dass mich bei einem Formel-eins-Film mit Brühl und Hemsworth allein die Anwesenheit der Darsteller amüsieren könnte.

Einen positiven Bruch mit meinen Erwartungen erlebte ich auch bei einer meiner zahlreichen besonderen Kinoerfahrungen. So besuchte ich im April im Münchener Kultkino "Lichtspiele" im urigen Rocky Horror Picture Show-Saal eine nach allen Regeln der Kunst gestaltete Vorführung von ... Naja, ihr könnt es euch wohl denken. Den wunderbar campigen Film kannte ich natürlich längst, und ich war durchaus neugierig darauf, diesen Kult im Kino zu verfolgen. Als ich, nachts allein in München gestrandet, aber die Möglichkeit auf mich zukommen sah, dachte ich durchaus leicht vorurteilsbelastet: "Allein in der Großstadt zu später Zeit in einem Kino, bei dem es gestattet ist, sich daneben zu benehmen. Das kann nur in eine Katastrophe münden ..." Tat es aber nicht: Selten ein so engagiert den Film aufsaugendes, zuvorkommendes und freundlich-kommunikatives Publikum erlebt. Vor und nach dem Film entstanden freundliche, spaßige Gespräche, während des Streifens wurde nur dann Chaos gestiftet, wenn es auch passte. Kontrollierter Wahnsinn - und ungeheuerliches Vergnügen.
Zu meinen weiteren ungewöhnlichen Kinobesuchen zählten je ein Abstecher in eine Aufführung von Fluch der Karibik und Pirates of the Caribbean - Die Truhe des Todes, die von einem philharmonischen Orchester begleitet eine ganz neue Klanggewalt entwickelten. Sehr reizvoll war auch ein Abstecher in die Filmwerkstatt Düsseldorf, wo Kurzfilme von Studenten der Heinrich-Heine-Universität vorgeführt wurden. Schade aber, dass die versprochene Diskussion mit den Künstlern vom Gastgeber einfach so abgewürgt wurde. Und dann gab es 2013 auch wieder mehrere Double- und Triple-Feature, die nach mir schrien: In guter, von Spannung auf den neuen Blockbuster erfüllter Atmospähre konnte ich alle drei Iron Man-Filme auf großer Leinwand sehen, eine vergnügliche Mischung aus Trekkies und Gelegenheitszuschauern machte das Star Trek-Double zu einem lohnenswerten Kinogang und ein ganz besonderes Highlight war der Hangover-Marathon in ausverkauftem Saal vor gigantischer Leinwand. Running Gags wurden zelebriert, die Versuche des dritten Teils, Spannung zu erzeugen, ging beim das Wolfsrudel liebenden Publikum auf, ein tolles Erlebnis einfach. Noch stärker war natürlich das Die Tribute von Panem-Doppel, bei dem der neue Film ja anders als bei Hangover wirklich spannend ausfiel. Und dann gönnte ich mir noch einen Besuch beim Cornetto-Triple, bei dem ich Shaun of the Dead noch mehr zu schätzen lernte und Hot Fuzz endlich mit schallendem Gelächter vieler Mit-Fans sehen durfte. Und bei dem mich The World's End erstauntlich un-euphorisch zurückließ.

Dass Kinobesuche grauenvoll sein können, bekam ich trotzdem selbst 2013 einmal mehr vorgeführt. Das schlechteste Publikum des Jahres hatte ich in Judd Apatows tragikomischem "Slice of Life"-Streifen Immer Ärger mit 40, bei dem sich nahezu der gesamte Kinosaal aufführte wie im Tollhaus. Während der Trailer brüllten erwachsene Männer durch den Saal, wie geil sie "den Body" der in den Vorschauen gezeigten Frauen fanden, während Frauen mindestens genauso laut über "die knackigen Ärsche" der Kerle aus den Trailern schnatterten. Während des Films tauschten munter Leute Handyvideos aus (darunter auch so manches Sexvideo), der Typ direkt hinter mir stand für zwei, drei Minuten auf, nur um sich danach wieder hinzusetzen, jede Anzüglichkeit im Film wurde angewidert mit "Iiihs" und "Baaaahs" kommentiert ... Es war einfach schrecklich. Einen anstrengenden zweiten Platz erarbeitete sich das Trio prollig auftretender Damen direkt hinter mir bei meinem zweiten Don Jon-Kinobesuch: Schon vor dem Beginn der Trailer fürchtete ich, dass diese Drei unerträglich werden, als sie anfingen, sich über Scarlett Johansson zu streiten. Zwei betonten wie eine hängende Schallplatte, dass die doch "voll hüpsch, ey!" sei und sie wissen wollen "wie voll hüpsch die nun ey ausguckt!", während die dritte Johansson als eine "Schäbräck" bezeichnete. Bei einem der Kinotrailer wurde eifrig mitgesungen, während Don Jons erste Liebeserklärung an Internetpornos mit einem Gekicher zwischen "Hihi, haha, ist das peinlich, der hat 'Porno' gesagt!" und "Haha, ficken ist schon geil, Alter!" begrüßt wurde. Wann immer Joseph Gordon-Levitts Figur ein benutztes Taschentuch wegwarf, gab es ein lautes "Ihhh, baaaaah, was denn das für'n Film?!" zu hören, während jeder Seitenhieb auf Beziehungsprobleme und jeder weitere Gag über Pornosucht eine halblaute, kleine Diskussion auslöste ("Meinem Macker würd' ich das nie erlauben, schwör!" -"Also auf dir würd mir aber auch nie einer abgehen!", ...). Krönung war allerdings jeder Auftritt der bezaubernden Julianne Moore, die eine der drei Nervensäge offenbar anwiderte, was auch DURCHGEHEND von ihr betont wurde: "Igitt, isch muss weggucken, die ist so widderlisch, ey, baaaaah, wann is' die endlisch weg?!" ...

Eine Sondernennung in Sachen nerviges Besucherverhalten muss ich zudem für eine gravierende, immer stärker verbreitete Unsitte loswerden, die mir Anfang 2013 auffiel und seither mit immer größerer Penetranz vorkommt. Es geht ums Verwenden von Smartphones. Erinnert sich irgendjemand noch, wie die meisten Leute vor vier, fünf Jahren im Kino mit ihren Handys umgingen? Also, ich hatte damals beobachtet, dass jene, die während eines Films SMSen verfassten oder lesen wollten, ihr Handy möglichst nah an ihren Oberschenkeln hielten. Mit dem Handy fast auf Höhe der Sessel-Sitzfläche störten die grellen Displays nur die Kinobesucher, die in einem unglücklichen Winkel hinter einem Handynutzer saßen. Das ist nunmehr aber offenbar ausgestorben. Wenn Leute nun während eines Films SMS schreiben, What's App nutzen, Facebook checken, im Web surfen oder Angry Birds spielen, dann positionieren sie ihr Smartphone nicht länger verschüchtert irgendwo weit unten an ihrem sitzenden Körper, sondern heben des stolz mit weit ausgestrecktem Arm auf Augenhöhe. Offenbar um Leinwand und Smartphone gleichzeitig im Blick zu haben. Man will ja anscheinend auch ein wenig was vom Film mitbekommen, wenn man im Kino am Handy rumspielt ... Und es ist wohl auch total in Ordnung, wenn daher jeder, der hinter einem sitzt, das leuchtende Teil ins Blickfeld gerammt bekommt!

Bildquelle: Jim Dyson/Redferns, gefunden bei RollingStone.com

Ansonsten war 2013 zudem das Jahr, in dem ich einige Bekannte endlich Anfixen konnte, die Coens zu verfolgen, die mit Inside Llewyn Davis einen ihrer gelungensten und emotional ambivalentesten Filme rausbrachten. Aber darüber gibt es eh in einem späteren Artikel mehr. Generell war es dann auch schon mit meinen Gedanken über das Kinojahr. Weitere Ausführungen über einzelne Filme gibt es in meiner Bestenliste ...

Siehe auch:

Freitag, 17. Januar 2014

Die Nominierungen für die 86. Academy Awards



Die erste Phase der Unklarheit liegt hinter uns, liebe Filmfans. Nun steht fest, welche Filme und welche Filmschaffenden sich dieses Jahr Hoffnungen auf einen Academy Award machen dürfen. American Hustle überrascht mit starken zehn Nominierungen, Gravity zog gleich und 12 Years a Slave landete mit neun Nennungen direkt dahinter. Wie sich dies auf meine Prognose auswirkte? Schauen wir mal nach ...

Bester Film

  • American Hustle
  • Captain Phillips
  • Dallas Buyers Club
  • Gravity
  • Her
  • Nebraska
  • Philomena
  • 12 Years a Slave
  • The Wolf of Wall Street
Prognose: 8/10
Weder sah ich kommen, dass es nur neun Nominierungen gibt, noch habe ich mit Philomena gerechnet. Leider musste Saving Mr. Banks hier aussetzen, wie in nahezu allen Kategorien. Der herzliche Streifen fiel bei der Academy offenbar durch und wurde nur in der Musik-Kategorie nominiert, womit er auch in Sparten fehlt, wo er eine sichere Wette schien. Etwa bei der Hauptdarstellerin oder dem Produktionsdesign.

Beste Regie
  • Alfonso Cuarón – Gravity
  • Steve McQueen – 12 Years a Slave
  • Alexander Payne – Nebraska
  • David O. Russell – American Hustle
  • Martin Scorsese – The Wolf of Wall Street
Prognose: 4/5
Paul Greengrass zog den Kürzeren und machte Platz für Alexander Payne, dessen Nebraska vergleichsweise stark ankam. Schade, denn ich finde, dass Captain Phillips eine sehr beeindruckende Regieleistung war. Auch Spike Jonze vermisse ich ...

Bester Hauptdarsteller
  • Christian Bale – American Hustle 
  • Bruce Dern – Nebraska 
  • Leonardo DiCaprio – The Wolf of Wall Street 
  • Chiwetel Ejiofor – 12 Years a Slave 
  • Matthew McConaughey – Dallas Buyers Club
Prognose: 4/5
Christian Bale bricht entgegen vieler (und meiner) Prognosen ins Feld ein und kegelt somit Tom Hanks raus, der gegen Ende von Captain Phillips seine beste Leistung der vergangenen zehn Jahre ablieferte. Und David O. Russel? Der verhilft zum zweiten Mal hintereinander vier Darstellern zu einer Oscar-Nominierung ...

Beste Hauptdarstellerin

  • Amy Adams – American Hustle
  • Cate Blanchett – Blue Jasmine
  • Sandra Bullock – Gravity
  • Judi Dench – Philomena
  • Meryl Streep – Im August in Osage County
Prognose: 4/5
Von wegen "Entweder Streep oder Adams"! Beide haben es ins heiß umkämpfte Film geschafft, dafür ist Emma Thompson nicht mit dabei. So oder so: Ein starkes Feld an Hauptdarstellerinnen, das sich wahrscheinlich zwischen Adams und Blanchett entscheiden wird. Oder überrascht Bullock mit einem Sieg?

Bester Nebendarsteller
  • Barkhad Abdi – Captain Phillips
  • Bradley Cooper – American Hustle
  • Michael Fassbender – 12 Years a Slave
  • Jonah Hill – The Wolf of Wall Street
  • Jared Leto – Dallas Buyers Club
Prognose: 4/5
Die Wolfsliebe war dann doch größer als erwartet, und reichte weit genug, um Superbad-Star Jonah Hill seine zweite Oscar-Nominierung zu sichern. Wann wird ihm Seth Rogen in den Club der Oscar-Nominierten folgen? 

Beste Nebendarstellerin
  • Sally Hawkins – Blue Jasmine
  • Jennifer Lawrence – American Hustle
  • Lupita Nyong’o – 12 Years a Slave
  • Julia Roberts – Im August in Osage County
  • June Squibb – Nebraska
Prognose: 5/5
Selbstredend hat sich Oprah Winfrey nicht durchgesetzt! So gehört sich das! Glückwünsche an dieser Stelle an Sally Hawkins, die nun endlich ihre erste Oscar-Nominierung erhielt, nachdem sie ja für Happy Go-Lucky leer ausging.

Bestes Originaldrehbuch
  • American Hustle – Eric Warren Singer und David O. Russell
  • Blue Jasmine – Woody Allen
  • Dallas Buyers Club – Craig Borten und Melisa Wallack
  • Her – Spike Jonze
  • Nebraska – Bob Nelson
Prognose: 4/5
Auch wenn ich hier erneut das Fehlen von Saving Mr. Banks beklagen darf, ist es kein überraschendes sowie kein peinliches Feld. Dramatik, Humor und Tragikomik sind allesamt vertreten, womit diese Sparte auch sehr abwechslungsreich ausfällt. Ein wiederkehrendes Thema dieses Jahr ...

Bestes adaptiertes Drehbuch
  • 12 Years a Slave – John Ridley 
  • Before Midnight – Richard Linklater, Julie Delpy, Ethan Hawke 
  • Captain Phillips – Billy Ray 
  • Philomena – Steve Coogan und Jeff Pope 
  • The Wolf of Wall Street – Terence Winter
Prognose: 5/5
Würde es doch immer so laufen ... :-D

Bester Animationsfilm
  • Die Croods
  • Ich - Einfach unverbesserlich 2
  • Ernest & Celestine
  • Die Eiskönigin
  • The Wind Rises
Prognose: 4/5
Es ist ja in Ordnung, dass Die Croods oder Ich - Einfach unverbesserlich 2 drin sind. Aber dass beide Filme drin sind, während Die Monster Uni fehlt? Gutes Design im ersten, anspruchsloser Spaß im zweiten und Pixar-Charme im dritten. Was ging schief? War es das "Träume werden nicht wahr"-Thema? Hat Pixar einfach genug gewonnen? Mag die Academy keine Prequels?

Bester fremdsprachiger Film
  • The Broken Circle – Belgien
  • Das fehlende Bild  – Kambodscha
  • Die Jagd – Dänemark
  • La Grande Bellezza – Die große Schönheit – Italien 
  • Omar – Palästinensische Autonomiegebiete
Prognose: 3/5
Ungewöhnlich, nicht aber revolutionär, dass The Grandmaster zwei Nominierungen erhielt, aber keine in dieser Sparte.

Bester animierter Kurzfilm
  • Feral 
  • Get a Horse!
  • Mr Hublot 
  • Possessions
  • Für Hund und Katz ist auch noch Platz 
Prognose: 3/5
Geht so in Ordnung, denke ich ...

Bester Kurzfilm
  • That Wasn't Me
  • Avant que de tout perdre
  • Helium
  • Do I Have To Take Care of Everything?
  • The Voorman Problem 
Prognose: 3/5
Martin Freeman und Tom Hollander als Therapeut und ein sich für Gott haltender Philosoph ... eigentlich kein Wunder, dass The Voorman Problem nominiert wurde ...

Bestes Produktionsdesign
  • 12 Years a Slave – Adam Stockhausen und Alice Baker
  • American Hustle – Judy Becker und Heather Loeffler
  • Gravity – Andy Nicholson, Rosie Goodwin und Joanne Woollard
  • Der große Gatsby – Catherine Martin und Beverley Dunn
  • Her – K. K. Barrett und Gene Serdena
Prognose: 3/5
Erneut: Es ist zwar schade, dass Saving Mr. Banks fehlt, trotzdem gibt es über diese einmalige, abwechslungsreiche Auswahl nichts zu meckern!

Beste Kamera
  • The Grandmaster – Philippe Le Sourd
  • Gravity – Emmanuel Lubezki
  • Inside Llewyn Davis – Bruno Delbonnel
  • Nebraska – Phedon Papamichael
  • Prisoners – Roger Deakins
Prognose: 4/5
Starke, starke Auswahl.

Beste Kostüme
  • 12 Years a Slave – Patricia Norris
  • American Hustle – Michael Wilkinson
  • The Grandmaster – William Chang Suk Ping
  • Der große Gatsby  – Catherine Martin
  • The Invisible Woman – Michael O'Connor
Prognose: 3/5
Ich bin etwas baff wegen The Grandmaster, trotzdem kann ich auch hier nicht wirklich meckern.

Bester Dokumentarfilm
  • The Act of Killing 
  • Cutie and the Boxer 
  • Dirty Wars: The World Is a Battlefield 
  • Al Midan 
  • 20 Feet from Stardom
Prognose: 3/5
Dass es weder Blackfish noch Stories We Tell geschafft haben gehört zu den ärgsten Snubs dieses Oscar-Jahres. Selbst wenn er kaum diskutiert wird ...

Beste Kurzdokumentation
  • CaveDigger
  • Facing Fear
  • Karama Has No Walls
  • The Lady in Number 6
  • Reed Prison Terminal: The Last Days of Private Jack Hall
Prognose: 5/5
Ich habe mich bei meiner Vorhersage allein an den behandelten Themen der Kurzdokus entlanggehangelt, und siehe da, ich hatte Glück damit!

Bester Schnitt
  • 12 Years a Slave – Joe Walker 
  • American Hustle – Jay Cassidy, Crispin Struthers und Alan Baumgarten 
  • Captain Phillips – Christopher Rouse 
  • Dallas Buyers Club – John Mac McMurphy und Martin Pensa 
  • Gravity – Alfonso Cuarón und Mark Sanger
Prognose: 4/5
Ich bin noch immer perplex, weil es The Wolf of Wall Street nicht geschafft hat. Eine kleine Sensation, wenn ihr mich fragt ...

Bestes Make-up & Hairstyling
  • Dallas Buyers Club – Adruitha Lee und Robin Mathews 
  • Jackass presents: Bad Grandpa – Stephen Prouty
  • Lone Ranger – Joel Harlow und Gloria Pasqua-Casny
Prognose: 2/3
Yiiiiiiieeee-haw!

Beste Musik
  • Die Bücherdiebin – John Williams 
  • Gravity – Steven Price 
  • Her – William Butler und Owen Pallett 
  • Philomena – Alexandre Desplat 
  • Saving Mr. Banks – Thomas Newman
Prognose: 3/5
Mir fehlt Zimmer in dieser Liste ...

Bester Filmsong

  • Alone, Yet Not Alone aus Alone Yet Not Alone – Bruce Broughton und Dennis Spiegel 
  • Happy aus Ich – Einfach Unverbesserlich 2 – Pharrell Williams 
  • Let It Go aus Die Eiskönigin – Idina Menzel, Kristen Anderson-Lopez und Robert Lopez 
  • The Moon Song aus Her – Karen Lee Orzolek und Spike Jonze 
  • Ordinary Love aus Mandela – Der lange Weg zur Freiheit – U2
Prognose: 2/5
Die Songkategorie, stets für eine Überraschung gut! Wer hätte schon mit Happy gerechnet? Geschweige denn mit dem christlichen Alone, Yet Not Alone? Und wo ist Lana del Rey?

Bester Ton
  • Captain Phillips – Chris Burdon, Mark Taylor, Mike Prestwood Smith und Chris Munro 
  • Gravity – Skip Lievsay, Niv Adiri, Christopher Benstead und Chris Munro 
  • Der Hobbit – Smaugs Einöde  – Christopher Boyes, Michael Hedges, Michael Semanick und Tony Johnson 
  • Inside Llewyn Davis – Skip Lievsay, Greg Orloff und Peter F. Kurland 
  • Lone Survivor – Andy Koyama, Beau Borders und David Brownlow
Prognose: 3/5
Soll mir recht sein.

Bester Tonschnitt
  • All Is Lost – Steve Boeddeker und Richard Hymns
  • Captain Phillips – Oliver Tarney 
  • Gravity – Glenn Freemantle 
  • Der Hobbit – Smaugs Einöde – Brent Burge 
  • Lone Survivor – Wylie Stateman
Prognose: 4/5
Ich vermisse zwar Die Eiskönigin, bin aber dennoch zufrieden.

Beste Effekte
  • Gravity – Tim Webber, Chris Lawrence, Dave Shirk und Neil Corbould 
  • Der Hobbit – Smaugs Einöde – Joe Letteri, Eric Saindon, David Clayton und Eric Reynolds 
  • Iron Man 3 – Christopher Townsend, Guy Williams, Erik Nash und Daniel Sudick 
  • Lone Ranger – Tim Alexander, Gary Brozenich, Edson Williams und John Frazier 
  • Star Trek Into Darkness – Roger Guyett, Patrick Tubach, Ben Grossmann und Burt Dalton
Prognose: 4/5
Ein Hoch auf den Ranger! ;-)

Insgesamt habe ich 91 von 123 Punkten. Wirklich nicht mein schlechtester Schnitt. Nun gilt es, die Gewerkschaftspreise zu verfolgen, die letzten filmischen Wissenslücken zu schließen und sich so perfekt auf die Oscar-Verleihung einzustimmen.

Donnerstag, 16. Januar 2014

Oscar 2014: Meine komplette Prognose der Nominierungen für die 86. Academy Awards


Gegen 14.30 Uhr MEZ wird Chris Thor Hemsworth vor die Kameras treten und die Nominierungen in den populärsten Oscar-Kategorien verlesen. Und somit tritt er die heiße Phase der Award-Saison los, in der jeder Filmliebhaber in muntere Spekulationen, laute Jubelschreie und erzürnte Schimpftiraden gerät.

In den vergangenen Tagen und Wochen habe ich mich um Vorhersagen in nahezu allen Kategorien versucht, die ich nun an dieser Stelle als kleinen Service für alle Leserinnen und Leser zusammenfasse. Die genauen Erläuterungen sind jeweils verlinkt. Außerdem gebe ich auch in den "stiefmütterlichen" Kategorien Prognosen ab, wobei ich gestehen muss, da rein nach Bauchgefühl aus den wichtigsten Anwärtern ausgewählt zu haben.

  • Gravity
  • 12 Years a Slave
  • American Hustle
  • Captain Phillips
  • The Wolf of Wall Street
  • Her
  • Nebraska
  • Inside Llewyn Davis
  • Saving Mr. Banks
  • Dallas Buyers Club

Beste Regie:
  • Alfonso Cuarón, Gravity
  • Paul Greengrass, Captain Phillips
  • Steve McQueen, 12 Years a Slave
  • David O. Russell, American Hustle
  • Martin Scorsese, The Wolf of Wall Street

  • Cate Blanchett, Blue Jasmine
  • Sandra Bullock, Gravity
  • Judi Dench, Philomena
  • Emma Thompson, Saving Mr. Banks
  • Amy Adams, American Hustle

  • Bruce Dern, Nebraska
  • Chiwetel Ejiofor, 12 Years a Slave
  • Tom Hanks, Captain Phillips
  • Matthew McConaughey, Dallas Buyers Club
  • Leonardo DiCaprio, The Wolf of Wall Street

  • Jennifer Lawrence, American Hustle
  • Lupita Nyong'o, 12 Years a Slave
  • Julia Roberts, Im August in Osage County
  • June Squibb, Nebraska
  • Sally Hawkins, Blue Jasmine

  • Jared Leto, Dallas Buyers Club
  • Michael Fassbender, 12 Years a Slave
  • Barkhad Abdi, Captain Phillips
  • Bradley Cooper, American Hustle
  • Daniel Brühl, Rush

  • Ich - Einfach unverbesserlich 2
  • Ernest & Celestine
  • Die Eiskönigin - Völlig unverfroren
  • Die Monster Uni
  • The Wind Rises

  • David O. Russell & Eric Singer, American Hustle
  • Woody Allen, Blue Jasmine
  • Craig Borten & Melisa Wallack, Dallas Buyers Club
  • Spike Jonze, Her
  • Bob Nelson, Nebraska

  • Tracy Letts, Im August in Osage County
  • Richard Linklater, Julie Delpy & Ethan Hawke, Before Midnight
  • Billy Ray, Captain Phillips
  • Steve McQueen, John Ridley, 12 Years a Slave
  • Terence Winter, The Wolf of Wall Street

  • Sean Bobbit, 12 Years a Slave
  • Phillippe Le Sourd, The Grandmaster
  • Emmanuel Lubezki, Gravity
  • Bruno Delbonnel, Inside Llewyn Davis
  • Roger Deakins, Prisoners

  • Alfonso Cuarón & Mark Sanger, Gravity
  • Joe Walker, 12 Years a Slave
  • Christopher Rouse, Captain Phillips
  • Thelma Shoonmaker, The Wolf of Wall Street
  • Jay Cassidy & Crispin Struthers & Alan Baumgarten, American Hustle

  • Randy Newman, Die Monster Uni
  • John Williams, Die Bücherdiebin
  • Steven Price, Gravity
  • Thomas Newman, Saving Mr. Banks
  • Hans Zimmer, 12 Years a Slave
  • “Amen” aus All Is Lost 
  • “Let It Go” aus Die Eiskönigin 
  • “Young and Beautiful” aus Der große Gatsby
  • “The Moon Song” aus Her 
  • “My Lord Sunshine (Sunrise)” aus 12 Years a Slave
  • Catherine Martin, Der große Gatsby
  • Michael Corenblith, Saving Mr. Banks
  • Adam Stockhausen, 12 Years a Slave
  • Judy Becker, American Hustle
  • Dan Hennah, Der Hobbit: Smaugs Einöde

  • Catherine Martin, Der große Gatsby
  • Patricia Norris, 12 Years a Slave
  • Michael Wilkinson, American Hustle
  • Daniel Orlandi, Saving Mr. Banks
  • Gary Jones, Die fantastische Welt von Oz

  • Captain Phillips
  • Gravity
  • Inside Llewyn Davis
  • 12 Years a Slave
  • Rush

  • Die Eiskönigin
  • Captain Phillips
  • Gravity
  • All is Lost
  • Lone Survivor

  • Lone Ranger
  • Dallas Buyers Club
  • American Hustle
(Anmerkung: Im Dezember gab ich noch Der große Gatsby den Vorsprung gegenüber American Hustle, was ich mittlerweile bezweifle und daher hier, bei meiner finalen Prognose, korrigieren möchte.)

  • Lone Ranger
  • Iron Man 3
  • Gravity
  • Pacific Rim
  • Der Hobbit: Smaugs Einöde
(Anmerkung: Auch hier weiche ich aufgrund jüngerer Entwicklungen, wie etwa der Nominierungen für die Visual Effects Society Awards von meiner Dezember-Prognose ab.)

  • The Broken Circle (Belgien)
  • Die Jagd (Dänemark)
  • The Grandmaster (Hongkong)
  • Das große Heft (Ungarn)
  • La Grande Bellezza – Die große Schönheit (Italien)

Beste Dokumentation:
  • 20 Feet From Stardom
  • Blackfish
  • The Act of Killing
  • Stories We Tell
  • The Square
Beste Kurz-Dokumentation:
  • The Lady in Number 6
  • Karama Has No Walls
  • Cavedigger
  • Facing Fear
  • Prison Terminal: The Last Days of Private Jack Hall
Bester Animations-Kurzfilm:
  • Get a Horse!
  • The Missing Scarf
  • Feral
  • Mr. Hublot
  • Requiem for Romance
Bester Kurzfilm:
  • That Wasn't Me
  • Do I Have To Take Care of Everything
  • Two
  • Record/Play
  • Helium

Oscar 2014: Meine Prognosen für die Kategorien "Bester Film" und "Beste Regie"


Die zwei unzertrennlichen Königskategorien der Academy Awards ... Die fünf Hoffnungsträger in der Sparte "Beste Regie" sind nahezu garantiert auch in der Kategorie "Bester Film" anzutreffen. Und, gute Güte, war 2013 ein starkes US-Kinojahr. Selbst wenn beide Oscar-Kategorien auf zehn Nennungen gedehnt würden, müssten einige richtig starke Leistungen auf eine Würdigung durch die Academy verzichten.

Beginnen wir der Einfachheit halber mit der Sparte "Beste Regie". Hier lässt es sich, wie so oft, an den Nominierungen bei den Gewerkschaftspreisen orientieren. Die fünf Kandidaten beim DGA sind, wenig überraschend, Alfonso Cuarón für Gravity, Paul Greengrass für Captain Phillips, Steve McQueen für 12 Years a Slave, David O. Russell für American Hustle und Martin Scorsese für The Wolf of Wall Street. Alle fünf würden auch als Oscar-Nominierte einen stimmigen Eindruck hinterlassen, dennoch sei auf die auffälligsten Regieleistungen geblickt, die in dieser Auflistung fehlen. Dies wären Ethan & Joel Coen für Inside Llewyn Davis (die vor wenigen mit True Grit auch ohne DGA-Nominierung im Oscar-Feld vertreten waren), Alexander Payne für die laut gefeierte, leise inszenierte Tragikomödie Nebraska und Spike Jonze für Her.

Von den DGA-Nominierten dürften McQueen und Cuarón diejenigen sein, die durch die starke Konkurrenz am wenigsten zu befürchten haben. Ansonsten kann nahezu alles passieren, wie etwa vergangenes Jahr durch die große Diskrepanz zwischen der Regie-Gilde und der Academy deutlich wurde. So ist die DGA von der Altersstruktur her jünger, was The Wolf of Wall Street einen Vorteil gab, andererseits ist Scoresese eine geachtete Legende, womit er auch bei der Academy einen guten Stand haben sollte ... Ich bleibe einfach beim DGA-Feld, auch wenn ich sicher bin, dass es zu einer Abweichung kommen wird. Bloß weiß ich nicht, wen es treffen wird ...

Beste Regie:

  • Alfonso Cuarón, Gravity
  • Paul Greengrass, Captain Phillips
  • Steve McQueen, 12 Years a Slave
  • David O. Russell, American Hustle
  • Martin Scorsese, The Wolf of Wall Street
Das Gute an der "Bester Film"-Kategorie mit ihrem weiten Feld ist, dass passionierte Oscar-Fans in dieser Sparte die "Überreste" an Regie-Nennungen parken können. Zusätzlich zu den obigen Werken gilt es aber auch Saving Mr. Banks zu berücksichtigen (ein zauberhaftes Gesamtwerk, dessen Regieführung eher als solide betrachtet wird und das als Hollywood-Liebeserklärung perfekt in diese Sparte passt), ebenso wie der von den Weinsteins gestützte BAFTA-Nominee  Philomena. Und dann ist da noch Dallas Buyers Club ... Selbst zehn Filme wären dieses Jahr zu wenig, trotzdem muss eine Entscheidung her. Die fällt bei mir zu Gunsten des Dallas Buyers Club, weil dieser Film zwei sehr starke Performances hat und somit knapp Philomena schlägt, während Thema und Atmosphäre Saving Mr. Banks über die Zielline tragen!

Bester Film:
  • Gravity
  • 12 Years a Slave
  • American Hustle
  • Captain Phillips
  • The Wolf of Wall Street
  • Her
  • Nebraska
  • Inside Llewyn Davis
  • Saving Mr. Banks
  • Dallas Buyers Club

Oscar 2014: Wer wird als "Beste Hauptdarstellerin" nominiert?


Sechs starke Oscar-Anwärterinnen genügen, um eine Prognose zur Qual zu machen. Cate Blanchett, Sandra Bullock, Judi Dench, Emma Thompson, Meryl Streep und Amy Adams sind mit klarem Abstand die sechs am lautesten gefeierten Hauptdarstellerinnen der Saison. Die ersten fünf haben Nominierungen für den Preis der Schauspielgewerkschaft hinter sich, Adams kann im Gegensatz zu Streep eine Nennung bei den BAFTAs und einen Sieg bei den Golden Globes für sich verbuchen. Und somit haben wir das große Dilemma für jeden, der eine Prognose erstellen will: Die Academy liebt junge, attraktive Darstellerinnen mit großen mimischen Fähigkeiten, macht allerdings für Dench und Streep regelmäßig Ausnahmen.

Adams spielt in einer Komödie mit, die jedoch stammt von David O. Russell, einem Regisseur, der seine Schauspieler achtet und dafür selber Achtung erntet. Streep wiederum spielt in einem weniger glamourhaften Film mit, gibt dafür aber eine ihrer exzentrischsten Leistungen ab. Es heißt nun also Julie oder Julia - und es gibt für jede der beiden Damen genügend Argumente. American Hustle hat mehr Hype auf seiner Seite als Im August in Osage County, doch Adams wurde bislang ausschließlich als Nebendarstellerin nominiert. Wird ausgerechnet eine ihrer leichtgängigeren Rollen der letzten Jahre den Sprung in die Hauptkategorie ermöglichen?

Ich versuche mich, in einen Academy-Voter hineinzuversetzen, der sich bei der Stimmvergabe nicht zwischen Adams und Streep entscheiden kann, und denke mir: "Ach, Meryl wird sicher von allen anderen gewählt, ich helf mal der Amy ..." und tippe daher für das Jungblut in dieser Auswahl!

Meine Prognose:

  • Cate Blanchett, Blue Jasmine
  • Sandra Bullock, Gravity
  • Judi Dench, Philomena
  • Emma Thompson, Saving Mr. Banks
  • Amy Adams, American Hustle

Mittwoch, 15. Januar 2014

Oscar 2014: Meine Prognose in der Kategorie "Bester Hauptdarsteller"


Bilde ich es mir ein, oder ist Jahr um Jahr diese Sparte eine der am heißesten umkämpften? Alle fünf SAG-Anwärter sind gute (oder zumindest wahrscheinliche) Oscar-Kandidaten, und zusätzlich zu den Nominierten der Schauspielergewerkschaft gibt es auch dieses Jahr eine kleine, feine Auswahl an Darstellern, die es eigentlich auch verdient hätten und die zudem in Filmen mitspielen, die von der Academy (voraussichtlich) eh berücksichtigt werden.

In der aktuellen Oscar-Saison haben sich diese fünf Mimen eine Nominierung für den Screen Actors Guild Award als bester Hauptdarsteller sichern können:

  • Bruce Dern, Nebraska
  • Chiwetel Ejiofor, 12 Years a Slave
  • Tom Hanks, Captain Phillips
  • Matthew McConaughey, Dallas Buyers Club
  • Forest Whitaker, The Butler
Das schwache Glied in dieser Kette ist natürlich Forest Whitaker, der zwar einige überzeugende Momente hat, gerade im Schlussakt des Films aber dermaßen überzeichnet agiert, dass eine Nominierung unwahrscheinlich wird. Was sehr gelegen kommt, denn Leonardo DiCaprio liefert in The Wolf of Wall Street eine seiner besten Performances ab und Oscar Isaac reihte sich in Inside Llewyn Davis mit einer musikalisch fähigen und subtil-zerrütteten Leistung in den Pantheon der besten Coen-Akteure ein. Christian Bales Rolle in American Hustle dagegen ist etwas zu komödiantisch für einen sicheren Oscar-Tipp, doch der Film genießt nennenswerten Hype, insofern ... Und zu guter Letzt ist da Robert Redford zu nennen, der fast ganz allein All is Lost trägt und Kritiker weltweit in Lobeshymnen ausbrechen ließ.

Mein Versuch, auszusieben: Redford hätte schon bei den SAG Awards nominiert werden müssen, doch da dem nicht so wahr, ist zu befürchten, dass All is Lost noch nicht genügend Stimmberechtigte erreichte. Inside Llewyn Davis ist darstellerisch zu trist, um in diesem Feld zu bestehen und bei Bale bleibe ich dabei, dass die Rolle zu launisch ist. Somit dürfte DiCaprio auf eine Oscar-Nominierung hoffen ... seit Einsendeschluss für die SAG Awards ist Wolf of Wall Street regulär in den US-Kinos zu sehen und sollte so einige Academy-Mitglieder erreicht haben ...

Meine Prognose:

  • Bruce Dern, Nebraska
  • Chiwetel Ejiofor, 12 Years a Slave
  • Tom Hanks, Captain Phillips
  • Matthew McConaughey, Dallas Buyers Club
  • Leonardo DiCaprio, The Wolf of Wall Street

Oscar 2014: Meine Prognose in den Kategorien "Beste Nebendarstellerin" und "Bester Nebendarsteller"


Beste Nebendarstellerin:

Ja, Oprah Winfrey erhielt für den von mir verhassten The Butler eine Nominierung bei den Screen Actors Guild Awards, und sämtliche US-Oscar-Experten tippen darauf, dass die Academy 1:1 das SAG-Feld in dieser Sparte wiederholen. Dennoch tippe ich darauf, dass sich Blue Jasmine genügend in die Köpfe der Academy drängelte und daher Sally Hawkins eine semi-überraschende Nennung ergattert. Somit sieht mein Feld wie folgt aus ...

  • Jennifer Lawrence, American Hustle
  • Lupita Nyong'o, 12 Years a Slave
  • Julia Roberts, Im August in Osage County
  • June Squibb, Nebraska
  • Sally Hawkins, Blue Jasmine
Bester Nebendarsteller:
Alternativ zu den unten genannten Kandidaten könnten sich noch James Gandolfini für Genug gesagt und Jonah Hill für Wolf of Wall Street reinmogeln, jedoch hat der erste Film in der Award-Saison bislang eine zu kleine Rolle gespielt, während Hill im Wolf keine sonderlich breite Palette an Emotionen bedient, was in einem Jahr voller Co-Hauptdarsteller, die als Nebendarsteller abgestempelt werden, nicht zwingend für eine Nominierung reichen sollte ... Daher bleibe ich bei den SAG-Nominierten und tausche Gandolfini durch Cooper aus ...
  • Jared Leto, Dallas Buyers Club
  • Michael Fassbender, 12 Years a Slave
  • Barkhad Abdi, Captain Phillips
  • Bradley Cooper, American Hustle
  • Daniel Brühl, Rush

Oscar 2014: Die Anwärter in der Sparte "Bester fremdsprachiger Film"


Die Kategorie für den besten fremdsprachigen Film ist stets für einige Überraschungen gut. Umso besser, dass es immerhin eine Shortlist mit neun Titeln gibt, die die Vorauswahl überstanden haben und sich Hoffnungen auf eine Nominierung machen dürfen. Diese sind:

  • The Broken Circle (Belgien)
  • Aus dem Leben eines Schrottsammlers (Bosnien und Herzegowina)
  • Das fehlende Bild (Kambodscha)
  • Die Jagd (Dänemark)
  • Zwei Leben (Deutschland)
  • The Grandmaster (Hongkong)
  • Das große Heft (Ungarn)
  • La Grande Bellezza – Die große Schönheit (Italien)
  • Omar (Palästina)
Drei dieser neun Produktionen sehe ich als gesicherte Nominierte und eine vierte als relativ guten Tipp: The Broken Circle ist eine sehr zugänglich erzählte, melodramatische Geschichte über ein raubeiniges Paar, das lernen muss mit der schweren Krankheit seiner Tochter umzugehen. Die Jagd ist ein intelligenter, intensiv gespielter Kritikerliebling über einen der Pädophilie beschuldigten Kindergärtner und La Grande Bellezza ist der Abräumer bei den europäischen Filmpreisen, der von einem alternden Journalisten erzählt, der nochmal das Leben zu genießen versucht.

The Grandmaster wiederum ist nicht nur im Gespräch, einige Nominierungen abseits dieser Sparte einzuheimsen, sondern zudem einer der raren Martial-Arts-Filme, die in die Shortlist gelangen. Wenn ein solcher Streifen sich erstmal bei den Oscars so weit nach vorne gekämpft hat, dann sollte er üblicherweise auch wenigstens eine Nominierung erhalten.

Bleibt das große Würfeln um Nominierung fünf: Ich setze mein imaginäres Geld auf Das große Heft, ist es doch ein anspruchsvoller Film über zwei Jungen, die lernen, sich durch die Qualen des Kriegs zu beißen. Typische Oscarware!

Meine Prognose:

  • The Broken Circle (Belgien)
  • Die Jagd (Dänemark)
  • The Grandmaster (Hongkong)
  • Das große Heft (Ungarn)
  • La Grande Bellezza – Die große Schönheit (Italien)

Oscar 2014: Meine Prognose für die Kategorien "Bester Ton" und "Bester Tonschnitt"


Hach, die Ton-Kategorien. Auch bekannt als "Äh, was war nun was?!" Daher an dieser Stelle noch einmal zum mitschreiben: Der Preis für den besten Ton geht an die Sound-Mixer, die ihren Filmen die beeindruckendste oder schönste Gesamt-Klangkulisse verliehen haben. Wie gut ist Dialog unter Musik und Hintergrundgeräuschen zu verstehen, wie vielsagend sind Momente der Stille, und so weiter ...

Der Award für den besten Tonschnitt geht für die Verantwortlichen von Klangschöpfungen, also gewissermaßen (und stark vereinfacht) an die besten Soundeffekte.

Bester Ton:
In diesem Jahr, in dem zahlreiche Oscar-würdige Thriller sowie einige Survivaldramen um den Goldjungen buhlen, stehen die Karten ungewöhnlich schlecht für reine Blockbuster, die sich ja üblicherweise in diese Kategorie mogeln können. Die besten Karten haben daher Captain Phillips und Co. - bloß All is Lost steht etwas außen vor, da ein Großteil der beeindruckenden Wasserklänge in der Postproduktion entstanden und somit der Tonschnitt mehr Leistung vollbrachte als die Tonmischung. Gut, auch bei Gravity gibt es keine "echten" Klänge, hier hinterlässt aber die Abmischung aufgrund bewusst gewählter Momente, in denen die Lautstärke ab- oder zunimmt, bleibenden Eindruck ...

  • Captain Phillips
  • Gravity
  • Inside Llewyn Davis
  • 12 Years a Slave
  • Rush
Bester Tonschnitt:
Dies ist eine der raren Kategorien, in denen sich Animationsfilme erfolgreich gegen Reafilme durchsetzen können. Immerhin müssen sämtliche Töne, die zu hören sind, speziell für den Film erschaffen werden, was sehr aufwändig ist und zumindest bei absoluten Kritiker-Lieblingen unter den Trickfilmen auch im Oscar-Rennen Beachtung findet. Meistens nur mit einer Nominierung, manchmal aber sogar in Form einer Statuette. Ob Die Eiskönigin eine Chance hat?
  • Die Eiskönigin
  • Captain Phillips
  • Gravity
  • All is Lost
  • Lone Survivor

Oscar 2014: Die Anwärter in der Kategorie "Bester Animationsfilm"


Die Animationsfilm-Kategorie dürfte dieses Jahr die sein, in welcher der Sieger am leichtesten zu bestimmen ist. Doch so sicher Elsa, Anna und Olaf den Oscar auch in der Hand haben mögen, müssen vorerst noch ihre vier Konkurrenten bestimmt werden. Praktischerweise sind dank der Shortlist der Academy alle Produktionen bekannt, die sich für eine Nominierung qualifiziert haben. Nun gilt es bloß noch, auszusieben.

Die möglichen Nominierten sind:

  • Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen 2
  • Die Croods
  • Ich - Einfach unverbesserlich 2
  • Epic - Verborgenes Königreich
  • Ernest & Celestine
  • The Fake
  • Free Birds
  • Die Eiskönigin - Völlig unverfroren
  • Khumba
  • The Legend of Sarila
  • A Letter to Momo
  • Die Monster Uni
  • O Apóstolo
  • Planes
  • Puella Magi Madoka Magica the Movie – Rebellion
  • Rio: 2096 A Story of Love and Fury
  • Die Schlümpfe 2
  • Turbo - Kleine Schnecke, großer Traum
  • The Wind Rises

Selbst wenn die Academy bereits solche Sünden begann, wie DreamWorks Animations Große Haie, kleine Fische zu nominieren, dürften viele dieser Filme recht kommentarlos aus der Liste gestrichen werden. Planes wird ebenso wenig Oscar-nominiert wie Die Schlümpfe 2 oder Free Birds. Bei den Indie-Produktionen sowie den nicht-englischsprachigen Trickfilmen darf man zudem davon ausgehen, dass nur jene eine Chance haben, die bereits andere Filmpreise erhielten oder zumindest nominiert wurden. Daher lässt sich diese Shortlist bereits auf eine etwas einfacher zu überblickende Auswahl kürzen:
  • Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen 2
  • Die Croods
  • Ich - Einfach unverbesserlich 2
  • Epic - Verborgenes Königreich
  • Ernest & Celestine
  • Die Eiskönigin - Völlig unverfroren
  • Die Monster Uni
  • Turbo - Kleine Schnecke, großer Traum
  • The Wind Rises
Aus diesen neun Filmen gilt es nun, fünf herauszupicken, bei denen eine Nominierung zu erwarten gilt. Neben dem nahezu garantierten Oscar-Gewinner Die Eiskönigin ist auch Pixars liebevolles Prequel Die Monster Uni ein guter Tipp. Trotz Charme glaube ich kaum an Turbo und auch wenn das Urzeit-Tierdesign findig ist, rechne ich dem anderen DreamWorks-Animation-Titel Die Croods kaum Chancen ein. Der gezeichnete Kritikerliebling Ernest & Celestine dagegen könnte die sich immer stärker den kleinen Produktionen öffnende Animations-Branche der Academy verzaubern, und dass die zahlreichen Studio-Ghibli-Verehrer für The Wind Rises stimmen werden, ist wohl ein sicherer Tipp.

Bleibt die Frage offen, ob der humorige Ich – Einfach unverbesserlich 2 eine Nominierung erhält und somit trotz flacherer Story eine Ehre erfährt, die dem Vorläufer verwehrt blieb, oder ob der an den Kinokassen eher enttäuschende Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen 2 mit seiner cartoonigen Energie besticht. Oder fällt die Academy auf die zwischenzeitliche Schwerfälligkeit von Epic herein? Es könnte jeden dieser drei Titel treffen, aber ich tendiere dazu, den Minions genügend Vergnüglichkeit zuzusprechen, um eine Nominierung aus der Academy rauszukitzeln.

Daher lautet meine Prognose:

  • Ich - Einfach unverbesserlich 2
  • Ernest & Celestine
  • Die Eiskönigin - Völlig unverfroren
  • Die Monster Uni
  • The Wind Rises

Oscar 2014: Wer wird für das beste Produktionsdesign nominiert?


Es ist schwer, seinen persönlichen Lieblingen "Adieu!" zu sagen, doch ich würde mir nur selber ins Fleisch schneiden, wenn ich weiterhin darauf bestehe, dass Lone Ranger für das beste Produktionsdesign nominiert wird. Mit einem 1930er Jahrmarkt, einem wandernden Sündenpfuhl, einer detaillierten Westernstadt sowie historisch akkuraten Zügen hätte sich Gore Verbinskis Westernepos redlich eine Nominierung verdient, jedoch stehen die Chancen aufgrund des (noch!) eher mageren Rufs des Films und einer fehlenden Nominierung bei den Gewerkschaftspreisen der Produktionsdesigner überaus mies.

Trotzdem steht sicherlich eine Disney-Nominierung zu erwarten: Saving Mr. Banks umfasst eine Vielfalt an handwerklichen und künstlerischen Herausforderungen, da sowohl das Farmleben in "Old Time England" als auch das Hollywood der 60er rekreiert wurden und zudem das kalifornische Disneyland der Gegenwart mühselig zurück in seinen damaligen Zustand zurückversetzt werden musste. Damit sind Michael Corenblith & Susan Benjamin gesetzt. Außerdem holt sich mit großer Sicherheit das Der große Gatsby-Team Catherine Martin & Beverly Dunn eine Nominierung, erschufen sie doch eine brodelnde, farbenfrohe Baz-Luhrmann-Version des Big Apple in den 20ern. Und weshalb das Sklavendrama 12 Years a Slave Adam Stochausen & Alice Baker, die Armut, chaotische Großstädte und Südstaatenreichtum zeigten, eine Nominierung beschert, muss man wohl kaum erläutern.

So sicher ich mir bei diesen drei Filmen bin, so unsicher bin ich mir, welche Filme die zwei verbliebenen Plätze ausfüllen werden. Gravity ist ein naheliegender Kandidat: Starke 3D-Welten werden mittlerweile gerne berücksichtigt, zudem ist der hohe Grad an Realismus bemerkenswert. Jedoch könnte dies genauso gut in der Effektkategorie prämiert werden. Ein weiterer Kandidat wäre Der Hobbit: Smaugs Einöde, da bisher sämtliche Mittelerde-Filme in dieser Kategorie repräsentiert wurden und nun mit Smaugs Höhle und der Seestadt zwei neue beachtliche neue Umgebungen hinzukamen. Andererseits kam der erste Hobbitt schon bei der Academy relativ schwach an ... wird sie Teil zwei nun überhaupt beachten?

Inside Llewyn Davis bietet sich aufgrund seiner mühevoll ausgestatteten Hintergründe an, ebenso wie die sanfte Zukunftsvision von Her oder American Hustle mit den großen Gegensätzen zwischen Büro- und Disco-Welt. Und dann wären da noch der Historienschinken Invisible Woman und Disneys Fantasyspektakel Die fantastische Welt von Oz ...

Schlussendlich gebe ich American Hustle und dem Hobbit einen leichten Vorteil, weil ersterer viel Buzz genießt und letzterer fast schon Tradition ist.

Meine Prognose:

  • Catherine Martin, Der große Gatsby
  • Michael Corenblith, Saving Mr. Banks
  • Adam Stockhausen, 12 Years a Slave
  • Judy Becker, American Hustle
  • Dan Hennah, Der Hobbit: Smaugs Einöde

Dienstag, 14. Januar 2014

Oscar 2014: Die möglichen Anwärter in der Kategorie "Beste Kostüme"


Willkommen zur Kategorie, in der Filme die größten Chancen haben, wenn sie nicht in der Gegenwart spielen und in der "Mehr" und "Ausgefallener" zumeist positive Einschätzungen darstellen: Beste Kostüme!

Diese Sparte liebt nicht nur aufwändige, leicht schrille Arbeit sowie akkurate Nachbildungen vergangener Zeiten, sondern auch ihre bereits bekannten Gesichter. Wenn eine Kostümdesignerin / ein Kostümdesigner es einmal in den erlesenen Kreis geschafft hat, so dürfen Oscar-Liebhaber sicher sein, dass viele Wiedersehen folgen werden. Die große Leistung ist erstmal der Sprung in diesen Kreis. Daher werden wird sicherlich keine Nominierung für Penny Rose (Lone Ranger), Julian Day (Rush), Trish Summerville (Die Tribute von Panem - Catching Fire) oder Bart Mueller & Kurt Swanson (Stoker) sehen. Sie leisteten allesamt tolle Arbeit, doch ich glaube nicht, dass diese Leistungen in einem solch visuell beeindruckenden Jahr genügend Zugkraft haben, um Oscar-Neulinge ins Rennen zu zerren.

Nicht, dass ich vermute, nur Oscar-Veteranen in der Kostüm-Kategorie anzutreffen. American Hustle ist wohl nahezu gesetzt: Gutaussehende Stars in prachtvoller (oder im Falle von Christian Bale und zuweilen Bradley Cooper wunderbar grauenvoller) Garderobe, traumhaft geschnittene Kleider (es ist eine Leistung, dass die Klamotten an Amy Adams und Jennifer Lawrence sitzen, ohne dass dauernd was zu sehen ist, was nicht gesehen werden soll) und Zusammenstellungen, die viel über die Figuren aussagen ... Michael Wilkinson dürfte sich vielleicht sogar bereits auf den Oscar-Sieg freuen!

Ebenfalls neu dabei ist Daniel Orlandi. Die Fähigkeit, gleich zwei Ären einzufangen und zudem P. L. Travers verbiestert-britische Trockenheit gegen die sonnig-frohgemute Disney-Studio-Mentalität auflaufen zu lassen sollte ihm eine Oscar-Nominierung einbringen. Bei den BAFTAs und den Preisen der Costume Designers Guild mischt er immerhin auch schon mit.

Bei den Designerinnen und Designern mit Ocar-Erfahrung mischt derweil Patricia Norris ganz vorne mit: 12 Years a Slave ist nicht nur eine detailreiche Leistung im Segment des Historiendramas, sondern zudem eine faszinierende Gegenüberstellung der sozioökonomischen Klassen und zeigt darüber hinaus Einfallsreichtum beim Design der Kleider, die als Mätressen arbeitenden Sklavinnen tragen müssen.

Des Weiteren führt kaum ein Weg an einer Nominierung für Catherine Martin vorbei: Baz Luhrmanns Kostümzauberin gehört zu den heimlichen Stars von Der große Gatsby und durfte sich in dieser Romanverfilmung völlig austoben. Ein wenig schrill, ein wenig historisch akkurat, stets atemberaubend!

Diese vier halte ich für garantiert, aber wer erkämpft sich als fünfter Film in dieser Riege eine Nominierung? Ruth E. Carter könnte aufgrund Masse an unterschiedlichen Kostümen eine Nennung für The Butler rausholen, Mary Zophres leistet in Inside Llewyn Davis stilles Storytelling, The Invisible Woman passt als von Michael O'Conner ausgestattetes Geschichtsdrama voll ins Schema dieser Kategorie und Die fantastische Welt von Oz markiert die furiose Rückkehr von Oscar-Preisträger Gary Jones, der zuletzt einige Gänge zurückschaltete und optisch eher unauffälligere Filme bestückte, nun aber in historischen Gefilden wandern darf (die Schwarz-Weiß-Passage des Films) sowie in Fantasy-Prunk und zudem den drei zentralen Damen der Erzählung bezaubernde Kleider verpasste.

Auch wenn Die fantastische Welt von Oz sonst kaum Oscar-Buzz aufweist, halte ich ihn unter den eben genannten Titeln für den in Sachen Kostümdesign stärksten und die Nominierung für den Gewerkschaftspreis zeigt, dass Hollywoods Kostümbranche Sam Raimis Disneyfilm nicht vergessen hat. Wenn Alice im Wunderland diesen Preis gewinnen kann, dann wird Oz ja wohl wenigstens eine Nominierung erhalten!

Meine Prognose:

  • Catherine Martin, Der große Gatsby
  • Patricia Norris, 12 Years a Slave
  • Michael Wilkinson, American Hustle
  • Daniel Orlandi, Saving Mr. Banks
  • Gary Jones, Die fantastische Welt von Oz