Montag, 31. Dezember 2018

Meine Filmhits 2018


Liebe Leute, es ist nun wieder so weit: Es ist Silvester, und somit schreiben wir den Tag, an dem ich traditionell eine musikalische Hitliste präsentiere. Nach langen Jahren eines generischen Countdowns, geht es seit 2016 hier stattdessen um meine liebsten Filmsongs des ausklingenden Filmjahres. Und um die Sache spannend zu halten, wird jeder Film bloß ein Mal rangelassen. Das verzerrt das Bild natürlich, macht aber hoffentlich den Artikel unberechenbarer. So, genug der Vorrede. Licht aus, Spot an, Musik ab!


Platz 8: Goodbye Farewell (Christopher Robin)

Ein bittersüßer Anfang für einen melancholisch-optimistischen Film: Die neue Sherman-Komposition Goodbye Farewell ist zwar kein neues Meisterwerk, wohl aber eine schöne, eingängige Nummer mit unaufdringlich vermittelter, doch intensiver Emotionalität.


Platz 7: Phänomen (Das schönste Mädchen der Welt)

Es ist mir ein Rätsel, weshalb Tobis weder digital noch haptisch ein komplettes Soundtrackalbum zu Das schönste Mädchen der Welt veröffentlicht hat. Stattdessen gab es nur vier Singles, die man auch nicht kompakt in einem Digitalalbum erwerben oder streamen konnte. Naja, was soll's: Phänomen ist guter Rap-Pop mit einer schönen Hook und einer feinen inneren Dramaturgie. Gefällt mir, sehr.


Platz 6: Can You Imagine That? (Mary Poppins' Rückkehr)

Auch wenn A Cover Is Not The Book meine Lieblingsszene in Mary Poppins' Rückkehr ist, so finde ich Can You Imagine That als für sich stehendes Lied, ohne den es begleitenden Film, etwas besser: Eingängige Melodie, toller Gesang von Emily Blunt und eine entspannende Wohlfühl-Fröhlichkeit, die da versprüht wird.


Platz 5: Shallow (A Star Is Born)

Einer der Gänsehaut-Momente in A Star Is Born, und das selbstredend auch dank dieser kraftvollen Country-Poprock-Hymne mit wuchtigen Vocals von Lady Gaga.


Platz 4: Visions of Gideon (Call Me By Your Name)

Sufjan Stevens' verletzliche Folknummer jagt mir einen Schauer über den Rücken und webt einen eingängigen Klangteppich, in dem man sich leicht verlieren kann. Ein kühles, trauriges Lied, das sich dennoch nicht in Mitleid ertränkt. Stark.


Platz 3: The Greatest Show (Greatest Showman)

Wow. Was für ein wuchtiger Auftakt zum Pop-Zirkusmusical Greatest Showman! Vorwärts treibende Klanggewalt, die sich bombastisch aufbaut und dann nach etwas weniger als einer Minute kurz die Zügel locker lässt, um dann in einen melodischen, kraftvollen Song mündet, der die berauschende Sogwirkung perfekt beschreibt, die der Zirkus für unsere Hauptfigur hat und der Film auf uns ausüben möchte. Voll auf die Fresse, aber in allem Mangel an Subtilität echt stylisch und mitreißend.


Platz 2: BAMM (Zombies - Das Musical)

Es ist bescheuert, es macht enormen Spaß, ich liebe es.


Platz 1: Human Voice (Anna und die Apokalypse)

Das weihnachliche Zombie-High-School-Musical Anna und die Apokalypse ist rappelvoll mit tollen Songs, weshalb mir diese Entscheidung schwer gefallen ist. Letztlich habe ich beschlossen, den Song zu nehmen, der mich beim ersten Anschauen dieses Films am meisten überrascht und mitgenommen hat: Nach einigem High-School-Alltag und Zombie-Splatter-Spaß schaltet der Film einen Gang runter und überrascht mit dieser elektronischen Nummer voller Verzweiflung, Sorge und sanft glimmernder Hoffnung auf ein besseres Morgen. Starke Nummer, gute, unverbrauchte Stimmen. Meine Nummer eins des Filmsongjahres.

Freitag, 28. Dezember 2018

Meine Gedanken zum Kinojahr 2018


2018 war an den deutschen Kinokassen ein armseliges Schauspiel: Die deutsche Kinobranche kämpfte darum, die Anzahl der verkauften Eintrittskarten im Bereich der dreistelligen Millionensumme zu halten. Was für ein peinliches Ergebnis - und da braucht niemand Netflix, Amazon Prime und Konsorten sowie der Fußball-WM die Schuld in die Schuhe zu schieben. In anderen Ländern wie Polen oder Großbritannien schrieb das Kino Rekordzahlen, auch in Frankreich ging es dem Kinobetrieb hervorragend. Und auch dort gab es im Sommer Sport-Großereignisse in der Glotze zu sehen, und Streamingdienste existieren dort ebenfalls. Irgendwas läuft also gewaltig schief in der Film-Bundesrepublik, und da muss sich dringend was tun.

Nicht, dass sich diese besorgniserregenden Entwicklungen auf die Kinozahlen beschränken würden. Tumbe, engstirnige Menschen, die einfache "Die da sind schuld!"-Antworten auf komplexe Fragen suchen, werden lauter und apolitische sowie uninformierte Personen lassen sich zunehmend von ihnen mitreißen und überzeugen. Fortschritt und Aufklärung reiben sich mit steigender Intensität an Regression, Unverständnis und Vergangenheitsverklärung. "Alle werden verrückt, früher war alles so viel besser", heulen jene, denen einst einfach nur keine Probleme bewusst waren und sich nun darüber echauffieren, dass andere Gruppen ähnlich gute Erfahrungen in ihrem Leben machen wollen wie jene, deren einziges Problem es ist, zu behaupten, die Klagenden hätten doch gar kein Problem. Sterben Empathie und das intellektuelle Vermögen, sich in die Situation Anderer zu versetzen, wirklich aus - oder haben die Tumben schlicht mehr Ausdauer, ihre Begriffsstutzigkeit und Aggression zu verbreiten?

Optimisten sagen, die Gesellschaft habe gerade nur Wachstumsschmerzen und der Ruck des "Ich denke nur an mich, denn ein Stein allein ist stabiler als ein ganzes Haus, da bin ich mir sicher, das hat mir ein Architekt auf Facebook gesteckt"-Denkens wird wieder zurückgehen. Pessimisten machen sich derweil für eine Neuauflage des 20. Jahrhunderts bereit, und auch wenn das bedeutet, dass 2034 die neue beste Figur der Popkulturgeschichte kreiert wird, habe ich ja mal sowas von gar keine Lust darauf. Nur wie will man in Zeiten, in denen die Diskussionskultur der durch Filterblasen mit einer Unwucht versehenen "Ich habe recht, mir stimmen in genau diesem Moment nämlich mehr Menschen zu"-Logik gewichen ist, noch Überzeugungsarbeit leisten?

Es ist eine seit Jahren um sich greifende Entwicklung, an der man leicht verzweifelt, und daher wundert es wohl kaum, dass 2018 die Schlagzahl der Filme enorm gewachsen ist, die entweder von Zorn durchzogen sind oder mit einem glücklosen Ende aufwarten. Meine Jahresbestenliste ist ein Ball der wütenden, traurigen und freudlos endenden Filme, nur partiell aufgelockert durch die letzten wackeren Vertreter des naiv-frohen Eskapismus. Und wer das Kino heutzutage für "zu politisch" hält, hat früher beim Filmkonsum schlicht zu wenig nachgedacht und sollte froh sein, dass Filmschaffende Stellung beziehen, statt den Kopf in den Sand zu stecken. Wir hätten keinen Film, keine Kunst und keine Kultur, würden wir uns beständig dem Stillstand und der Regressivität verschreiben. Denn alles, was für unsereins vielleicht Tradition und Komfort darstellt, war einst eine neue Idee, die von zornigen Menschen als Frevel, Verrat am Bestehenden oder Zerstörung des Gewohnten angesehen wurde.

Also, Leute: Hasst und pöbelt 2019 weniger und geht stattdessen mehr ins Kino. Danke.

Mittwoch, 26. Dezember 2018

Die schlechtesten Filme 2018 (Teil II)

Es tat weh, aber es wird noch mehr schmerzen: In diesem Ranking präsentiere ich euch die 15 Filme, die mich 2018 am meisten haben aufschnaufen lassen, bei denen ich mich am meisten angeödet im Kinosessel gewunden habe und bei denen ich mir besonders stark vor lauter Frust in Gedanken die Haare gerauft habe.

Aber zum Aufatmen gehen wir hier noch ganz rasch einige unehrenwerte Nennungen durch, Filme, bei denen ich zwar kopfschüttelnd dagesessen habe, mich jedoch nicht durchringen kann, sie in eine Flopliste zu packen. Da wäre der Netflix-Unsinnskitsch Prinzessinnentausch mit Vanessa Hudgens, eine steif gespielte und hölzern geschriebene Der Prinz und der Bettelknabe-Variante inklusive dreister Netflix-Eigenwerbung, die alles in allem jedoch recht harmlos daherkommt. Dann bin ich zwar völlig ratlos, wie der nach dem ersten Akt in seiner Dramaturgie, inneren Logik und der Verfolgung seines spannenden Konzepts auseinanderbröckelnde A Quiet Place so ein Kritiker- und Publikumsliebling werden konnte, allerdings halten der erste Akt und Emily Blunt dieses "Signs auf Steroiden" doch klar von den Flops fern. Ähnliches gilt für den mich fast schon aggressiv machenden Deadpool 2, bei dem ungefähr 80 Prozent der "Gags" aus wahllos daher gehäkelten Schimpfwörtern und stinkfaulen Versuchen der Selbstironie bestehen. Aber der Film haut so ein Dauerfeuer an Gags raus, dass ich selbst bei dieser niedrigen Trefferquote oft schmunzeln musste - und wie der Film Glückspilz Domino interpretiert oder mit der X-Force umgeht, macht schon Laune. Egal wie sehr mich diese Superheldenfarce in ihrer Stupidität oftmals zur Verzweiflung bringen mag.

Die Erscheinung derweil ist ein träges Glaubensdrama, das sich arg auf eine austauschbare Hauptfigur stützt und ein in meinen Augen dämliches Ende aufweist, aber zwischendurch ein paar gute Gedankenanstöße leistet und eine gute weibliche Hauptperformance umfasst. Die Netflix-Zeitreisekomödie The Day We Met hingegen hat, wenn man sie lang genug durchrüttelt, das Herz am rechten Fleck und ein paar nette Schmunzler, aber auch eine unausstehliche Hauptfigur und zudem enorme Probleme, ihre Moral in die richtigen Worte und Handlungsfäden zu bringen. Rampage auf der anderen Seite wechselt kopflos zwischen Schwachfug, der sich leider ernst nimmt, und gesund-hirnlosen Spaß - und leider, leider kommt diese zweite Seite des Films zu selten zum Zug. Seine Momente hat dieser Zerstörungsfilm dennoch.

Anders als die Netflix-Komödie Vater des Jahres mit David Spade, die lahm und unlustig, aber auch unnervig für sich hinplätschert. Die Tragikomödie Wunder unterdessen ist anbiedernd und schmierig, jedoch umschifft sie dann und wann sogar ein paar Klischees. Außerdem musste ich mehrmals schmunzeln und Owen Wilson sowie Julia Roberts bekommen ihre Szenen schon ganz süß hin. Die nachfolgenden Filme haben hingegen deutlich weniger Kriterien, die ihre schwachen Seite ausbügeln könnten ...

Platz 15: Feuer im Kopf (Regie: Gerard Barrett)

Ich halte Chloë Grace Moretz für eine sehr fähige Schauspielerin und auch in diesem auf wahren Begebenheiten beruhenden Drama gibt sie sich sichtbar Mühe. Aber Regisseur Gerard Barrett packt die Geschichte einer jungen Journalistin, die aufgrund einer nicht einzuordnenden Krankheit erst die Kontrolle über ihre Arbeitshaltung, dann über ihr ganzes Leben und letztlich über ihren Körper verliert, beschämend-grobschlächtig an. Da bekommt Moretz auch mal für ein paar Sekunden übergroße, am Computer animierte Augen verpasst, um zu verdeutlichen, dass sie gerade völlig neben der Spur ist. Was auf dem Papier die direkt vermittelte Beschreibung einer schweren Krankheit sein könnte, ist in dieser Umsetzung ein Grausen mit grobschlächtiger Narrative sowie melodramatischer Inszenierung.

Platz 14: Night School (Regie: Malcolm D. Lee)

In einer Hinsicht war ich von Night School positiv überrascht: 2017 landete Girls Trip unter anderem aufgrund der Performance von Tiffany Haddish auf einem der vorderen Ränge meiner Jahresflops. Und da ich Haddish Anfang 2018 auch bei der Verkündung der Oscar-Nominierungen anstrengend bis unausstehlich fand, war ich mir sicher, sie auch in Night School ätzend zu finden. Aber weit gefehlt: Sie ist sogar einer der wenigen Pluspunkte dieser mäandernden Komödie, in der ständig Gags plattgetreten werden und Dialoge ins Nichts laufen. Hölzern inszeniert und mit einem haarig zusammengeschusterten Skript versehen war Night Schol jedoch auch trotz dieser positiven Überraschung eher Geduldsprobe als Lachmuskeltraining.

Platz 13: Mein Bruder heißt Robert und ist ein Idiot (Regie: Philip Gröning)

Aus der Kategorie "Feuilletonlieblinge, die sich mir nicht erschließen" präsentiere ich heute: Das fast dreistündige philosophische Jugenddrama Mein Bruder heißt Robert und ist ein Idiot, in dem zweieiige Geschwister für eine Philosophieprüfung lernen wollen, letztlich aber nur Schabernack treiben, der immer weiter eskaliert, bis er erst ein, dann zwei, dann drei Tabugrenzen überschreitet. Die philosophischen Debatten in diesem grobkörnigen Streifen sind jedoch kopflos, die beiden Hauptfiguren sind (so weit es sich mir thematisch erschließt ,völlig grundlos) unausstehlich und die gezielten Provokationen, die einigen Kollegen die Schamesröte ins Gesicht getrieben haben, haben sich mir klar angekündigt und entlockten mir nur ein: "Na, endlich tut sich was!" Daher ist der raue, grobe Exploitation-Schlussakt in meinen Augen auch ganz solide - selbst wenn die (potentielle) Schlusspointe dem Ganzen wieder den Biss raubt.

Platz 12: Die Pariserin - Auftrag Baskenland (Regie: Ludovic Bernard)

Eine Pariser Karrierefrau (durchaus charmant: Élodie Fontan) wird von einem Supermarkt-Großkonzern ins Baskenland geschickt, um in einem kleinen Dörfchen einen gut laufenden Eisenwarenladen aufzukaufen. Was folgt, ist eine Klischeeparade aus "Stadtmentalität gegen Dorfmentalität", die durch einen Subplot über eine Separatistenarmee ins Absurde überzogen wird. Was ein feucht-fröhlich-bescheuerter Spaß werden könnte, wird aufgrund eines ebenso hanebüchenen wie inkonsistenten Drehbuchs und greller Regieführung ziemlich anstrengend, selbst wenn manche frivolere Pointen durchaus zu landen wissen.

Platz 11: Alpha (Regie: Albert Hughes)

Lange in Arbeit, mehrfach verschoben und letztlich mit einer mittelgroßen Kontroverse in die Kinos entlassen, ist dieses prähistorische Abenteuerdrama der Versuch dessen, nachzuerzählen, wie die Freundschaft zwischen Mensch und Hund entstanden sein könnte. Während sich vor allem die US-Kollegen durchaus zu Lobeshymnen über die Ästhetik dieses Films haben hinreißen lassen, fand ich den matschig-gräulich-bräunlichen Film überaus hässlich und Hughes' Stilmittel, wiederholt das Geschehen im Seitenprofil einzufangen, zwar reizvoll, aber enttäuschend-inkonsequent umgesetzt. Hinzu kommt eine kitschig-klischeehafte Zähmungsgeschichte, die wie ein schlechtes Prequel strukturiert ist, frei nach der Marke: "Hey, erinnert ihr euch an diese Sache, die Hunde immer machen? So kamen die darauf!" Das ist sehr oft unfreiwillig komisch, und dass für diesen Film Bisons getötet wurden, um den Look authentischer zu gestalten, man davon aber überhaupt nichts zu spüren bekommt, ist nun auch nicht unbedingt ein Pluspunkt. Langweilig und albern zugleich: Nein, danke.

Platz 10: LOMO - The Language of Many Others (Regie: Julia Langhof)

Der deutsche Jugendthriller LOMO - The Language of Many Others argumentiert so, wie jene, die Black Mirror nicht gucken, es der dystopischen Anthologieserie basierend auf groben Plotangaben unterstellen: "Igitt, Technologie!" In diesem mahnenden Zeigefinger von einem Film ist das Internet die Wurzel sämtlicher Leiden unseres begriffsstutzigen Protagonisten, der mit seinem schäbigen Blog (der dennoch Menschen aus aller Welt erreicht, die eine Passion mit sich bringen, wie sie selbst YouTuber-Fanatiker selten an den Tag legen) das Wohl seiner Familie und diverser Bekannter ins Wanken bringt. Die Darstellung dessen, was im Web abgeht, ist zu gleichen Teilen inakkurat und veraltet, und die Didaktik dieses Films gleicht preußischer Abschreckungspädagogik. Yikes. Fetter Dislike.

Platz 9: Hot Dog (Regie: Torsten Künstler)

Eines muss ich diesem mit grobschlächtigen Produktplatzierungen vollgepackten Action-Komödienthriller lassen: Matthias Schweighöfer bemüht sich verzweifelt, dem Skript eine Prise Selbstironie zu entlocken, was ihm allerdings nur in sehr geringer Taktung gelingt. Und zwischen all den lärmenden, in die Länge gezogenen Gags über Jungfrauen, geile Stecher (Til Schweiger, wer sonst?) und notgeile Schlampen (alle Frauen, wer sonst?), sowie der behäbigen Actionpassagen ist das einfach viel, viel, viel zu wenig.

Platz 8: Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen (Regie: David Yates)

Wäre dies eine Liste der Kinobesuche, bei denen ich mich am meisten gelangweilt habe, so befände sich das zweite Harry Potter-Prequel sogar auf dem Silberrang. Ich habe mich noch mehr durch die mehr als 130 Minuten Laufzeit gegähnt als durch Alles Geld der Welt, und nur das, was in diesem Ranking auf Platz vier folgt, hat mich noch mehr mit meiner Aufmerksamkeit ringen lassen. Und, gewiss: Womöglich liegt die gähnende, stechende Ödnis, die ich während Grindelwalds Verbrechen empfunden habe, auch ein Stück weit an meinem generellen Desinteresse an J. K. Rowlings Zauberwelt. Andererseits ist der erste Phantastische Tierwesen-Teil noch meiner Flopliste entgangen. Denn der hatte keine derart zerfasernde Erzählstruktur, keine dermaßen orientierungslos durch den Plot stolpernde Figuren, keine elendig langen "Lasst uns kurz innehalten und alle von früher erzählen"-Expositionsberge und war außerdem besser inszeniert. In Grindelwalds Verbrechen gibt zumindest mir Yates nämlich wiederholt keinerlei Gefühl für die Geografie des Geschehens. Da eilt gerne mal eine Figur nach links, von rechts kommt eine Attacke, Gegenschuss, andere Figuren stehen da und wehren die Attacke ab, Schnitt, die Figur, die ich vor dem inneren Auge schon hab niedergehen sehen, steht ganz woanders und schaut amüsiert zu. Na, wenigstens die Leute im Film haben also Spaß ...

Platz 7: The Cloverfield Paradox (Regie: Julius Onah)

Was einst als der spektakuläre dritte Kino-Eintrag ins Cloverfield-Franchise geplant war, wurde von Paramount Pictures nach mehreren Verschiebungen an Netflix veräußert und dort kurzfristig, von einer kurzen, doch intensiven Werbeaktion begleitet, in der Nacht nach dem Superbowl veröffentlicht. Und das ist auch mit Abstand das spannendste und aufregendste an diesem sterbenslangweiligen, zerhackstückelt erzählten Film voller talentierter Schauspielerinnen und Schauspieler, die allesamt wie gehemmt oder gar auf Baldrian wirken. Allein Chris O'Dowd, der als einziger mit Selbstironie gegen den Rest dieses Sci-Fi-Thrillers anspielt, bleibt positiv in Erinnerung, was angesichts der haarsträubenden Dialoge und der spröden Inszenierung jedoch nur ein kleiner Tropfen auf dem heißen Stein ist.

Platz 6: Das Zeiträtsel (Regie: Ava DuVernay)

Der zum Himmel schreiende Tiefpunkt des Disney-Jahres: Die Romanadaption Das Zeiträtsel alias A Wrinkle in Time ist zugegebenermaßen ambitioniert und hat ein paar reizvolle, da kreativ-überbordende Kostüme sowie ein, zwei herrlich-surreale Szenen. Allerdings wird dies ertränkt in einer Flut an Kalendersprüchen, Glückskeks-Merksätzen und Horoskop-Weisheiten, wie es sie in diesem Dauerfeuer zuletzt in Verborgene Schönheit zu erdulden gab. Für einen Film, der vom potentiellen Untergang der Welt, wie wir sie kennen, handelt und der gelegentlich in albtraumhaft-surreale Bilder abtaucht, packt Das Zeiträtsel seine Protagonistin und sein Publikum lachhaft intensiv in Zuckerwatte und Bläschen-Polsterfolie. Und als fände ich die stetige Oprah-Winfrey-Vergötterung nicht schon beschämend genug, haben wir hier mit CHARLES WALLACE (immer laut, immer mit vollem Namen auszusprechen) noch eines der nervigsten Filmkinder dieses Kinojahrzehnts zu erdulden. Ein Nervensägewerk von einem Film. Und dennoch nur Platz sechs ...

Platz 5: Slender Man (Regie: Sylvain White)

Ich wollte diesen Film mögen. Wirklich. Als der erste Trailer online gemeinhin mit Gähnen und Schulterzucken begrüßt wurde, habe ich darüber noch mit dem Kopf geschüttelt und war voller Hoffnung, dass aus dem Stoff vielleicht ein dreckig-fieser, surreal-disassoziativer Höllentrip werden könnte. Nachdem die Meinungsverschiedenheiten hinter den Kulissen publik wurden, gab ich den Film noch immer nicht auf, und selbst nach den vernichtenden US-Kritiken hatte ich die Hoffnung: "Naja, vielleicht irren die Amis einfach alle." Aber, nein. Weit gefehlt. Slender Man ist ein träges, ödes Etwas von einem Film mit einer milchig-unfokussierten Kameraarbeit (war kein Geld für Licht da?!) und weitestgehend desinteressierten Performances. Vor allem aber ist das Storytelling fahrig: Zu zusammenhängend, um als Mindfuck zu packen, aber viel zu löchrig, als dass die Erzählung irgendwie noch zum Mitfiebern taugen würde. Zudem wurden aufgrund der Vorabkontroverse (dem Film wurde angelastet, eine reale Tragödie auszuschlachten) mehrere Schocks aus dem Film geschnitten, so dass eine blut- und spannungsleere Hülle übrig geblieben ist, der nur sehr, sehr spärlich anzumerken ist, was bei einer fähigeren Umsetzung aus ihr hätte werden können. So erfolgt die intensivste, trippigste Heimsuchung unserer von digitaler Kommunikation besessenen Figuren in einer Bibliothek - ob sich Elle-Autor David Birke da was gedacht hat?

Platz 4: Trouble (Regie: Theresa Rebeck)

Wer dringend in Morpheus Schoß fallen möchte, aber keine Schlaftabletten übrig hat, sollte es mit Trouble versuchen, einer sterbenslangweiligen, träge inszenierten "Komödie" über einen Geschwisterstreit in einem Provinzstädtchen voller flacher Figuren. Anjelica Houston und Bill Paxton necken sich mit steifer Miene und praktisch jeder Gag geht völlig schief. Wäre da nicht Julia Stiles, die mehr noch als Josefine Preuß in Verpiss dich, Schneewittchen mit vollem Einsatz die Monotonie durchbricht, ich wäre mir nicht sicher, ob dieser Film nicht klinisch tot ist.

Platz 3: Downsizing (Regie: Alexander Payne)

Der nach deutschem Veröffentlichungskalender erste Kinostart 2018, den ich gesehen habe (einer frühen Pressevorführung sei es gedankt), war auch das gesamte Jahr über einer der Maßstäbe dafür, wie sehr ein Film Aggressionen in mir wecken kann. Alexander Paynes einst von manchen Experten als potentieller Oscar-Anwärter gehandelter Film über eine Zukunft, in der sich manche Menschen zur Rettung der irdischen Ressourcen (oder aus reinem Hedonismus) schrumpfen lassen, ist nämlich ungeheuerlich anstrengend. Die Prämisse, die Doppelmoral und weitere gesellschaftliche Probleme satirisch aufbereiten könnte, gerät schnell in den Hintergrund dieses schlecht strukturierten Dramas (das mindestens drei Anfänge und zwei Enden hat). Matt Damon spielt mit enervierender Austauschbarkeit die langweiligste Figur in diesem Film, die Alexander Payne jedoch ohne doppelten Boden in den Fokus stellt, die Dialoge sind grobschlächtig, die Witze verpuffen aufgrund des schleppenden komödiantischen Timings und Hong Chaus Nebenrolle einer keifenden Putze mit Prothese ... Nun ja. Es wurde viel darüber debattiert, ob sie eine rassistische Karikatur ist oder nicht, und ich tendiere zu Ersterem: So, wie Payne die Figur einsetzt, sollen wir darüber lachen, wie seltsam und anders sie sei. Und das macht die Rolle nochmal deutlich anstrengender, als sie aufgrund Chaus ständigem Gekreische eh schon ist. Alles in allem ist Downsizing ein Film, der weniger an einzelnen Problemen krankt, sondern daran, wie sie im Zusammenspiel räsonieren: Denke ich an Downsizing zurück, schaudere ich nur. Das ist nicht der analytischste oder eloquenteste Weg, einen Film zu kritisieren, aber es ist ein sehr bildlicher - und das gestattet ihr mir in dieser Liste hoffentlich.


Was passiert, wenn man eine altbackene, in übermäßig kontrastreichen Bildern gehaltene Komödie in ein Schnittprogramm lädt, sich die Augen verbindet und wild auf die Tastatur hämmert? Ich weiß es nicht, allerdings kann das Ergebnis kaum schlimmer sein als Til Schweigers neuste deutschsprachige Regiearbeit. Ich könnte mich nicht entsinnen, wann ich zuletzt einen so mies geschnittenen, professionellen Film dieser Größe gesehen habe. Wahllos hackt sich Schweiger irgendwas zusammen, selbst in ruhigen Gesprächen wechseln die Einstellungen in Sekundenbruchteilen. So zerreißt der Schnitt die Schauspielleistungen des Casts aus Leuten, die alle schon richtig gutes abgeliefert haben, und dabei bräuchten diese jammernden (alle, außer Schweiger) und selbstverliebten (Schweiger) Silberrücken dringend jedes Bisschen an via Schauspiel vermitteltes Charisma, das sie haben können. Denn die Figuren sind unausstehlich und gallig geschrieben, was in ähnlich ätzende Gags mündet. Schweiger gröhlte unter anderem bei Facebook, Kritiker hätten ja nur mal wieder keine Ahnung und das Publikum würde ja auf diesen Film wieder einmal abfahren. Aber, mal nachgehakt: Wieso erreicht Klassentreffen 1.0 nur einen Bruchteil der Menschen, die der besser inszenierte und geschnittene (sowie viel herzlicher geschriebene) Keinohrhasen erreicht hat? Ist es vielleicht denkbar, dass das breite Publikum vielleicht nicht aktiv auf solche handwerklichen Sachen achtet, sie aber sehr wohl spürt?!


Eine Sache hat dieses deutsche Indiekomödien-Experiment Til Schweigers Klassentreffen 1.0 voraus: Lola Randls grelle, schrille, wirre Verwechslungskomödie hat Anspruch und Ambition, wo Schweiger auf Kalauer und Kalkül setzt. Und dennoch fand ich es noch anstrengender, noch nerviger, durch Fühlen Sie sich manchmal ausgebrannt und leer? zu sitzen als durch das Schnittdesaster der Altherren: Irgendwo in dieser Ansammlung von atonalem Slapstick, stumpfer Farce und massigem Overacting vor grellen Kulissen steckt eine komödiantische Parabel darüber, wie wir in unserem (Liebes-)Leben stets nur Rollen spielen, statt uns selbst treu zu bleiben. Aus dieser Feststellung formt sich hier jedoch dank dünner, breit ausgewalzter Symbolik, stumpfsinniger Situationskomik und anstrengender Musik ein pures, aggressives Filmgrauen. Fühlen Sie sich manchmal ausgebrannt und leer? ist die missratene Bizarro-Version des ebenfalls hochstilisierten, allerdings smarteren Einsamkeit und Sex und Mitleid oder von Zwei im falschen Film, es ist schrill, einfach nur um schrill zu sein, es ist in meinen Augen längst nicht so helle, wie es wohl glaubt, es ist nervenzerfetzend, es ist der für mich schlechteste Film des Jahres.

Aber, hey. Demnächst geht es hier positiver zur Sache.

Montag, 24. Dezember 2018

Frohes Fest


Egal wie ihr feiert, egal, ob ihr überhaupt feiert. Ich wünsche euch schöne Tage. Fühlt euch von mir gedrückt und lasst es euch bitte gut gehen!

Die schlechtesten Filme 2018 (Teil I)

Und schon ist es wieder jene Zeit des Jahres: Silvester rückt näher, und ich lasse die zurückliegenden Monate Revue passieren. Dazu gehört es selbstredend, über die Filme des Jahres zu sinnieren, und so sehr ich auch gerne meine Passion fürs Kino und die Filmkunst hochleben lasse: Wenn man, so wie ich, über 230 Mal im Jahr ins Kino geht, und obendrein auch im Heimkino eifrig Filme nachholt, bleibt man zwangsweise nicht von misslungenen Produktionen verschont. Bevor ich mich hier also den Zuckerstücken widme, möchte ich dafür sorgen, dass das euer Bild meiner Perspektive auf die weite Welt des Films auch rund bleibt und ergänzend zu den demnächst anstehenden Tops meine Flops des Filmjahres präsentieren.

Wie jedes Jahr gilt auch dieses Mal an dieser Stelle: Ich habe mit "Die schlechtesten Filme" eine zwar aufmerksamkeitserregende, allerdings reißerische, gar irreführende Überschrift gewählt. Mir fällt nur leider nichts besseres ein. Schließlich klingt "Hassfilme" leider noch aggressiver. Selbst wenn es treffender ist. Denn hier geht es nicht ausschließlich um handwerkliche Rohrkrepierer, sondern um Filme, die bei mir auf höchst persönlicher Ebene große Antipathiepunkte sammeln. Filme, die mich wütend gemacht haben, mich frustrieren und nerven oder auf ätzende Weise langweilen. Anders gesagt: Während in der kommenden Liste meiner Lieblingsfilme die Filme gefeiert werden, die mein Filmliebhaberherz haben höher schlagen lassen, stelle ich euch nun die vor, bei denen es sich vor Antipathie zusammengezogen hat. Los geht es mit ...

Platz 25: The Christmas Chronicles (Regie: Clay Kaytis)

Die Weihnachtskomödie The Christmas Chronicles hat einen großen Pluspunkt: Kurt Russell in der Rolle des rockig-coolen Weihnachtsmannes. Russell sieht nicht nur denkwürdig aus im Santa-Claus-Kostüm, er hat auch ansteckende Freude an dieser Rolle. Doch allein schon die Charakterisierung des Weihnachtsmanns ist reines Glücksspiel in diesem Film: Mal der weltfremde Typ mit dem Kopf in den Wolken, dann der saucoole Dad, den unsere Hauptfigur, der jugendliche Delinquent Teddy (Judah Lewis) dringend benötigt, dann ein strenger, aber spaßiger Sonderling, dann der freundlich-kitschige Weihnachtsmann, nur mit süffisanterem Blick. Der Rest des Films? Witze, die nicht zünden, konkurrierende Running Gags darüber, ob der Weihnachtsmann nun fett oder überraschend schlank ist, anstrengende Kinderfiguren und computeranimierte Fellelfen, die wie aus einem Werbespot der frühen 2000er-Jahre entflohen wirken. Netflix-Programmchef Ted Sarandos kann noch so viele irreführende Vergleiche und krumme Rechenversuche betreiben, um den Film zu feiern: Für mich heißt es bei diesem Film "Einmal und nie wieder."

Platz 24: Verpiss dich, Schneewittchen (Regie: Cüneyt Kaya)

Die erste (und eventuell letzte?) Kinokomödie des Komikers Bülent Ceylan wurde mehrfach verschoben und letztlich ziemlich sang- und klanglos in einige wenige Kinos geschüttet. Und es fällt mir nicht schwer, den Grund dafür zu mutmaßen: Dieses Fließbandvehikel hakt nahezu alle Klischees für "Komiker versucht es mit einem Spielfilm"-Produktionen uninspiriert und hölzern ab. Ohne Erzählrhythmus und mit einem recht schwammigen, die Pointen ins Leere laufen lassenden, Schnitt geht in dieser Komödie über einen Niemand, der Musikstar werden will, sehr oft der Spaßfaktor baden. Ceylan hat zweifelsohne Charisma, findet jedoch nicht so wirklich ins Schauspiel hinein, die Songs der Band, um die es hier geht, sind weder schmissig noch witzig. Die Nebenfiguren sind völlig nachlässig geschrieben, weshalb es schwer ist, mitzufiebern, und der Look ist auf dem Niveau einer RTL-Sitcom. Aber: Ein paar nette Seitenhiebe auf Rechtspopulismus bekommt der Film zustande und dass Bülent Ceylan, ein leider kaum etwas zu tun habender Kida Khodr Ramadan und eine mit wirklich voller Macht aufspielende Josefine Preuß, die alles tut, um irgendwie diesem Skript Lacher zu entlocken, mit völliger Selbstverständlichkeit als Geschwister dargestellt werden, hat auch was Positives an sich.

Platz 23: Egal was kommt (Regie: Christian Vogel)

Ein Journalist ohne Ahnung von Motorrädern nimmt sich ein Jahr frei, um (ohne seine motorradverrückte Partnerin) die Welt mit dem Motorrad zu umrunden, und hält (natürlich!) alles mit der Kamera fest. Denn heute kann niemand eine Reise unternehmen, ohne davon zu erzählen. Regisseur und Dokumentationssubjekt Christian Vogel schafft es, unentwegt von den aussagekräftigen, informativen Aspekten seines Materials wegzuschneiden. Er hat ungefähr so viel Ahnung von Motorrädern wie ich von Fußball und braucht daher einen intensiven Crashkurs? Ja, rasch zusammengefasst und daraufhin nicht weiter von Belang. Er trifft einen gastfreundlichen Homosexuellen in der Türkei, der ihm sein Herz ausschüttet, und von seiner kaputten Beziehung zu seiner Familie erzählt? Ach, handeln wir das in zwei, drei Sätzen ab und verwenden lieber mehrere Filmminuten dafür, um zu erklären, wie unfassbar unglaublich es ist, dass er es wagt, den deutschen Journalisten, um den es hier geht, anzuflirten! Irre Situation, nicht!? Christian Vogel lernt zahlreiche weitere Menschen mit bewegten Leben und interessanten Perspektiven auf Politik und Touristik kennen? Ja, alle kurz abhaken und dafür lieber immer wieder künstlich lange Spannungsmomente darüber kreieren, dass unser Journalist, der es sich leisten kann, ein Jahr lang frei zu nehmen, über seinem Budget sitzt und überlegt, ob er etwa seine Route ein bisschen kürzen muss! Schlimm! Würde Vogel nicht, ja man möchte fast sagen "aus Versehen", eben doch ein paar profunde Impressionen aus aller Welt einfangen (wie etwa das radikale Arm/Reich-Gefälle in Indien, wo zwischen Nichts und einer Baracke ein BMW-Protzbau steht), wäre diese Dokumentation deutlich höher in meinen Flops.

Platz 22: Vielmachglas (Regie: Florian Ross)

Bleiben wir bei Filmen darüber, dass weite Reisen den Charakter bilden: Die Road-Trip-Dramödie Vielmachglas handelt von der Stubenhockerin und Kinoenthusiastin Marleen (Jella Haase), die von ihrem älteren, globetrottenden und von ihren Eltern massiv bevorzugten Bruder (Matthias Schweighöfe) dazu angespornt wird, ein Einmachglas mit Zetteln voller Reiseerinnerungen zu füllen. So weit, so nachvollziehbar. Nein, echt, das war von mir ironiefrei: Haase gibt eine sympathische, halb-widerwillige, halb-interessierte Protagonistin und Regisseur Florian Ross sowie Finn C. Stroeks schaffen es, die in Trailern noch nach bevormundender "Wer die Welt nicht bereist, ist minderwertig!"-Plattitüde klingende Prämisse so aufzuzäumen, dass es greifbarer klingt. Was sich daraufhin aber entwickelt, ist ein sonderbar geschnittenes, zwischenzeitlich mit ätzig-cartoonigen Soundeffekten verfremdetes Roadmovie mit überzogenem Kitschfinale und grellen Randfiguren. Treffende Seitenhiebe auf schrille Social-Media-Influencer und ein paar süß-kurzweilige Momente zwischen Haase und Marc Benjamin als Love Interest (solch ein Film kommt nie ohne Love Interest aus!) bewahren Vielmachglas jedoch vor den Flop 20.

Platz 21: Ready Player One (Regie: Steven Spielberg)

Steven Spielberg, was ist nur los mit dir? Nach dem katastrophalen, unausstehlichen BFG - Big Friendly Giant folgt mit Ready Player One ein weiterer Flop vom hoch dekorierten Popcorn-Regisseur: Basierend auf "Ich zähle kultige Werke aus Film, Fernsehen, Musik, Comics und der Videospielkultur auf - Das Buch" liefert Spielberg hier "Oh, hey, das kenne ich! - Der Film" ab. Voll mit Referenzen, die nur dazu da sind, um da zu sein, Referenzen, die frei von Ironie, Selbstkritik oder Dekonstruktion der Intention des Originalwerkes widersprechen, und Referenzen, die erklärt werden, ist Ready Player One ein Film frei von kreativer, narrativer oder thematischer Raffinesse. Und dann wird aufgrund des ungelenken Skripts aus dem Versuch, eine Geschichte darüber zu erzählen, dass Eskapismus zwar schön ist, jedoch niemals die oberste Priorität im Leben haben sollte, stattdessen eine Geschichte darüber, dass es Fake-Fans und echte Fans gibt, und dass Fake-Fans niedergerungen gehören. Denn nur, wer die Zeit und den Willen zur komplett monotonen Lebensgestaltung hat, sich einem Stück Popkultur (hier: Alles, was dieser eine Videospielentwickler vor Ewigkeiten geil fand) so intensiv zu widmen, dass man jeden noch so trivialen Pups auswendig kennt, ist ein wertvoller Mensch. Äh, Fan. Ergänzt durch eine beschämend schlechte Darbietung von Mark Rylance als "Ich bin ein menschenscheuer tattriger Obernerd, habt mich lieb!" und ein matschiges Produktionsdesign voller halbgarer Trickeffekte, die diesen Referenzeneintopf zu einer braun-grau-dunkelblauen Plörre runterkochen, ist Ready Player One ein großes Warnsignal, ob wir Steven Spielberg vielleicht mal dringend wieder auf andere Stoffe ansetzen sollte als CG-Fantasy-Gewitter. Aber, hey: Die Shining-Hommage ist beeindruckend.

Platz 20: Aquaman (Regie: James Wan)

Ich will es nicht. Ich will DC nicht schon wieder in meinen Flops sehen. Ich liebe Christopher Nolans The Dark Knight-Trilogie, ich gehöre zu jenen, die emsig Man of Steel verteidigen. Konkurrenz belebt das Geschäft. Es ist keine Prinzipiensache, es ist kein "Ich bin Team Marvel, DC muss halt versagen"-Denken. Wirklich nicht. Und dennoch taucht auch Aquaman in meinen Flopbereich ab. Denn mir wurde offensichtlich ein ganz anderer Film vorgeführt als all jenen, die James Wans Superheldenspektakel als bunt und visuell imposant (ich finde ihn matschig und visuell weitestgehend einfallslos), mit überzeugenden Effekten (nein, einfach nein) und spaßig (nur dann, wenn Jason Momoa sich ironisch-süffisant über das Material erheben darf, was eher selten passiert) feiern. Amber Heard ist hölzern, die Action egal und wuselig (bis auf eine schneidige Szene in einem Mamma Mia!-haft überbelichteten Sizilien) und alles in allem finde ich Aquaman leider einfach: Neeee.

Platz 19: Alles Geld der Welt (Regie: Ridley Scott)

Ridley Scott hat es geschafft, die wahre Entführungsgeschichte des Erben des seinerzeit reichsten Mannes der Welt so zu erzählen, so zu takten, so zu filmen, so zu schneiden, dass aus ihr eines der mit Abstand langweiligsten Kinoerlebnisse des Jahres für mich wurde. Ich kam bei diesem gräulich gefilmten, schleppend aufgezogenen, keinerlei Charaktertiefe aufweisenden "Thriller" aus dem Gähnen einfach nicht mehr heraus. Mark Wahlberg spielt seine Figur völlig gegen das Skript gebürstet, was das Material weiter hemmt, Christopher Plummer ist einfach nur anwesend und bekommt dafür trotzdem Anerkennungen hinterhergeworfen und einzig und allein Michelle Williams agiert mit Inbrunst und Überzeugung. Ohne sie wäre dieser Film viel, viel schlechter positioniert.

Platz 18: Mogli: Legende des Dschungels (Regie: Andy Serkis)

Hässliche "fotorealistische" Tiere, die rückwirkend dafür sorgen, dass ich Jon Favreaus The Jungle Book direkt noch einmal eine dicke Spur beeindruckender finde, die mit unfertigem Shading durch den Dschungel spazieren und somit dafür sorgen, dass ich verzweifelt meinen Controller suche, um so lange auf die Aktionstaste zu hämmern, bis endlich die Cutscene vorbei ist und ich mit dem Game beginnen kann, keifen sich an. Yay ... So unsympathisch und abstoßend die Figuren allesamt auch sein mögen, traut sich Regisseur Andy Serkis aber nicht, seinen Ansatz so richtig durchzuziehen, und scheut vor härterer Gewalt und komplexeren Dilemmata zurück. Daher arbeitet er auf einen kitschig-kuschligeren Schluss hin als es sich Disney mit seinem Film gewagt hat. Was soll das alles?

Platz 17: Meg (Regie: Jon Turteltaub)

Wie kann ein Film, in dem Jason Statham und Ruby Rose gegen einen Riesenhai kämpfen, so egal, so unlustig, so spröde, so langweilig, so uninspiriert sein? Da standen wohl zu viele Köche zu lange in der Küche um den Brei herum. Gähn. Weiter geht's.

Platz 16: Early Man - Steinzeit bereit (Regie: Nick Park)

Um die Herangehensweise an diese Liste noch einmal zu erläutern: Würde man mich bitten, für eine andere Publikation die 20 schlechtesten Filme des Jahres zu wählen, ausgesucht nach dem Kriterium, welche Produktionen nach Lehrbuch am weitesten daneben greifen, wäre Early Man beispielsweise nicht dabei. Die Aardman Studios stecken zu viel Liebe zum Detail in ihre Knetanimation und strukturell ist diese animierte Sportkomödie unauffällig, aber solide. Doch in meinem Blog, in meiner Hitliste der Filme, die mir am meisten auf den Keks gegangen sind? Tut mir leid, Early Man, aber hier sind wir! Ginge es darum, dass Steinzeitmenschen und Menschen aus der Bronzezeit sich ums Kino kabbeln oder sonst was, du wärst nicht in dieser Liste. Aber mir ist es vollkommen egal, wer wann warum wie Fußball spielen darf und wenn dann ein Teil der Gags auf Fußballkultur abzielt, fliegen die halt völlig an mir vorbei. Dass das zentrale Figurendesign (bis aufs Wolfshundsäbelzahnferkel) das hässlichste ist, was Aardman bislang fabriziert hat und die Figuren obendrein alle lahm oder stupide (oder beides) sind, hilft dem Ganzen dann auch nicht. Ich kann Sportfilme mögen, gar lieben, wenn mich die Geschichte und die Figuren packen. Hier dagegen haben sie mich sogar noch weiter abgestoßen. Aber, hey: Es gibt eine Riesenente. Bonuspunkt!

Fortsetzung droht ...

Sonntag, 23. Dezember 2018

Oscars 2019: Wer wird in der Kategorie "Beste Effekte" nominiert?


Die Academy of Motion Picture Arts & Sciences macht es allen, die aus beruflichen Gründen oder schlicht zum Zeitvertreib Oscar-Nominierungen tippen, ein gutes Stück einfacher: Sie hat sogleich mehrere Shortlists veröffentlicht, darunter für die Kategorie "Beste Effekte". Aus den nachfolgenden 10 Produktionen werden die fünf rausgesiebt, die sich in dieser Sparte um den Goldjungen prügeln. Im Rennen sind:

“Ant-Man and the Wasp”
“Avengers | Infinity War”
“Black Panther”
“Christopher Robin”
“First Man”
“Jurassic World: Fallen Kingdom”
“Mary Poppins Returns”
“Ready Player One”
“Solo: A Star Wars Story”
“Welcome to Marwen”

Sogleich mehrere Filme, die ich einer Nominierung als würdig erachtet hätte, sind nicht mehr im Rennen - vor allem das Fehlen von Mission: Impossible - Fallout bedauere ich sehr. Dafür sind nun mehrere Filme in der Auswahl, die hier meiner Ansicht nach nicht zu suchen haben: Black Panther hat einige Szenen sehr mieser CG-Arbeit (der Film ist beim Produktionsdesign dagegen sehr gut aufgehoben), Jurassic World: Fallen Kingdom hat effektetechnisch seine Höhen und Tiefen und Mary Poppins Returns holpert sich durch Can You Imagine That? aus meiner Vorauswahl für diesen Preis. Und Ready Player One ist ... matschig.

Meine Prognose lautet:

“Ant-Man and the Wasp”
“Avengers | Infinity War”
“Christopher Robin”
“First Man”
“Welcome to Marwen”

Und was tippt ihr?

Donnerstag, 20. Dezember 2018

Oscars 2019: Wer wird in der Kategorie "Bester Song" nominiert?


Die Academy of Motion Picture Arts & Sciences macht es allen, die aus beruflichen Gründen oder schlicht zum Zeitvertreib Oscar-Nominierungen tippen, ein gutes Stück einfacher: Sie hat sogleich mehrere Shortlists veröffentlicht, darunter für die Kategorie "Bester Song". Aus den nachfolgenden 15 Titeln werden die fünf rausgesiebt, die in der so spannenden, aber auch so schwer vorherzusagenden Academy-Kategorie letztlich um den Goldjungen antreten. Im Rennen sind:

“When A Cowboy Trades His Spurs For Wings” aus “The Ballad of Buster Scruggs”
“Treasure” aus “Beautiful Boy”
“All The Stars” aus “Black Panther”
“Revelation” aus “Boy Erased”
“Girl In The Movies” aus “Dumplin’”
“We Won’t Move” aus “The Hate U Give”
“The Place Where Lost Things Go” aus “Mary Poppins Returns”
“Trip A Little Light Fantastic” aus “Mary Poppins Returns”
“Keep Reachin’” aus “Quincy”
“I’ll Fight” aus “RBG”
“A Place Called Slaughter Race” aus “Ralph Breaks the Internet”
“OYAHYTT” aus “Sorry to Bother You”
“Shallow” aus “A Star Is Born”
“Suspirium” aus “Suspiria”
“The Big Unknown” aus “Widows”

Disney hat einen großen taktischen Fehler begannen: Seit die Regel existiert, dass pro Film maximal zwei Lieder nominiert werden können (während die Grenze, wie viele zur Nominierung eingereicht werden dürfen, nach oben hin offen geblieben ist), versucht Disney öfters bei seinen großen Oscar-Hoffnungsträgern, sein Glück selbst in die Hand zu nehmen. Wiederholt kam es vor, dass Disney nur zwei Lieder zur Nominierung eingereicht hat, mutmaßlich, um so schon die Stimmen auf die vermeintlich sicheren Dinger zu konzentrieren.

Irgendwann musste es sich rächen. In meinen Augen hat Disney zwei der schwächeren Lieder aus Mary Poppins' Rückkehr eingereicht, und offenbar bin ich da nicht allein. Schon bei den Globes-Nominierungen ging das Rob-Marshall-Musical leer aus und laut den Awards-Experten von The Playlist kam auch bei diversen Academy-Mitgliedern A Cover Is Not The Book (alias: "Rob Marshalls unerwartete Chicago-Referenz) mit großem Abstand am besten an. Und, man, was hätte ich dafür getan, Emily Blunt und Lin-Manuel Miranda diese Nummer live während der Oscars performen zu sehen!

Aber gut. Es hat nicht sollen sein. Den Oscar hat Shallow aus A Star Is Born nun wohl so gut wie sicher, bleibt die Frage, welche anderen vier Titel mitmischen. Black Panther sammelte mit seinem (wie ich finde lahmen) Abspannsong schon viele Nominierungen ein, also ist er dabei. Beim Rest musste ich nach Bauchgefühl gehen.

Basierend auf früheren Oscar-Jahren sehe ich den Beschwörungssong aus Suspiria übrigens leider draußen, aber wer weiß, was die Umgestaltung des Voting-Blocks so alles bewirkt ...

“All The Stars” aus “Black Panther”
“Girl In The Movies” aus “Dumplin’”
“The Place Where Lost Things Go” aus “Mary Poppins Returns”
“I’ll Fight” aus “RBG”
“Shallow” aus “A Star Is Born”

Und was tippt ihr?

Dienstag, 18. Dezember 2018

Oscars 2019: Wer wird in der Kategorie "Beste Filmmusik" nominiert?


Die Academy of Motion Picture Arts & Sciences macht es allen, die aus beruflichen Gründen oder schlicht zum Zeitvertreib Oscar-Nominierungen tippen, ein gutes Stück einfacher: Sie hat sogleich mehrere Shortlists veröffentlicht, darunter für die Kategorie "Beste Filmmusik". Aus den nachfolgenden 15 Filmen werden die fünf rausgesiebt, die sich in der so spannenden, aber auch so schwer vorherzusagenden Academy-Kategorie letztlich um den Goldjungen antreten. Im Rennen sind:

“Annihilation”
“Avengers | Infinity War”
“The Ballad of Buster Scruggs”
“Black Panther”
“BlacKkKlansman”
“Crazy Rich Asians”
“The Death of Stalin”
“Fantastic Beasts: The Crimes of Grindelwald”
“First Man”
“If Beale Street Could Talk”
“Isle of Dogs”
“Mary Poppins Returns”
“A Quiet Place”
“Ready Player One”
“Vice”


Schwer, schwer, schwer. Abgesehen davon, dass A Quiet Place in dieser Kategorie meiner Ansicht nach nichts zu suchen hat, da der Score für mich eines der größten Probleme dieses Films ist, und ich zudem weder die Nennung von Fantastic Beasts (langweiliger Score) und Ready Player One (uninspirierter Score) verstehen kann, fallen mir sogleich mehrere Nennungen positiv auf. Avengers | Infinity War hätte ich niemals hier erwartet, doch Alan Silvestris energiereicher, in den richtigen Momenten aber auch dramatischer Score gehört zu meinen Favoriten des Jahres. Die Musik in Isle of Dogs ging mir persönlich zwischenzeitlich auf den Keks, ist aber schon sehr originell und treffend und Black Panther hat ebenfalls einen Spitzenscore (beide sind percussionlastig, und doch sehr unterschiedlich).

Ich bin überrascht, dass sich BlacKkKlansman durchgesetzt hat, ich hätte erwartet, dass er aufgrund zu vieler Rückgriffe auf bestehendem Material disqualifiziert wird. Aber, hey, gut, wenn es ihn nicht erwischt hat.

Meine Prognose wäre:

“Black Panther”
“BlacKkKlansman”
“First Man”
“Isle of Dogs”
“Mary Poppins Returns”

Was tippt ihr?

Oscars 2019: Wer wird für "Make-up & Hairstyling" nominiert?


Die Academy of Motion Picture Arts & Sciences macht es allen, die aus beruflichen Gründen oder schlicht zum Zeitvertreib Oscar-Nominierungen tippen, ein gutes Stück einfacher: Sie hat sogleich mehrere Shortlists veröffentlicht, darunter für die Kategorie "Bestes Make-up & Hairstyling". Aus den unten stehenden sieben Filmen werden die drei finalen Nominierungen auserkoren. Schauen wir sie uns doch einmal an:

“Black Panther”
“Bohemian Rhapsody”
“Border”
“Mary Queen of Scots”
“Stan & Ollie”
“Suspiria”
“Vice”

Ich halte Black Panther mit der täuschend echten Effektschminke auf Michael B. Jordans "vernarbtem", blanken Oberkörper sowie mit seinen famosen Frisuren innerhalb Wakandas für gesetzt. Bleiben noch zwei Slots. Geht es an die historischen Rekreationen in Mary Queen of Scots? Oder an einen der im Rennen befindlichen "Lasst Filmstars wie berühmte Menschen aus Film/Musik/Politik aussehen"-Filme? Oder wird endlich mal wieder ein Horrorfilm, der für seine Entstellungen gewürdigt wird? Oder doch der Außenseiter Border?

Wegen der schieren Menge an "Imitations-Make-up" sehe ich Vice vorne, und ich wage den Sprung und hoffe, dass die schleichende Umgestaltung der Academy Suspiria eine verdiente Nennung einbringt. Was sind eure Tipps?

Mittwoch, 12. Dezember 2018

Mary Poppins' Rückkehr


Der 1964 auf die Leinwand gezauberte Musicalfilm Mary Poppins ist einer der größten Klassiker im Disney-Pantheon. Die zeitlose, magische Geschichte eines fliegenden Kindermädchens wurde nicht nur vom Publikum geliebt, sondern stellte zudem mit 13 Oscar-Nominierungen den bis dato ungebrochenen Rekord für die meisten Academy-Award-Nennungen eines Disney-Films auf. Letztlich konnte sich der mit Zeichentrickelementen durchsetzte Realfilm fünf der begehrten Statuetten sichern. Eine Fortsetzung wurde noch unter der Aufsicht des Sequels gegenüber skeptischen Walt Disney angedacht, damals jedoch noch von Buchautorin P. L. Travers ausgebremst.

In der Ära nach Walt Disney wurde die Idee wiederholt zur Sprache gebracht, im September 2015 nahm das Vorhaben Mary Poppins' Rückkehr dank des Segens der Travers-Erben Gestalt an: Rob Marshall, John DeLuca und Marc E. Platt, das Produktionsteam hinter Into the Woods nahm sich der Herausforderung an, den filmischen Evergreen fortzuführen. Wenige Monate später erhielt Into the Woods-Hauptdarstellerin Emily Blunt den Zuschlag für die Titelrolle. Diese Castingentscheidung wusste viele bis dahin skeptische Liebhaberinnen und Liebhaber des Erstlings zu beruhigen. Aus gutem Grund, wie sich herausstellt. Denn Emily Blunt ist das wandelnde Glanzlicht dieses 130 Millionen Dollar teuren Disney-Unterfangens.

Was passiert?
London in den von der Wirtschaftskrise gerüttelten 1930er-Jahren: Michael (Ben Whishaw) und Jane Banks (Emily Mortimer) sind längst erwachsen geworden und Michael lebt gemeinsam mit seinen eigenen drei Kindern (Pixie Davies, Nathanael Saleh und Joel Dawson) in seinem alten Elternhaus. Seine Schwester sowie die Haushälterin Ellen (Julie Walters) helfen dem kürzlich verwitweten Bruder dabei, sich um die Kinder zu kümmern und das knappe Haushaltsgeld im Auge zu behalten. Und dennoch hält es Familie Banks nur schlecht als recht zusammen. Als eines Tages die Bank mit zerrüttenden Nachrichten auf die Familie zukommt, dauert es nicht lange, bis Janes und Michaels früheres Kindermädchen Mary Poppins vom Himmel hinabfliegt und ihre Hilfe anbietet. Zusammen mit dem freundlichen Laternenanzünder Jack (Lin-Manuel Miranda) führt Mary Poppins die besorgten Banks-Sprösslinge in magische Abenteuer und greift der Familie auf ihre ganz eigene Art auch in größeren Angelegenheiten unter die Arme …


Was habe ich erwartet?
Ich war hinsichtlich Mary Poppins' Rückkehr in einer gleichermaßen skeptischen wie aufgeschlossenen Verfassung: Ich halte späte Fortsetzungen großer Kinomeilensteine nicht aus Prinzip für einen Affront und anders als bei diversen Kritikerkollegen hat Regisseur Rob Marshall bei mir einen Stein im Brett. Seine Annie-Verfilmung ist mir die liebste Version des Stoffs und Chicago liebe ich abgöttisch. Nine wirkt auf mich so, als schielten die Verantwortlichen etwas zu gezwungen auf die Möglichkeit, Preise zu gewinnen, und dennoch gefällt er mir sehr, Pirates of the Caribbean – Fremde Gezeiten finde ich toll und Into the Woods ebenfalls.

Ihm habe ich also Vertrauen geschenkt, ich hätte mir viele wesentlich schlechtere Namen für den Regieposten einer neuen Mary Poppins-Filmgeschichte vorstellen können, und durch die Ankündigung, dass Emily Blunt in Julie Andrews' Fußstapfen treten wird, war ich prompt sehr neugierig gestimmt. Und dennoch haben mich sämtliche Trailer und Szenenbilder weitestgehend kalt gelassen. Also bin ich in meine Pressevorführung mit folgender Einstellung reingegangen: "Ich will ihn einfach nicht schlecht finden, und wenn er es unter meine Lieblinge des Jahres schafft, bin ich schon froh. Und für alles, was darüber hinausgeht, bin ich dankbar."


Wie hat er auf mich gewirkt?
Kurz gesagt: Frustrierend. Um das auszuführen: Nach einem verhaltenen Prolog hat sich Mary Poppins' Rückkehr zunächst für mich gesteigert und gesteigert, zwischendurch hatte mich der Film völlig um den Finger gewickelt. Ich dachte, er habe die Ehre sicher, mit riesigem Abstand meine liebste Disney-Produktion des Jahres zu werden, sofern er sich keine Fehltritte mehr leistet. Aber die Fehltritte sind eingetreten. Es kam zu einem radikalen Bruch und ich war zunehmend von Mary Poppins' Rückkehr enttäuscht, teils sogar genervt, so dass wir sogar einen Punkt erreicht hatten, an dem ich nur noch wollte, dass er möglichst bald vorbeigeht.

Wie es zu diesem rapiden Absturz in meiner Gunst kommen kann? Nun: Mary Poppins' Rückkehr beginnt wie eine bezaubernde Weitererzählung des unvergesslichen Walt-Disney-Klassikers. Die Fortsetzung findet einen tonal und inhaltlich stimmigen Anknüpfungspunkt, der gleichzeitig inhaltlich einen respektvollen Abstand zum Erstling sucht. Und inszenatorisch gelingt es Rob Marshall eingangs, sich so sehr an Robert Stevensons bezaubernd-studiohafte Bildsprache anzulehnen, dass sich Mary Poppins' Rückkehr visuell wirklich wie ein direkter Verwandter anfühlt, ohne dabei in banales Mimikry zu verfallen.

Aber dann verliert David Magees Drehbuch (dessen Story der Wenn Träume fliegen lernen-Autor gemeinsam mit Marshall und DeLuca verfasst hat) seine originäre Handlung aus den Augen und verrennt sich in eine sehr lose verknüpfte Abfolge von Humor-, Musik- sowie Tanzeinlagen, die kaum mehr sind als uninspirierte Nachahmungen ähnlicher Momente aus dem Originalfilm. Erst gegen Schluss besinnt sich Mary Poppins' Rückkehr erzählerisch wieder auf seine eigene Geschichte, die er nach dem zurückhaltend-nostalgischen, melancholisch-magischen Einstieg allerdings nach dem alten Sequel-Mantra "Größer, höher, lauter" beendet.

Oder um es bildlicher auszudrücken: Mary Poppins' Rückkehr ist der Comebackauftritt einer wundervollen Musikkombo, bei dem sie mit neuen Nummern verzaubert. Doch dann fallen alle Bandmitglieder von der Bühne, stürzen dabei auf den Kopf, vergessen, wer sie sind, bilden sich ein, sie wären eine schlechte Tribute-Band, schrammeln und trällern sich desorientiert ein paar müde Cover-Arrangements ihrer alten Hits zusammen und erst kurz vor Ende des Konzerts fällt ihnen ein, wer sie eigentlich sind. Doof nur, dass die Leute in der Pyrotechnik das nicht rechtzeitig schnallen und beschließen, das zwischendurch so abgeschmierte Konzert durch ein Übermaß an Rummel und Trubel in der Finalnummer "aufzuhübschen", so dass der letzte Eindruck eine Mischung aus Verzweiflung und Überkompensation ist.


Was hat mir gefallen?
An allererster Stelle: Emily Blunt, die als Mary Poppins einfach sensationell ist. Blunt ahmt nicht einfach Julie Andrews' Darbietung nach, sondern adaptiert den stolzen, eleganten Gestus, den Andrews dieser Rolle mitgegeben hat, mit ihren eigenen Mitteln. Blunt ist als Mary Poppins eine kleine Spur strenger, sie verteilt kühlere Blicke und hält im alltäglichen Umgang mit der Familie Banks länger die Mundwinkel steif. Doch dafür bezaubert es umso mehr, wenn ihre Augen vor Freude funkeln, etwa, wenn sich Mary Poppins rückwärts in eine Badewanne voller Abenteuer stürzt. Blunts Spiel ist zurückhaltend, und dennoch vibriert es vor Spielfreude und Magie – sie hätte jeden Preis verdient, den sie für Mary Poppins' Rückkehr in ihre Finger kriegen kann.

Außerdem mag ich die Story-Grundidee: Mary Poppins' Rückkehr verfolgt eine grundlegend reizvolle "Etwas Ähnliches passiert unter ganz anderen Umständen"-Sequelkonstellation, von der ausgehend Neues entstehen könnte. Im Erstling durften die Banks-Kinder ihre Kindheit nicht ausleben, weil ihr Vater zu streng mit ihnen war, da dieser vergessen hat, was Freude ist. Michael Banks ist derweil ein verständnisvollerer, warmherzigerer Vater, aber einer, der unter einer persönlichen sowie einer weltwirtschaftlichen Krise zu leiden hat, weswegen sich seine Kinder gezwungen fühlen, vorzeitig erwachsen zu werden. Eingangs sieht es auch so aus, als fände David Magee einen Weg, so das wohlige, familiäre Mary Poppins-Gefühl zu erwecken und seiner neuen Geschichte trotzdem eigene Impulse und Schwerpunkte zu verleihen.

Darüber hinaus ist, so lange die Geschichte in diesen Bahnen bleibt, Rob Marshalls Regieführung auf eine bezirzende Weise altmodisch, ohne je verstaubt zu wirken. Anders als in Chicago und Nine verzichtet er auf musikvideoartigen Schnitt, gleichwohl baut er Szenen nicht derart bühnenhaft wie in Into the Woods auf – Marshall schenkt den wundervollen, ausstaffierten Sets John Myhres großes Augenmerk und lässt mit seiner Bildsprache den Kostümen der lebenden Legende Sandy Powell (Cinderella) Raum, zu atmen und Wirkung zu entfalten. Dessen ungeachtet ist Mary Poppins' Rückkehr keine überfrachtete Ausstattungsschwelgerei, der Fokus der Szenerie liegt auf dem Zusammenspiel der Figuren. Und ich als alter Disney-Zeichentrick-Liebhaber genieße es natürlich riesig, wieder einen Disney-Film mit Zeichentrickpassagen auf der Leinwand sehen zu können. Statt einfach Mary Poppins zu kopieren, setzen die Hauptverantwortlichen (Ken Duncan und James Baxter) auf eine stärkere Stilisierung, die zudem inhaltlich gerechtfertigt wird. (Schade nur, dass zumindest ein paar Leute aus dem Hause Disney nicht angemessen über das Studio denken, das die Animation beigesteuert hat.)

In der Mischfilmsequenz, die Zeichentrick und Realfilmelemente vereint, lässt sich Mary Poppins zu einer Vaudeville-Nummer überreden, und die ist nicht nur sehr witzig: Während ihr tauscht Mary ihre klassische Frisur gegen einen Velma-Kelley-Bob ein und legt zudem einen, nennen wir es, disneyfizierten Chicago-Tanzstil hin. Es ist riskant, es ist gewagt, es ist eine kleine Anmaßung an das Disney-Heligtum Mary Poppins, es ist eine wissentlich-alberne Nummer, es ist eine Spur frivol und … ich liebe es. An dieser Stelle lehnt sich Mary Poppins' Rückkehr so weit aus dem Fenster heraus, dass ich vor Achtung, vor Respekt hinsichtlich dieses halsbrecherischen Balanceakts, so eine Richtung einzuschlagen und dennoch kindlich-magisch zu bleiben, vor Freude und vor Verwunderung bis über beide Ohren gegrinst habe. Und ich kann mir vorstellen, dass es der unter Disney-Fans aus genau diesem Grund polarisierendste Augenblick des Films sein wird.

Auch jene Teile des Scores aus der Feder Marc Shaiman, die behände alte und neue Lieder vereinen, haben mich angesprochen. Ansonsten sticht noch eines der ersten Lieder aus Mary Poppins' Rückkehr für mich positiv hervor: Can You Imagine That?, eine Nummer mit moderatem Tempo, die (vor allem aufgrund der sie begleitenden Szene) wie aus einem Die tollkühne Hexe in ihrem fliegenden Bett-Remake entsprungen scheint, und in der Emily Blunt mit ihrem wundervollen Gesang ganz dezent gute Stimmung verbreitet. Doch selbst bei dieser Sequenz gibt es ein gigantisches "Aber ..."


Was hat mir missfallen?
Und nun: Tief einatmen.

Das Lied im Prolog, (Underneath the) Lovely London Sky, ist in meinen Ohren ein bisschen lahm, hat jedoch auch Charme, nicht zuletzt dank Lin-Manuel Mirandas freundlich-bengelhafte Darbietung. Dass er den Film erzählerisch nicht wirklich bereichert, wollte ich ihm eingangs noch verzeihen, allerdings zeigt sich nach und nach, wie wenig Interesse der Film generell daran hat, seine im ersten Akt etablierte Geschichte auszuarbeiten, so dass ich rückwirkend dem Song gegenüber kritischer eingestellt bin. Dann ließ mich Can You Imagine That? seufzen, weil diese Szene ein Schaulaufen mieser Computereffekte ist.

In diesem bis dahin so charmanten, adrett gestalteten Film tauchen wir plötzlich ab in eine wilde Attacke schlechten Compositings und halbgaren Shadings: Mary Poppins und die Banks-Kinder schwimmen und tauchen durch eine See wundersamer Eindrücke, die fast durchweg aus dem Computer stammen und kein Stück weit überzeugend zusammengefügt sind. Darüber hinaus sind die Trickelemente, wie etwa ein belebtes, gesunkenes Piratenschiff, in einem soften Fokus und weichen Licht gehalten, das so unwirklich wirkt, dass ich mir beim Anschauen unsicher war: "Ist diese Szene jetzt stilisiert oder ist es der völlig gescheiterte Versuch, das alles real wirken zu lassen?" Denn für eine stilisierte Sequenz haben die einzelnen Elemente einfach zu wenig künstlerische Kniffe aufzuweisen, gleichwohl ist die Sequenz für eine, die sich an magischem Realismus versucht, viel zu künstlich geraten. Aufgrund des Songs, Blunts Performance und die Fülle an bunt gemischten Eindrücken, an denen wir hier vorbei schippern, habe ich hier aber noch ein Auge zugedrückt.

Ernsthafte Risse machen sich Mary Poppins' Rückkehr dann aber in der großen Tricksequenz bemerkbar: Förmlich aus dem Nichts stürzt sich der Film in eine dramaturgisch forcierte Actionsequenz, in der wir einem lächerlich motivierten Überraschungsschurken hinterherjagen, der eine fadenscheinige Trickwelt-Kopie einer Figur aus den London-Sequenzen darstellt. Es passt tonal nicht, es übersimplifiziert für die Dauer eine Szene, welche originellen, magisch-pädagogischen Kniffe Mary Poppins bei den Kindern anwendet (es sei denn, man liest die Szene als großes Missgeschick, was wiederum dem Drehbuch grobschlächtige Züge verleiht) und leider finde ich die Actionpassage auch nicht mitreißend inszeniert, da sich Marshall hier sehr auf Schuss-Gegenschuss-Konstruktionen verlässt.

Ein sehr einfühlsames, ruhiges Lied, emotional quasi das Feed the Birds (Tuppence a Bag) dieses Films, selbst wenn es inhaltlich eine andere Funktion hat, bringt Mary Poppins' Rückkehr noch einmal zurück in die Spur. Die Melodie ist mir zwar nicht in Erinnerung geblieben, die Szene selbst ist jedoch mit Feingefühl gespielt und inszeniert. Und leider ist sie das vorerst letzte Lebenszeichen von Mary Poppins' Rückkehr, der bezaubernden Fortsetzung des Disney-Meilensteins aus dem Jahr 1964. Denn von da an befinden wir uns plötzlich in einem unbeseelten Mary Poppins-Remake, das maschinenhaft Beats und Setpieces aus dem Original kopiert, doch ohne deren Zauber.

Blunt bleibt weiterhin überragend, aber dadurch, wie ideenlos bis verzweifelt das Drehbuch die bisher eingeschlagene, neue Geschichte in alte Bahnen lenkt, wird die Ambition des restlichen Films massiv gedrosselt. Einzelne Dialogzeilen lassen die anfänglichen Konflikte und Themen zwar wieder aufleben, in der Umsetzung geht deren Wirkung jedoch völlig verloren, so dass Emily Mortimer und Ben Whishaw aus dem charmanten Anfang kaum noch schröpfen können und letztlich völlig verblassen, während sich die neuen Banks-Kinder zunehmen wie Kopien ihres Vaters und ihrer Tante zu Mary Poppins-Zeiten verhalten.

Ohne den narrativen Zusammenhalt, ganz egal wie unterschwellig er schon im Erstling gewesen sein mag, wird der Rest des Films zur Nummernrevue. Und deren Elemente lassen den ungezwungenen Zauber des ersten Films missen: Lin-Manuel Miranda, dessen Jack schon von Beginn an rein funktional ein auffälliger Ersatz für den Pflastermaler, Musiker und Schornsteinfeger Bert ist, verhält sich nun auch zunehmend wie Bert, weswegen Mirandas Darbietung den Funken Eigenständigkeit verliert, den sie zu Filmbeginn noch hatte. Das äußert sich insbesondere während der völlig unbeseelten Musiknummer Trip a Little Light Fantastic, die nichts weiteres ist als eine überflüssige Step in Time-Kopie inklusive starrer Bildsprache und einigen Fahrradstunts, die eher in einen augenzwinkernd-überdrehten Kenny-Ortega-Film passen würden als in diesen.

Richtig dreist und seelenlos ist jedoch die zuvor abgehaltene Musicaleinlage Turning Turtle geraten. Nach dem Motto "In Mary Poppins haben wir einen seltsamen Verwandten getroffen, der beim Lachen an die Decke steigt, also müssen wir erneut seltsame Verwandtschaft treffen, bei der sich eigenartige Dinge abspielen" forcieren die Filmemacher einen Gastauftritt der begnadeten Meryl Streep. Sie spielt mit gigantischem, anstrengenden osteuropäischen Akzent und so dick chargierend, wie Streep es nie zuvor getan hat, Mary Poppins' Cousine, deren Welt sich an bestimmten Tagen auf den Kopf stellt. Streep ist anstrengend und das Lied völlig witzlos, weil es uns über vier Minuten lang die immergleiche Feststellung entgegen lärmt. Das Pendant aus dem ersten Teil dagegen hat auch Wert darauf gelegt, mit Eigenheiten der Figuren zu bezirzen. Und dann ist die Szene zudem viel steifer gefilmt, als es der Songtext suggerieren würde. Es ist so, als würde sich Marshall in diesem durch und durch uneigenständigen Teil des Films von Skript und Story in seiner Kreativität drosseln lassen. Die Haltung "Bloß nicht zu sehr von Mary Poppins entfernen" legt ihn in stilistische Fesseln, die er zuvor nicht hatte - zuvor hatte er schlicht das Original im Hintersinn, während er etwas ähnliches, aber eigenes versucht hat.

Wenn sich Mary Poppins' Rückkehr auf die eigentliche Geschichte zurückbesinnt, bleibt dennoch dieser bittere Nachgeschmack, dass aus einer Fortsetzung mit eigener Identität ein schaler Neuaufguss geworden ist. Die inneren Konflikte der Banks-Familie münden in einen äußeren Konflikt, der den Film wieder eng an den Vorgänger drängt. Gemeint ist ein Handlungsfaden rund um einen amüsierten, aber weit über Gebühr cartoonigen Colin Firth als früheren Arbeitskollegen von George Banks verliert von Szene zu Szene an originärer Dynamik. Die für mich schlechteste Szene ist allerdings der Song Nowhere To Go But Up, die eine süße, wenngleich verkrampft den ersten Film kopierende Grundidee nimmt und so lange noch einen drauf setzt, bis es die Grenze zur ungewollten Persiflage überschritten hat. Es ist für mich das Anti-Let It Go: Während Elsas Powersong im Alleingang Die Eiskönigin – Völlig unverfroren aufwertet, degradiert Nowhere To Go But Up als Song und vor allem als Szene den gesamten Film in meinen Augen massiv und hat mich erst so richtig auf störende Faktoren in vorherigen Momenten hingewiesen.


Was nun?
Emily Blunt sollte für Mary Poppins' Rückkehr mit Schauspielpreisen überschüttet werden, auch Kostümdesignerin Sandy Powell hat für ihre Leistung Auszeichnungen verdient. Eine Academy-Award-Nominierung für John Myhre würde mich nicht stören, und hätte Disney Can You Imagine That? zur Nominierung eingereicht, würde ich dem Lied eine Nennung im Oscar-Rennen gönnen. Mit diesen großen Pluspunkten für Mary Poppins' Rückkehr tu ich mich schwer, Disney-, Musical- und Emily-Blunt-Fans von einem Kinobesuch abzuraten: So sehr mich der Film auch frustriert und geärgert hat, bin ich froh, Powells Kostüme und Blunts Darbietung auf der großen Leinwand gesehen zu haben.

Aber ich bin generell ein Vertreter der "Im Zweifel: Lieber selber im Kino vom Film überzeugen"-Fraktion. Nur sagt mir danach nicht, ich hätte euch nicht gewarnt. Denn Mary Poppins' Rückkehr ist abseits seiner unerwarteten, kurzen Nummer im Chicago-Stil dermaßen darauf bedacht, nichts zu tun, das sich mit der Tonalität des Originalfilms beißen könnte, dass er seine anfänglichen, nostalgisch-bittersüßen Anklänge auf enervierende Weise mit abgestumpfter Imitation des Erstlings hinfort spült. Traurig.

Mary Poppins' Rückkehr ist ab dem 20. Dezember 2018 in vielen deutschen Kinos zu sehen.