Montag, 27. Februar 2017

Oscars 2017: Die Gewinner der 89. Academy Awards




Bester Film

- Arrival

- Fences

- Hacksaw Ridge - Die Entscheidung

- Hell or High Water

- Hidden Figures: Unerkannte Heldinnen

- La La Land

- Lion: Der lange Weg nach Hause

- Manchester by the Sea

- Moonlight



Bester Hauptdarsteller

- Casey Affleck für Manchester by the Sea

- Andrew Garfield für Hacksaw Ridge - Die Entscheidung

- Ryan Gosling für La La Land

- Viggo Mortensen für Captain Fantastic: Einmal Wildnis und zurück

- Denzel Washington für Fences



Bester Nebendarsteller

- Mahershala Ali für Moonlight

- Jeff Bridges für Hell or High Water

- Lucas Hedges für Manchester by the Sea

- Dev Patel für Lion: Der lange Weg nach Hause

- Michael Shannon für Nocturnal Animals



Beste Hauptdarstellerin

- Isabelle Huppert für Elle

- Ruth Negga für Loving

- Natalie Portman für Jackie

- Emma Stone für La La Land

- Meryl Streep für Florence Foster Jenkins





Beste Nebendarstellerin

- Viola Davis für Fences

- Naomie Harris für Moonlight

- Nicole Kidman für Lion: Der lange Weg nach Hause

- Octavia Spencer für Hidden Figures: Unerkannte Heldinnen

- Michelle Williams für Manchester by the Sea



Bester Animationsfilm

- Kubo: Der tapfere Samurai

- Vaiana - Das Paradies hat einen Haken

- Mein Leben als Zucchini

- Die rote Schildkröte

- Zoomania





Beste Kamera

- Bradford Young für Arrival

- Linus Sandgren für La La Land

- Grieg Fraser für Lion: Der lange Weg nach Hause

- James Laxton für Moonlight

- Rodrigo Prietro für Silence



Beste Kostüme

- Joanna Johnston für Allied

- Colleen Atwood für Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind

- Consolata Boyle für Florence Foster Jenkins

- Madeline Fontaine für Jackie

- Mary Zophres für La La Land



Beste Regie

- Denis Villeneuve für Arrival

- Mel Gibson für Hacksaw Ridge - Die Entscheidung

- Damien Chazelle für La La Land

- Kennenth Lonergan für Manchester by the Sea

- Barry Jenkins für Moonlight



Bester Dokumentarfilm

- Seefeuer - Fire by the Sea

- I Am Not Your Negro

- Life, Animated

- O. J.: Made in America

- 13th



Beste Kurz-Dokumentation

- 4.1 Miles

- Extremis

- Joe's Violin

- Watani: My Homeland

- The White Helmets



Bester Schnitt

- Joe Walker für Arrival

- John Gilbert für Hacksaw Ridge - Die Entscheidung

- Jacke Roberts für Hell or High Water

- Tom Cross für La La Land

- Joie McMillon und Nat Sanders für Moonlight



Bester fremdsprachiger Film

- Unter dem Sand (Dänemark)

- Ein Mann namens Ove (Schweden)

- The Salesman (Iran)

- Tanna - Eine verbotene Liebe (Australien)

- Toni Erdmann (Deutschland)



Bestes Make-Up und Hairstyling

- Eva von Bahr und Love Larson für Ein Mann namens Ove

- Joel Harlow und Richard Alonzo für Star Trek Beyond

- Alessandro Bertolazzi, Giorgio Gregorini und Christopher Nelson für Sucide Squad



Beste Originalmusik

- Mica Levi für Jackie

- Justin Hurwitz für La La Land

- Durstin O'Hallroan und Hauschka für Lion: Der lange Weg nach Hause

- Nicholas Britell für Moonlight

- Thomas Newman für Passengers



Bester Originalsong

- "Audition (The Fools Who Dream)" aus La La Land

- "Can't Stop the Felling" aus Trolls

- "City of Stars" aus La La Land

- "The Empty Chair" aus Jim. The James Foley Story

- "How Far I'll Go" aus Vaiana - Das Paradies hat einen Haken



Bestes Ausstattung

- Patrice Vermette für Arrival

- Stuart Craig für Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind

- Jess Gonchor und Navy Haigh für Hail, Caesar!

- Sandy Reynolds-Wasco und David Wasco für La La Land

- Guy Hendrix Dyas für Passengers



Bester animierter Kurzfilm

- Blind Vaysha

- Borrowed Time

- Pear Cider and Cigarettes

- Pearl

- Piper



Bester Kurzfilm

- Ennemis Intérieurs

- Le Femme et le TGV

- Silent Nights

- Sing

- Timecode



Bester Tonschnitt

- Arrival

- Deepwater Horizon

- Hacksaw Ridge - Die Entscheidung

- La La Land

- Sully



Bester Ton

- Arrival

- Hacksaw Ridge - Die Entscheidung

- La La Land

- Rogue One: A Star Wars Story

- 13 Hours



Beste Effekte

- Craig Hammack, Jason Schnell, Jason Billington und Burt Dalton für Deepwater Horzion

- Stephane Ceretti, Richard Bluff, Vincent Cirelli und Paul Corbould für Doctor Strange

- Robert Legtato, Adam Valdez, Andrew R. Jones und Dan Lemmon für The Jungle Book

- Steve Merson, Oliver Jones, Brian McLean und Brad Schiff für Kubo: Der tapfere Samurai

- John Knoll, Mohen Leo, Hal Hickel und Neil Corbould für Rogue One: A Star Wars Story



Bestes Original-Drehbuch

- Taylor Sheridon für Hell or High Water

- Damien Chazelle für La La Land

- Yorgos Lanthimos und Efthymis Filippou für The Lobster: Eine unkonventionelle Liebesgeschichte

- Kenneth Lonergan für Manchester by the Sea

- Mike Mills für 20th Century Women



Bestes adaptiertes Drehbuch

- Eric Heisserer für Arrival

- August Wilson für Fences

- Allison Schroeder und Theodore Melfi für Hidden Figures: Unerkannte Heldinnen

- Luke Davies für Lion: Der lange Weg nach Hause

- Barry Jenkins und Tarell Alvin McRaney für Moonlight

15 richtige Tipps. Naja, bei dieser verrückten Oscar-Nacht ein solides Ergebnis.

Samstag, 25. Februar 2017

Meine Lieblingsfilme 2016 (Teil III)

Die Academy Awards rücken unaufhaltsam näher – und somit das Event, dass das vergangene Filmjahr endgültig abschließt. Bevor dem so weit ist, möchte ich euch ein weiteres Mal einladen, euch über meine ganz eigenen Favoriten zu freuen, zu ärgern und zu wundern (den vorherigen Teil könnt ihr hier nachholen). Und natürlich auch über meine Ehrennennungen, zu denen etwa Störche – Abenteuer im Anflug gehört, der einfach irrsinnig viel Spaß macht – das Finale ist einen kleinen Hauch zu lang gezogen, weshalb es ganz, ganz knapp nicht für meine Hitliste reichte. Aber ich freue mich schon jetzt auf den Rewatch! Ein weiterer saukomischer Animationsfilm, der hier genannt werden sollte: Sausage Party, der eine alberne, feucht-fröhliche Sause ist, die auch etwas in ihrem zugedröhnten Kopf hat. Hier ist es der mittlere Part, der sich leider etwas verläuft.

Im Realfilmsektor muss ich einfach meinen Hut vor der charmanten Dramödie Florence Foster Jenkins ziehen, die gewitzt ist, und dennoch ihre schrille Hauptfigur respektiert. American Honey wiederum ist ein großartig gefilmtes Porträt einer verlorenen Jugend im mittleren Teil der USA mit starken Performances und Gänsehautschluss – erneut ein Film, bei dem es eine verflixt knappe Angelegenheit war, ob ich den in die Hauptliste aufnehme.

Einen Stein bei mir im Brett hat außerdem Maggies Plan, den besten Woody-Allen-Film der letzten Jahre, den Woody Allen gar nicht gedreht hat. Aus der Sparte "Absolut durchgeknallt und dumm, aber so vergnüglich und zwischendurch in seiner Situationskomik so gut beobachtet, dass ich schlicht aus dem Grinsen nicht rauskam" haben wir die italienische Beamten- und Kulturschockkomödie Der Vollposten, die leider nur an ihrer Rahmenhandlung krankt, als sensible, dramatische und dennoch sehr witzige Geschichte über kulturelle Umgewöhnung wäre wiederum die Flüchtlingsgeschichte Nur wir drei gemeinsam zu nennen. Irgendwo dazwischen: Die Fake-Doku 90 Minuten – Bei Abpfiff Frieden über das Fußballspiel, das den Nahostkonflikt beenden soll.

So viel also erstmal zu den Ehrennennungen. Nun wird es aber Zeit für die Plätze 25 bis 12!

Platz 25: Spotlight (Regie: Thomas McCarthy)

Verdient mit dem Academy Award für den besten Film prämiert und obendrein eine Produktion, die mein Cineastenherz höher schlagen lässt - wenngleich nicht ganz so hoch wie das der Oscar-Abstimmungsberechtigten: McCarthy nimmt einen wahren Fall über hervorragenden Investigativjournalismus, durch den aufgedeckt wurde, wie abgebrüht die Katholische Kirche ihre schützende Hand über die Kinderschänder in ihrer Mitte hält, und erzählt diesen in nüchterner, bodenständiger Form nach. Der gesamte Cast spielt sehr toll auf und aufgrund der zwar gezielten, jedoch nicht streng fokussierten Erzählweise ist Spotlight ein Drama über Schandtaten, eine spannende Anekdote über vertuschte Angelegenheiten und ein seriöses Vorzeigen dessen, weshalb am Journalismus nicht gespart werden sollte - sowie eine filmische Zeitkapsel, wie der US-Printjournalismus kurz vor/nach dem 11. September 2001 war.

Platz 24: Mikro & Sprit (Regie: Michel Gondry)

Im selben Jahr, in dem Fatih Akin mit Tschick die ungewöhnliche, humorig-verträumte Geschichte zweier Jugendlicher verfilmt hat, die mit einer geklauten Schrottkarre durch die Bundesrepublik fahren, kam mit Mikro & Sprit auch Michel Gondrys skurrile, humorig-verträumt-melancholisch-verspielte Geschichte zweier Jungs auf der Grenze zwischen Kindheit und Jugend, die ein fahrbares Minihaus bauen, um damit durch Frankreich zu kurven. Und, hach, was für ein liebenswerter, selbstironischer, einfallsreicher, ruhiger, überraschender, goldiger Film Mikro & Sprit geworden ist. Mit diesen Buben würde ich gern noch längere Trips unternehmen.

Platz 23: Raum (Regie: Lenny Abrahamson)

Eine begnadete Darstellung von Brie Larson, eine nicht minder beeindruckende von Jacob Tremblay und eine effektiv-gegenintuitive Kameraarbeit: Obwohl sich das Psychodrama Raum auf einem stark beengten Schauplatz abspielt, arbeitet Kameramann Danny Cohen mit ganz breitem Bild - erzeugt aber gerade so, indem er aufzeigt, wie schnell bereits der gesamte Lebensraum der Hauptfiguren überblickt ist, ein beengendes Gefühl. Später vergrößern sich die inhaltliche und visuelle Bandbreite, das Gefühl der Enge bleibt aber bestehen: Raum ist unerwartet humorvoll, aufreibend, düster und dennoch erschreckend aufmunternd.

Platz 22: Doctor Strange (Regie: Scott Derrickson)

Das Grundgerüst des jüngsten Marvel-Superheldenfilms erinnert frappierend an Iron Man und andere Ursprungsgeschichten aus der Welt der Comicheroen. Doch Scott Derrickson verwandelt mit mühelos erscheinender Inszenierung, einer leicht verquarzten Grundstimmung und psychedelischen Effekten Doctor Strange zu einer unterhaltsamen Abwechslung vom Marvel-Alltag. Cumberbatch ist perfekt gecastet, Tilda Swinton hat eine würdevolle Ausstrahlung und dennoch sichtbaren Spaß in der Rolle als mystische Mentorin, Mads Mikkelsen holt viel aus seiner Schurkenrolle heraus und Rachel McAdams transformiert eine nichtige weibliche Nebenrolle zu einer ursympathischen Figur, die eine ganz originelle Dynamik mit dem Titelhelden hat. Leichte Pacingprobleme in der Mitte stören da nur minimal.

Platz 21: Kubo – Der tapfere Samurai (Regie: Travis Knight)

Nachdem ich Die Boxtrolls entgegen des Kritikerkonsens eher grausig fand, haben sich die Laika Studios mit ihrem Samuraiabenteuer wieder nach oben gearbeitet: Die Stop-Motion-Trickstube, die zuvor schon Coraline sowie ParaNorman verantwortete, präsentiert mit Kubo eine wunderschön animierte, atemberaubend gestaltete und tonal bezaubernd vielschichtige Geschichte eines Jungen mit besonderen Kräften, der loszieht, um großes Unrecht gerade zu biegen. Nach dem sinnierenden Anfang und einer humorig-abenteuerlich-düsteren Mitte gerät dieser tolle Film für mich im Finale leider ins Schwanken - durch ein paar deplatzierte Gags und ein Finale, das in meinen Augen dem moralischen Grundtenor des restlichen Films widerspricht. Trotzdem ein sehenswertes, äußerst gelungenes Stück Trickkino. Nur für die Top 20 hat es daher leider, leider ganz knapp nicht gereicht.

Platz 20: Bibi & Tina – Mädchen gegen Jungs (Regie: Detlev Buck)

Ja, ihr habt richtig gelesen! Dies ist kein Irrtum! Detlev Bucks dritter Teil der Bibi & Tina-Reihe hat sich in meiner Jahresbestenliste tatsächlich bis in die Top 20 gekämpft! Das hat sich das überaus gut gelaunte, kunterbunte Musical einfach verdient! Nicht zuletzt, weil Buck (unabsichtlich?) mit diesen Realfilmen ein inoffizielles Remake der High School Musical-Filme abgeliefert hat: Teil eins ist ein recht normaler Genrevertreter, der eine viel betretene Filmstory erzählt, sie aber durch leicht schräge Ideen aufpeppt. Der zweite Teil ist verrückter und hat daher höhere Höhen als der Vorgänger, hat aber durch bemühte Lovestorydramatik, die nicht ganz aufgehen will, auch deutlichere Tiefen. Und der dritte Part? Ein campiges, gesund-bescheuertes Vergnügen mit jeder Menge Erwachsenenbonus, Ohrwurmhits, Selbstironie, Metaeinfällen sowie hohem Tempo - und Mädchen gegen Jungs endet auch noch genauso wie Senior Year, nachdem ja schon der Anfang ähnlich war! Durchgeknallte Spitzenlaune garantiert!

Platz 19: Eddie the Eagle (Regie: Dexter Fletcher)

Und noch ein inoffizielles Disney-Remake: Eddie the Eagle ist quasi "Cool Runnings, nur mit einem britischen Skispringer, statt jamaikanischen Bobfahrern". Das von Matthew Vaughn produzierte Sportkomödien-Biopic atmet das Feeling von Disney-Realfilmen der 90er-Jahre und feiert die titelgebende Sportkultfigur als glühendes Beispiel für eisernen Willen und Personifikation des olympischen Geistes. Das inspiriert, macht gewaltigen Spaß und hat in diesem Fall zudem eine launige 80er-Klangästhetik. Taron Egerton und Hugh Jackman sind zudem ein sehr vergnügliches Duo, das Eddie the Eagle stattlichen Rewatchfaktor verleiht.

Platz 18: Rogue One: A Star Wars Story (Regie: Gareth Edwards)

Der erste fürs Kino konzipierte Star Wars-Realfilm, der die Skywalker-Saga bei Seite legt und sich stattdessen voll und ganz darauf konzentriert, die komplexe Natur des Konflikts Imperium gegen Rebellen darzustellen. Godzilla-Regisseur Gareth Edwards behält seinen markanten, distanzierten Stil bei, was angesichts des fragmentierten Anfangs zunächst etwas zäh ist. Aber sobald Rogue One erst seinen Rhythmus gefunden hat, stürmt dieses Weltall-Kriegsabenteuer so richtig los - mit einem atmosphärischen Mittelteil und einem absoluten Gänsehautfinale. Zudem leistet Michael Giacchino große Leistung als (in fast schon letzter Minute angeheuerter) Komponist - und K-2SO ergänzt die lange Riege an unvergesslichen Star Wars-Droiden auf exzellente Weise. Aber vor allem: Wow, dieses Finale!

Platz 17: Findet Dorie (Regie: Andrew Stanton)

Nach dem ungerechtfertigten Scheitern von John Carter an den Kinokassen ist Andrew Stanton zurück in seinem Heimatmedium - und setzt dort seinen bislang größten Hit Findet Nemo fort. Klingt nach Geldscheffelei, ist aber ein gut erzähltes und konsequentes neues Kapitel in der Geschichte unserer fischigen Freunde. Dories Suche nach ihren Eltern ist (auf sehr gezielt-witzige Weise) haarsträubender und schriller als das Original und zugleich als Skizze dessen, wie es ist, mit einer psychischen Sonderkondition aufzuwachsen beziehungsweise mit so jemandem befreundet zu sein, emotionaler und ernster als Findet Nemo. Nach einem sehr süßen Anfang braucht es etwas, bis sich Findet Dorie von den Parallelen zum Original freischwimmt, ab dann ist es aber ein sehr interessanter Film mit flinken Tonfallwechseln und vielen tollen Figuren!

Platz 16: A War (Regie: Tobias Lindholm)

Dieses dänische Drama ist zur Hälfte unmittelbares, intelligentes Kriegsdrama und zur Hälfte nachdenkliches, komplexes Justizdrama: Tobias Lindholm erzählt von einer militärischen Entscheidung, die einige Menschenleben rettet, ebenso jedoch auch einige kostet. Daraus entfaltet sich eine fesselnde moralisch verworrene Frage sowie ein eindringliches Porträt, wie sich dies auf die Familie des Angeklagten auswirkt. Superb gespielt, distanziert, jedoch detailreich beobachtend inszeniert und so clever geschrieben, dass man A War zwecks Suche nach Antworten sofort noch einmal sehen möchte.

Platz 15: Son of Saul (Regie: László Nemes)

Ich finde, dass das Thema Holocaust im Kino bereits rauf, runter, nochmal rauf, wieder runter behandelt wurde, und das so sehr, dass sich genau die Wirkung einstellen könnte, die es zu vermeiden gilt: Übersättigung und somit Abstumpfung. Nemes' nahezu durchweg in Over-the-Shoulder-Shots gefilmtes, mehrsprachiges Drama Son of Saul allerdings vermag es, die Schrecken der NS-Tötungsmaschinerie auf neue, den Magen verdrehende, direkte Art und Weise zu vermitteln - ohne sich dabei selbstgefällig in realem Elend zu suhlen. In komplex arrangierten Kamerafahrten und mit erschütternder Direktheit führt Son of Saul durch ein Konzentrationslager, während der Protagonist verzweifelt versucht, seinem Sohn die letzte Ehre zu erweisen. Menschlich, schonungslos und zudem eine Glanzleistung im filmischen Erzählen.

Platz 14: Bad Neighbors 2 (Regie: Nicholas Stoller)

"Sidney ... das ... das kannst du nicht machen!"
-"Was?"
"Na, Bad Neighbors 2 über Son of Saul stellen!"
-"Wieso nicht?!"
"Wie soll dich da noch jemand ernst nehmen, wenn du eine Vulgärkomödie über so einen wichtigen, seriösen, erschütternden Film wie Son of Saul packst?"
-"Deiner Logik nach kann ich doch gar keinen Film über Son of Saul stellen, oder? Alle Filme sind im direkten Vergleich zu ihm lapidar, nichtig, trivial. Naja, nicht alle, andere besonders niederschmetternde Holocaustdramen und manche Problemdokumentationen sind neben ihm vielleicht noch zu dulden ..."
"Ja, aber, das hier ist ein besonders krasser Rruch!"
-"Na und? Soll ich Bad Neighbors 2 gegenüber nun unfair sein und ihn schlechter dastehen lassen, nur aufgrund seiner Nachbarschaft in dieser Liste? Wieso ist Humor weniger wert als das Erinnern daran, dass industriell abgefertigter Massenmord zu verurteilen ist?"
"Weil ... das erklärt sich von selbst!"
-"Also darf ich auf Platz 15 meiner eigenen Favoritenliste über das Jahr 2016 keine energiereiche, vor Wortwitz und spaßig glühender Performances Komödie stehen haben, die im Gewand einer Vulgärkomödie nicht nur ihr eigenes Genre demontiert, sondern zudem dem Publikum feministische Positionen erläutert? Ein subversives Spiel mit Konventionen, Publikumserwartungen und Genrepolitik hat sich gefälligst weiter unten wiederzufinden, weil ... das gehört sich so?! Wie faschistisch von dir!"
"Ach, Alter, is' deine Liste ..."

Platz 13: Die Mitte der Welt (Regie: Jakob M. Erwa)

Jakob M. Erwa zauberte mit dieser Romanadaption einen ultraschönen, intensiven Film über die Liebe daher - über jede Liebe, denn jeder, der sich in den frühen Phasen der Liebe befindet, glaubt, er sei anders, überfordert, speziell, dem Untergang geweiht ... oder vielleicht doch dem ewigen Glück nah. Mit geradezu von der Leinwand hüpfenden, glaubwürdigen Schauspielleistungen, einer stylischen Bild- und Klangästhetik sowie einer pubertären Neigung zu Gefühlsschwankungen ist Die Mitte der Welt ein Film, der einen mitten in eine Teenieromanze versetzt und der nebenher noch einen reizvollen Subkosmos erschafft. Atemberaubend.

Fortsetzung folgt, mit dem finalen Dutzend!

Freitag, 24. Februar 2017

Freitag der Karibik #31

Wie Gore sind die Pirates of the Caribbean?


Alle, die diesen Blog schon etwas länger verfolgen, werden es bereits wissen: In meinen Augen ist Gore Verbinski sowohl einer der besten als auch einer der unterschätzesten Regisseure unserer Zeit. Der frühere Punkrocker und Filmwissenschaftler hat eine markante, dennoch flexible Handschrift und kann daher in einer Vielzahl von Genre(-Mixturen) arbeiten und trotzdem jedem seiner Filme deutlich seinen Stil mitgeben.

Kein Wunder, dass ausgerechnet so jemand, der zudem stolz darauf ist, wenn er Studiobosse nervös macht, das Disney-Label über seinen Schatten springen ließ und unter der vermeintlich ach-so-sicheren Flagge eine der verrücktesten Mainstream-Filmreihen der Hollywood-Geschichte startete. So zumindest meine Meinung.

Als ich kürzlich anlässlich der A Cure for Wellness-Interviews in Berlin mit einigen deutschen Filmjournalistenkollegen sprach, meinten manche, dass sie Gore Verbinskis kleinere Filme bevorzugen würden, weil sie eher den Freigeist Verbinski spürbach machen würden. Also habe ich mich gefragt: Okay, wie können wir das untersuchen?

Eine streng wissenschaftliche Methode gibt es dafür wohl kaum, allerdings halte ich folgende Herangehensweise zumindest für einen guten Diskussionsmotor: Ich gehe sämtliche von Verbinskis Regiearbeiten durch, und klopfe sie danach ab, ob sie wiederkehrende Aspekte seiner Arbeit beinhalten.

Für mich definiert sich Gore Verbinskis Arbeit, abgesehen von der detailreichen, oft im Weitwinkel eingefangenen, atemberaubenden Kameraarbeit abgesehen, dadurch, dass er bevorzugt Genres vermengt und seine Filme oft nach einer Traumlogik operieren. Durch viele seiner Regiearbeiten zieht sich je ein markanter Soundeffekt, er kritisiert wiederholt Kapitalismus respektive Materialismus und er sinniert über den Preis, für seine Aufgabe seine Familie hinter sich lassen zu müssen. Mehrfach spielen sich wichtige Szenen im oder auf dem Wasser ab, respektive nutzt er Wasser für einprägsame, symbolisch aufgeladene Bilder - was auf Verbinskis Chinatown-Obsession zurückführen ließe.

Wo ein Gore Verbinski ist, ist Hans Zimmer nicht weit, und wie Ted Elliott und Terry Rossio einst erläuterten, liebt der Regisseur es, Szenerien durch ein ausschöpfendes Maß an Details zu vitalisieren - und sei es, dass Tiere herangeschafft werden müssen. Ziegen vor allem. Und Gore scheint zudem ein barock/gotisches Verständnis von Romantik für besonders filmisch zu halten, genauso, wie er mehrmals zu Protokoll gab, dass sein Hintergrund als Musiker seine Art, Geschichten zu erzählen, beeinflusst habe.

Ganz davon zu schweigen, dass Gore es bevorzugt, wenn Mythologien oder Hintergrundgeschichten fragmentartig und durch teils uninformierte Figuren sogar mitunter widersprüchlich aufbereitet werden - statt durch eine allwissende Expositionsfigur. Und eine graue Moral sei laut Gore stets spannender als eine klare Abgrenzung Gut gegen Böse - was erklären könnte, weshalb seine Filme oft härter sind als vergleichbare Produktionen. Dessen ungeachtet zeigen viele seiner (oft recht langen) Filme, wie die vermeintliche Unschuld lernt, mal so richtig auszuteilen. Klar soweit?

Mäusejagd (1997)

Genremix: Slapstickkomödie / Schwarze Komödie / Realfilmcartoon
Tiere treiben sich wo rum, wo sie nicht hingehören: Ja, das ist die Story des Ganzen!
Ziegen: Keine
Kapitalismuskritik / Materialismuskritik: Nur, wenn man in vollem "Überinterpretationsmodus" ist ...
Der hohe Preis des Jobs / der Berufung: Kein Thema.
Schwarzromantik: Kommt nicht vor.
Traumlogik: Nein, aber der Film ist verflixt anachronistisch in seinem Setting.
Hans Zimmer: Nein, Alan Silvestri.
Musikalische Narrative: Nein.
Graue Moral: Ja. Auf wessen Seite sollen wir hier bitte sein? AUF WESSEN SEITE!?!
Derbheitsgrad: Für eine vermeintliche Familienkomödie recht hoch.
Fragmentierte Erklärungen: Nein.
Die Unschuld lernt, auszuteilen: Aber sowas von!
Laufzeit über 120 Minuten: Nein, 99 Minuten.
Wasser: Nicht in dem Maße, dass ich es als Markenzeichen bezeichnen würde

Mexican (2001)

Genremix: Romantikkomödie, Gangster-Roadtrip, Neo-Western
Tiere treiben sich wo rum, wo sie nicht hingehören: Ja.
Ziegen: Ja.
Kapitalismuskritik / Materialismuskritik: Rudimentär
Der hohe Preis des Jobs / der Berufung: Nein.
Schwarzromantik: Ja.
Traumlogik: Ja, aber subtil.
Hans Zimmer: Nein, Alan Silvestri.
Musikalische Narrative: Nein.
Graue Moral: Ja.
Derbheitsgrad: Für eine Romantikkomödie hoch, für einen Gangsterfilm hingegen recht zahm.
Fragmentierte Erklärungen: Ja.
Die Unschuld lernt, auszuteilen: Ja.
Laufzeit über 120 Minuten: Ja, 123 Minuten.
Wasser: spielt keine besondere Rolle.

Ring (2002)

Genremix: Horrorfilm, Journalismuskrimi
Tiere treiben sich wo rum, wo sie nicht hingehören: Ein durchgedrehtes Pferd auf einer Fähre!
Ziegen: Keine.
Kapitalismuskritik / Materialismuskritik: Keine.
Der hohe Preis des Jobs / der Berufung: Ja, Naomi Watts' Figur hat ein schlechtes Gewissen, weil sie ihren Sohn vernachlässigt hat
Schwarzromantik: Eher nicht.
Traumlogik: Ja.
Hans Zimmer: Ja.
Musikalische Narrative: Eher nicht, auch wenn Zimmers Musik den Film stark beeinflusst.
Graue Moral: Ja, vor allem gen Ende.
Derbheitsgrad: Der Film ist in den USA PG-13, und, verflixt, so wirkt er nicht!
Fragmentierte Erklärungen: Ohja!
Die Unschuld lernt, auszuteilen: Ja.
Laufzeit über 120 Minuten: Nein, 115 Minuten
Wasser: Ohja!

Fluch der Karibik (2003)

Genremix: Fantasy-Piratenabenteuer-Actionkomödie
Tiere treiben sich wo rum, wo sie nicht hingehören: Mehrfach!
Ziegen: Viele, unter anderem in winzig kleinen Booten mitten im Hafen von Port Royal!
Kapitalismuskritik / Materialismuskritik: Nein, wollen wir mal nicht übertreiben.
Der hohe Preis des Jobs / der Berufung: Nein.
Schwarzromantik: Nein.
Traumlogik: Nein.
Hans Zimmer: Ja, er schrieb die meisten der Leitthemen und gab Ratschläge bezüglich weiterer Stücke, den Credit für die Schwerstarbeit erhielt aber Klaus Badelt.
Musikalische Narrative: Durchaus: Es sind Bruckheimer-Actionfilm-Rockpiraten, und diese Attitüde wird durch die Musik eingeführt, zudem besteht eine Korrespondenz zwischen Innenleben der Figuren und dem Score. Laut Verbinski ist die Musik das, was sich Käpt'n Jack Sparrow von sich vorstellt.
Graue Moral: Die Navy macht einfach ihren Job, doch wir wollen das nicht, Käpt'n Jack Sparrow ist ein netter Pirat, der von der Sehnsucht nach Blutrache getrieben wird, Barbossa und seine Crew sind widerliche, ruchlose Piraten, die aber Spaß machen und deren Hauptmotivation die Aufhebung eines sie betreffenden Fluchs ist. Ja. Ja, das ist eine komplexe Moral, wenn man genauer drüber nachdenkt.
Derbheitsgrad: Der Film brachte den Disney-Konzern dazu, sein firmeninternes Markenstatement für den Namen Disney abzuändern. Na, hallo!
Fragmentierte Erklärungen: Ja.
Die Unschuld lernt, auszuteilen: Ja.
Laufzeit über 120 Minuten: Ja, 143 Minuten.
Wasser: Zwangsweise, da es ein Piratenfilm ist, aber Gore macht nicht mehr daraus.

Weather Man (2005)

Genremix: Dramödie, was eher konventionell ist und daher nicht so recht zählt.
Tiere treiben sich wo rum, wo sie nicht hingehören: Nein, von einem Kamelfuß-Insert abgesehen
Ziegen: Nein.
Kapitalismuskritik / Materialismuskritik: Nein.
Der hohe Preis des Jobs / der Berufung: Ja, zweifelsohne.
Schwarzromantik: Nein.
Traumlogik: Eher nicht.
Hans Zimmer: Ja.
Musikalische Narrative: Nein.
Graue Moral: Ja.
Derbheitsgrad: Hat für eine mittelgroße bis kleine Dramödie schon ein paar herbe Spitzen.
Fragmentierte Erklärungen: Nein.
Die Unschuld lernt, auszuteilen: Ja.
Laufzeit über 120 Minuten: Nein, 102 Minuten.
Wasser: Nein, aber Milkshakes.

Die Truhe des Todes (2006)

Genremix: Fortsetzungen dekonstruierendes Piratenactionabenteuerfantasykomödienepos mit Westerneinflüssen
Tiere treiben sich wo rum, wo sie nicht hingehören: Ja, schon wieder diese ganzen Ziegen!
Ziegen: Wie gesagt: Ja!
Kapitalismuskritik / Materialismuskritik: In schlichter Form, aber: Ja.
Der hohe Preis des Jobs / der Berufung: Ein wenig, in Form des Fährenmanns zwischen dem Reich der Lebenden und der Toten sowie des aufgrund seines hohen Arbeitsethos gefallenen Norrington
Schwarzromantik: Ja, als Backstory.
Traumlogik: Eher impressionistisch, aber wenn man großzügig ist ...
Hans Zimmer: Ja.
Musikalische Narrative: Es ist eine ausgewachsene Piraten-Rockoper!
Graue Moral: So, so viel mehr als im ersten Teil!
Derbheitsgrad: Ausgerechnet dieser harte Film diente als Debüt des modernen Disney-Logos. Wie herrlich subversiv.
Fragmentierte Erklärungen: Ohja.
Die Unschuld lernt, auszuteilen: Ohja!
Laufzeit über 120 Minuten: Ja, 150 Minuten.
Wasser: Ja, mehr als in einem Piratenfilm nötig. Wasser dient hier mehrmals als Stimmungsbarometer der Beziehung zwischen Will und Elizabeth.

Am Ende der Welt (2007)

Genremix: Humoriges Piratenactionabenteuer-Spaghettiwestern-Fantasyepos
Tiere treiben sich wo rum, wo sie nicht hingehören: Ja.
Ziegen: Ja.
Kapitalismuskritik / Materialismuskritik: Ja.
Der hohe Preis des Jobs / der Berufung: Ja, frag mal Will.
Schwarzromantik: Ja.
Traumlogik: Ja.
Hans Zimmer: Ja.
Musikalische Narrative: Es ist eine angerockte, opernhafte Piraten-Ballade.
Graue Moral: Ja.
Derbheitsgrad:
Fragmentierte Erklärungen: Ja.
Die Unschuld lernt, auszuteilen: Ja.
Laufzeit über 120 Minuten: Ja, 168 Minuten.
Wasser: Ja.

Rango (2011)

Genremix: Neo-Western-Actionkomödie
Tiere treiben sich wo rum, wo sie nicht hingehören: Ja.
Ziegen: Wundersamerweise: Nein.
Kapitalismuskritik / Materialismuskritik: Ja.
Der hohe Preis des Jobs / der Berufung: Nein.
Schwarzromantik: Nein.
Traumlogik: Ja.
Hans Zimmer: Ja.
Musikalische Narrative: Die Erzähler sind eine Eulen-Mariachiband!
Graue Moral: Abgesehen vom bewusst unsympathischen Protagonisten eher nicht.
Derbheitsgrad: Hoch!
Fragmentierte Erklärungen: Ja.
Die Unschuld lernt, auszuteilen: Ja.
Laufzeit über 120 Minuten: Nein, 107 Minuten.
Wasser: Storyrelevant!


Lone Ranger (2013)

Genremix: Sämtliche Formen des Westernkinos, die es gibt!
Tiere treiben sich wo rum, wo sie nicht hingehören: Als Randgag und als metaphorischer roter Faden. Und als modisches Statement.
Ziegen: Eine Ziege in einem Bordell ...
Kapitalismuskritik / Materialismuskritik: Ja.
Der hohe Preis des Jobs / der Berufung: Nein.
Schwarzromantik: Nein.
Traumlogik: Ja. Respektive: Die Logik eines traumatisierten, eventuell gar dementen Erzählers.
Hans Zimmer: Ja.
Musikalische Narrative: Nicht so recht, aber der Schlussakt ist perfekt auf Rossellini abgestimmt.
Graue Moral: Wie gesetzesgetreu ist Gerechtigkeit?
Derbheitsgrad: Erneut ein Film, der die Grenzen des Disney-Namens auslotet!
Fragmentierte Erklärungen: Ja.
Die Unschuld lernt, auszuteilen: Ja.
Laufzeit über 120 Minuten: Ja, 149 Minuten.
Wasser: Nicht in einem "Das lässt eine Handschrift durchklingen"-Ausmaße

A Cure For Wellness (2017)

Genremix: 70er-Jahre-artiger Psychothriller mit Kubrick-Tempo und Hammer-Studios-Mumm sowie den dunkelromantischen Anklängen des Horrorkinos der 20er bis frühen 40er.
Tiere treiben sich wo rum, wo sie nicht hingehören: Verflucht noch eins, ja!
Ziegen: Ich glaube, in einem Büro sieht man im Hintergrund einen Ziegenkopf als Jagdtrophäe, aber ich bin mir nicht sicher. Im Kino kann man schlecht auf "Pause" drücken.
Kapitalismuskritik / Materialismuskritik: Ja.
Der hohe Preis des Jobs / der Berufung: Der Film bezeichnet beruflichen Ehrgeiz als die Krankheit unserer Zeit, also: Ja!
Schwarzromantik: Und wie!
Traumlogik: Und wie!
Hans Zimmer: Ein Zimmer-Musikstück, der Rest ist von seinem Schüler Benjamin Wallfisch
Musikalische Narrative: Der Film entfaltet sich wie eine gotische, bittersüße Sinfonie
Graue Moral: Ja.
Derbheitsgrad: Moderne Studio-Horrorfilme gehen ungern die Wege, die Gore hier beschreitet.
Fragmentierte Erklärungen: Japp!
Die Unschuld lernt, auszuteilen: Ja, wenngleich nur am Rande.
Laufzeit über 120 Minuten: Ja, 146 Minuten.
Wasser: Aber hallo!

Kurzum: Die Pirates-Filme sind schon sehr verbinskihaft. Wobei diese Checkliste nicht zwingend repräsentativ sein muss. Ich finde, dass sich Weather Man enorm wie ein waschechter Gore-Verbinski-Film anfühlt, deutlich mehr als Mexican, der für mich eher "Verbinski light" ist. Das machen diese Kategorien nicht so recht spürbar. Aber als Diskussonsgrundlage und grobe Orientierungshilfe finde ich sie ganz fesch. Und ihr?

Donnerstag, 23. Februar 2017

Oscars 2017: Meine Prognose für die Gewinner der 89. Academy Awards


Die Oscars stehen kurz bevor, und sie singen, glänzen und tanzen so sehr wie schon lange nicht mehr: Nach einer Reihe von "Themenfilmen" ist dieses Jahr wieder ein "Gefühlsfilm" der Frontrunner, noch dazu einer, der trotz dramatischer Zwischentöne sein Publikum vor allem mit losgelösten, frohen Emotionen entlassen will. Damien Chazelles La La Land gewann eine Rekordsumme an Golden Globes und heimste so viele Oscar-Nominierungen ein, wie zuvor nur Titanic und Alles über Eva. Doch wie viele Preise wird La La Land letztlich bei den Academy Awards gewinnen? Hier ist meine Prognose:

Bester Film
- Arrival
- Fences
- Hacksaw Ridge - Die Entscheidung
- Hell or High Water
- Hidden Figures: Unerkannte Heldinnen
- La La Land
- Lion: Der lange Weg nach Hause
- Manchester by the Sea
- Moonlight

Hier gibt es wohl nichts zu diskutieren: La La Land ist ein Film, den die Filmindustrie liebt, der selber seine Liebe zum Kino zelebriert und zudem exzellent gemacht ist. Das gibt Oscar-Gold!

Bester Hauptdarsteller
- Casey Affleck für Manchester by the Sea
- Andrew Garfield für Hacksaw Ridge - Die Entscheidung
- Ryan Gosling für La La Land
- Viggo Mortensen für Captain Fantastic: Einmal Wildnis und zurück
- Denzel Washington für Fences

Diese Kategorie gehört zu den wenigen superspannenden des Abends, denn es gibt zwei klare Favoriten: Casey Affleck, der mit seiner minimalen, doch so vielsagenden Mimik Manchester by the Sea auf seinen Schultern trägt und diverse Trophäen dafür gewann, und Denzel Washington, der für Fences den Screen Actors Guild Award erhielt. Ich tendiere leicht zu Washington, bei dem industrieintern vielleicht der "Er muss (wieder) ausgezeichnet werden"-Gedanke etwas größer ist.

Bester Nebendarsteller
- Mahershala Ali für Moonlight
- Jeff Bridges für Hell or High Water
- Lucas Hedges für Manchester by the Sea
- Dev Patel für Lion: Der lange Weg nach Hause
- Michael Shannon für Nocturnal Animals

Moonlight ist ein hervorragend besprochenes Drama, und geht man nach dem Wind im Branchenblätterwald, entdeckten in den letzten Wochen des Oscar-Votings immer mehr Industriemitglieder diese kleine, starke Produktion. Hinzu kommt, dass Alis Stern 2016 enorm gestiegen ist. Dies sollte eine klare Sache sein ...

Beste Hauptdarstellerin
- Isabelle Huppert für Elle
- Ruth Negga für Loving
- Natalie Portman für Jackie
- Emma Stone für La La Land
- Meryl Streep für Florence Foster Jenkins

Emma Stone verwandelt eine der ruhigsten Augenblicke in La La Land zu einem seiner bezauberndsten, noch dazu hat die Academy ein Faible dafür entwickelt, Frauen für Musicalperformances auszuzeichnen - zuletzt zwar primär Nebendarstellerinnen, doch in La La Land gibt es keine einprägsamen Nebenrollen. Zwar haben es dieses Jahr mehrere Darstellerinnen locker verdient, den Goldjungen in Händen zu halten, dennoch sollte dies ein recht sicheres Ding für Stone sein.

Beste Nebendarstellerin
- Viola Davis für Fences
- Naomie Harris für Moonlight
- Nicole Kidman für Lion: Der lange Weg nach Hause
- Octavia Spencer für Hidden Figures: Unerkannte Heldinnen
- Michelle Williams für Manchester by the Sea

Viola Davis ist längst für einen Oscar-Gewinn überfällig und gewann bereits einen Tony, als sie Fences am Broadway spielte. Zudem hat sie einen sehr einprägsamen Monolog - die Oscar-Clip-Reel schneidet sich quasi von selbst, und anders als bei Kidman ist dieser Moment sogar dramaturgisch gerechtfertigt.

Bester Animationsfilm
- Kubo: Der tapfere Samurai
- Vaiana - Das Paradies hat einen Haken
- Mein Leben als Zucchini
- Die rote Schildkröte
- Zoomania

Zoomania hat mit Kubo: Der tapfere Samurai einen von Kritikern gefeierten, und von der Academy sogar an anderer Stelle erneut nominierten, Konkurrenten, zudem hat auch Mein Leben als Zucchini eine innige und verdiente Fanbase. Nicht zu vergessen, dass Vaiana ebenfalls sehr wirksam ist. Dennoch: Der Durchmarsch Zoomanias durch die Awardsaison und einer (leider) topaktuellen Botschaft ist dies ein recht einfacher Oscar-Tipp.

Beste Kamera
- Bradford Young für Arrival
- Linus Sandgren für La La Land
- Grieg Fraser für Lion: Der lange Weg nach Hause
- James Laxton für Moonlight
- Rodrigo Prietro für Silence

Die Videoessays über Sandgrens Kameraarbeit in La La Land sind in den vergangenen Wochen durch die Decke gegangen, zudem ist es einer dieser Fälle, in denen Ausleuchtung und Kameraführung gleichermaßen knifflig wie behände sind. Malerisch, aber dennoch bodenständig, komplex, aber so simpel zu goutieren. Alternativ haben aber auch Moonlight und Arrival in dieser Sparte zu recht Fans ...

Beste Kostüme
- Joanna Johnston für Allied
- Colleen Atwood für Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind
- Consolata Boyle für Florence Foster Jenkins
- Madeline Fontaine für Jackie
- Mary Zophres für La La Land

Für mich neben der Hauptdarsteller-Kategorie eine der schwierigsten Sparten des Jahres: Jackie wäre für mich eigentlich der Frontrunner, als atemberaubendes Historienstück, das seiner Hauptdarstellerin eine vielseitige Garderobe schenkt. Aber La La Land ist der Film, der den "Fluch der Gegenwart" brechen und mit seinem prägnanten Farbschema und schlichten Eleganz brechen könnte. Mit leichtem Bauchgrimmen tippe ich auf das Musical ...

Beste Regie
- Denis Villeneuve für Arrival
- Mel Gibson für Hacksaw Ridge - Die Entscheidung
- Damien Chazelle für La La Land
- Kennenth Lonergan für Manchester by the Sea
- Barry Jenkins für Moonlight

"Wunderkindnarrative", Sympathie für Whiplash plus "Er lässt etwas so schweres so einfach aussehen" = Chazelle gewinnt.

Bester Dokumentarfilm
- Seefeuer - Fire by the Sea
- I Am Not Your Negro
- Life, Animated
- O. J.: Made in America
- 13th

Auch wenn die "Die meistdiskutierte Doku gewinnt"-Faustregel nicht immer zieht, bleibe ich hier bei O.J.: Made in America.

Beste Kurz-Dokumentation
- 4.1 Miles
- Extremis
- Joe's Violin
- Watani: My Homeland
- The White Helmets

Die Dokumentation über einen Holocaustüberlebenen, der seine Violine spendet, ist bewegend und zudem profund - gutes Oscar-Material!

Bester Schnitt
- Joe Walker für Arrival
- John Gilbert für Hacksaw Ridge - Die Entscheidung
- Jacke Roberts für Hell or High Water
- Tom Cross für La La Land
- Joie McMillon und Nat Sanders für Moonlight

Ein Musical braucht einen guten Rhythmus, und Cross hat La La Land genau dies gegeben. Da der Film zudem der große Frontrunner ist, sollte er den Preis wohl bekommen, auch wenn ich Arrival genauso weit vorne sehe.

Bester fremdsprachiger Film
- Unter dem Sand (Dänemark)
- Ein Mann namens Ove (Schweden)
- The Salesman (Iran)
- Tanna - Eine verbotene Liebe (Australien)
- Toni Erdmann (Deutschland)

Ich bemühe mich, meine Abneigung gegen Toni Erdmann hier rauszuhalten. Dass ich auf The Salesman tippe, liegt eher daran, dass in dieser Kategorie der frühe Frontrunner auf den letzten Metern von einem dramatischeren Film überholt wird. Regisseur Asghar Farhadi ist zudem dank A Seperation wahrlich kein Unbekannter, außerdem ist der titelgebende, rote Faden mit einer Tod eines Handlungsreisenden-Aufführung guter Academy-Köder ...

Bestes Make-Up und Hairstyling
- Eva von Bahr und Love Larson für Ein Mann namens Ove
- Joel Harlow und Richard Alonzo für Star Trek Beyond
- Alessandro Bertolazzi, Giorgio Gregorini und Christopher Nelson für Sucide Squad

Star Trek Beyond hat das meiste, aufwändigste Make-up in dieser Runde, und, wow, ist es gut. Alles andere als ein Sieg des Sci-Fi-Films wäre ein Affront.

Beste Originalmusik
- Mica Levi für Jackie
- Justin Hurwitz für La La Land
- Durstin O'Hallroan und Hauschka für Lion: Der lange Weg nach Hause
- Nicholas Britell für Moonlight
- Thomas Newman für Passengers

Schwer, hier gegen den Frontrunner zu tippen, ist er doch ein Ohrwurmmusical sondersgleichen ...

Bester Originalsong
- "Audition (The Fools Who Dream)" aus La La Land
- "Can't Stop the Felling" aus Trolls
- "City of Stars" aus La La Land
- "The Empty Chair" aus Jim. The James Foley Story
- "How Far I'll Go" aus Vaiana - Das Paradies hat einen Haken

Ja, ja, ich und die Oscar-Songs: So, so oft finde ich den Disney-Gewinnersong schwächer als diverse andere aus demselben Film, und auch wenn La La Land kein Disney-Film ist, trifft ihn dasselbe Schicksal. City of Stars ist ein schönes Lied, für mich dennoch das am wenigsten denkwürdige aus La La Land. Ich finde, Audition sollte gewinnen, doch da alle über City of Stars reden und es zudem das wiederkehrende Thema ist, wird wohl doch dieser Song den Preis abräumen.

Bestes Ausstattung
- Patrice Vermette für Arrival
- Stuart Craig für Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind
- Jess Gonchor und Navy Haigh für Hail, Caesar!
- Sandy Reynolds-Wasco und David Wasco für La La Land
- Guy Hendrix Dyas für Passengers

Für dieses traumhafte, kunstvolle Finale ...

Bester animierter Kurzfilm
- Blind Vaysha
- Borrowed Time
- Pear Cider and Cigarettes
- Pearl
- Piper

Seit die Academy die Abstimmungsregularien für diesen Oscar geändert und den Kreis der Abstimmungsberechtigten enorm vergrößert hat, geht diese Kategorie tendenziell an den bekanntesten Film. Als Findet Dorie-Vorfilm mit liebenswürdiger Animation hat Piper da den Schnabel vorn ...

Bester Kurzfilm
- Ennemis Intérieurs
- Le Femme et le TGV
- Silent Nights
- Sing
- Timecode

Die Terrorismusgeschichte hat den größten Onlinebuzz. Das sehe ich mal als Vorzeichen ...

Bester Tonschnitt
- Arrival
- Deepwater Horizon
- Hacksaw Ridge - Die Entscheidung
- La La Land
- Sully

La La Land könnte Geschichte schreiben und als erstes Musical diesen Oscar gewinnen, doch irgendwo muss man auch Grenzen ziehen. Und Hacksaw Ridge hat mit seinem Kriegsgeballer einfach die einschneidenderen Soundeffekte …

Bester Ton
- Arrival
- Hacksaw Ridge - Die Entscheidung
- La La Land
- Rogue One: A Star Wars Story
- 13 Hours

Der La La Land-Backlash nahm auch den Klang des Films in die Mangel, trotzdem sehe ich ihn hier vorne - auch nach dem Sieg beim Gewerkschaftspreis.

Beste Effekte
- Craig Hammack, Jason Schnell, Jason Billington und Burt Dalton für Deepwater Horzion
- Stephane Ceretti, Richard Bluff, Vincent Cirelli und Paul Corbould für Doctor Strange
- Robert Legtato, Adam Valdez, Andrew R. Jones und Dan Lemmon für The Jungle Book
- Steve Merson, Oliver Jones, Brian McLean und Brad Schiff für Kubo: Der tapfere Samurai
- John Knoll, Mohen Leo, Hal Hickel und Neil Corbould für Rogue One: A Star Wars Story

Ich finde The Jungle Book als Film überbewertet, dennoch ist die fotorealistische Animation schwer als alles andere als preiswürdig abzutun.

Bestes Original-Drehbuch
- Taylor Sheridon für Hell or High Water
- Damien Chazelle für La La Land
- Yorgos Lanthimos und Efthymis Filippou für The Lobster: Eine unkonventionelle Liebesgeschichte
- Kenneth Lonergan für Manchester by the Sea
- Mike Mills für 20th Century Women

Manchester by the Sea hat ein starkes Skript und war zwischenzeitlich der am meisten mit Oscar-Buzz gesegnete Film nach La La Land. Daher glaube ich, das Chazelle für seinen faszinierenden Referenzenteppich hier leer ausgehen wird.

Bestes adaptiertes Drehbuch
- Eric Heisserer für Arrival
- August Wilson für Fences
- Allison Schroeder und Theodore Melfi für Hidden Figures: Unerkannte Heldinnen
- Luke Davies für Lion: Der lange Weg nach Hause
- Barry Jenkins und Tarell Alvin McRaney für Moonlight

Siehe oben: Moonlight gewinnt stetig an Zugkraft ...

Nicht vergessen: In der Nacht von Sonntag auf Montag wird hier wieder live zu den Oscars gebloggt. Los geht es ca. 23.20 Uhr!