Mittwoch, 31. Dezember 2008

"Crank 2: High Voltage" - Erster Trailer online

Das könnte weh tun


Crank war ein völlig überdrehter, stylischer und selbstironischer Actiontrip aus dem Jahre 2006, in dem Jason Statham den Profikiller Chev Chelios spielt, der sich mit Adrenalin vollpumpen muss um zu überleben. 2009 erwartet uns die offensichtlich noch überdrehtere und noch agressivere Fortsetzung, in der das Adrenalin durch Stromstöße ersetzt wird:



Crank 2: High Voltage startet am 16.4.2009 in den deutschen Kinos und wird gemeinsam von Walt Disney Studios Motion Pictures und Universum Film vertrieben.

Dienstag, 30. Dezember 2008

Der Kritikerliebling 2008 ist...

Ob diese Anzeige richtig liegt oder nicht, zeigt euch gleich...

In den letzten Wochen blickte ich ja mehrmals auf Kritkerpreise und -jahresbestenlisten um einen Eindrcuk dafür zu erwecken, wie gut WALL•E von den Kritikern angenommen wurde und was es über seine Oscar-Chancen aussagen könnte.
Doch auch The Dark Knight hinterließ 2008 seine Spuren und wurde lange Zeit von vielen Experten als der Film prognostiziert, der trotz seiner Vorlage und seines Genres die Oscarkonventionen brechen und nominiert werden könnte. Momentan stehen die Sterne für WALL•E ein klein wenig besser, da er ein paar Indikatorpreise mehr abgeräumt hat, jedoch sollte man das immense Einspielergebnis des Films nicht unterschätzen (einen intelligenten und erfolgreichen Film kann die Acadamy nicht übersehen, oder etwa doch?).

Aber wer ist denn nun der Kritikerliebling 2008? Sind es vielleicht doch etwas typischere Stoffe wie Milk oder Slumdog Millionaire, die beide in den vergangenen Woche immer mehr ins Gespräch kamen?

Movie City News wertet sämtliche (relevanten) Kritikerbestenlisten dieses Jahres aus und kombiniert sie zu einer riesigen Bestenliste.
Derzeit wurden 184 Listen mit insgesamt 278 Filmen berücksichtigt, WALL•E und The Dark Knight waren beide jeweils 18 Mal auf Platz 1, wobei Milk insgesamt auf mehr Listen vertreten ist als The Dark Knight.

The Dark Knight wird auf 77 Listen genannt und hat insgesamt einen Punktestand von 551,5 Punkten. Damit liegt er auf Platz Zwei, direkt hinter WALL•E, der sich 650,5 Punkte ergattern konnte und auf 98 der gewerteten Listen genannt wird.

Der Kritikerliebling 2008 ist demnach WALL•E. Zum Vergleich: Der an den Kinokassen ungleich erfolgreichere Ratatouille (erhielt außerdem 5 Oscar-Nominierungen) landete mit 384 Punkten auf Platz 9 der Vorjahresliste, auf Platz 1 befand sich Oscargewiner No Country for Old Men.

Aber (für dieses Jahr) erstmal genug der Vermutungen. Nächstes Jahr sind wir schlauer, wenn am 22. Januar die Nominierungen bekannt gegeben werden.

Montag, 29. Dezember 2008

Familienvater im Kino wegen quatschender Familie angeschossen

Ruhe bitte!

Scherzhaft daran gedacht haben wohl so manche von uns, und eine gelungene Szene in Scary Movie lebte es bereits vor, doch dass es in Wahrheit passiert ist schockierend:

An Weihnachten wurde in Süd-Philadelphia (USA) einem Familienvater in den linken Arm geschossen, weil seine Familie während einer Vorführung von Des seltsame Fall des Benjamin Button geredet hat und Kommentare über den Film abließ. Ein 29 Jahre alter Mann der hinter ihnen saß sagte der Familie erst, sie solle ruhig sein, bevor er begann Popcorn auf sie zu werfen. Als auch dies die Familie nicht zum schweigen brachte, stand er auf und schoss auf den Vater - nur um sich dann wieder hinzusetzen und den Film weiter anzusehen. Die Polizei holte den 29-jährigen kurz darauf aus dem Kinosaal heraus und verhaftete ihn.

Der Familienvater ist laut /Film wohlauf.

Wer hätte gedacht, dass im Kino quasselnde Personen nicht automatisch die größten Idioten sein müssen?

Sonntag, 28. Dezember 2008

Meine Hits des Jahres 2008


Ebenso wie letztes Jahr möchte ich euch auch dieses Jahr meine persönlichen Lieder des Jahres vorstellen.

Wie ich euch bereits letztes Jahr erklärte, kommen in dieser Liste nicht nur die Lieder vor, die ich wirklich gut fand, sondern hie und da auf den niedrigeren Plätzen auch von mir gehasste Lieder, die sich allein durch die Assoziationen die ich mit ihnen habe eine Platzierung sichern konnten. Beschwert euch nicht darüber, es ist meine Hitliste, ich mache die Regeln. ;-)

Genau wie letztes Jahr habe ich Lieder, die für Filme geschrieben wurden von der Teilnahme ausgeschlossen, da es hier sonst extrem eintönig werden würde.
In Frage kommen alle dieses Jahr veröffentlichten Songs und dieses Jahr popularisierte Lieder - also Titel aus früheren Jahren, die 2008 erst extremen Erfolg verbuchten.

Damit sind die Formalitäten geklärt und der Chartliste steht nichts mehr im Weg. Also gibt's jetzt, ohne weitere Umschweife, meine Song-Hitliste des Jahres 2008:

Platz 25: Won't Go Home Without You - Maroon 5

"Maroon 5" ist eine der wenigen Bands der ich eine gewisse Treue gegenüber halte, nur wenige Künstler schaffen es mich zwei Alben hintereinander vollauf zufrieden zu stellen. Ihr aktuelles Album It Won't Been Soon Before Long schaffte es bereits in die letzte Jahresbestenliste und dieser angenehme Ohrwurm bringt es auch in die Bestenliste 2008. Die leicht an Stings frühere Jahre bei "The Police" erinnernde Single schaffte es in den deutschen Charts dieses Jahr zwar nur bis Platz 11, aber was sagen die deutschen Singlecharts schon aus? Gerade bei Maroon 5 deren größter Hit in Deutschland das zugegebenermaßen ohrwurmig-spaßige, dennoch nur eher passable This Love war, sagt die Chartperformance gar nichts aus.

Platz 24: Heavy Metal Pirates - Alestorm

Hakenhände hoch, wer hat unsere metalköpfigen Schottenpiraten in diesem Blog bereits vermisst? Lange ist es her, dass ich die inoffizielle Haus(boot)band meines Blogs das letztes Mal über den grünen Klee gelobt habe. Doch hier sind sie jetzt, und diese Nennung wird, das kann ich bereist versichern, nicht die letzte in dieser Hitliste sein. Heavy Metal Pirates ist in der 2008er Neuaufnahme zwar noch lange nicht ein Paradestück der noch recht jungen Band, doch er hat seinen raubeinigen Charme. Es ist ungeschliffener Piraten-Fun-Metal wie man ihn so schnell nicht nochmal findet.

Platz 23: Lasse red'n - Die Ärzte

Originelles Video, heiter-urige Melodie und herrlich witzige Texte mit hohem Wahrheitsgehalt:
"Die meisten Leute haben ihre Bildung aus der BILD, und die besteht nun mal, wer wüsste das nicht, aus Angst, Hass, Titten und dem Wetterbericht!"
Auffällig, dass die Radiostation Antenne Bayern (an der der Axel-Springer-Verlag beteiligt ist) gerade die beste Stelle des Liedes hin und wieder rausschnitt, wie bei BILD Blog nachzulesen ist (mitsamt Stellungnahme der beteiligten Parteien).
Meinungsfreiheit - sie besteht, solange du niemand einflussreiches zu Recht beleidigst.

Platz 22: For All Lovers - Stanfour

Der Name "Stanfour" klingt böse nach einer Castingband, in Wahrheit versteckt sich hinter diesem Namen aber eine von amerikanischem Pop geprägte Rockband aus Schleswig-Holstein.
For All Lovers ist vielen vielleicht aus dem TV-Trailer für Kai Pflaumes Schnulzenshow Nur die Liebe zählt bekannt, der nicht unerheblich daran beteiligt war, dass die 2007er Single dieses Jahr in die Charts kam und so auch zu größerer Verwendung im Radio fand, wo ich wiederum dieses Lied kennenlernte. Die dunkle rockig-sehnsüchtige und zugleich schmissig poppige Stimmung des Songs hat es mir einfach angetan, auch wenn ich es ziemlich oft hören musste, bis es mir im Radio wirklich auffiel.

Platz 21: Devil Hides Behind Her Smile - Lordi

Lordis aktuelles Album Deadache ist für Freunde der finnischen Monsterrocker zweifelsohne ein Pflichtkauf und wirklich gelungen. Dennoch konnte es sich sich dieses Jahr nicht in meiner Playlist so richtig festkrallen und rotierte vergleichsweise wenig in meinem CD-Spieler oder im Laufwerk meines PCs.
Der musikalisch einige Anleihen an das Phantom der Oper nehmende Track Devil Hides Behind Her Smile schaffte es trotzdem in die Auswahl meiner persönlichen Lieblingslieder des Jahres. Die Symbiose aus flottem Metal und der weltberühmten Phantom-Melodie ist wirklich gelungen und lässt diesen Song auf besondere Weise aus dem restlichen Album herausstechen.

Platz 20: Death Before The Mast - Alestorm

Death Before The Mast ist bereits um einige Klassen stärker als Heavy Metal Pirates, aber ebenso wie dieser Song stilistisch nicht wirklich repräsentativ für Alestorm. Im ursprünglichsten Sinne des Subgenres Trash-Metals wird hier das Schlagzeug überbeansprucht und abrupte Tempowechsel sowie abgehackter Gesang der mit kratzigster Piratenstimme vorgetragen werden geben dem Song ein sehr rauhes und modernes Feeling. Kurze Einsätze des Keyboards wecken Erinnerungen an klischeehafte Seefahrer-Abenteuerfilme, die längeren instrumentalen Stellen paaren spielfreudigen, schnellen, aber nicht zu harten Metal mit ein wenig 16-Bit-Videospielzeitalter-Nostalgie (das Keyboard ist nicht das teuerste, müsst ihr wissen). Alles zusammen ergibt eine spaßige und gewollt chaotische Mischung, die zum Titel passend aggressiver ist als die restliche Ansammlung an Liedern, die Alestorm so aus den Seesäcken lässt.

Platz 17: Given Up - Linkin Park

Genau wie Maroon 5 taucht auch Linkin Park in der Hitliste meiner Songs des Jahres 2008 mit einer Single auf, die bereits letztes Jahr auf dem aktuellen Album der Band zu hören war. Minutes To Midnight präsentierte eine gereifte Truppe, die Nu Metal/Alternative Metal Band trägt nun Anzüge und zügelt sich (zumindest über das gesamte Album betrachtet) mehr. Die Lieder sind etwas sanfter, die Texte durchdachter. Mit dem Vorzeigestück What I've Done erklomm so die Vorjahresspitze meiner Lieder-Hitliste. Doch nicht alles von Linkin Park ging neue Wege: Given Up ist ein schneller, harter und treibender Track im Stile von One Step Closer und bringt das Testosteron zum kochen. Da verzeihe ich der Band auch das einlullende Shadow of the Day, welches letztes Jahr im Dezember als Single veröffentlicht wurde und einen überall heimsuchte, sogar bis ins Frühjahr hinein, wo Given Up als Single in den Handel kam.

Platz 18: If I Never See Your Face Again - Maroon 5 feat. Rihanna

Zwar lief das Musikvideo auf den Musiksendern rauf und runter (wenn sie denn Mal Musik spielten), als Single veröffentlicht wurde der Song in Deutschland allerdings nicht. Wer ihn sich in Deutschland anhören wollte musste schon im richtigen Moment den Fernseher einschalten, auf Youtube zurückgreifen oder die Re-Releases von Rihannas Album "Good Girl Gone Bad" oder von Maroon 5s "It Won't Be Soon Before Long" kaufen.
Kurios, schließlich wurde die Version mit Rihanna extra eingespielt, um sie als vierte Single-Auskopplung des Maroon 5-Albums zu veröffentlichen (was in vielen anderen Ländern auch so geschah).
Entgegen meiner anfänglichen Befürchtungen ist diese Kooperation keine hastig dahingezwurbelte und mit Geld erkaufte PR-Aktion, mit der man Maroon 5 beim hippen Rihanna-Publikum bekannt machen wollte, sondern eine Wunschaktion der beteiligten Künstler. Und das hört man dem Song auch an. Rihannas Stimme passt klasse in den Song und im nachhinein wundert man sich glatt, weshalb er nicht bereits in der ursprünglichen Albumfassung als Duett zu hören war - so funktioniert er nämlich gleich nochmal um einiges besser. Auch das Musikvideo finde ich klasse, mir hat es irgendwie die Farbästhetik angetan, wie verschiedene Aufeinandertreffen zwischen Rihanna und dem Sänger Adam Livine zusammengeschnitten werden, die allesamt in unterschiedlich gefärbten Räumen stattfinden. Die Kleidung der Sänger wurde auf den Raum abgestimmt und das ganze ist einfach richtig cool, ohne den üblichen Videoclipdefinitionen dieses Wortes zu folgen.
Mein Fazit zu diesem Song: Moderner Funk-Rock mit lässiger Einstellung, ein Muss in dieser Hitliste!

Platz 17: Alles neu - Peter Fox

Alles neu ist eine der wohl originellsten, stilistisch außergewöhnlichsten Hitsingles des Jahres: Peter Fox ist einer der Frontmänner von der deutschen Reggae-Truppe "Seeed", die 2006 mit Ding! den Bundesvision Song Contest gewann und präsentierte dieses Jahr sein Soloalbum Stadtaffe. Die perfekt gewählte erste Single aus diesem Album, Alles neu, ist ein faszinierender Stilmix den ich, sicherlich nicht ohne Widerworte, als westeuropäische World Music bezeichnen würde. Sie verbreitet ein exotisches Flair, verleugnet keineswegs Fox' Seeed-Wurzeln, verwendet aber durchgehend einen Streicher-Underliner der vom Babelsberger Filmorchester eingespielt wurde. Eingängig, einfallsreich und mit so manchen stimmigen Textstellen. Egal ob Party, Autofahrt oder zum Ablenken von der Schreibarbeit, die Nummer kommt immer gut an. Leider nutzt sie sich nach mehrmaligem Hören dann doch wieder ab und benötigt etwas Ruhezeit.

Platz 16: Girls Go Chopping - Lordi

Dieser Wortwitz... dieser Wortwitz... Girls Go Chopping... Klingt wie ein augenzwinkernder B-Horror-Filmtitel, der noch das beste am gesamten Streifen ist. Doch Lordi hat es tatsächlich vollbracht ein ganzes, vierminütiges Lied um diese Wortspielerei herumzubasteln. Nicht nur das, es eröffnet (nach dem obligatorischen Intro-Track) als erstes Lied das neue Album der Band. Ein bisschen zu gut, um ehrlich zu sein, denn hier wird mit einem Werwolfzahn reingepfeffert, dass manche der etwas düsteren, schwerfälligeren Lieder auf dem Album Deadache hiernach schon richtig energiearm wirken. Als spaßigste Nummer des Albums ist es mein Favorit, es ist sozusagen das neue Hard Rock Halleluja, ohne dieses auch nur im Ansatz zu kopieren. Das erfreut natürlich, weil sich selbst kopierende Bands nicht unbedingt das Gelbe vom Monsterei sind, doch mir fehlt die Eingängigkeit des Eurovision Song Contest-Siegertitels trotzdem ein wenig.

Platz 15: Nancy the Tavern Wench - Alestorm

Wir hatten jetzt eine Band, die sich nach Esskastanien benennt, einen deutschen reggae-Künstler dessen Name einem Entenhausen-Comic entsprungen sein könnte und Monster aus Finnland. Zeit, dass wir die Piraten aus Schottland zurück auf den Schirm bringen. Und mit Nancy the Tavern Wench erreichen wir auch langsam typischeres Alestorm-Gebiet. Eine herrlich simple und piratige Melodie, die von modernen Instrumenten gespielt wird - das ist "True Scottish Pirate Metal", auch wenn tempobedingt die typische Metallerhärte auf dem Schiff gelassen wird, während sich die Band schunkelnd auf Land begibt. Nancy the Tavern Wench ist nämlich das Sauflied von Alestorms Debütalbum Captain Morgan's Revenge. Der Text ist sehr eingängig und leicht mitzugröhlen und mit einem Krug Ale oder einer Flasche Rum (oder beidem) in Griffbereitschaft und erfahrenen Seebären unter'm Arm, die willig mitschunkeln macht dieser Song am meisten Spaß. Wer will kann die alten Seebären auch durch die hübscheste Dirne des Hafens und/oder eine aufgeweckte Piratenbraut ersetzen. Das kann den Landgang ebenfalls auflockern.

Platz 14: My Man Is A Mean Man- Stefanie Heinzmann

Stefan Raab weiß einfach, wenn ihm ein musikalisches Talent gegenübersteht. Und obwohl er für sich selbst vornehmlich Spaßsongs schreibt, nimmt er Musik sehr ernst. Von seiner Affinität für den großen Showeffekt (man denke nur an seine herrlich übertriebenen Showeinläufe zu Beginn seiner zahllosen Sport-Eventsendungen) ist dabei auch nichts mehr zu spüren: Im Gegensatz zu Dieter Bohlen achtet er nicht auf das Aussehen von Musikern. Im Gegensatz zu "D!" ist es ihm egal, ob jemand tanzen kann oder nicht. Und sogar die Massentauglichkeit scheint ihm egal zu sein. Er weiß, dass selbst musikalische Randgebiete durch einen Auftritt in seiner Sendung an Publikum dazugewinnen.
All das zusammen ist auch der Grund, weshalb Raabs gelegentliche Ausflüge ins Castinggebiet das sonst so trashige und proletenhafte Konzept solcher Sendungen abschütteln und von allen Seiten gelobt werden. Vier Jahre nachdem im Rahmen von SSDSGPS Max Mutzke entdeckt wurde veranstaltete Raab dieses Jahr "SSDSDSSWEMUGABRTLAD" und suchte ein musikalisches Talent. Statt wie bei SSDSGPS winkte keine Chance mit Raab zum Eurovision Song Contest zu fahren, sondern einfach "nur" ein Plattenvertrag, jede Menge Publicity, ein breites musikinteressiertes Publikum, wo man es sonst wohl nirgendwo findet und die Erlaubnis, trotz seiner Wurzeln bei ProSieben auch bei RTL aufzutreten.
Die Gewinnerin des Wettbewerbs wurde die Schweizerin Stefanie Heinzmann, deren erste Single von einem schwedischen Produzententeam auf den Leib geschrieben wurde. Die extrem lässige und atmosphärische Soul-Nummer wurde ein Charterfolg und Heinzmann ein bodenständiger Musikstar, der auch dem amerikanischen Promi-Klatschblogger Perez Hilton auffiel. Das Konzept von Raab ging auf: Solche Musik würde in Deutschland nur schwerlich die Charts erobern (es sei denn sie stammt von drogensüchtigen Turmfrisuren). Heinzmanns weitere Songs treffen nicht wirklich mein Musikzentrum, doch dieses Lied ist, trotz diskussionswürdigem Frauenbild in den Lyrics, wirklich klasse und geht so schnell nicht aus dem Kopf.

Platz 13: I Kissed a Girl - Katy Perry

Früher wäre Katy Perry wohl die perfekte Kandidatin für ein "One Hit Wonder" gewesen: Mit dem richtigen Lied platzte sie zur richtigen Zeit heraus und eroberte die Chartspitze. Das froh gelaunte, stylisch abgemischte und flotte Lied lief plötzlich einfach überall und (mehr durch Nachrichtenmangel künstlich herbeigeorderte, denn ehrlich erboste) Kontroversen in den Medien über das Lied nährten den Erfolg, machten weitere Leute auf I Kissed a Girl aufmerksam. Noch in den 90ern wäre es, so vermute ich, ihr letzter Hit in den Single-Top-Ten gewesen. Die stilistisch nicht unähnlichen weiteren Songs von ihr sind nicht mehr ganz so einvernehmend und dennoch dem Durchschnittskäufer zu nah am Erfolgshit. Die Fans von Perry dagegen hätten daraufhin halt direkt das ganze Album gekauft.
Doch dank sinkender Verkaufszahlen erreicht man mittlerweile viel schneller die Top Ten, und so schaffen Künstler mit konstantem Schaffen auch schneller Mal kurz nach dem letzten Hit nochmal den Sprung in die Top Ten.
Vielleicht ist meine Theorie aber auch völlig überzogen. Dies ändert aber nichts daran, dass der stimmungsvolle Nummer-Eins-Hit I Kissed a Girl perfekt den Feierabendstau zu verkürzen weiß und somit auf Platz 13 meiner Jahreshitliste landet.

Platz 12: Secret Combination - Kalomira

Ich gebe es ja zu: Beim ersten Anhören eher schlecht. Zu uninspiriert und hastig abgekupfert fand ich Griechenlands diesjährigen Beitrag beim Eurovision Song Contest. Doch beim Halbfinale und mehr noch bei der großen Finalsendung hat mich die Secret Combination der kleinen Sängerin Kalomira doch noch um den musikalischen Finger wickeln können. Allerdings war die Abmischung beim Liveauftritt auch viel peppiger als im Musikvideo, das meiner ersten Bewertung zu Grunde lag. Soviel zu meiner Verteidigung.
So oder so, rückblickend ist Secret Combination mein Favorit unter den Song-Contest-Beiträgen 2008; Ein wenig Nelly Furtado (die "neue" Furtado vom Album Loose, nicht die Furtado von früher), ein wenig Timbaland und eine dicke Prise Südeuropa-Feeling. Typischer Eurovision-Ethno-Pop, nur halt im topaktuellen Party- und Discogewand Timbalands und mit spaßig-leichtfüßiger Melodie. Hätte wahrlich das Zeug zu dem Sommerhit des Jahres gehabt, nur verbrachten zu viele Westeuropäer die Zeit nach dem Song Contest mit schmollen und rumnörgeln, als dass es wirklich hätte klappen können mit dem kommerziellen Erfolg.

Platz 11: The Huntmasters - Alestorm

Ihr habt doch nicht etwa gedacht, das war es schon von Alestorm? Nein, nein, wir haben doch jetzt erst ihre Spezialität entdeckt. The Huntmasters ist rasanter, gitarrenlastiger und piratenstarker Metal zum mitgröhlen und Köpfe-durch-die-Gegend-schütteln. In den Versen flott, im Refrain mit einer simplen Melodie ausgestattet und dank ausführlicher und stimmiger Instrumentalparts fast fünf Minuten lang erstreckt sich dieses Kampflied mit so zentralen Aussagen wie "With the power of Ale, he could not fail" versehen kann man nicht anders als sich eine zünftige Seeschlacht herbeiwünschen.

Platz 10: 4 Minutes - Madonna feat. Justin Timberlake & Timbaland

Es ist ein leichtes, sich über diesen Song lustig zu machen. Es fängt allein damit an, dass er keine vier Minuten dauert. Gut, der Film 9½ Wochen läuft auch bloß 112 Minuten, doch darum geht es hier nicht. Von 4 Minutes gibt es 26 (!) offizielle Versionen, und die rangieren von 3:12 Minuten Laufzeit bis zu 11:22 Minuten (!!), und keine einzige Version des Songs dauert vier Minuten! Nicht einmal die bekannteste Version, also die Albumfassung (die auch im Musikvideo zu hören ist), und dabei ist sie mit 4 Minunten und 4 Sekunden verflucht nah dran.
Dann wäre da das erschreckend sinnlose Musikvideo mit einer überdimensionalen Digitaluhr (bei der ich gar nicht erst versuche zu überprüfen, ob sie das gesamte Video über richtig läuft), den durch verschiedene Szenerien tanzenden Timberlake und Madonna und... semitransparenten alles auflösenden Dreiecken... Äh, was?
Nicht zu vergessen die wohl intelligenteste Textstelle, die man dieses Jahr in einem Popsong hören durfte:
(Madonna:) Tick tack tick tack tick tack
(Justin Timberlake:) That's right!

Wenn Timberlake vor Madonnas Stelle wenigstens gefragt hätte "Wie macht die Uhr?", dann würde das alles zwar noch immer saudumm sein, aber wenigstens irgendwelchen Sinn ergeben, so hingegen ist es eigentlich einfach nur lachhaft.
Trotzdem mag ich dieses Lied. Es macht einfach Laune, geht in die Beine und die hübsch elektronische Marching Band im Hintergrund der Musik ist irgendwie witzig. 4 Minutes hebt die Laune und ist ein gutes Beispiel dafür, dass der Pop weder tot, noch völlig in die Hände von Kaugummi-Kinderquark und dummen Castinggejaule gefallen ist.

Platz 9: Zusammen verschwinden - Karpatenhund

Ein wirklich tolles Lied, das leider vollkommen unbekannt ist. In den deutschen Singlecharts erreichte es lediglich den 97. Platz und nach kurzer Rotation verschwand das Video auch wieder aus dem MTV-Programm. Dabei möchte man denken, dass der Sender ein Lied von einer seiner Moderatorinnen stärker in den Vordergrund drängt.
Am ehesten könnten manche dieses Lied aus "TV Total" kennen, wo Karpatenhund auftreten durften. Zusammen verschwinden ist eine schöne Nummer, die Fernweh weckt und einen einfach in seinen Bann zieht. Tolle Texte, tolle Musik. Und sowas kommt von einer besonders nervigen Moderatorin auf dem eh fast niemals akzeptablen Sender MTV...

Platz 8: Wenches & Mead - Alestorm

Nach Nancy the Tavern Wench ein weiteres Trinklied von Alestorm, doch dieses ist viel vitaler, schneller und weckt noch mehr Lust auf ein Piratenleben auf hoher See. Der Wunsch nach Met und Miezen könnte zwar auch aus dem Mittelalter oder von Feuerschwanz stammen, doch bei Alestorm klingt das ganze wieder unverkennbar piratig und rockig. Und für das nächste Album wünsch ich mir von Alestorm dann ein Loblied auf richtig guten Rum. Punkt!

Platz 7: Terror On The High Seas - Alestorm

Terror On The High Seas vereint den flotten Trash-Metal von Death Before The Mast mit dem konsequenter eingehaltenen Piratenthema von Wenches & Mead oder The Huntmasters. Rasant, aggressiv und piratig-launenhaft verspielt ist dies der ideale Soundtrack für einen Raubüberfall auf hoher See oder Raufereien an Deck.

Platz 6: All Summer Long - Kid Rock

Dass Kid Rocks großer Sommerhit Sweet Home Alabahma zitiert sollte jeder wissen, der es sich schonmal angehört hat, doch nicht allen ist bekannt, dass Kid Rock einen zweiten Song hineinmischte: Werewolves of London von Warren Zevon.
All Summer Long ist ein wirklich spaßiges und ehrliches Cover (oder eher Mash-Up), das ganz ehrlich damit umgeht, dass es sich an alten Melodien bedient und schöne Erinnerungen an frühere Zeiten oder auch Urlaubsgelüste zu wecken vermag und richtig coll und lässig ist.
Egal ob mit offenem Dach/Verdeck bei durchgedrücktem Gas im Auto, Cocktails schlürfend im Liegestuhl oder bei Regem aus dem Fenster starrend und auf besseres Wetter wartend: All Summer Long ist locker, hat Stil und ist voller Lebensfreude. Wie lange dauert der usselige Winter eigentlich noch?

Platz 5: Bettina, zieh dir bitte etwas an - Fettes Brot mit Modeselektor

Ohrwurm, Partykracher und fröhlich gelaunt vorgetragene Medienkritik: Bettina, zieh dir bitte etwas an verjagt zwar allein aufgrund des Titels (beziehungsweise Refrain) Moralapostel und Kulturwächter allerorten, doch das hindert mich nicht daran den Song von Fettes Brot eine so hohe Position in meiner Jahresbestenliste zu geben.
Stilistisch kaum noch einzuordnen heben sich die Nordlichter wieder einmal meilenweit vom sonst nahezu ausnahmelos prolligem und rüpelhaften deutschen Hip Hop ab. Wenn man dieses Lied trotz Sprechgesang überhaupt noch so einordnen will, schließlich hat es vornehmlich elektronische Züge. Wo auch immer Bettina musikalisch hingehört, das Lied ist klasse.

Platz 4: Set Sail And Conquer - Alestorm

Weiterhin sehr schnell und energisch mit starken Metal-Einflüssen präsentiert sich Alestorm, doch von allen bisher in dieser Hitliste genannten Songs ist dies der mit der stärksten Filmmusikprägung. Statt die Piratenthematik nur in typische Seefahrermelodien zu packen, erinnert dieser Song an manchen Stellen auch an den Stil, den man von einem Abenteuerfilm zu See erwarten würde, nur halt mit anderen Instrumenten gespielt.

Platz 3: Captain Morgan's Revenge - Alestorm

Der Titelsong des Alestorm Albums Captain Morgan's Revenge läuft epische 6:42 Minuten und ist allein schon vom Aufbau her ein kleines Metal-Meisterwerk. Mit seiner knarzigen Piratenstimme erzählt der Sänger die Geschichte von ihm und Crew, die gegen Captain Morgan meuterte und deshalb mit einem grausamen Fluch belegt wurde und sich bereits in der Hölle wägt.
Von allen Alestorm-Songs ist dies der mit den größten filmischen Qualitäten. Die instrumentalen Stellen sind großartig arrangiert und inspirieren das Kino im Kopf zu mit allen Meerwassern gewaschenen Hollywood-Materialschlachten, der zum abfeiern und mitsingen einladende Refrain gewinnt durch die mystisch dahingekrächzten Strophen an Schwere. Hier packen die Mannen aus Schottland einen gesamten Piratenabenteuerzyklus in einen einzelnen Song und unterlegen ihn mit elektrifizierten Gitarrenklängen. Einfach großartig. Und keineswegs (massen-)radiotauglich.

Platz 2: Apologize - Timbaland presents OneRepublic

Okay, hier werden sicher wieder einige aufspringen, und sagen, dass dieses Lied doch schon älter ist. Doch den Löwenanteil seines Chartaufenthalts erledigte Apologize dieses Jahr, weshalb er auch in den offiziellen Jahrescharts 2008 eine sehr gute Platzierung machte.
Außerdem ist das noch immer meine Hitliste, und wenn ich das Lied erst dieses Jahr so richtig für mich entdeckt habe, dann darf es auch hier Einzug halten. Die Chartqualifikation ist ja auch noch vorhanden. Aber genug davon, lasst uns zum eigentlichen Song kommen:
Zum einen habe ich aktiv die Timbaland-Remix-Version von Apologize gewählt, und nicht das Original, weil die typische Timbaland-Klangatmosphäre großartig zur Stimmung des Gesangs und Textes passt und somit, in meinen Ohren, die Wirkung unterstreicht.
Dann wäre da noch der Radio-Faktor: Apologize lief ja wirklich zu jeder Tages- und Nachtzeit und ging mir dabei kein bisschen auf die Nerven. Das Lied nutzte sich für mich überhaupt nicht ab. Und multifunktional ist das Lied auch: Es kann die Stimmung genauso heben, wie es einem attestieren kann sich in seinem Kummer zu ersaufen (sehr hilfreich, wenn der ganze Rum beim letzten Plünderzug durch das Alestorm-Album draufging *(he)rumscherz*).
Dieses Lied konnte einfach immer laufen, und lange Zeit tat es das auch, sei es von mir gewollt oder zufällig. Und genau deshalb ist es für mich auch ein 2008er Lied. Ein hervorragendes.

Platz 1: Over The Seas - Alestorm


Over The Seas ist nicht ganz so episch wie Captain Morgan's Revenge, dafür energiereicher. Es ist musikalisch nicht ganz so komplex, dafür aber noch einvernehmender. Filmreif sind beide Songs, beide erzählen eine Piratengeschichte, und beide erinnern in den instrumentalen Parts an richtig gute Soundtracks. Nur halt mit mehr E-Gitarren und Bass als üblicherweise.
Eigentlich stimmt an Over The Seas und Captain Morgan's Revenge alles, doch Over The Seas habe ich ein klein wenig mehr lieb gewonnen. Eine piratenstarke Hymne, sehr rockig, ein wenig Old Scool und weniger Hau-druff-Metal wie etwas niedriger platzierte Alestorm-Titel. Vielleicht auch deshalb der Sieg in meiner Jahresbestenliste. Oder es liegt am spaßigen Akkordeon-Sound-Einsatz, der fanastischen Piratengesangsstimme, dem ohrwurmverdächtigen Refrain, oder, oder, oder...

Das waren also meine Lieder des Jahres 2008. Ein klein wenig einseitig vielleicht, aber ddaran erkennt ihr wenigstens, dass ich die Liste nicht glattgebügelt habe. So sah mein Musikjahr 2008 aus... Naja fast. Denn Filmmusik spielte dieses Jahr wieder einmal eine größere Rolle als die aktuelle Musikwelt.
Im Gegensatz zu letztem Jahr möchte ich euch deshalb in ein paar Tagen meine Filmsongs des Jahres vorstellen.

Bis dahin könnt ihr euch ja noch etwas über diese Hitliste wundern. Piraten-Metal, Pop von Pfarrerstöchtern, Timbaland und Nu Metal in ein und der selben Liste?

Ja. So bin ich nunmal.

Samstag, 27. Dezember 2008

Das Ende naht bei "Schmidt & Pocher"

"Das war von vornherein ein zeitlich begrenztes Experiment – und zwar von beiden Seiten", sagt der Schmidt & Pocher-Produzent Fred Kogel gegenüber Spiegel Online. Besagte Grenze hat das Experiment jetzt erreicht: Kogel kündigte an, dass die im Doppel moderierte Late Night Show mit miesem Passspiel zwischen den beiden unterschiedlichen Entertainern April 2009 zum letzten Mal ausgestrahlt wird.

Doch es ist nicht der von vielen als fernsehmüde bezeichnete Schmidt, der Pocher die Bühne überlässt. Viel mehr ist Pocher der Bremsklotz, von dem man Schmidt befreien will: Im sich auf uns zubahnenden Wahljahr möchte "man Schmidt auf einem Level sehen, das sonst im deutschen Fernsehen niemand liefert", sagt Kogel, spricht davon die komödiantische Messlatte "wieder höher zu legen in Richtung Anspruch und Intellekt". Die subtilste Art zu sagen, dass Pocher Schmidts Sendung auf ein niedrigeres Niveau zerrt und niemand ihm zutraut intellektuelle Politsatire abzuliefern ist das nicht gerade.

Andererseits wäre es auch vergeudete Mühe, Pocher gegenüber subtil zu sein, schließlich ist er auch alles andere als feinfühlig. Mit einem proletenhaften Holzhammer schmettert er seine gelungeneren frechen Gags heraus, mit unübersehbaren Unsicherheiten und schlecht versteckter Nervosität stottert er sich durch Improvisationen und subtilere Witzchen, womit er die schwächlichen Pointen völlig erdrückt.

Pocher ist gut, wenn er die Wahrheit ausspricht und mit anarchischer Natur sein eigenes Ding durchzusetzen versucht. Gemeinsamkeiten mit Schmidt sind durchaus vorhanden und so gab es in Schmidt & Pocher anfangs auch tatsächlich so etwas wie Unterhaltung. Geplante Programmlücken, Seitenhiebe auf Kritiker und schmidt'sche Sinnlosaktionen gepaart mit pocheriger Extrovertiertheit. Bloß die Dynamik war zu Beginn nicht vorhanden, die Moderatoren mussten sich noch zusammen einspielen.
Leider haben Schmidt und Pocher diese Chance vertan, statt eigenwilligem Late Night Humor mit kleinen Timingproblemen herrscht in der gemeinsamen Sendung Lustlosigkeit, zwischen den Moderatoren klafft eine weitaus größere Kluft als anfangs.
Rasselten beide einst mit Augenzwinkern aufeinander und ließen sich etwa von der Sat.1 Nachmittags-Psychologin Angelika Kallwass beraten, herrscht gähnende Langeweile zwischen den beiden, wenn Pocher nicht gerade von Schmidt unterschwellig oder gerade heraus abgestraft wird.

Für Aufsehen sorgt die Sendung auch längst nicht mehr. Die Zeiten vom Nazometer, Schleichwerbeverdächtigungen und Körperflüssigkeiten aus niederen Regionen sind vorbei, stattdessen rattert Pocher eine ungeübte Parodie nach der anderen herunter, verrennt sich in seinen Stand-Up-Monologen in Fußballgeschwätz und klingt so als sei er die abgelehnte Witzsseite des Kickers, während Schmidt zwei oder drei anspruchsvollere Witzchen andeutet, so für's Prestige.

Selbst die ursprünglich innovativen Seitenhiebe auf Kritiker verloren ihren Pepp. Wo früher großteils berechtigte Kritik an der Kritik geübt wurde, stehen nun kurze und freudlose, wie Pflichtübungen abgehakte, Kasplereien. Die Antwort auf die hervorragende Switch-Parodie von Schmidt & Pocher wirkte so, als versuche sich eine Laienspielgruppe an einem Switch-Sketch.

Wohin genau es Schmidt und Pocher schlagen wird, steht noch nicht ganz fest. Quotenmeter spekuliert auf einen möglichen Wechsel Schmidts zu den Privaten, während Pocher eventuell bei der ARD bleibt, wo er bereits desöfteren in der Sportschau herumjuckst, sozusagen als geistiger Nachfolger der Latexpuppen des Fußball-Spin-Offs von Hurra, Deutschland.
Die Puppen waren zwar witziger, aber deren Karikaturen sahen ähnlich realistisch aus wie die Parodien von Pocher.

Freitag, 26. Dezember 2008

Muppets sind ein drittes Mal viral

Zu Beginn der Weihnachtssaison gab es ein neues Muppet-Webvideo, das ich euch nun am 2. Weihnachtstag zeigen möchte:



Weitere virale Muppet-Videos:

Donnerstag, 25. Dezember 2008

Kurzmeldungen unter'm Weihnachtsbaum

Hallo alle miteinander!
Ich hoffe ihr genießt die Feiertage und habt bereits bewiesen, dass nicht jedes Festessen mit der Familie in ein großes Chaos mündet.

Für alle, die zwischen dne Festtagsaktivitäten nach Neuigkeiten gieren und sich hierher ins Internet schlugen, gibt es als kleine Belohung ein paar kleine Meldungen, die nicht sonderlich spektakulär, aber interessant sind.

  • Ein erstes Bild aus der kommenden Touchstone Pictures-Produktion The Surrogates wurde veröffentlicht (klickt drauf um es zu vergrößern). Dieser Sci-Fi-Film ist eine Adaption der gleichnamigen fünfbändigen Grpahic Novel und spielt in einer Zukunft, in der Menschen eine neue Art von Robotern benutzen, die an ihrer statt mit der Außenwelt interagiert. Bruce Willis spielt einen Polizisten, der auf den Plan gerufen wird, nachdem mehrere dieser Roboter zerstört wurden. Die Regie bei diesem Film übernahm Jonathan Mostow (Terminator 3).
  • Die Fortsetzung von Keinohrhasen heißt laut Focus Online nicht etwa Keinohrhasen 2 oder Einohrhasen, sondern Zweiohrküken. Der Film bekommt 900.000 Euro Produktionsförderung und soll nächsten Dezember ins Kino kommen.
  • Bruce Boxleitner, Darsteller der titelgebenden Figur in Tron, hat für die Fortsetzung unterschrieben. ComingSoon.net bezeichnet diese übrigens wieder als Tron 2.0 und nicht als TRZ oder Tr2n.
  • USA Today veröffentlichte die ersten fünf Bilder aus der kommenden Actionkomödie G-Force über genetisch manipulierte Hamster, die auf einer Mission sind die Welt zu retten. Produziert wird dieser ungewöhnlich klingende Film von niemand geringerem als "Mr. Blockbuster" Jerry Bruckheimer. Mit dabei sind unter anderem Nicolas Cage, Penelope Cruz, Steve Buscemi (Interview, Con Air, Armageddon, Fargo, Die Insel) und Tracy Morgan (Saturday Night Live) als Sprecher der animierten Protagonisten und in weiteren Rollen Bill Nighy (Davy Jones in den PotC-Fortsetzungen) und Will Arnett (der Sprecher des Don't-Trailers in Grindhouse). Der Trailer zu G-Force wird am 29.12. auf Disney.com seine Premiere feiern.
  • The Dark Knight wird in China keinen Kinostart erleben. Die Entscheidung wurde von Warner Bros. selbst getroffen, da der Film dem Studio zu Folge Probleme hätte in der chinesischen Kultur angenommen zu werden. Jährlich werden nur rund 20 internationale Filme in China gezeigt, viele Blockbuster werden dabei vom Staat geblockt. So wurde Pirates of the Caribbean - Fluch der Karibik 2 wegen übernatürlichen Sequenzen, hoher Gewalt und Horrorelementen verboten, während der dritte Teil nur stark zensiert in die Kinos kam. Der Schere fielen auch fast alle Szenen mit dem chinesischen Piraten Sao Feng zum Opfer.
  • Entgegen früherer Meldungen wird Nick Stoller doch nicht beim kommenden Muppet-Kinofilm Regie führen. Wie er in einem Interview mit Collider sagte, möchte er lieber, dass jemand mit mehr Erfahrung beim Umgang mit Puppen diese Verantwortung übernimmt. Das Drehbuch für den Film sei jedoch bereits fertig. Er und sein Co-Autor Jason Segel reichten es bei Disney ein und warten nun nur noch auf eine Rückmeldung. Segel und Stoller erhielten während der Produktion von Nie wieder Sex mit der Ex das grüne Licht für ein Drehbuch und lernten bereits einige Muppet-Verantwortliche kennen.

Mittwoch, 24. Dezember 2008

Es ist Weihnachten!

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern ein frohes Weihnachtsfest. Genießt die (hoffentlich) freie Zeit, besinnt euch ein wenig und lasst euch die Feiertage nicht komplett von den Geschenken rauben. Natürlich dürfen die trotzdem großzügig ausfalllen.

Mögen sich eure Wünsche für das Fest der Liebe erfüllen.

Euer Sir Donnerbold

Disneys Stück Kohle im Stiefel der Narnia-Fans

Egal ob in eurem Hause die Bescherung heute getätigt wird oder erst am 25. Dezember, egal ob die Geschenke für die Kleinen vom Weihnachtsmann oder vom Christkind überbracht werden, von Disney kommt für die Narnia-Fans eine böse Überraschung:

Der erste Teil der Narnia-Reihe lief über Disneys Erwartungen und spielte um Weihnachten herum, also zur fast schon traditionellen Fantasy-Kinozeit, über 744 Millionen Dollar ein, überholte somit den anfangs als großen Konkurrent eingeschätzten King Kong und in den USA spielte er sogar mehr ein als der 2005 veröffentlichte Teil der Harry Potter-Reihe.

Die Fortsetzung, Prinz Kaspian von Narnia, kostete 200 Millionen Dollar und wurde diesen Sommer in die Kinos gebracht. Das Ergebnis stellte Disney extrem unzufrieden, in den USA brachte er nur 141,6 Millionen in die Kasse, weltweit immerhin 419,6 Millionen Dollar. Da dies Disneys Erwartungen nichtmal im Ansatz erreichte, mussten Narnia-Fans in den letzten Monaten um die Fortsetzungen bangen. Sie befanden sich zwar in der Planungsphase und der dritte Teil, Die Reise auf der Morgenröte, stand kurz vor Beginn der Dreharbeiten. Locations waren bereits gefunden, ein neuer Regisseur, das Casting war in den Hauptrollen bereits getätigt. Nur ein offizielles Okay von Disney fehlte.

Dann wurde öffentlich, dass Disney das Budget für den dritten Narnia-Film enorm beschneiden möchte: Nur noch 100 Millionen Dollar sollten zur Verfügung stehen, während das produzierende Studio Walden Media sich schlimmstenfalls auf ein Budget von 140 Millionen runterquatschen lassen wollte.

Gestern fand die Geschichte ein Ende. Beide Studios beschlossen die Zusammenarbeit zu beenden. Die Disney Company wird den dritten Narnia-Teil nicht koproduzieren oder mitfinanzieren.
Walden Media, Inhaber der Filmrechte, beginnt nun die Suche nach einem anderen Hollywood-Studio, welches den nächsten Narnia-Film finanziell unterstützen und in die Kinos bringen wird, wie im Hollywood Reporter nachzulesen ist.

Dies ist eine herbe Überreaktion Disneys, bedenkt man dass sogar Disneys Präsident und CEO Robert Iger der Presse gegenüber zugab, dass das Scheitern von Prinz Kaspian vom Großteil auch am taktisch unklug gelegten US-Starttermin verursacht wurde.
Wenn Disney selbst mit vielen Fans und FIlmjournalisten in der Fehlersuche übereinstimmt, weshalb versucht man dann nicht, beim nächsten Teil diesen Fehler zu beheben?

Disney wird wohl befürchten, dass Prinz Kaspian der Popularität von Narnia so sehr schadete, dass ein dritter Teil unmöglich Profit machen kann. Doch dies wäre eher bei schlechter Qualität der Fall - wenigstens hinter dem dritten Teil hätte Disney also noch stehen können.

Ein wenig Hoffnung dürfen Narnia-Anhänger aber noch bewahren: Sollte der neue Coproduzent mehr Vertrauen in das Franchise haben, bekommt der dritte Teil vielleicht doch ein volles Budget zur Verfügung gestellt.

Dienstag, 23. Dezember 2008

Ruhe von nun an in Frieden, Videokassette

Die Videokassette ist, zumindest in ihrer bisherigen Verwendungsform, endgültig tot.
Im Oktober versand der einzig verbleibende Video-Großhändler, pünktlich zum Vorweihnachtsgeschäft, die letzte Fuhre Videokassetten an Ramschläden und Sonderpostenmärkte.
"Sie ist tot, das war es, dies ist die letzte Weihnacht", sagt Ryan Kugler, der Präsident von Distribution Video Audio, der Ende dieses Jahres ein für alle Mal das Geschäft mit den Magnetband enthaltenden schwarzen Plastikkästen aufgegeben hat, wohl wissend das in diesen Tagen die letzten nennenswerten Videoverkäufe getätigt werden.

Auch Amoeba Music, ein in Hollywood liegendes, 41.805 m² großes Pop-Kultur-Geschäft, kauft von nun an keine Videokassetten von Großhändlern mehr. Zwar werden von Privatpersonen noch Videokasetten abgekauft, doch gewirtschaftet wird damit nicht mehr: Die Videokassetten werden für ziemlich genau den Preis aufgekauft, wie sie wieder verkauft werden.

Und dieses Jahr am 28. Oktober kündigte JVC, der letzte Hersteller von Videoplayern und -rekordern an, nur noch DVD/VHS-Mischgeräte herzustellen. Es bleibt abzusehen, wie lange dies noch andauern wird, denn sobald die reinen DVD-Player zu Rarität werden, wird diese Mischform mit Sicherheit untergehen.

Ja, wir reden tatsächlich von diesem Weihnachten im Jahr 2008. Dieses Jahr ging die VHS ein- für allemal zu Grunde. Hollywood kehrte ihr bereits 2006 den Rücken zu, veröffentlichte mit A History of Violence letztmalig einen Film auf dem abgenutzten Format, seither hing das Schicksal des überholten Mediums am seidenen Faden. Wühltische in Ramschläden waren die letzte Anlaufstelle im stationären Handel, wo man ungenutzte Kassetten aus erster Hand kaufen konnte. Diese Zeit ist nun auch vorbei, die laut Distribution Audio Video derzeit 2 Millionen Videokasetten in den Ramschläden der USA werden nun Stück für Stück verkauft und bekommen keinen Nachschub mehr (nachzulesen in diesem Artikel der LA Times).

Das ist in Deutschland schon länger Geschichte. Hier findet man Videokassetten nur noch in Videotheken, die ihre letzten VHS-Bestände aus dem Archiv holen und mit Spottpreisen ettiketieren, um endlich genug Platz für Film-DVDs und -Blu-Rays, Video- und Computerspiele zu haben, von den zahllosen riesigen TV-Serien-Staffelboxen will ich gar nicht erst anfangen.

Manchmal finden sich noch Einzelhändler, die über die letzten Jahre nie ihr ganzes Angebot verkaufen konnten. Ein Spielwarenladen in meiner Region führt beispielsweise noch fabrikfrische Pocahontas-Stofftiere, Super Nintendo-Spiele und halt auch einige wenige Videokassetten. Wenn es 13 Jahre lang keiner gekauft hat, lässt man es halt so lange liegen bis es jemand kauft.

Ansonsten bekommt man Videokassetten nur noch auf dem Flohmarkt oder bei ebay. Vor allem dort lebt der Kassettenverkauf jedoch von vornehmlich zwei Gruppen: Eltern, die umfangreiche Disney-, Familien- und Kinderfilmsammlungen abkaufen die aufgelöst werden und von Filmnarren die ihre Samlungen mit kuriosen Filmen vervollständigen wollen. Nicht alle Filme schafften den Sprung auf DVD, entsprechend kostenintensiv kann der Kauf einer Videokassette von obskuren und völlig in Vergessenheit geratenen Produktionen wie Disneys Mr. Boogedy (nicht zu verwechseln mit dem nie veröffentlichten Zlatko-Kinofilm Mr. Boogie) werden.

Vielen scheint es sicherlich so vorkommen, als hätte der letzte Sargnagel der VHS, der mit dem Abschied der letzten Großhändler eingeschlagen wurde, lange auf sich warten lassen. Dabei kam der Tod der VHS ziemlich rasch, üblicherweise sind Medienwechsel von längerer Dauer, besonders wenn es sich um ein einstiges Monopol handelt. Videokassetten waren lange konkurrenzlos, erst 2003 (sechs Jahre nach Markteinführung) wurden mehr DVDs als Videokassetten verkauft.

Der Videokassette haben Filmfreunde allerhand zu verdanken. Videotheken entstanden, zahllose nicht enden wollende Filmsammlungen wurden gegründet, das gemütliche Filmerlebnis auf dem eigenen Sofa wurde eingeführt, ja, sogar den Formatkrieg lebte uns die Kassette vor.

JVCs VHS-Kassette musste sich nämlich gegen die audiovisuell überlegenen Formate Betamax (von Sony) und Video2000 (von Grundig und Phillips) sowie anfangs noch gegen VCR durchsetzen.

Übereilte Öffnungen gegenüber dem Endverbrauchermarkt und technisch wesentlich aufwändigere Rekorder brachten den Konkurrenzformaten der VHS jedoch herbe Nachteile, ebenso wie die längere Vor- und Rückspulzeiten der Betamax-Kassetten.

Entscheidend war jedoch wohl, dass JVC anderen Herstellern Lizenzen vergab, selber Abspielgeräte für das Format zu produzieren, sowie JVCs Akzeptanz der Pornobranche. Während sich die anderen Firmen weigerten Pornofilme zu unterstützen, erschienen diese Filme auf VHS, was eine neue Ära der Erwachsenenunterhaltung einläutete und in Windeseile das VHS-Format zum Marktführer machte.

Aber auch außerhalb des nur für Erwachsene gedachten Bereiches von Videotheken blühte das Geschäft. Darum lassen wir dieses Mal den filzigen, stinkigen grau-kackbraunen Vorhang zu, um den sich dauernd frisch gebackene Achtzehnjährige herumdrucksen und auf einen Moment warten, in dem niemand guckt.

Denn dank der Videokassette öffnete sich erstmals für eine breite Masse der Fundus zahlloser Filmstudios. In den 80ern erschien nahezu jeder Schrott auf Videokassette (für den man wie vorhin schon angedeutet mittlerweile kleine Vermögen zahlen darf), die Archive Hollywoods wurden auf den Kopf gestellt. Nur Disney hielt seine größten Klassiker lange Zeit zurück, veröffentlichte in den ersten Jahren nur Spielfilme und Cartoon-Sammlungen, aus Angst, die besten Disneyfilme würden ihren Reiz verlieren wenn man sie jederzeit auf Video sehen kann.

Erst unter Michael Eisner begann der Konzern als Geldbeschaffungsmaßnahme langsam seine größten Klassiker auf Video zu veröffentlichen (den Anfang machte in den USA 1985 Pinocchio). An Besonderheit verloren sie dennoch nicht, da der Konzern beschloss diese Filme in relativ kleinen Stückzahlen zu veröffentlichen und nach kurzer Zeit aus dem Handel zu nehmen, nur um sie sieben Jahre später in einer Neuauflage zu verkaufen. Hier liegt auch der Grundstein für die so genannte Platinum Edition aus dem DVD-Zeitalter, einer Produktreihe Disneys in der jährlich große Klassiker veröffentlicht werden. Die DVDs verschwinden nach wenigen Monaten aus dem Handel und werden kurz darauf für Unsummen bei ebay verschachert.

In den frühen 90ern kosteten neue Videofilme gerne Mal so viel, wie heutzutage eine 2-Disc-DVD aktueller Blockbuster. Für ganz große Filmerfolge durfte man gerne bis zu 49,95 DM hinblättern.

Das ist längst vorbei. Ottonormalverbraucher hat mit der VHS gar nichts mehr am Hut, Filmfans mit entsprechendem Haushaltsgeld verlieben sich bereits in die optische Brillanz der Blu-Ray, die restlichen Sammler hamstern derzeit die letzten Wunschfilme auf DVD, bevor die neuen FSK-Kennzeichnungen zur Pflicht werden.

Eigentlich verschwinden Medien niemals komplett, im Gegensatz zu Formaten wie der HD-DVD oder Video2000, die im Kampf gegen ähnliche Formate untergingen, weil die Hersteller schlechtes Marketing betrieben oder mit den falschen Leuten Verträge unterschrieben. Die Schallplatte bekam durch DJs völlig neue Anwendungszwecke. Einige Künstler bringen noch heute ihre aktuellen Alben und Singles auf Vinyl heraus und so manche puristischen Toningenieure, Komponisten und Toncutter Hollywoods schwören bis heute, dass eine absolut unverbrauchte, gut behandelte Schallplatte bessere Tonqualität liefert als alle akustischen Folgemedien. Beurteilen kann ich das nicht, doch eine ambitionierte und angemessen große Nische hat die Schallplatte damit gefunden.

Und auch wenn in Bussen, Zügen und Straßenbahnen kaum jemand mit einem tragbaren CD-Player herumläuft, sondern sich seine Musik auf dem MP3-Player anhört, so ist die CD weiterhin das Medium, auf dem im stationären Handel Musik verkauft wird. Saturn, Media Markt und Co. verkaufen keine USB-Sticks mit sämtlichen AC/DC-Alben, sondern weiterhin CDs. Egal wie viel die Musikindustrie über sinkende Absätze jammert, die CD ist noch lange nicht tot, genügend Menschen wollen ihre Lieblingsmusik nichtbloß als digitale Datei besitzen.

Musikkassetten wichen zwar schon vor langer Zeit der CD, doch als Medium für Kinder-Hörspiele haben sie sich einen festen Platz gesichert, und so manchem Romantiker zu Folge übertrifft nichts ein Mixtape. Durchaus verständlich, was ist schon romantisch an einem selbst erstellten Dateien-Ordner mit den Lieblingsliedern der holden zu erobernden Maid? Das ist wahrlich kein Geschenk, mit dem Herzen gewonnen werden.

Das Radio war einst das Medium für die große Abendunterhaltung, nun ist es dazu da die Staumeldungen aufzusagen und lange Autofahrten mit möglichst angenehmen und unauffälligem Gedudel zu überbrücken.

Bloß die Videokassette scheint vom Tisch zu fallen. Welchen besonderen Zweck wird sie erfüllen, welche Nischenposition hat die Popkultur für sie erkoren? Um ehrlich zu sein zeichnet sich in meinen Augen keine neue Funktion für die angestaubten Kassetten ab. Im Gegensatz zum eingangs erwähnten Artikel der LA Times soll der VHS hier jedoch eine nostalgische Liebe zugesprochen werden.
2006 wurde das Wort "Bandsalat" ins Lexikon der bedrohten Wörter deutscher Sprache eingetragen und allein dieses Jahr verneigten sich zwei Hollywood-Filme mit verklärtem Blick und ehrlichen Gefühlen vor der Kassette. In Michel Gondrys Komödie Abgedreht löscht Jack Blacks elektromagnetisch geladene Figur sämtliche VHS-Kassetten in einer vom Puls der Zeit abgeschlagenen Videothek sämtliche Bänder, woraufhin die Filme mit amateurhafter Liebe neu gedreht werden müssen und der titelgebende Protagonist von WALL•E wahrt eine im Abfall der Menschheit gefundene Videokassette als seinen größten Schatz und lehrt durch den auf ihr enthaltenen Film Emotionen kennen.

Und wenn Robert Rodriguez und Quentin Tarantino wirklich auf Zack gewesen, so gäbe es Grindhouse, ihre Verneigung vor Schundkinos und Exploitationfilme, nicht auf DVD sondern nur auf Videokassette zu kaufen, mitsamt vorgetäuschtem Bandsalt.

VHS mag unter Filmfreunden niemals den Status einnehmen, den Schallplatten im Musikbereich erreicht haben. Während das weiße Album der Beatles nur als große schwarze Scheibe als das einzig wahre weiße Album, ein Meilenstein der Popmusik, angesehen wird, wird kaum jemand im Elektrofachgeschäft einen ahnungslosen Kunden davon abhalten die neue Blu-Ray-Disc vom Blockbuster-Urgestein Der weiße Hai aus der Hand schlagen und erbost befehlen, er solle sich gefälligst für 1,99 Euro die abgegrabbelte VHS-Kassette aus der Videothek nebenan kaufen, die gerade auf dem Wühltisch verschimmelt.

Doch wenn ein wahrer Liebhaber seiner Filmsammlung Lust verspürt einen vergessenen Schatz anzugucken, und deshalb eine klobige Videobox öffnen muss, das schwere Band in die Hand nimmt und dann vorsichtig in den angestaubten Videorecorder schiebt, werden doch Gefühle wach. Das Surren des Abspielgerätes, die weißen, flackernden Schlieren in den ersten Sekunden des Schwarzbildes, die FSK-Ansage, das unnachahmliche Geräusch während des Vorspulens... So lernten Generationen von Filmfreunden erst die Vergangenheit der Filmgeschichte kennen. Mit von Mal zu Mal verschlechternder Qualität begutachteten sie ihre Lieblingsfilme. Zunächst akribisch erlernt, später ins Blut hinübergegangen waren die Abstände, in denen man die Vorsprul-und Playtasten drücken musste um an die liebsten Stellen zu kommen.

Ein wenig werde ich sie dann doch vermissen, die VHS.

Diskussionsideen:
  • Was war eure zu letzt gekaufte Videokassette?
  • Welchen Film habt ihr euch als letztes auf Video angesehen und wann war das?
  • Wisst ihr noch, wann ihr eure erste Kassette gekauft habt, welcher Film hatte die Ehre?
  • Wieviele Videorecorder hat eure Familie verschlissen?
Eure Antworten würden mich sehr interessieren!

Montag, 22. Dezember 2008

Horroranarchie: Gremlins 1 & 2

Die Gerüchte um einen dritten Gremlins-Film werden einfach nicht stumm und nachdem dieses Jahr die bösartige Monsterchaoten-Truppe auch in einem Werbespot auftraten, sind noch mehr Fans und Nostalgiker auf einen neuen Kinoausflug gespannt. Warum sonst sollte Warner seine Charaktere für Werbung freigeben, wenn man nicht das ganze Franchise wiederbeleben möchte?



Das stetige Gerede über Fortsetzungen weckte in mir jedenfalls das Interesse, die zwei bisherigen Gremlin-Produktionen nochmal anzusehen. Das letzte Mal ist schon lange her, und richtig konzentriert habe ich sie zuvor noch gar nicht gesehen, immer nur mit Ablenkungen. Zeit, diesen Fehler endlich auszubügeln!

Gremlins - Kleine Monster spielt an Weihnachten: Der Erfinder Randall Peltzer sucht nach einem Geschenk für seinen jugendlichen Sohn Billy und findet schließlich in einem skurrilen Asia-Shop das vermeindlich perfekte Geschenk: Einen Mogwai, den er Gizmo nennt. Das knuffige Tier mit großen Augen ist jedoch nicht einfach in der Pflege. Es darf nicht in helles Licht, vor allem nicht ins Sonnenlicht, weil es ihn töten würde. Er darf nicht nass werden. Und vor allem: Er darf nicht nach Mitternacht gefüttert werden.

Wie es nicht anders zu erwarten war, bricht Billy die drei Regeln mehr oder minder zufällig, mit bitteren Folgen: Eine Truppe von hässlichen grünen Kreaturen macht an Heiligabend das beschauliche Städtchen unsicher, zerstört Häuser und Inneneinrichtung, greift Menschen an, tötet sie und randaliert in einem Irish Pub.

Der 1984 veröffentlichte Joe-Dante-Film hat seinen Ursprung in einer Schreibprobe von Chris Columbus, der Jahre später das Harry Potter-Filmfranchise ins Rollen brachte. Zu Beginn der 80er versuchte Columbus noch in Hollywood Fuß zu fassen und musste den Studiobossen noch beweisen, dass er das Zeug zum Autor hat. Das Ergebnis war Gremlins, und mit diesem Drehbuch erhoffte er, sich Aufträge zu angeln. Für's Kino war dieses Skript dagegen nicht gedacht. Dann aber stolperte Steven Spielberg über das Drehbuch und erwarb die Rechte an ihm.
Die erste Fassung des Skripts war noch um einiges düsterer und brutaler als das, was letztlich ins Kino kam. Beispielsweise starb Billys Mutter im Originalskript beim Kampf gegen die Gremlins, welche mit ihrem abgetrennten Kopf Ball spielten, der Hund wurde von den Gremlins gefressen und auch ein McDonald's Restaurant war nicht vor den Ungeheuern sicher: Sie stürmten hinein und fraßen sämtliche Kunden. Nicht aber die Burger.

Auf Spielbergs Anraten wurde außerdem der süße Mogwai namens Gizmo den gesamten Film über beibehalten, statt ihn in den Gremlin-Anführer Stripe zu verwandeln. Und auch wenn manche Horrorfanatiker sich wohl eine solche Fassung des Gremlin-Films wünschen mögen, bin ich über diese Entscheidungen überaus erfreut. Sie legten den Grundstein für das, was Regisseur Joe Dante letzten Endes aus dem Stoff machte: Einen frechen und seinerzeit neuartigen Cocktail aus klassischem (Monster-)Horrorfilm, tiefschwarzem Humor und chaotischer Familienkomödie.

Da haben wir den liebenden Familienvater, der zahllose alberne und nicht funktionierende Haushaltsgegenstände erfindet, mit denen sich die Familie rumplagen muss, die völlig überzeichnete und gemeine Chefin Billys und das gute, alte Konzept, dass der junge Protagonist etwas ganz besonderes erhält (hier nunmal einen Mogwai) und nach anfänglicher Freude alles außer Kontrolle gerät und ein Riesenchaos entsteht. Solche Filme sieht man Sonntagmittag zu Hauf in der Familienfilm-Schiene. Nur ist Billy für solche Familienkomödien, meistens TV-Produktionen, ein klein wenig zu alt und das entstandene Chaos viel zu blutig.
Was uns gleich zum Horrorfilm-Element führt. Dass Gremlins auf einem flüchtigen Blick leicht mit einem "richtigen" Horrorfilm zu verwechseln ist, muss ich wohl nicht wirklich erläutern, es ist ja ziemlich eindeutig. Was Gremlins seinerzeit aber so einmalig machte (und noch heute immerhin ein wenig aus der Masse herausstechen lässt), ist wie Techniken aus dem Horrorgenre genommen werden um ein ungewöhnliches Filmereignis mit verrücktem und zynischem Humor zu kreieren.
Paradebeispiele sind vor allem die Küchenszene, in der Billys Mutter gegen die Gremlins kämpft, und die nicht minder bekannte Treppenlift-Szene. Beide verwenden die klassischen dramaturgischen Kniffe aus Horrorfilmen. Lange Kameraeinstellungen, das (vermeintliche) Opfer ist allein im großen, leeren und dunklen Raum, nur wage wird mit Schatten und Geräuschen die Anwesenheit des Monsters angekündigt. Die Küchenszene zeigt und schließlich nach langer und schauriger Horror-Exposition den ersten Gremlin des Films... der genüsslich einem Lebkuchenmann den Kopf abbeißt. Und so geht es in der Küchenszene weiter: Wir haben schreckliche Monster, die drauf und dran sind die Mutter zu töten, so genannte Jump-Cuts (die Monster springen aus dem Nichts ins Bild), nur um das ganze dann mit Humor aufzulösen. Wobei sich der Humor immer weiter ins makabere hineinsteigert.

Die etwas später vorkommende Treppenliftszene dagegen nimmt sich der nun neu gesteckten Erwartungen des Zuschauers an. Der Aufbau ähnelt wieder einer Horrorfilmszene und normalerweise würde man auf die nächste Mordattacke warten. Hier dagegen wartet der Zuschauer auf den nächsten kuriosen und fiesen Witz, der dann auch kommt und mit hervorragendem Timing und abgedrehter Inszenierung die Lachmuskeln angreift.

Trotz allem Zynismus bleiben die Gremlins weite Teile des Films über hauptsächlich Monster - sie sehen etwas lustiger aus als normale Horrormonster und ihre Lache ist amüsant, aber wirklich witzig sind mehr die einzelnen Situationen und weniger die Gremlins selbst. Bis zur Szene im Irish Pub. Dort mutieren die Gremlins zu abgedrehten Muppets auf Crack mit derbem Aggressionspotential. Sie schlüpfen in verrückte Kostüme, spielen Karten, randalieren, besaufen und verkloppen sich und stiften während ihrer Suche nach Unterhaltung jede Menge Chaos. Hier und kurz darauf in der legendären Szene im Kino zeigt sich die anarchische Seite der Gremlins: Sie sind keine abartigen Monster mehr, sondern eine verrückte Ansammlung von seltsamen Wesen, die einfach nur missverstanden wird.

Mir persönlich gefielen gerade diese anarchischeren, abgedrehteren Szenen in Gremlins am besten, während ich den Anfang vor der "Entstehung" der Monster als schleppend empfand. Hier gefiel mir die Mischung aus Komödie und Horrorfilm auch nicht so gut, die Monsterexposition und der Familienfilmanfang wirkt auf mich zu zusammengekleistert, alterte vor allem auch relativ schlecht, wirkt einfach zu sehr wie ein Relikt der 80er. Andere mögen aber diesen Charme, die nicht greifbare Mischung der Genres - jeder Jeck ist halt anders. Und jeck, das sind auch die Gremlins. Von daher passt es ja.

Egal, welche Stellen von Gremlins beliebter waren und so zum Erfolg führten, davon hatte der Film jede Menge. Mit über 148 Millionen Dollar Einspielergebnis allein während der Erstaufführung in den USA wurde er der vierterfolgreichste Film des Jahres 1984, einem besonders blockbusterreichem Jahr (auch Ghostbusters, Indiana Jones und der Tempel des Todes und Beverly Hills Cop erschienen 1984), auch international kam der Film sehr gut an (z.B. 3,1 Millionen Besucher in Deutschland).

Einen Platz in der Geschichte Hollywoods sicherte sich Gremlins letztlich aber wegen seiner Jugendfreigabe - oder genauer gesagt mit deren Folgen. Genauso wie Indiana Jones und der Tempel des Todes erhielt Joe Dantes anarchische Monsterhorrorkomödie eine PG-Freigabe. Die MPAA sah beide von Spielberg produzierte Filme trotz einiger intensiver und grafischer Szenen nicht als so brutal und verstörend an, als dass sie ein R-Rating (Unter 17 nur in Begleitung der Eltern) verdient hätten.
So etwas könnte man sich heute gar nicht mehr vorstellen, und es gab auch heftige Diskussionen über diese Entscheidung. Die Freigabe führte zusammen mit der irreführenden Werbung, die sich stark auf Gizmo konzentrierte und stark an E.T. erinnerte, dazu, dass viele Eltern mit kleinen Kindern in die Kinos gingen und nach dem Auftritt der Gremlins empört und erbost das Kino verließen.

Nach diesen Kontroversen um Indiana Jones und Gremlins erschuf die MPAA (zahllosen sehr glaubwürdigen Erzählungen zu Folge auf Anraten von Steven Spielberg höchstpersönlich) eine neue Jugendfreigabe: PG-13, für Filme, die Teenager bereits ohne ihre Eltern sehen können, für kleine Kinder jedoch weiterhin bedenklich sind.

So kam es dann auch, dass die um einiges buntere und weniger horrorartige Fortsetzung in den USA eine höhere Freigabe hat als das härtere Original.

Gremlins 2 - Die Rückkehr der kleinen Monster entstand sechs Jahre nach dem Original und wurde ebenfalls von Joe Dante gedreht, der dieses Mal auch die Idee zum Film beisteuerte. Nach dem Erfolg des ersten Films wollte Warner Bros. unbedingt eine Fortsetzung drehen, doch die zahlreichen Ideen ("Gremlins in Las Vegas", "Gremlins auf dem Mars" und ähnliches) nahmen keine Gestalt an, so dass man sich nochmal an Joe Dante wendete. Dieser sagte unter der Bedingung zu, dass Warner Bros. ihm freies Geleit gibt, komplette künstlerische Freiheit. Auf der Suche nach einem sicheren Hit nickte Warner diesen Wunsch ab - wohl nicht ahnend, welche Richtung Dante vorschwebte.

Doch Dantes Entscheidung ist die einzig wirklich konsequente: Eine klassische Fortsetzung von Gremlins kann nicht funktionieren, da im Laufe des ersten Teils die Ängste des Publikums vor den kleinen Monstern genommen wurden. In einer Fortsetzung würde es die ganze Zeit kichernd auf das Eintreffen der Schadenstifter warten, statt wie noch bei Teil 1 wenigstens zu Beginn einen Schauer zu verspüren.
Also nahm man sich die Bar- und Kinoszenen zum Vorbild: Gremlins 2 ist noch wilder, noch verrückter und noch anarchischer, die Monster sind völlig durchgeknallte Chaoten mit teils makabren Humor, doch keine blutrünstigen Menschenfresser. Waren sie in Teil 1 gegen Ende des Films Muppets auf Crack, sind sie nun Muppets auf Crack nach einem Zucker- und Koffeinschock, die keine gute Kinderstube genossen und deren Vorbilder die "Looney Tunes"-Charaktere sind. Und dies überträgt sich auf den ganzen Film: Waren die Humoreinlagen in Teil 1 in Szenen ohne Gremlins noch eher zaghaft dosiert und eher seichter Natur, ist Gremlins 2 durchgehend total durchgeknallt, überdreht und verrückt.
Dem entsprechend veränderte sich auch die Location des Films: Statt eine Kleinstadt am Heiligabend zu terrorisieren, fallen die Gremlins über einen hochmodernen Wolkenkratzer her, der jede Menge verrückte Spielereien bietet, mit denen sich die seltsamen Viecher vergnügen können.

Seit den Ereignissen aus Gremlins - Kleine Monster sind wieder einige Jahre ins Land gezogen. Billy lebt nun zusammen mit seiner Freundin Kate in New York. Beide arbeiten in dem hypermodernen Clamp Center, einem vom technikverliebten Multi-Millionen-Dollar-Magnaten Daniel Clamp erdachten Bürogebäude mit eigener Fernsehstation, Genlabor und allerlei Schnickschnack.
Billy entdeckt in der Forschungsabteilung den kleinen Gizmo und nmmt sich vor, sich wieder um ihn zu kümmern und dieses Mal sämtliche Regeln einzuhalten - doch eine aufdringliche Vorgesetzte und ein defekter Wasserspender sorgen dafür, dass das Vorhaben schief geht. erneut "wirft" Gizmo eine Schar von bösartigen Mogwais, die sich nach Mitternacht sofort mit gefrorenem Joghurt vollschlagen und sich aufmachen, das Clamp Center auf den Kopf zu stellen.

Leider dauert es bis zum Auftritt der Gremlins ziemlich lange, so dass die Wartezeit auf die große Mordsgaudi in manchen Szenen schon ein wenig ärgerlich sein kann. Und das, obwohl die Zeit bis zum ersten Gremlin-Auftritt optimal mit jeder Menge herrlichem Blödsinn versüßt wird. Hinter jeder Ecke lauern visuelle Gags und pointierte Dialoge, die moderne Welt des Clamp Centers ist auf hervorragende Weise überzeichnet (mit immer wieder gern gehörten freundlichen Lautsprecherdurchsagen über jeden möglichen Kappes, sei es ein Alarm oder der Hinweis, die defekte Drehtür nicht zu benutzen) und auch die Angestellten haben nicht mehr alle Tassen im Schrank. Sei es der als Vampir verkleidete Moderator einer quotenschwachen Horrorfilm-Reihe, der so gerne Nachrichtenansager wäre oder Christopher Lee als durchgeknallter Wissenschaftler, dessen zwei indentisch aussehenden Assistenten so gerne dem Geheimnis des Klonens auf der Spur wären.

Der Film beginnt (im wahrsten Sinne des Wortes) sehr cartoonhaft, doch mit dem Auftritt der Gremlins fällt der Startschuss für eine der anarchisten, verrücktesten und einfach nur seltsamsten Studioproduktionen Hollywoods. Sämtliche Regeln des Filmemachens werden über den Haufen geworfen, mit fortschreitender Laufzeit entschwindet jeglicher Sinn für eine durchdachte Dramaturgie und immer mehr wird Gremlins 2 zum reinsten Slapstick- und Wahnwitz-Festival.

Gremlins 2 ist zudem eine Parodie des ersten Teils. Die typischen Horrorfilm-Kameraeinstellungen in weniger horrormäßigen Situationen werden hier regelrecht penetrant eingesetzt und in einer absolut großartigen Szene machen sich mehrere Charaktere über die Regel "Nicht nach Mitternacht füttern" lustig. Zudem wird Kates Monolog aus Teil 1 parodiert, in dem sie erklärte weshalb sie Weihnachten hasst.

Die betroffene Szene fand ich bereits im ersten Film richtig mies, da ich nicht wirklich erkennen konnte ob Joe Dante sie als besonders makaber-verstörende Szene plante oder ob es wirklich fieser Humor sein sollte. Zwar liest man immer wieder, dass letzteres seine Intention war, doch so ganz kann ich es ihm nicht glauben. Vielleicht liegt es auch am wahrlich schlechten Schauspiel von Phoebe Cates, welche die Szene so undefinierbar zwischen trauernd, albern und schlichtweg bescheuert anlegte.
Ich sehe mich in der Vermutung, die Szene sei eigentlich ernst gemeint jedenfalls bestätigt. Warum sonst wurde sie im zweiten Film auf herrlich selbstironische Weise in Stücke gerissen, ebenso wie die ja sehr wohl ernst gemeinte, aber völlig undurchdachte, Fütterungsregel in Gremlins 2 angegriffen wird?

Allein schon wegen Szenen wie dieser ist Gremlins 2 nicht zwangsweise für die selben Zuschauer gedacht wie noch der Vorgänger, doch spätestens das letzte Drittel sollte endgültig unvorbereitete Zuschauer völlig von sich stoßen. Man muss wirklich in der Stimmung sein, sich solch genau durchdachten Schwachsinn, so zusammenhanglose Späße und sich immer weiter in sich hineinsteigernden Wahnwitz anzutun, und eine Ader für solche kruden Mischungen aus cartoonhaftem Slapstick, Selbstreferenzen und morbidem Humor muss man eh haben, um Gremlins 2 völlig zu würdigen. Doch dann lohnt es sich, nicht umsonst ist der zweite Film mein Gremlin-Favorit.
Es ist wie ein kaum noch familientauglicher Chuck-Jones-Cartoon in Spielfilmformat - kein Wunder, schließlich sind er und Joe Dante befreundet und Jones wirkte an Gremlins 2 mit und hat auch einen Cameo-Auftritt.

Bereits in den ersten Sekunden durchbricht der Film die so genannte vierte Wand, spricht offen aus, dass es nur ein Film ist und nicht alle Figuren sind mit ihm zufrieden. Mit Kritikern des ersten Teils wird hemmungslos augenzwinkernd abgerechnet und wenn die Gremlins das Genlabor für sich entdecken ist die Mutation des Films nicht mehr aufzuhalten. Die Gremlins nehmen alle möglichen Formen an, übernehmen das Clamp Center und den Film selbst, singen, tanzen, prügeln sich und zeigen eine Schwäche für überzogene und absolut aus dem Kontext gerrissene Parodien.

Glücklicherweise sind die Puppeneffekte in diesem Teil um einiges besser als noch in Teil 1, storygebunden ist auch das Design der Gremlins besser, da man sie leichter voneinander unterscheiden kann.

Schade nur, dass Joe Dante auf Steven Spielberg hörte, der fand, dass es in dem Film zu viele und zu viel von den Gremlins zu sehen gibt, und deshalb allerhand Szenen rausschnitt. Was Spielberg damit bezweckte will sich mir nicht völlig erschließen. Gremlins 2 wirft auch in dieser etwas erleichterten Version sämtliche Konventionen über Bord und badet sich förmlich in seiner Gremlinhaftigkeit - wer damit nichts anfangen kann wird den Film so oder so hassen, egal ob er noch zehn weitere Minuten total abdreht, oder nicht. Wer den Humor dagegen gut findet, will mehr davon und würde Gremlins 2 in Joe Dantes ursprünglich geplanter Version besser finden.

Denn wenn etwas an Teil 2 stört, dann ist es die lange Wartezeit auf den Höhepunkt, und vielleicht noch die offene Frage, ob man die ganze Horroranarchie nicht vielleicht hätte beibehalten können und dabei trotzdem noch eine packende Geschichte hätte erzählen können.

Einen dritten Teil wünsche ich mir dennoch nicht. Ein noch verrückterer Gremlins-Film würde bloß wie eine Kopie des zweiten Films wirken - und ein weniger überdrehter sähe nach diesem genialen zweiten Teil nur halbgar aus.

Tipp an alle, die nun Lust haben sich diese Filme anzuschauen: Die Gremlins-Filme laufen am 26.12.2008 auf RTL II ab 20.15 Uhr!

Sonntag, 21. Dezember 2008

Alan Rickman spricht über "Alice in Wonderland", kündigt Stop-Motion-Elemente an

Tim Burtons kommende Adaption von Alice in Wonderland deutet ja schon länger an, ein wahres Freudenfest für Kinofans allgemein und Burton-Fans im Besonderem zu werden. Doch so langsam wird es wirklich zum reinen Spektakel.
Dass Burtons Alice Spielfilm- und Motion-Capturing-Elemente vereint ist ja schon länger bekannt, doch nun verriet Alan Rickman, dass Tim Burton auch seine geliebte Stop-Motion-Technik einfließen lassen wird.
Gegenüber Buzzine.com sagte Rickman, dass man sein Gesicht im endgültigen Film auf den Körper der per Stop-Motion animierten Raupe setzt. Auch Helena Bonham Carters Figur vereint echte Elemente mit Computertricks, da ihr Kopf im Film ums dreifache vergrößert wird.

Burton möchte in Alice wohl tatsächlich seinem visuellen Einfallsreichtum freien Lauf lassen - eine Mischung aus Motion Capturing, Spielfilm und Stop Motion schreit gerade zu nach Innovation. Zwar bezweifle ich, dass das durchschnittliche Publikum damit viel anfangen kann (dem wird es wohl zu abgedreht), doch die Banausen können meckern so viel sie wollen. Falls sie überhaupt meckern können, vielleicht werden sie von Burtons Einmaligkeit auch einfach (und endlich) Mal umgeblasen.

WALL•E, Jahresbestenlisten und Oscar-Buzz

Wenn die Acadamy of Motion Picture Arts & Sciences daran interessiert ist meine Nerven zu schonen, übergibt sie in dem Moment in dem ich diesen Beitrag zu Ende getippt habe WALL•E in Folge einer spontanen Laune den Oscar für den besten Film und den besten Animationsfilm des Jahres.

Das wird leider nicht eintreffen und deshalb stürze ich mich zum verkürzen der Wartezeit auf die nächsten größeren Oscar-Meldungen in die Jahresbestenlisten von Kritikern, Vereinigungen und ähnlichem. Die neusten Erkenntnisse und Ergebnisse der letzten Tage möchte ich euch nun an dieser Stelle präsentieren:
WALL•E wurde von den Dallas-Fort Worth Critics zum besten Animationsfilm des Jahres gewählt (gefolgt von Kung Fu Panda) und landete auf Platz Neun der Jahresbestenliste (Platz 1 bekam Slumdog Millionaire, Platz 2 Milk und Bronze ging an The Dark Knight), die "Toronto Film Critics" ernannten WALL•E zum drittbesten Film des Jahres (hinter Rachel Getting Married und dem Sieger Wendy and Lucy), wurde zum Animationsfilm des Jahres ernannt und Andrew Stanton erhielt den dritten Preis für die Regie des Jahres (Gewinner war Jonathan Demme für Rachel Getting Married).

Lisa Schwartbaum von Entertainment Weekly setzte das Pixar-Meisterwerk auf Platz 1 ihrer Bestenliste, genauso wie der AV Club, der über WALL•E nur lobende Worte übrig hat.

Die Chicago Film Critic Association schließlich überhäufte den Film über das meiner Meinung nach romantischste Filmpaar aller Zeiten mit mehreren Preisen: Bester Film, Bestes Original-Drehbuch, Bester Animationsfilm und Beste Musik.

Da verkraftet man doch den relativ undankbaren zehnten Platz in Edgar Wrights Jahresbestenliste, erst Recht wenn man bei Awards Daily einen ausführlichen Artikel spendiert bekommt, weshalb man zusammen mit Slumdog Millionaire eigentlich ordentlich bei den Oscars abräumen sollte.

Eine dringende Leseempfehlung ist übrigens dieser Artikel von Gold Derby, in dem zahlreiche Insider gerfagt werden, ob sie eine Nominierung in der Kategorie Bester Film für realistisch halten.
Hier ergibt sich auch ein seltener Blick hinter die Oscar-Kulissen. Demnach schätzen die Oscar-Experten WALL•E als einen Film ein, der zahlreiche Erstnennungen erhält (jeder stimmberechtigte darf fünf Filme vorschlagen). Die Erstnennungen sind höher gewichtet, so dass WALL•E selbst wenn er in einigen Listen gar nicht genannt wird noch immer nominiert werden könnte. Das ist sehr wichtig für WALL•E, da vor allem Schauspieler dazu neigen gegen Trickfilme zu stimmen. Es gilt also, gerade diese Gruppe zu überzeugen oder sich trotz ihrer Ablehnung durchzusetzen.


Vor allem nachdem die Kritikervereinigungen aus LA und Chicago den Film ausgezeichnet haben, seien die Chancen größer geworden. Diese Preise waren eine Art Ritterschlag, eine offizielle Anerkennung als ernsthafter, relevanter Film, der um den Oscar kämpfen darf.

Natürlich gibt es weiterhin negative Stimmen, die meisten davon gönnen es WALL•E zwar, befürchten aber dass die Trickfilmkategorie sämtliche Chancen verbaut.
Mut macht aber eine ganz bestimmte Äußerung, nämlich die von Oscar-Insider Scott Feinberg:

"WALL•E kann selbstverständlich für den besten Film nominiert werden und dies wird tatsächlich überraschend oft in Gesprächen mit älteren Mitgliedern der Acadamy angesprochen, die weiterhin eine bedeutende Prozentzahl der Acadamy ausmachen. Die meisten von ihnen haben überhaupt kein Interesse fremdsprachige oder animierte Filme von der Hauptkategorie fernzuhalten, stattdessen suchen sie sich ganz einfach die Filme heraus, die sie im Jahr am besten fanden oder die sie ganz besonders genossen und schlagen sie als besten Film vor. [...] Und selbst wenn die Leute vom alten Schlag nicht sonderlich gespannt waren sich ihn anzusehen, kann man darauf setzen, dass ihre Enkel bei ihnen Interesse weckten. Das Fazit ist, dass jemand, der den Film gesehen hat einfach beeindruckt sein muss. Kinder sehen ihn auf ihrer Ebene und Erwachsene sehen ihn als einen modernen 2001: Odyssee im Weltall trifft Star Wars trifft Eine unbequeme Wahrheit. Es ist das Citizen Kane der Animation... und obwohl Citizen Kane seinem Oscar beraubt wurde, wurde er immerhin nominiert!"

Citizen Kane ist ein Film, den ich wohl nie zu meinen persönlichen Schätzen zählen werde, doch er ist, wenn ich ihn rein objektiv bewerten will, tatsächlich einer der besten und (mehr noch) einer der wichtigsten Filme aller Zeiten. Bedenkt man dann noch, welche Stellung er bei Filmexperten allgemein nimmt, und dass bislang die meisten WALL•E-Anhänger wohl Angst hatten, dass sich gerade die älteren Jurymitglieder gegen ihn wenden könnten, ist diese Meldung fast schon ein Befreiungsschlag.

Weiterführende Artikel: